Bezirksgruppe Braunschweig e.V.


ViSdP: Carlo Fuchs (1. Vors.)

Aktuelles
zu
Natur- und Umweltschutz für Braunschweig und Niedersachsen

28. Februar 2014
(herausgegeben vom NABU, Bezirksgeschäftsstelle Braunschweig)
Verbot von Rückschnittmaßnahmen vom 01. März bis zum 30. September
Leinenpflicht für Hunde im Wald und in der freien Natur vom 01. April bis 15. Juli, in Naturschutzgebieten (NSG) ganzjährig

(Braunschweig) - Der Naturschutzbund (NABU) weist darauf hin, dass es in dem seit 1. März 2010 gültigen Bundesnaturschutzgesetz in Paragraph 39 heißt: 'Es ist verboten, Bäume, die außerhalb des Waldes, von Kurzumtriebsplantagen oder gärtnerisch genutzten Grundflächen stehen, Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September abzuschneiden oder auf den Stock zu setzen; zulässig sind schonende Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses der Pflanzen oder zur Gesunderhaltung von Bäumen.' Da dieses Verbot außer- wie auch innerorts gilt, fallen Bäume im Privatgarten genauso unter das Fällverbot, wie auch Hecken und Gebüsche während des genannten Zeitraums nicht gerodet, radikal gekürzt oder erheblich beschädigt werden dürfen. Zuwiderhandlungen können nach dem NNatG mit einer Geldbuße bis zu 50.000 Euro geahndet werden. Zudem sind die Brut-, Setz- und Aufzuchtplätze unserer wildlebenden Tiere ganz allgemein durch das Niedersächsische Naturschutzgesetz geschützt. Für die erlaubten Pflegeschnitte gilt weiterhin der Appell, auch diese in der Hauptbrutzeit der Vögel von März bis Juni möglichst zu unterlassen.

In diesem Zusammenhang macht der NABU außerdem darauf aufmerksam, dass das Niedersächsischen Gesetzes über den Wald und die Landschaftsordnung (NWaldLG) vom 21.03.2002 (Nieders. GVBl. S. 112) festlegt, dass Hunde in Waldflächen und der freien Landschaft vom 01. April bis 15. Juli nur an der Leine geführt werden dürfen. In den Naturschutzgebieten (NSG), wie z. B. in „Riddagshausen“, besteht für Hunde überdies eine ganzjährige Leinenpflicht.

Während der Brut-, Setz- und Aufzuchtzeit sind bodenbrütende Vögel und generell die Jungtiere freilebender Tierarten besonders durch stöbernde Hunde gefährdet. Selbst die Anwesenheit von Hunden kann in der Natur die freilebenden Tiere schädlich beeinträchtigten. So ist allein schon die Witterung des Hundes für unsere heimischen Säugetiere ein Alarmsignal eines Feindes und beunruhigt sie sehr stark und nachhaltig bei der der Aufzucht und Pflege der Jungtiere. Auch wenn ein Hund den Tieren nicht nachstellt und sich nur wenig vom Weg entfernt, steht die Hundewitterung für längere Zeit in der Nähe der Kinderstuben und stört den natürlichen Lebenslauf von Hasen und Rehen bis hin zum tödlichen Verlassen der empfindlichen Jungtiere.

Der NABU bittet alle Hundehalter, die gesetzlichen Bestimmungen hinsichtlich des Leinenzwanges unbedingt zu beachten. Rücksichtslose Zeitgenossen seien darauf  hingewiesen, dass Verstöße gegen diese gesetzlichen Regelungen keine Kavaliersdelikte sind, sondern als Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße bis zu 5.000 Euro geahndet werden können. Werden hierbei wildlebende Tiere unnötig beunruhigt, verletzt oder gar getötet, so kann dies nach Niedersächsisches Naturschutzgesetz (NNatG) ebenfalls mit einer Geldbuße bis zu 50.000 Euro geahndet werden.

 

 

27. März 2012
(herausgegeben vom NABU, Bezirksgeschäftsstelle Braunschweig)
Leinenpflicht für Hunde im Wald und in der freien Natur vom 01. April bis 15. Juli

(Braunschweig) - Der Naturschutzbund (NABU) weist darauf hin, dass nach den Bestimmungen des Niedersächsischen Gesetzes über den Wald und die Landschaftsordnung (NWaldLG) vom 21.03.2002 (Nieders. GVBl. S. 112) Hunde in Waldflächen und der freien Landschaft vom 01. April bis 15. Juli nur an der Leine geführt werden dürfen. In den Naturschutzgebieten, wie z. B. in „Riddagshausen“, besteht für Hunde überdies eine ganzjährige Leinenpflicht.

Während der Brut-, Setz- und Aufzuchtzeit sind bodenbrütende Vögel und generell die Jungtiere freilebender Tierarten besonders durch stöbernde Hunde gefährdet. Insbesondere in Wiesen streunende Hunde sind oft die Ursache für das tödlichen Verlassen von Gelegen oder empfindlichen Jungtiere. Selbst die Anwesenheit von Hunden kann in der Natur die freilebenden Tiere schädlich beeinträchtigten. So ist allein schon die Witterung des Hundes für unsere heimischen Säugetiere ein Alarmsignal eines Feindes und beunruhigt sie sehr stark und nachhaltig bei der der Aufzucht und Pflege der Jungtiere. Auch wenn ein Hund den Tieren nicht nachstellt und sich nur wenig vom Weg entfernt, steht die Hundewitterung für längere Zeit in der Nähe der Kinderstuben und stört den natürlichen Lebenslauf von Hasen und Rehen.

Der NABU bittet alle Hundehalter, die gesetzlichen Bestimmungen hinsichtlich des Leinenzwanges unbedingt zu beachten. Rücksichtslose Zeitgenossen seien darauf  hingewiesen, dass Verstöße gegen diese gesetzlichen Regelungen keine Kavaliersdelikte sind, sondern als Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße bis zu 5.000 Euro geahndet werden können. Werden hierbei wildlebende Tiere unnötig beunruhigt, verletzt oder gar getötet, so kann dies nach dem Niedersächsischen Naturschutzgesetz (NNatG) sogar mit einer Geldbuße bis zu 50.000 Euro geahndet werden.

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07. April 2010
(Kurzstellungnahme des NABU Braunschweig)
Stellungnahme des NABU zum Brauchtum "Osterfeuer"

Osterfeuer sind zwar Brauchtum, aber viele der heutigen Osterfeuer haben ganz offensichtlich nur wenig mit Brauchtumspflege zu tun. Oder glaubt irgendjemand, die alten Germanen hätten tonnenweise mit Schubkarren frisches Schnittgut aus dem Bauerngarten angekarrt? Damals wurde Alt- und Totholz aufgeschichtet, heute geht es größtenteils um das bequeme und zudem kostenlose Entsorgen von zumeist sogar kompostierbarem Gartenschnitt. Das belegt auch die Tatsache, dass inzwischen fast jeder Gartenverein sein eigenes Osterfeuer anlegt, was früher so nie der Fall war. Heute brennen in Sichtweite eine Unzahl von Feuer - das ist kein Brauchtum. Die schädlichen Auswirkungen auf uns und unsere Umwelt sind uns heute bekannt und darum sollte zumindest darüber nachgedacht werden, die Anzahl auf einige wenige tatsächliche Osterfeuer zu begrenzen. Und monumentale Ausmaße von 25 Metern Durchmesser oder mehr, die manche Entsorgungshügel heute aufweisen, müssen auch nicht sein. Davon abgesehen, ist für viele Käfer und andere Insektenarten gerade Totholz wertvoller Lebensraum, der in unserer aufgeräumten Umwelt in zunehmenden Maße fehlt, so dass die Roten Listen immer länger werden.

 

18. November 2009
(Pressemitteilung des NABU Braunschweig)
Stellungnahme des NABU zur Bejagung der Rabenkrähe

Nach der Niedersächsischen Landesjagdzeitenverordnung darf die Rabenkrähe in der Zeit zwischen dem 01. August und dem 20. Februar bejagt werden. Über Sinn oder Unsinn der Bejagung dieser Art kann man unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten heutzutage nicht mehr streiten. Außerdem muss man wissen, dass die Rabenkrähen ab dem Herbst, wenn die Nächte länger werden, anfangen, Schlafplatzgemeinschaften zu bilden. Diese Gemeinschaften, die oftmals auch tagsüber als großer Verbund bei der Nahrungssuche auf Feldern anzutreffen sind, lösen sich meist ab Mitte Februar wieder auf. Wie man unschwer feststellen kann, ist der Zeitraum dieser ab Herbst anwachsenden Gemeinschaften fast identisch mit der Jagdzeit. Wenn man nun die als ökologisches Allgemeinwissen zu betrachtende Tatsache berücksichtigt, dass es sich bei den hohen Individuenzahlen dieser Jahreszeit vielfach um ortsfremde Tiere, sprich um Überwinterer handelt, muss man kein Nobelpreisträger sein, um zu erkennen, dass hier zu einem nicht unerheblichen Teil Zugvögel abgeschossen werden.

