Der NABU Braunschweig hat zu dieser Veranstaltung in der Brunsviga eingeladen und mit Walter Wimmer einen der Braunschweiger Top-Experten als Referenten gefunden.
Der Diplombiologe und heutige Dezernatsleiter des NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küste und Naturschutz) Geschäftsbereich „regionaler Naturschutz“ blickt auf über 30 Jahre Erfahrung und viele Nachtexkursionen gerade zu diesem Thema zurück.
Entsprechend war sein Informationsangebot breit, fundiert und mit vielen tollen Bildern staffiert. Natur- und Artenschutz und die beobachteten Vorgänge werden immer wieder am Rückgang von Insekten und den negativen Veränderungen unserer Vogelwelt festgemacht. Bezüglich Mollusken, zu denen sowohl die Schnecken als auch die Muscheln mit weltweit geschätzten 100.000 Arten gehören, gibt es kaum Aussagen.
Das läge auch daran, dass die Anzahl an wirklichen Experten zu diesem Thema sehr rückläufig sei.
Die Bevölkerung und vielleicht auch die Politik nehme in diesem Feld keine Bedrohung durch Klima, Vergiftung oder andere Faktoren wahr. Im Gegenteil: Das Jahr 2024 war zumindest für Braunschweig und die ganze Umgebung eine riesige Schneckenplage und auch 2025 waren wieder viele Nacktschnecken unterwegs. Gibt es also mittlerweile weniger Feinde, die diese massive Ausbreitung in früheren Jahren verhindert haben?
Auch Walter Wimmer konnte diese Frage nicht abschließend beantworten, berichtete aber, dass diese Massenvermehrung vorwiegend die „spanische Wegschnecke“ beträfe und die hätte es auf Gemüsepflanzen, Stiefmütterchen, Dahlien und andere Stauden abgesehen. Und es gäbe neben Absammeln und schneller humaner Tötung durch heißes Wasser kaum weitere Bekämpfungsstrategien.
Insbesondere Schneckenkorn und Gift würden am Ende auch Igel und unsere Vögel treffen.
Tatsächlich sind die Schnecken ein gravierender Teil unseres Ökosystems und stark mit vielen anderen Arten vernetzt. Sie fressen u.a. verendete Tiere, Artgenossen, Hundekot, Schlamm, Algen, Pilze, Flechten und stellen damit eine Art Gesundheitspolizei und Aufräumdienst im Tierreich dar.
Insbesondere auch die Gehäuseschnecken, die Arten von Heideschnecken, Glanzschnecken, Weinbergschnecken seien für unsere Gartenpflanzen keine Bedrohung.
Schnecken seien für viele Tierarten selbst Nahrungsgrundlage, z.B. für unsere geliebten Glühwürmchen im Raupenstadium, für viele Würmer aber auch Vögel wie Drosseln. Igel und Fuchs gehörten auch dazu.
Der Referent gab darüber hinaus Grundlageninformationen, z.B. wie man Schnegel von Schnecken unterscheiden kann aber auch faszinierende Details zur Vermehrung dieser zwittrigen und in einigen Fällen sogar zur Parthenogenese (Jungfernzeugung) fähigen Lebewesen. Beeindruckend – der in Bildern festgehaltene Liebesakt zweier Tigerschnegel.
Trotz der beschränkten eigenen Fortbewegungsgeschwindigkeit schaffen es immer wieder neue Arten, sich hier regional anzusiedeln. Das läge an der Globalisierung, an Baumärkten und deren Pflanzenimporten, die immer wieder blinde Passagiere beförderten. Dass diese dann in unseren Gärten landen, ist kaum zu verhindern.
Hatte Ende des 19. Jahrhunderts Victor v. Koch – ein Pionier der Schneckenforschung – noch versucht, hübsche mediterrane Arten hier in Braunschweig anzusiedeln – er war am Ende erfolglos – versuchen wir heute, die Invasion fremder Arten zu verhindern. Denn viele heimische Arten wie der Bierschnegel, fast alle Brunnenschnecken, einige Heideschnecken, die kugelige Flussmuschel sind kaum noch anzutreffen. Sie sind nur einige der 18% vom Aussterben bedrohten Arten in der 332 Einträge umfassenden roten Liste für Binnenmollusken. Und die Anzahl der Standorte geht weiter zurück.
Was ist also zu tun? Walter Wimmer gab dazu noch einmal einen Ausblick und einen Appell hin zu mehr Forschung und die Herstellung intakter Lebensräume.
Am Ende des Vortrags stellte er sich den Fragen des Publikums und nahm mit Interesse auch eine Standortmeldung entgegen. Und so ging für die ca. 50 Besucher ein sehr informationsreicher und gleichzeitig kurzweiliger Abend zu Ende.
Als kleines Dankeschön seitens des NABU Braunschweig wurde dem Referenten ein Karton Apfelsaft von der NABU-eigenen Streuobstwiese überreicht.
Hhg
