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Ein Rückblick auf den Vortragsabend „Die verlorene Nacht“

Die Auftaktveranstaltung zur NABU-Kampagne gegen Lichtverschmutzung hatte den Titel „Die verlorene Nacht“. Das Thema, das mit einer schwindenden Biodiversität der nächtlichen Tierwelt in Zusammenhang gebracht wird, sollte an diesem Abend in seinem Einfluss auf den Menschen betrachtet werden. 

 

Passend zum Namen der Kampagne „Auch Löwen brauchen Dunkelheit“ ging in einer kleinen Videosequenz vor Braunschweiger Kulisse die Sonne unter, während gleichzeitig der Löwe in die nächtliche Geräuschkulisse der Savanne eintauchte. Nach dieser kurzen Einführung begrüßte der 1. Vorsitzende des NABU Braunschweig Hans Henning Gerberding die  Gäste im kleinen Saal der Brunsviga.  Als Referenten geladen waren die die Buchautorin und Waldheilpädagogin Nicole Schaa aus Wolfsburg sowie  der Astrofotograf der Sternwarte  Hondelage Thomas Stahr.

 

Nicole Schaa. stimmte die Besucher zunächst mit demeigenen Gedicht „Ehre der Nacht“ auf die Bedeutung von Dunkelheit und Nacht ein und ermutigte sie darin, die eigenen Wurzeln und Bedürfnisse tiefgründig zu erspüren, das mystische Element „Nacht“ wieder mehr zu achten und  unsere vernachlässigten anderen Sinne wieder zu stärken.

 

Hans-Henning Gerberding wiederum versuchte, die offensichtlichen Ursachen für unsere Bedürfnisse nach Licht und die weniger offensichtlichen nach Dunkelheit aus der Millionen von Jahren dauernden Geschichte der Menschheit abzuleiten. Während in den Anfängen der Mensch in langen Nächten zu Inaktivität verdammt war und es als größere nächtliche Lichtquelle ausschließlich den Mond gab machte eine Vielzahl von Erfindungen in immer kürzeren Zeitabständen die Nacht zunächst kollektiv dann individuell immer einfacher unterbrechbar – mit vielen Vorteilen. Meilensteine waren die Erfindungen der Zündhölzer zu Anfang des 19. Jahrhunderts und die der Elektrizität, die ab 1870 sukzessive in die Häuser kam.  Aber das, an was sich der Mensch in Hunderttausenden von Jahren in Form eines zirkardianen Tag /Nacht Rhythmus gewöhnt hatte, ist in den letzten 200 Jahren komplett aufgehoben worden – mit Folgen.

Beleuchtungen öffentlicher Bereiche, die Einführung von Schichtarbeit, die privaten zunehmenden Nachtunterbrechungen – heute autonom auch von unseren Kindern bestimmbar – haben eine Vielzahl unangenehmer Nebeneffekte wie Schlaf- und Konzentrationsstörungen. Insbesondere Kinder und Jugendliche sind aufgrund ihrer intensiven – auch nächtlichen – Nutzung digitaler Geräte besonders davon betroffen.

 

Der sich daran anschließende Vortrag von Thomas Stahr beschäftigte sich mit den heute zu beobachteten Formen der Lichtverschmutzung. Die Astronomen verzeichnen seit Jahren insbesondere über unseren Städten Lichtglocken und messen deren Helligkeit in einer von 1 bis 9 reichenden Bortle Skala. Dadurch kann  eine  früher  durchaus mögliche Beobachtung unserer Milchstraße aus Städten heute gar nicht mehr  erfolgen.

 

Aber von Anfang an: Die heute in vielen kalten LEDs aber auch XENON Scheinwerfern intensiven spektralen Blauanteile führten zu emotionaler Anregung und verhinderten ein schnelles Einschlafen. Ein unruhiger und verkürzter Schlaf stört die Melatonin Ausschüttung und macht wissenschaftlich bestätigt auf Dauer krank. Typische Kennzeichen von zu wenig Schlaf  sind  eine fehlende Tiefschlafphase und  fehlendes Träumen, typische Krankheiten Burnout/ CFS, bei Kindern die Entwicklung von ADHS, Adipositas, Autoimmun-Erkrankungen und leider auch Krebs.

 

Aus den genannten Gründen, aber vor allem wegen der Ausübbarkeit ihres uralten Hobbies engagiert sich die Sternwarte gegen Lichtverschmutzung. Diese hat in den letzten Jahrzehnten leider immer weiter zugenommen. Es  geht  aber mit deutlich weniger und vor allem umweltverträglicherer Beleuchtung,  wie es z.B. Städte wie Fulda zeigten.

 

Dass  der Vortragende seinem Publikum dennoch tolle Fotoaufnahmen von Sternbildern zeigen konnte, lag u.a. an Expeditionen nach Namibia – einem Land mit Regionen niedrigster Lichtverschmutzung. (Bortle 1) sowie einer ausgefeilten Belichtungstechnik, die die von Satelliten gezogenen Himmelsstriche wegfiltert.

Mit diesen atemberaubenden uns Anwesende erdenden Bildern ging ein erlebnis- und facettentreicher Abend zu Ende. 

 

Der NABU Braunschweig bedankte sich bei den Vortragenden mit einer Probe des von der eigenen Streuobstwiese geernteten Apfelsafts.