Von der unvertretbaren Bejagung von Wintergästen einmal abgesehen, sind die als Begründung für einen Abschuss immer wieder zitierten Argumente einer angeblichen Gefährdung anderer Singvogelarten, von sogenanntem Niederwild oder von erheblichen Schäden in der Landwirtschaft nach allen seriösen wissenschaftlichen Untersuchungen nicht haltbar und mehrfach widerlegt worden. Allen voran hat das Bundesamtes für Naturschutz (BfN) in seinem 252 Seiten starken Veröffentlichung "Aaskrähe, Elster und Eichelhäher in Deutschland" (Mäck & Jürgens 1999) hierzu klar Stellung bezogen, nämlich dass eine flächendeckende Bejagung weder fachlich noch ethisch-moralisch zu rechtfertigen ist. Die derzeitige jagdliche Praxis, Rabenkrähen zu "regulieren", also zu töten, wird in der Regel ohne Nachweis pauschal mit dem Schutz der heimischen Tierwelt und der Abwendung erheblicher landwirtschaftlicher Schäden begründet. Weder die angeblichen Schäden noch ein "Erfolg" im Sinne einer zunehmenden Artenvielfalt anderer Singvögel nach erfolgtem Töten von Rabenvögeln ließ sich jedoch bisher wissenschaftlich nachweisen (z.B. Mäck u.a. 1999, Mäck & Jürgens 1999, Haupt 2000). Darüber hinaus wird zudem die wichtige Rolle der Rabenkrähe im Naturhaushalt als Aasvertilger aber auch Nestbauer für andere Arten, wie z. B. Turmfalke, Baumfalke und Waldohreule, immer wieder ignoriert.

Es wäre wünschenswert, wenn man auch in dem in puncto Rabenvögelbejagung überwiegenden Teil der Jägerschaft von antiquiertem Denken abrücken und moderne wissenschaftliche Erkenntnisse, wie sie das Bundesamtes für Naturschutz (BfN) für jedermann nachlesbar zusammen getragen hat, zur Kenntnis nehmen würde. Dazu zählt natürlich auch die Einstellung der Jagd auf Überwinterungsgäste. Außerdem gehört es bereits seit langem zum ökologischen Allgemeinwissen, dass nur eine Abkehr von der modernen, intensiven und industrialisierten Landwirtschaft wieder zu einer höheren Artenvielfalt in der Kulturlandschaft und somit auch zu einer lebenswerteren Umwelt für uns Menschen führen kann - mit mehr Raum für alle wildlebenden Tiere.

Literaturverzeichnis (Auswahl entsprechend Zitate PM):
-- Haupt, H. (2000): Welche Gründe gibt es für eine landesweite Jagd auf Rabenkrähe und Elster? Charadrius 36: 101-103.
-- Mäck, U. (1998): Populationsbiologie und Raumnutzung der Elster in einem urbanen Raum; Dissertation. Ökologie der Vögel, Band 20, Heft 1, 215 Seiten.
-- Mäck, U., M.-E. Jürgens, P. Boye & H. Haupt (1999): Aaskrähe (Corvus corone), Elster (Pica pica) und Eichelhäher (Garrulus glandarius) in Deutschland. Betrachtungen zu ihrer Rolle im Naturhaushalt sowie zur Notwendigkeit eines Bestandsmanagements. Natur und Landschaft 74: 485-493.
-- Mäck, U. & M.-E. Jürgens (1999): Aaskrähe, Elster und Eichelhäher in Deutschland. Bericht über den Kenntnisstand und die Diskussionen zur Rolle von Aaskrähe (Corvus corone), Elster (Pica pica) und Eichelhäher (Garrulus glandarius) im Naturhaushalt sowie die Notwendigkeit eines Bestandsmanagements. BfN-Schriftenreihe, Bonn-Bad Godesberg, 252 Seiten.

 

28. Oktober 2009
(Pressemitteilung des NABU Braunschweig)
Stellungnahme des NABU zur vorgesehenen Fahrradwege-Beschilderung im Europareservat

Die Verwendung von über 4 m Meter hohen Eisenrohren als Befestigungspfähle ist für das Europareservat völlig inakzeptabel. Eine derartige Beschilderung a la Verkehrsübungsplatz beeinträchtigt das Landschaftsbild auf unangemessene Weise und stört das ästhetische Empfinden der Natursuchenden. Hier hat man bei Bellis wenig Fingerspitzengefühl gezeigt und offenbar fehlt es auch an Ortskenntnis. Die Wegebeschilderung im Schutzgebiet gibt hinreichend Vorgaben, wie eine ergänzende Beschilderung auszusehen hat - nämlich aus Holz! Bereits in den Gebietseingängen wie dem Dr.-Berndt-Weg oder dem Dr.-Willke-Weg kann man die Hartholzpfähle begutachten - und sie haben ihre Haltbarkeit bei sachgemäßer Aufstellung bereits über Jahrzehnte bewiesen!
Was im bebauten Stadtgebiet verwendet wird, kann man nicht einfach in ein Naturschutzgebiet übertragen. Das muss man auch bei Bellis nachvollziehen können und die neue Beschilderung der vorhandenen anpassen. 

 

30. September 2009
(Pressemitteilung des NABU Braunschweig)
NABU und Bürgerinitiativen erzielen ersten Teilerfolg
Bundesverwaltungsgericht verhindert die Schaffung vollendeter Tatsachen am Braunschweiger Flughafen

Der NABU und die Bürgerinitiativen gegen die Startbahnverlängerung des Braunschweiger Flughafens haben beim Bundesverwaltungsgericht einen vorläufigen Teilerfolg erzielt. Das Gericht entsprach jetzt kurz vor einem ab 01. Oktober möglichen Fällen von 60.000 Bäume indirekt dem Eilantrag der Startbahngegner auf einen sogenannten "Hängebeschluß" zur Sicherung des effektiven Rechtsschutzes, indem es die Flughafen GmbH schriftlich aufgefordert, sicherzustellen, "dass mit dem Bau- oder sonstigen Maßnahmen", die unserem Antrag auf Zulassung zur Revision zuwiderlaufen, noch nicht begonnen wird. Dies hat die Flughafen GmbH im Laufe des Tages durch ihren Anwalt schriftlich eingeräumt, ebenso, dass man das Eigentum der zur Klägergemeinschaft gehörenden Siegrid Böse, also deren vom Planfeststellungsbeschluß betroffene Wald- und Ackergrundstücksflächen, unangetastet lassen muss, bis "die entsprechenden öffentlich-rechtlichen und zivilrechtlichen Voraussetzungen vorliegen". Dies bedeutet letztendlich aufschiebende Wirkung bis zu einer endgültigen Entscheidung des Gerichts über die Nichtzulassungsbeschwerde des NABU gegen die verweigerte Revision. Das Bundesverwaltungsgericht kann nun in aller Ruhe die 54-seitige Beschwerdeschrift prüfen und dann eine endgültige Entscheidung treffen. Der 7. Senat des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg hatte in seinem Mitte Mai verkündeten Urteil pro Startbahnverlängerung gleichzeitig auch die Möglichkeit zur Revision vor dem Bundesverwaltungsgericht verweigert. Hiergegen geht die Klägergemeinschaft um den NABU nun vor, da man in die Revision gehen will.

Wir freuen uns, dass das Gericht mit seiner Entscheidung die verlautbarte Bestrebung des Aufsichtsrates der Flughafen GmbH verhindert hat, nicht den rechtsgültigen Verfahrensabschluß abzuwarten sondern mit de Abholzungen der rund 60.000 Bäume zu beginnen - und somit vollendete Tatsachen zu schaffen. Allerdings heißt dies für uns noch nicht, dass wir jetzt in Ruhe die Füße hochlegen werden, da der Aufsichtsratsvorsitzende der Flughafen GmbH, CDU-Ratsherr Reinhard Manlik, gestern Abend in einem Interview auf Radio Okerwelle erklärte, unabhängig von dem Klageverfahren gegen den Planfeststellungsbeschluß wolle man aber trotzdem für den Betrieb des Flughafens erforderliche Maßnahmen zur Hindernisfreiheit durchführen. In diesem Zusammenhang erwähnte er einmal mehr den Begriff "Rodung". Entweder ist Herr Manlik wieder einmal mangelhaft über die rechtliche Situation informiert und braucht dringend Nachhilfe, oder er betreibt einmal mehr Desinformationspolitik. Tatsache ist, dass für den Betrieb des Flughafens höchstens eine standardisierte Hindernisfreiheit von 1:30 hergestellt werden könnte, dass heißt, gemessen ab der sogenannten Schwelle gegen Ende der Startbahn wird bei imaginärer Verlängerung die Entfernung bis zu einem Hindernis durch 30 geteilt. Alles, was jeweils höher wäre, könnte durch Baumschnittmaßnahmen höchstens eingekürzt werden - und nicht gerodet! Bei der ungefähren Entfernung zum Waldrand von 630m dürften z. B. die Bäume dort 21m hoch sein und nur alles darüber hinaus ragende dürfte gekappt werden! Gerodet werden darf dort gar nichts - und wir werden ab Donnerstag jede dort stattfindende Aktion genau im Auge behalten, damit dort auch genau diese Vorgabe eingehalten wird! Unsere ab 01. Oktober 06 Uhr angesetzten "S.O.S.-Naturerlebnistage im Querumer Forst" werden deshalb wie angekündigt durchgeführt.

Damit wir unseren Klageweg gegen die nicht zwingend erforderliche Verlängerung der braunschweiger Startbahn - beschlossen nur aus Prestigegründen und wegen geringfügiger Unbequemlichkeiten für das Management von VW und das DLR -, letztlich auch finanziell durchhalten können, müssen wir alle Naturfreunde aktuell dringend zu Spenden aufrufen! Rund 666 x 30,- Euro sind doch wohl zu schaffen!!!
Sonderspendenkonto für den Erhalt von 60.000 Bäumen des Querumer Waldes:
NABU Braunschweig , Nord LB , BLZ 250 500 00 , Kto.-Nr. 150 501 369

 

23. September 2009
(Pressemitteilung des NABU Braunschweig)
Flughafen GmbH will vollendete Tatsachen schaffen – NABU ruft Bundesverwaltungsgericht an

(Braunschweig) - In einem Artikel der Braunschweiger Zeitung vom 23.09. wird der Flughafen-Aufsichtsratsvorsitzende und CDU-Ratsherr Manlik mit der Aussage zitiert "Eine Klage sei nicht mehr möglich, es könne nicht mehr in der Sache verhandelt werden, das Urteil des OVG vom BVG nur noch auf Verfahrensmängel geprüft werden". Diese Aussage ist schlicht unwahr und soll offensichtlich nur dazu dienen, die Bürger/innen von weiteren Spendenunterstützungen für das Klageverfahren des NABU und der Bürgerinitiativen abzuhalten. Richtig ist, dass der NABU gegen die im Urteil des 7. Senats des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg verweigerte Möglichkeit einer Revision eine Nichtzulassungsbeschwerde eingereicht hat. Wenn dieser Beschwerde voraussichtlich durch das Bundesverwaltungsgericht stattgegeben wird, wovon wir fest ausgehen, dann wird vor dem Bundesverwaltungsgericht völlig neu verhandelt werden!!!

Wir stellen nicht das erste Mal fest, dass durch gezielte Fehlinformationen die Bürger/innen in die Irre geführt werden sollen - ein erbärmlicher Versuch, die Spendenunterstützung an uns zum  Versiegen zu bringen und uns so kurz vor Erreichen des Ziels doch noch in die Knie zu zwingen. Aber das ist bisher nicht gelungen und wird auch durch weitere Desinformation nicht gelingen, denn die Menschen wollen ihre Natur behalten. Deshalb werden auch weiterhin Spenden unseren Klageweg und damit die 60.000 Bäume im Querumer Wald am Leben erhalten.

Einen weiteren Eindruck seiner Glaubwürdigkeit lieferte der Flughafen-Aufsichtsratsvorsitzende und CDU-Ratsherr Manlik mit seiner in der BZ vom 12.09.2009 zitierten Zusicherung, dass die rund 60.000 Bäume vorerst stehen bleiben: „Wir wollen dort keine vollendeten Tatsachen schaffen, sondern eine Entscheidung des Gerichts abwarten.“ Ganze 11 Tage später in dem BZ-Artikel vom 23.09.2009, also kurz vor dem für die Flughafen GmbH frühestmöglichen Abholztermin 01. Oktober, lautet die Aussage jetzt plötzlich „Wir werden nicht mehr warten!“. Einen derartigen Wortbruch muss man wohl nicht mehr kommentieren, er spricht für sich. Das gleiche gilt für seine in diesem Zusammenhang bei der Ratssitzung am 22.09. gebrauchte Wortwahl, dass die Fläche sofort „bereinigt" werden solle - rund 60.000 Bäume und sämtliches Leben dort! Respekt vor der Natur oder der Schöpfung sucht man hier wohl vergebens.

Im gleichen BZ-Artikel ( http://www.newsclick.de/index.jsp/menuid/2044/artid/11003155 ) erwecken die Aussagen Herrn Manliks zudem den Eindruck, dass das bis zum Zeitpunkt des Urteils Mitte Mai nicht durchgeführte Abholzen der betroffenen Bäume eine großzügige Freiwilligkeit des Flughafens darstellte. Dies ist jedoch reine Augenwischerei. Richtig ist, dass das Gericht die Flughafen GmbH zur "Freiwilligkeit" aufforderte, und zwar aus dem nachvollziehbaren Grund der eigenen Arbeitsminimierung, also um sich nicht schon vorab und somit doppelt mit dem Fall beschäftigen zu müssen. Wenn die Flughafen GmbH dem jedoch nicht hätte nachgekommen wollen, hätte man das Gericht - so deren Aufforderung - vorab benachrichtigen müssen. In diesem Falle hätte dann jedoch das Gericht aufgrund des vom NABU gestellten Eilantrages zur Wahrung des effektiven Rechtsschutzes über die aufschiebende Wirkung entschieden! 

Aber auch die im genannten BZ-Artikel zitierte Aussage des Vorsitzenden der SPD-Ratsfraktion, Pesditschek, man hätte dem Antrag der GRÜNEN im Rat der Stadt Braunschweig auf Abwarten bis zum rechtskräftigen Verfahrensabschluss nicht zugestimmt, weil "der Rechtsweg bis zur Kante ausgeschöpft worden" sei, verdient Beachtung. Entweder ist das einfach nur übelst fadenscheinig (auch die SPD-Ratsfraktion hatte wie CDU und FDP die Verlängerung der Start-/Landebahn damals im Rat mit beschlossen) oder es zeugt von sachlicher Unkenntnis - jeder mag selbst beurteilen, was schlimmer ist. In letzterem Fall hätte Herr Pesditschek vorher vielleicht einfach mal jemanden fragen sollen, der sich damit auskennt - oder statt in den Gelben Seiten sich gleich direkt beim NABU informiert! 

 

10. Juli 2009
(herausgegeben vom NABU Deutschland)
BVG stoppt Flughafenausbau Münster-Osnabrück
Klage des NABU NRW vor dem Bundesverwaltungsgericht erfolgreich

(Leipzig) - Der NABU begrüßt das gestrige Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes in Leipzig im Streit um den Flughafenausbau Münster Osnabrück. „Das ist ein Erfolg für den Naturschutz in Deutschland“, sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Das Gericht hat mit seinem Urteil klargestellt, dass die Abwägung zwischen öffentlichen Interessen und Naturschutzinteressen aufgrund belastbarer Daten und Fakten erfolgen muss.
Das öffentliche Interesse am Flughafenausbau wurde von den Richtern bezweifelt.
„Das Urteil hat aus Sicht des NABU grundsätzlichen Charakter für zukünftige Planverfahren, die FFH- und Vogelschutzgebiete betreffen“, so Miller weiter. „Wir freuen uns, dass die Leipziger Richter die Position des NABU heute gestärkt haben“, sagte Josef Tumbrinck, Vorsitzender des NABU NRW, der gegen das Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes NRW geklagt hatte. Immerhin hat der NABU den zwingenden Grund überwiegend öffentlichen Interesses am Ausbau des Flughafens stets bezweifelt, da die zugrunde liegenden prognostizierten Fluggastzahlen schlichtweg falsch sind.
Lebensraumzerschneidung von wertvollen Flächen
Konkret kritisiert hatte der NABU zudem die zerschneidende Wirkung des Ausbauvorhabens auf den Eltingmühlenbach und die damit einhergehenden negativen Auswirkungen auf den schützenswerten Lebensraumtyp des Erlen-Eschen-Auwaldes. Auch hätte im Rahmen der FFH-Verträglichkeitsprüfung ein fachliches Gutachten über die Auswirkungen der Lebensraumzerschneidung sowie Lärm- und Lichtverschmutzung durch den Flughafen auf die am Eltingmühlenbach festgestellten Fledermausvorkommen erfolgen müssen.
Lärm ist ein Gesundheitsrisiko
„Aus Kima- und Lärmschutzgründen müsste man solchen Flughafenausbauplänen generell eine klare Absage erteilen. Durch die höhere Klimawirksamkeit der Flugzeugabgase gehen schon über zehn Prozent der Erderwärmung auf das Konto des Flugverkehrs - Tendenz steigend“, so NABU-Bundesgeschäftsführer Miller. Flugzeuge sind das klimaschädlichste Verkehrsmittel. Der Gesetzgeber hat bisher jedoch ausgerechnet das klimaschädlichste Verkehrsmittel ungeschoren von Öko- und Mineralölsteuern gelassen. Hinzu kommt, dass die meisten Regionalflughäfen schlecht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind und der Lärm für viele Anwohner zum Gesundheitsrisiko wird. Für viele Regionalpolitiker geht es bei den kleinen Flughäfen nur ums Prestige. Miller: „Die kleinen Flughäfen sind meist ein Steuergeldgrab und erbringen nicht den erhofften Effekt für die regionale Wirtschaft und für Arbeitsplätze.“

 

08. Juli 2009
(gemeinsame Pressemitteilung des NABU Braunschweig und der Bürgerinitiativen Flughafen)
18.000 Euro für den Querumer Forst benötigt - ansonsten fällt der Wald
60.000 Bäume sind bedroht - Bürgerinitiativen und NABU kämpfen weiter
Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision
vor dem Bundesverwaltungsgericht (BVG) nur nach Ausgleich der noch offenen Kosten möglich!

(Braunschweig) - Der Kampf um den Erhalt des Querumer Forstes geht weiter: in einer gemeinsamen Presseerklärung der Bürgerinitiativen Flughafen und des NABU möchten wir der Bevölkerung jetzt mitteilen, dass wir nach eingehenden Beratungen zu dem Schluß gekommen sind, das Urteil des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Lüneburg trotz der verweigerten Revisionsmöglichkeit nicht hinzunehmen. Sowohl durch das Urteil selbst als auch durch die mündliche Urteilsbegründung sehen wir uns leider in unseren Befürchtungen bestätigt, dass der als besonders naturschutzunfreundlich bekannte 7. Senat des OVG die Klage möglicherweise unter der Prämisse angehen würde, den von uns aufgrund schwerster Mängel beklagten Planfeststellungsbeschluß (PFB) nicht außer Kraft zu setzen, sondern höchstens unwesentlich nachbessern zu lassen. Die in einem solch strittigen Fall unübliche Nichtzulassung einer Revision vor dem Bundesverwaltungsgericht (BVG) unterstreicht diese Einschätzung.

Obwohl wir zum Gerichtstermin aus Kostengründen nur zwei Gutachter beauftragen konnten und die bei der Verhandlung beigeladene Flughafengesellschaft mit einer ganzen Armada von Gutachtern auftrat, ist es uns dennoch gelungen, gleich mehrere schwere Mängel nachzuweisen, die selbst durch Nachbesserungen oder Auflagen nicht zu heilen gewesen wären. Wer an den beiden Verhandlungstagen anwesend war, konnte nur zu dem Resümee kommen, dass der Senat den PFB wird außer Kraft setzen müssen! Stattdessen mußten wir bei der Urteilsverkündung feststellen, dass die Punkte, wo selbst mit Ermessensspielraum nichts mehr zu retten war, einfach ignoriert wurden. Uns wundert daher nicht, dass der 7. Senat diese Entscheidung lieber nicht in der nächsten Instanz überprüfen lassen will! Nach unserer Einschätzung hatten wir die Verhandlung zweifelsfrei gewonnen, denn unsere entscheidenden Argumente konnte die Gegenseite nicht widerlegen – und deswegen wollen wir die Nichtzulassung der Revision auch nicht hinnehmen!

Zur Erinnerung: Noch kurz vor Ende der Gerichtsverhandlung hat der Vertreter der beklagten Niedersächsischen Behörde für Straßenbau und Verkehr ein eiligst zusammengeschustertes Sammelsurium an Nachbesserungen zum Planfeststellungsbeschluß eingereicht, darunter so ungeeignete Maßnahmen wie z. B. das Aufhängen von Nisthöhlen als Ersatzbrutplätze für die betroffenen Spechte! Richtig gelesen: Nisthöhlen für Spechte - einfach unglaublich! Das hat sogar das an beiden Tagen doch äußerst disziplinierte Publikum im Gerichtssaal zu allgemeinem Gelächter verleitet. Dass die Behörde noch Eingaben auf einem derart unterirdischen Niveau machte - was schon an Mißachtung des Gerichts grenzte - hat deutlich gezeigt, wie man nach dem Verlauf der Verhandlung aktuell selbst die eigenen Erfolgsaussichten einschätzte. Angefangen bei der angeblich notwendigen Startbahnlänge, deren exakte Berechnungsgrundlage schlicht fehlte, wie der Gutachter Faulenbach da Costa nachgewiesen hat, den mangelnden Artenschutzaspekten oder den völlig überflüssigen neuen Zurollwegen, die genauso, wie die angebliche unumgängliche Ostverlegung der Grasseler Straße, zusätzlich unnötig Wald vernichten.... Mängel über Mängel. Und die Auflagen, die das Gericht den Beklagten noch zur Prüfung aufgegeben hat? Darunter ist schlicht nichts, was die Bürger vor den nachteiligen Auswirkungen dieses Vorhabens schützen wird.

Auch wir haben stets betont, dass auch wir den Avionikcluster am Flughafen durchaus im Blick haben, aber die Startbahnverlängerung ist nach unseren Erkenntnissen weder für die Forschung erforderlich noch wird dadurch irgendein Arbeitsplatz gesichert oder neu geschaffen. Bemerkenswert war an der Urteilsverkündung im übrigen auch die Tatsache, dass das Gericht in seinem Urteil nicht bewertet hat, ob unterbrechungsfreie Langstreckenflüge von VW-Managern als zweiter Grund für die Startbahnverlängerung, wie bei der Verhandlung seitens VW vehement vorgetragen, tatsächlich im öffentlichen Interesse liegen. Neben der Anwerbung von zusätzlichem Flugbetrieb zur Absenkung des Finanzdefizites ist dies nach unserer Überzeugung jedoch der wahre Hintergrund für die Start-/Landebahnverlängerung: man will das VW-Managment ohne Rücksicht auf Mensch oder Natur nach Belieben und ohne lästigen Tankzwischenstop Interkontinentalflüge machen lassen können.... genauso wie man ohne Einschränkungen nachts starten oder landen will. Die gestörte Nachtruhe ganzer Ortsteile - gleichgültig! Peanuts!

Die Gesamtgröße der von der Erweiterung der Start-/Landebahn betroffenen Fläche des Landschaftsschutzgebiets „Querumer Wald und angrenzende Landschaftsteile“ beträgt sagenhafte 90 ha (= 900.000 qm)! Zur Verdeutlichung: das entspricht nach FIFA-Norm einer Größe von etwa 126 Fußballfeldern! Falls nun keine juristischen Schritte mehr gegen dieses Urteil unternommen werden würden, könnte die Stadt ab dem 01. Oktober mit dem Kahlschlag der ca. 60.000 Bäume in dem als wertvollem FFH- und EU-Vogelschutzgebiet ausgewiesenen Waldgebiet beginnen. Das für die Bevölkerung in Braunschweigs Norden so wichtige Naherholungsgebiet wäre damit unwiederbringlich verloren. Und dies trotz der Tatsache, dass dieses im Niedersächsischen Raumordnungsgesetz als Vorranggebiet für ruhige Erholung in Natur und Landschaft ausgewiesen ist. Nicht wenige Bürger haben das beliebte Waldgebiet bisher zu Spaziergängen und auch sportlichen Aktivitäten genutzt – und fühlen sich nun von den Politikern der Parteien (CDU, FDP, SPD) im Rat der Stadt Braunschweig, die den Ausbau damals entgegen dem Willen der rundum liegenden Ortsteile beschlossen haben, gelinde gesagt im Stich gelassen – mancher sagt auch „verraten und verkauft“. Natur-, Umwelt- und Klimaschutz wird neuerdings von allen beschworen, und hier werden die Interessen und die Gesundheit der Bürger von ganzen Stadtteilen einfach ignoriert. Ob zunehmende Lärmbelastung tagsüber, den Schlaf störende Nachflüge, Geruchs- und Gesundheitsbelastungen durch abgelassenes Kerosin oder das unnötige Zerstören unseres Naherholungsgebietes – die Mehrheit der Ratsmitglieder schert sich nicht um die Belange der Anwohner in den betroffenen Ortsteilen.

Das ist die letzte Chance zur Erhaltung unseres teilweise 200 Jahre alten Eichen- und Hainbuchenwaldes! Ob wir weiter machen können oder nicht, hängt jetzt davon ab, ob wir kurzfristig den derzeit noch offenen Kostenbetrag von rund 18.000 Euro werden decken können. Ansonsten ist an dieser Stelle Schluß, dann fällt der Wald! Nach derzeitigem Stand könnte die Flughafengesellschaft ab 01. Oktober mit der Rodung des Querumer Forstes beginnen. Und dann wären vollendete Tatsachen geschaffen. Wir haben jetzt über 6 Jahre lang viel Kraft investiert und unermüdlich unser bestes gegeben. Und wir haben in diesem Zeitraum für die bisherige Finanzierung auch schon viele Spenden erhalten und auch eigene Mittel beigesteuert, aber jetzt sind wir auf die sofortige finanzielle Hilfe aus der Bevölkerung angewiesen. Jeder muss sich nun fragen `Was ist mir der Erhalt dieses großen Waldes wert?´.

Die Zeit drängt! Eigentlich sollte es doch möglich sein, auch einen Betrag von rund 18.000 Euro innerhalb von ca. 6 Wochen durch Spenden zusammen zu bekommen, denn schließlich sind das umgerechnet nur 600 x 30,- Euro! Die könnte manche/r vielleicht schon beisteuern, es müssen sich halt nur genügend Leute persönlich angesprochen fühlen! Und das sollte doch eigentlich der Fall sein, wie nicht nur die vielen Leserbriefe zeigen, die zu diesem Thema geschrieben worden sind. Auch in den vielen Gespächen, die insbesondere seitens der Aktiven der Bürgerinitiativen vor Ort geführt wurden, wie auch die Resonanz, die der NABU nach wie vor auf seinen Führungen oder in der Geschäftsstelle erhält, lassen uns weiterhin auf den Rückhalt in der Bevölkerung vertrauen. Wenn im positivsten Fall übrigens tatsächlich sogar etwas mehr zusammen kommen sollte, kann dies natürlich auch nicht schaden, denn wenn wir weiter machen, werden auch noch weitere Rechnungen anfallen....

Für das Klageverfahren zum Erhalt des Querumer Forstes hat der NABU ein Sonderkonto eingerichtet.

Sonderspendenkonto für den Erhalt des Querumer Forstes:
NABU BezGrp. Braunschweig , NORD / LB,
BLZ 250 500 00
, Kto.-Nr. 150 501 369.

 

07. Juli 2009
(herausgegeben vom NABU, Bezirksgeschäftsstelle Braunschweig)
Überall sterben Grünfinken – Trichomonadose-Befund in Braunschweig

(Braunschweig) - Das rätselhafte Grünfinkensterben geht weiter, und zwar flächendeckend. Aus ganz Niedersachsen gehen inzwischen Meldungen in der NABU-Bezirksgeschäftsstelle Braunschweig ein, die in Absprache mit dem NABU Landesverband als Kontakt- und Meldeadresse für ganz Niedersachsen fungiert. Dabei ist das Phänomen vielerorts noch gar nicht allgemein bekannt, denn viele der Meldenden, die mehrere tote Grünfinken an ihren Fütterungen hatten, sind erst durch eigene Recherche im Internet auf die hinweisgebende NABU-Website gestoßen - und haben sich dann wie gebeten gemeldet. Das macht deutlich, dass es sich bei den bisher bekannten Fällen wahrscheinlich erst um die Spitze eines Eisberges handeln dürfte. Die eingegangenen Meldungen betreffen jedenfalls quasi flächendeckend Orte in ganz Niedersachsen, aber auch Meldungen aus NRW gehen ein und vereinzelt werden auch Fälle aus anderen Bundesländern gemeldet, so u. a. aus Sachsen-Anhalt. Zudem ist Schleswig-Holstein bereits seit Mai großflächig betroffen.

Nachdem der vor einem Monat vom NABU über die kooperativen Mitarbeiterinnen der Abt. Veterinärwesen und Verbraucherschutz der Stadt Braunschweig zur Untersuchung ins LAVES Veterinärinstitut Hannover eingesandt worden ist, kam nun der Befund der Sektion: Trichomonadose! Damit gibt es nun einen weiteren belegten Todesfall in dem mysteriösen Grünfinken-Sterben, der durch diesen Vogelparasiten verursacht wurde. Warum bis auf wenige Ausnahmen bisher fast ausschließlich Grünfinken betroffen sind, ist weiterhin unklar. Klar scheint hingegen inzwischen zu sein, dass es sich um eine Pandemie handelt, also ein großflächiges Auftreten dieser Infektionskrankheit. Dabei sind Trichomonaden ganz allgemein weit verbreitet, vor allem bei Tauben aber z. B. auch bei Wellensittichen, wo sie sich im oberen Verdauungstrakt einnisten und dort über Monate oder sogar Jahre parasitieren können, ohne dass der Vogel Krankheitssymptome ausbildet. Dieses sind in erster Linie starkes Aufplustern, lethargisches Verhalten (der Vogel wirkt apathisch oder auch schläfrig, z. T. kurzatmig), fehlender Fluchtreflex, zudem eventuell auch Schluckbeschwerden oder ein verklebt wirkender Schnabel.

© Foto "Grünfinken an der Futtersäule": Ingo Ludwichowski

Folgende Empfehlungen möchte der NABU nach Rücksprache mit verschiedenen Veterinärmedizinern geben:
1.)
Um der weiteren Ausbreitung des Grünfinken-Sterbens entgegen zu wirken, sollten zur Prophylaxe flächendeckend alle Sommer-Futterstellen entfernt werden! Die Ansammlungen von Grünfink-Trupps und der direkte Kontakt untereinander wie auch die Benutzung desselben Futtersilos befördern eine Ansteckung mit dem hochinfektiösen Erreger. 
2.) Beim Fund eines toten Grünfinks sollten derzeit aufgrund des potentiellen Trichomonadenbefalls insbesondere auch Trink- und Badeschalen entfernt werden, da der Erreger im Wasser bis zu 24 Stunden überleben kann. Ein regelmäßiger Wasserwechsel ist hier leider nicht ausreichend und kann dem Problem nicht entgegenwirken, da das Wasser bereits durch den ersten infizierten Vogel wieder kontaminiert wird. Statt dessen sollte man die Schalen gründlich mit heißem Wasser reinigen und richtig austrocknen lassen, um die Keime abzutöten. Wir empfehlen allerdings ausdrücklich, Trink- und Badegelegenheiten nur bei Verdachtsfällen zu entfernen, da gerade in den Sommermonaten sehr viele Vogelarten dieses Angebot dringend benötigen!
3.) Ähnliche Symptome wie durch Trichomonaden können bei Singvögeln jedoch u. a. auch durch Salmonellen hervorgerufen werden, so dass betroffene - noch lebende oder frisch tote - Tiere auf jeden Fall unverzüglich den Veterinärmedizinischen Untersuchungsämtern der Länder (in Niedersachsen: Veterinärinstitut Hannover, Eintrachtweg 17, 30173 Hannover) oder der örtlichen Veterinärbehörde zur Untersuchung übergeben werden sollten!

Um einen besseren Überblick über die Ausbreitung und den Verlauf der Epidemie zu erhalten, bitten wir weiterhin die Bevölkerung, uns Fälle von toten Grünfinken zu melden ( NABU.Braunschweig@t-online.de ).
Zur Aufklärung der Ursachen des Massensterbens könnte zudem auch die Beantwortung folgender Fragen helfen:


Spenden für unsere Naturschutzprojekte:
NABU BezGrp. Braunschweig , Postbank Hannover,
BLZ 250 100 30
, Kto.-Nr. 81 011 - 304

 

05. Juni 2009
(herausgegeben von der NABU-Bezirksgeschäftsstelle Braunschweig)
NABU deckt rätselhaftes Grünfinkensterben auf – Viele Vögel sterben an Futterstellen

(Braunschweig) - Ein rätselhaftes Grünfinkensterben beunruhigt zur Zeit die Naturschützer des NABU. "Nachdem Mitte der Woche zwei Mitteilungen über tote Grünfinken in der Geschäftsstelle des NABU eingingen, hat eine NABU-interne Recherche noch weitere Fälle, z. T. auch in anderen Bundesländern ergeben", so Carlo Fuchs, Vorsitzender des NABU Braunschweig und Leiter der Faunistischen Arbeitsgemeinschaft Südost-Niedersachsen des NABU. "Seit Anfang Mai haben Vogelfreunde gehäuft tote Grünfinken an ihren das ganze Jahr über betriebenen Futterstellen gefunden, z. T. auch großräumig darüber hinaus. Nach Auskunft des Kollegen Ingo Ludwichowski vom NABU Schleswig-Holstein z. B. liegt die Summe der dem NABU dort bekannt gewordenen Fälle aus einer Vielzahl von Ortschaften wie Scharbeutz, Malente oder Mölln inzwischen bei über 200 Tieren! Auch in Nordrhein-Westfalen wurden aus unterschiedlichen Ecken des Münsterlandes bis jetzt mindestens 12 verendete Tiere verendeten Grünfinken gefunden. Ebenso ist Hessen betroffen und in Niedersachsen hat sich neben Lüneburg nun leider auch Braunschweig in die Reihe dieser bis jetzt mysteriösen Todesfälle eingereiht. Dabei hat die sehr umsichtige Naturfreundin aus Lamme, die uns über inzwischen 7 tote Grünfinken innerhalb der letzten Wochen informierte, ihre Futterstelle im Prinzip vorbildlich betreut: benutzt wurde kein Futterhäuschen, in welchem die Vögel zwischen dem Futter herum hüpfen und dieses durch Kot verkeimen, sondern eine hygienisch einwandfreie Futtersäule, und auch das Wasser einer zudem aufgestellten Vogeltränke wurde täglich gewechselt und die Schale jedes Mal gründlich ausgespült. Trotzdem traten auch dort solche Todesfälle auf, wobei die Finken wie andernorts auch die typische Symptomatik eines Trichomonadenbefalls zeigten, wie er 2008 bei Grünfinken insbesondere in Norwegen und Großbritannien aufgetreten ist."

Bei Trichomonas gallinae aus der Gruppe der Trichomonaden handelt es sich um sehr kleine, einzellige Geißeltierchen (8 x 14 µm). Sie sind hochgradig infektiös und übertragen sich rasch von einem Tier auf das andere. Nach dem Befall verengt sich bei Vögeln der Kropfausgang, mit der Folge einer starken Schwellung. Die Tiere sind kurzatmig, da der geschwollene Kropf auf das Atmungssystem drückt. Erkrankte Vögel wirken matt, apathisch, schlafen überdurchschnittlich viel und ihr Gefieder ist stark aufgeplustert. Zudem ist meist der Fluchtreflex kaum noch vorhanden. Viele, jedoch nicht alle Tiere sterben an der Infektion. Manche Vogelarten scheinen aber gegen den Parasiten immun zu sein. Trichomonaden kommen auch im Rachen und Schnabel des Vogels vor und gelangen so auch ins Trinkwasser. Hier können sie rund 24 Stunden überleben. Ein weiterer Infektionsweg ist die gegenseitige Fütterung bei Altvögeln oder die der Jungtiere im Nest. Die Behandlung wild lebender Tiere ist übrigens nicht möglich. Bei einem der toten Grünfinken aus dem Münsterland konnte hingegen eine Legionellose als Todesursache festgestellt werden, eine bakterielle Infektionskrankheit, die meist durch abgestandenes Wasser begünstigt wird. An Fütterungen ist daher auf penible Sauberkeit zu achten. Grundsätzlich darf davon ausgegangen werden, dass an Fütterungen mit herkömmlichen Vogelhäuschen eine ungeahnt hohe Zahl von Vögeln durch verkeimtes Vogelfutter infiziert werden, von denen sicher auch viele daran eingehen. Nur dass man deren Sterben in der Regel nicht mitbekommt, weil die Tiere sich an versteckt liegende Orte zurück ziehen. Nicht zu erklären ist derzeit allerdings das Grünfinkensterben auch an den hygienisch unbedenklichen Futtersäulen. Möglicherweise liegt die Ursache hier in verunreinigt gekauftem Vogelfutter, was derzeit aber noch völlig unklar ist.

© Foto "Grünfinken an der Futtersäule": Rolf Jürgens

Zur Klärung der Todesursache in Braunschweig hat der NABU jetzt den letzten verendeten Grünfink sowie eine Futterprobe (gestreifte Sonnenblumenkerne) inkl. Etikett der Futterpackung bei der Abteilung Veterinärwesen und Verbraucherschutz der Stadt zur Untersuchung übergeben. Problematisch für den Nachweis von Trichomonaden ist allerdings, dass dieser in der Regel nur an noch lebende oder frischtoten Tieren gelingt, da der Einzeller nach 24 Stunden in einem toten Tier nur noch schwer unter dem Mikroskop nachweisbar ist. Zur Aufklärung des in verschiedenen Bundesländern auftretenden Massensterbens von Grünfinken bittet der NABU deshalb die Bevölkerung um Mithilfe.  Vermutlich ist dieses Phänomen noch viel verbreiteter, als bisher bekannt. Wer also selbst ähnliches beobachtet, wird gebeten, dies umgehend dem NABU per eMail zu melden: NABU.Braunschweig@t-online.de .

Trichomonas gallinae ist übrigens nicht auf den Menschen übertragbar. Allerdings existieren auch beim Menschen Trichomonaden, die wie Trichomonas vaginalis durch Geschlechtsverkehr übertragen werden. Legionellen hingegen, die sich vornehmlich in stehendem Wasser wenig benutzten Wasserleitungen mit Temperaturen zwischen 20 und 45 °C ansiedeln und vermehren können, sind für Menschen durchaus gefährlich.

 

27. März 2009
(herausgegeben vom NABU, Bezirksgeschäftsstelle Braunschweig)
Leinenpflicht für Hunde im Wald und in der freien Natur vom 01. April bis 15. Juli

(Braunschweig) - Der Naturschutzbund (NABU) weist darauf hin, dass nach den Bestimmungen des Niedersächsischen Gesetzes über den Wald und die Landschaftsordnung (NWaldLG) vom 21.03.2002 (Nieders. GVBl. S. 112) Hunde in Waldflächen und der freien Landschaft vom 01. April bis 15. Juli nur an der Leine geführt werden dürfen. In den Naturschutzgebieten, wie z. B. in „Riddagshausen“, besteht für Hunde überdies eine ganzjährige Leinenpflicht.

Während der Brut-, Setz- und Aufzuchtzeit sind bodenbrütende Vögel und generell die Jungtiere freilebender Tierarten besonders durch stöbernde Hunde gefährdet. Insbesondere in Wiesen streunende Hunde sind oft die Ursache für das tödlichen Verlassen von Gelegen oder empfindlichen Jungtiere. Selbst die Anwesenheit von Hunden kann in der Natur die freilebenden Tiere schädlich beeinträchtigten. So ist allein schon die Witterung des Hundes für unsere heimischen Säugetiere ein Alarmsignal eines Feindes und beunruhigt sie sehr stark und nachhaltig bei der der Aufzucht und Pflege der Jungtiere. Auch wenn ein Hund den Tieren nicht nachstellt und sich nur wenig vom Weg entfernt, steht die Hundewitterung für längere Zeit in der Nähe der Kinderstuben und stört den natürlichen Lebenslauf von Hasen und Rehen.

Der NABU bittet alle Hundehalter, die gesetzlichen Bestimmungen hinsichtlich des Leinenzwanges unbedingt zu beachten. Rücksichtslose Zeitgenossen seien darauf  hingewiesen, dass Verstöße gegen diese gesetzlichen Regelungen keine Kavaliersdelikte sind, sondern als Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße bis zu 5.000 Euro geahndet werden können. Werden hierbei wildlebende Tiere unnötig beunruhigt, verletzt oder gar getötet, so kann dies nach dem Niedersächsischen Naturschutzgesetz (NNatG) sogar mit einer Geldbuße bis zu 50.000 Euro geahndet werden.

 

29. März 2008
(herausgegeben vom NABU, Bezirksgeschäftsstelle Braunschweig)
100 Jahre NABU Braunschweig - 100 Jahre Einsatz für Mensch und Natur
Baumpflanzung im Botanischen Garten: eine Vogelbeere erinnert an den Ursprung

(Braunschweig) - Die Bezirksgruppe Braunschweig im Naturschutzbund Deutschland (NABU) kann in diesem Jahre ihr 100jähriges Bestehen feiern! 1908 unter der Leitung von Frau Dr. Hanf als Ortsgruppe des damaligen Bundes für Vogelschutz gegründet, sind aus dem ersten Kreis von 8 Aktiven bis heute rund 1700 Mitglieder geworden. Damals wie heute fühlen sich die Mitglieder verpflichtet, für den Erhalt unserer Natur einzutreten. Das Arbeitsfeld umfasste dabei von Anfang an über den reinen Vogel- und Artenschutz hinaus alle Bereiche des Natur- und Umweltschutzes. Über die Einzelheiten der Entwicklung unseres Vereins, über die Arbeitsbereiche und Erfolge, wird der Verein zum offiziellen Festakt im Spätsommer eine eigene Broschüre herausgeben.

Insbesondere zwei Persönlichkeiten aus den Reihen der Naturschützer, die sich Anfang und Mitte des letzten Jahrhunderts um den Schutz der heimischen Natur verdient gemacht haben, sind vielen Braunschweigern wahrscheinlich bekannt, da in Riddagshausen inzwischen zwei Wege nach ihnen benannt wurden: dies ist zum einen der braunschweiger Arzt Dr. Otto Willke, der die damalige Naturschutzgruppe ab 1913 über mehr als drei Jahrzehnte leitete. Er hat wesentlich dazu beigetragen, dass das Riddagshäuser Teichgebiet bereits 1936 zum Naturschutzgebiet erklärt wurde. Der andere unermüdliche Geist war Dr. Rudolf Berndt, der nach dem Krieg ab 1952 den Neuaufbau des Naturschutzes in Braunschweig prägte und bis 1980 Vorsitzender des Vereins blieb. Er erreichte die Anerkennung des Riddagshäuser und Weddeler Teichgebietes als Europareservat und war außerdem Mitgründer des NABU-Landesverbandes Niedersachsen. In seiner Amtszeit entstanden aus der Bezirksgruppe Braunschweig heraus neue Gruppen des „Deutschen Bundes für Vogelschutz (DBV)“ in Wolfenbüttel, Gifhorn, Wolfsburg, Salzgitter, Helmstedt, Schöppenstedt und Goslar.

Nach der deutschen Wiedervereinigung erfolgte auf Bundesebene auch der Zusammenschluß der ostdeutschen Partnerorganisation. Bei der Namensgebung für den gesamtdeutschen Bundesverband trug man mit dem neuen Namen „Naturschutzbund Deutschland“ jetzt auch dem gesamten Einsatzspektrum Rechnung, wobei die zusätzliche Kurzbezeichnung „NABU“ die Hauptbereiche der Tätigkeiten wiederspiegeln sollte:

N = Naturschutz
A = Artenschutz
B = Biotopschutz
U = Umweltschutz.

Schwerpunkte der ehrenamtlichen Arbeiten in Braunschweig sind die Betreuung und Pflege von schützenswerten Flächen sowie systematische Bestandserfassungen von Fauna und Flora als Grundlage für Artenschutzmaßnahmen. Darüber hinaus soll mit öffentlichen Wanderungen und Vorträgen das Interesse an der Natur gefördert und zur allgemeinen Umweltbildung beigetragen werden. Als staatlich anerkannter Naturschutzverband vertritt der NABU außerdem die Interessen von Mensch und Natur, indem Stellungnahmen nach Naturschutzgesetz abgegeben werden. Hier sind die mittelbar betroffenen Bürger auf die fachlich sorgfältige Arbeit des NABU angewiesen, da der einzelne beim Schutz unserer Natur kein Mitwirkungsrecht hat. Dabei ist es dem NABU ein besonderes Anliegen, dass der Naturschutz - wie wir ihn verstehen - sich nicht gegen die Interessen der Bürger richtet. Vielmehr ist der Schutz unserer Natur wichtig und notwendig, um für uns alle sowie auch für die nachfolgenden Generationen eine lebenswerte Umwelt zu erhalten - und dies nicht nur in wenigen Schutzgebieten, sondern überall! Dies gilt gerade auch für den städtischen Raum, also unser direktes Umfeld, in dem wir uns überwiegend aufhalten.

Als Auftaktveranstaltung in diesem besonderen Jubiläumsjahr wurde jetzt zur bleibenden öffentlichen Erinnerung an das 100jährige Bestehen des Naturschutzbundes in Braunschweig im neuen Teil des Botanischen Gartens der TU Braunschweig ein Baum gepflanzt - mit Blick auf den Ursprung des NABU eine Eberesche, im Volksmund auch Vogelbeere genannt. Als Höhepunkt des Jahrhundertjahres wird es am 27. September in der Wichmannhalle eine Festveranstaltung geben.

 

26. Februar 2008
(herausgegeben vom NABU, Bezirksgeschäftsstelle Braunschweig)
Verbot von Rückschnittmaßnahmen in der freien Natur vom 01. März bis zum 30. September
Leinenpflicht für Hunde im Wald und in der freien Natur vom 01. April bis 15. Juli, in Naturschutzgebieten (NSG) ganzjährig

(Braunschweig) - Der Naturschutzbund (NABU) weist darauf hin, dass nach den Bestimmungen des Niedersächsischen Naturschutzgesetzes (NNatG) in der Zeit vom 01. März bis zum 30. September in der freien Natur und Landschaft Hecken und Gebüsche heimischer Arten und außerhalb des Waldes stehende Bäume nicht zurückgeschnitten, gerodet oder erheblich beschädigt oder zerstört werden dürfen. Zuwiderhandlungen können hier ebenfalls mit einer Geldbuße bis zu 50.000 Euro geahndet werden. Zudem sind die Brut-, Setz- und Aufzuchtplätze unserer wildlebenden Tiere ganz allgemein durch das Niedersächsische Naturschutzgesetz geschützt.

In diesem Zusammenhang macht der NABU außerdem darauf aufmerksam, dass das Niedersächsischen Gesetzes über den Wald und die Landschaftsordnung (NWaldLG) vom 21.03.2002 (Nieders. GVBl. S. 112) festlegt, dass Hunde in Waldflächen und der freien Landschaft vom 01. April bis 15. Juli nur an der Leine geführt werden dürfen. In den Naturschutzgebieten (NSG), wie z. B. in „Riddagshausen“, besteht für Hunde überdies eine ganzjährige Leinenpflicht.

Während der Brut-, Setz- und Aufzuchtzeit sind bodenbrütende Vögel und generell die Jungtiere freilebender Tierarten besonders durch stöbernde Hunde gefährdet. Selbst die Anwesenheit von Hunden kann in der Natur die freilebenden Tiere schädlich beeinträchtigten. So ist allein schon die Witterung des Hundes für unsere heimischen Säugetiere ein Alarmsignal eines Feindes und beunruhigt sie sehr stark und nachhaltig bei der der Aufzucht und Pflege der Jungtiere. Auch wenn ein Hund den Tieren nicht nachstellt und sich nur wenig vom Weg entfernt, steht die Hundewitterung für längere Zeit in der Nähe der Kinderstuben und stört den natürlichen Lebenslauf von Hasen und Rehen bis hin zum tödlichen Verlassen der empfindlichen Jungtiere.



Der NABU bittet alle Hundehalter, die gesetzlichen Bestimmungen hinsichtlich des Leinenzwanges unbedingt zu beachten. Rücksichtslose Zeitgenossen seien darauf  hingewiesen, dass Verstöße gegen diese gesetzlichen Regelungen keine Kavaliersdelikte sind, sondern als Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße bis zu 5.000 Euro geahndet werden können. Werden hierbei wildlebende Tiere unnötig beunruhigt, verletzt oder gar getötet, so kann dies nach Niedersächsisches Naturschutzgesetz (NNatG) ebenfalls mit einer Geldbuße bis zu 50.000 Euro geahndet werden.

 

17. Dezember 2007
(herausgegeben vom NABU Bundesverband)
Jägerschaft und NABU verurteilen Wolfsabschuss im Wendland
Gemeinsame Strafanzeige angekündigt


(Berlin/Hannover) - Mit Unverständnis und Bestürzung haben der Deutsche- Jagdschutzverband (DJV), die Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. (LJN) und der NABU auf die Nachricht vom Abschuss eines frei lebenden Wolfes in Niedersachsen reagiert und eine gemeinsame Strafanzeige angekündigt. "Die Jägerschaft steht einer natürlichen Rückkehr von Großsäugern positiv gegenüber. Konflikte lassen sich nur durch eine intensive Zusammenarbeit aller beteiligten Behörden und Verbände sowie das Aufstellen von Managementplänen verhindern. Illegale Abschüsse stellen keine Lösung dar und werden von uns zutiefst verurteilt" so LJN- Präsident Professor Dr. Dr. Klaus Pohlmeyer. "Wir setzen uns für ein Zusammenleben von Menschen und Wölfen in Deutschland ein", so Christian Unselt, NABU-Vizepräsident. Das Beispiel zahlreicher europäischer Länder zeige, dass dies möglich sei. "Wir müssen gemeinsam lernen, mit Rückkehrern wie dem Wolf zu leben", so Pohlmeyer und Unselt.

Trotz umfangreicher Öffentlichkeitsarbeit und Unterrichtung der örtlichen Jägerschaften wurde auf einer Gesellschaftsjagd am Samstag im Wendland ein Wolf erlegt. Zwei Schützen hatten Schüsse auf das nach ihren Aussagen bereits verletzte Tier abgegeben. Wölfe unterliegen jedoch dem Naturschutzrecht und gehören zu den streng geschützten Arten. Deshalb dürfen Jäger nicht eigenmächtig verletzte Tiere von ihrem Leid erlösen. DJV-Präsident Jochen Borchert stellte klar: "Sollten Jäger einen verletzten Wolf im Revier antreffen, dann müssen sie unverzüglich die Polizei oder einen Veterinär benachrichtigen. Diese leiten dann die notwendigen Schritte ein." NABU, Landesjagdverband Niedersachsen und DJV setzen darauf, dass die Hintergründe des Abschusses rasch ermittelt und die Täter zur Verantwortung gezogen werden.

Ausgehend von der polnischen Wolfspopulation sind die Wölfe wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Nach mehr als 140 Jahren waren im Jahr 2000 in der sächsischen Lausitz erstmals wieder freilebende Wölfe in Deutschland geboren worden. Derzeit leben in Sachsen und Brandenburg vier Familienverbände. Die Gesamtzahl der in Deutschland lebenden Wölfe liegt bei etwa 35 Tieren.

Die Position der Jägerschaft zum Wolf gibt es im Internet unter www.jagd-online.de, Rubrik über den DJV - Positionen des DJV.

 

16. Dezember 2007
(herausgegeben von der Polizeiinspektion Lüneburg)
Wolfsabschuss im Landkreis Lüchow-Dannenberg

(Lüchow-Dannenberg) - Am Samstagmorgen wurde in einem Waldgebiet nordöstlich der Ortschaft Gedelitz im Landkreis Lüchow-Dannenberg ein freilebender Wolf getötet. Zwei Jäger im Alter von 46 und 51 Jahren hatten an einer Jagdveranstaltung teilgenommen, als ein Wolf in ihren Schussbereich gelangte. Da das Tier nach ihren Aussagen bereits angeschossen war, gaben sie mehrere Schüsse auf das Tier ab und trafen es tödlich. Ermittlungen ergaben, dass in den Nachbarrevieren ebenfalls Jagdveranstaltungen durchgeführt wurden. Der Wolf wurde zum Zwecke weiterer Untersuchungen sichergestellt. Dabei soll auch festgestellt werden, ob das Tier bereits verletzt war. Wolfsexperten, die noch am Samstag hinzugezogen wurden, bestätigten, dass es sich um einen freilebenden Wolf handelte. Gegen die 46- und 51-jährigen Schützen wurden Strafverfahren eingeleitet.

 

31. Oktober 2007
(herausgegeben vom Niedersächsischen Umweltministerium)
Kormoranverordnung um 5 Jahre verlängert
Sander: Zur Abwendung von Schäden für Fischerei / Gesamtbestand der Kormorane stabil

(Hannover) - Die Fortführung der Kormoranverordnung schlägt eine Brücke zu den Belangen der Fischereiwirtschaft, ohne dass dies einen messbaren Einfluss auf den Gesamtbestand der Kormorane in Niedersachsen hat, erklärte heute Umweltminister Hans-Heinrich Sander. Nach einer Effizienzkontrolle gemeinsam mit dem Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium und nach Abschluss einer Verbandsbeteiligung hat das Niedersächsische Umweltministerium die nahtlose Fortführung der bis zum 31.10.2007 befristeten Kormoranverordnung ab 1. November 2007 beschlossen. Die Geltungsdauer der Verordnung wird auf fünf Jahre bis Dezember 2012 beschränkt.

Die Anwendung der bisherigen Kormoranverordnung hat auf die Brut- und Rastbestände des Kormorans in Niedersachsen keinen messbaren Einfluss, der Bestand in Niedersachsen ist insgesamt stabil mit positivem Trend. Zur Abwendung erheblicher fischereiwirtschaftlicher Schäden und zum Schutz der heimischen Tierwelt lässt die Verordnung weiterhin die gezielte Bejagung von Kormoranen auf Binnengewässern, an denen ein Fischereirecht besteht zu. Außerhalb von Schutzgebieten und unter Beachtung einer Schonzeit vom 1.April bis 15.August dürfen Kormorane, die sich auf, über oder näher als 100 Meter an einem Binnengewässer mit Fischereirecht befinden, tagsüber bejagt werden. Die Verwendung von Bleischrot ist nicht erlaubt.

 

21. August 2007
(herausgegeben vom Nds. Ministerium für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz)
"Genuss vom Feinsten !" - Aktionstage Ökolandbau Niedersachsen vom 05.- 23. September
175 Veranstaltungen bieten puren Genuss

(Hannover) - "Genuss vom Feinsten!" bieten die diesjährigen Aktionstage Ökolandbau Niedersachsen, bei denen sich alles rund um das Thema Essen, Genießen und Kochen von niedersächsischen Bio-Produkten drehen wird. Die Wahl dieses Mottos fiel leicht. Stärker als je zuvor wird über die Qualität von Lebensmitteln, über regionale Erzeugnisse und über die Zubereitung von Speisen berichtet. Daher lag es nahe, die Qualität biologisch erzeugter Produkte in den Mittelpunkt der Aktionstage zu stellen.

Möglichkeiten, sich selber von den Vorzügen der niedersächsischen und bremischen Bio-Produkte zu überzeugen, gibt es bei den über 175 Veranstaltungen mehr als genug. Vom regionalen Bio-Frühstück auf dem Campingplatz über das Kochen von Harzer Spezialitäten bis zur Torfkahnfahrt mit Weinprobe reicht dabei die Spannweite der kulinarischen Erlebnisse. Wie in den vergangenen Jahren werden wieder über 120.000 Besucher erwartet. Im Rahmen einer Medienpartnerschaft werden in diesem Jahr die Aktionstage durch RTLregional (http://www.rtlregional.de) präsentiert.

Auch die Eröffnungsveranstaltung der Aktionstage steht ganz im Zeichen des Genusses. Ministerpräsident Christian Wulff, Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen, die Moderatorin Ruth Moschner sowie der Bio-Spitzenkoch Alfred Fahr werden am 05. September die Aktionstage in einem Hotel eröffnen, dass seine gesamte Verpflegung auf biologische Produkte umgestellt hat. Anlässlich der Eröffnung der Aktionstage wird dem Inhaber des Tagungs-Hotels 'Hof Sonnentau’ aus Visselhövede das Zertifikat 'Biohotel’ überreicht. Es ist damit das vierte Haus in Niedersachsen, dass diese geschützte Bezeichnung tragen darf.

Die Aktionstage werden finanziell unterstützt durch das Niedersächsische Ministerium für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.
Das Programm ist im Internet abrufbar (
www.aktionstage-oekolandbau.de (http://www.aktionstage-oekolandbau.de)) und beinhaltet neben der Programmübersicht, Veranstaltern und Ansprechpartnern auch eine Karte Niedersachsens, in der die geplanten Veranstaltungsorte abgebildet sind. Gerne stehen die regionalen Veranstalter für weitere Fragen, Vorberichte und auch während der Veranstaltungen zu Ihrer Verfügung.

 

27. Juni 2007
(herausgegeben vom Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz)
"Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen in Niedersachsen und Bremen" erschienen
NLWKN: Globale Erwärmung verändert heimische Flora - Ambrosie und Erdmandel auf dem Vormarsch

(Hannover) - Der Klimawandel und seine Folgen sind derzeit in aller Munde, insbesondere im Zusammenhang mit dem Anstieg des Meeresspiegels. Doch wie wirkt sich die globale Erwärmung auf Flora und Fauna in Niedersachsen aus und was bedeutet das wiederum für den Menschen? Erste Antworten auf diese Fragen bietet der "Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen in Niedersachsen und Bremen", der die Ergebnisse von 25 (!) Jahren ehrenamtlicher Kartierungsarbeit zusammenfasst und den der NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) am 27. Juni 2007 in Hannover präsentierte.
Dr. Eckhard Garve vom NLWKN hat den Atlas maßgeblich verfasst und versteht ihn zu lesen: "Aus den Ergebnissen dieses Atlas lässt sich eindeutig herauslesen, dass wärmebedürftige Pflanzen sich zunehmend ausbreiten, Arten feuchtkühler Klimate im Bestand abnehmen und Arten des Mittelmeerraums und teilweise der Subtropen verstärkt bei uns einwandern". Die daraus potenziell entstehenden Probleme für die Menschen (Problemunkräuter, Giftpflanzen, allergene Pflanzen) kann aber auch der Fachmann kaum abschätzen. Aber: "Um das mögliche Spannungsfeld so früh wie möglich zu erkennen und darauf reagieren zu können, sind Grundlagenwerke wie der Pflanzenatlas so wichtig", betont Garve.
Der Leiter des Geschäftsbereiches Naturschutz in der NLWKN-Betriebsstelle Süd macht das an wenigen Beispielen fest: Die Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia) ist bei Allergikern sehr gefürchtet; sie löst Pollinosen aus. Die Pflanze blüht von Juli bis September - damit verlängern sich die Qualen der betroffenen Menschen. Gefürchtet ist auch die Erdmandel (Cyperus esculentus), wenn auch aus einem anderen Grund: Das Sauergras (Zypergras) wird bis zu einem Meter hoch und ist ein gefürchtetes Ackerunkraut, weil es zu massiven Ernteverlusten führt. Es gehört zu den weltweit gefürchteten Unkräutern und steht dort an 16. Stelle. Beide Arten werden mit deutlich zunehmender Tendenz in Niedersachsen gefunden. Andererseits ziehen sich Pflanzen kühler Klimate bei uns zurück, wie z. B. die Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi), die es heute nur noch an wenigen Stellen in der Lüneburger Heide gibt.

Diese Veränderungen der heimischen Flora lassen sich in dem neuen Pflanzenatlas genau verfolgen, da die fast 2.000 Verbreitungskarten nicht nur die aktuelle, sondern auch die frühere Verbreitung (vor 1980) zeigen: "Das gab es in Deutschland noch nie - damit werden Rückgänge und Zunahmen der einzelnen Arten auf einen Blick sichtbar", freut sich Dr. Garve. Der Atlas sei ein Standardwerk, auf das Naturschutz und Wissenschaft Jahrzehnte gewartet haben: "Er zeigt Verbreitungsschwerpunkte, Verbreitungsgrenzen und Verbreitungslücken heute und früher auf und ist damit in der täglichen Arbeit für Fachleute und Naturschutzliebhaber von unschätzbarem Wert". Garve erläutert das Kartierungsverfahren: "Jedes der mehr als 1.700 Rasterfelder (Quadranten) ist von den Kartierern aufgesucht und die dort vorgefundenen Pflanzenarten sind notiert worden: Das sind bis zu 800 Arten in einem Rasterfeld, das jeweils bis 30 km² groß ist". Der Pflanzenatlas wäre also ohne die ehrenamtliche Arbeit von mehr als 1.000 Kartierern überhaupt nicht möglich gewesen.

Das Erfassungsprogramm wurde 1982 von der damaligen Landesregierung analog zum Tierarten-Erfassungsprogramm im Landesverwaltungsamt eingeführt, um artenbezogene Daten einheitlich zu sammeln und für die Naturschutzverwaltung verfügbar zu machen. "Seitdem sind und waren rund 1.400 Melderinnen und Melder unterwegs und haben die Daten gesammelt", betont Dr. Annemarie Schacherer vom NLWKN in Hannover. "Sie verfügen über eine sehr hohe Fachkompetenz und hervorragend Ortskenntnisse". Das Kataster im NLWKN (Betriebsstelle Hannover-Hildesheim) umfasst weit über 100.000 Meldebogen mit mehr als zwei Millionen Einzeldaten in der elektronischen Datenverarbeitung. Dieses Kataster wird für die Naturschutzarbeit täglich genutzt, z. B. als Vorinformation für weitergehende Erfassungen, gebietsbezogene Beiträge, für die Vorbereitung von Ausweisung von Naturschutzgebieten oder für die Förderkulissen im Vertragsnaturschutz. Und weil die ehrenamtliche Arbeit so wichtig ist, werden die Kartierer auch intensiv vom NLWKN betreut: Fortbildungsveranstaltungen mit Exkursionen, Bestimmungsübungen oder Fachvorträge werden angeboten und rege genutzt. "Niedersachsen hat mit dem Pflanzenarten-Erfassungsprogramm eine führende Stellung der Datenerhebung durch Ehrenamtliche innerhalb Deutschlands, einige Länder wie Thüringen haben das System sogar übernommen", sagte Schacherer.

Der Pflanzenatlas (http://www.niedersachsen.de/master/C37163625_N14750639_L20_D0_I5231158) - das sind 1.881 Rasterkarten auf 507 Seiten, dazu viele Informationen zu den einzelnen Arten und eine Literaturauswertung von mehr als 1.000 Fachveröffentlichungen. Den Pflanzenatlas gibt es beim NLWKN und kann unter www.nlwkn.de (http://webshop.nlwkn.niedersachsen.de) bestellt werden.

 

14. Juni 2007
(herausgegeben von der Nds. Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr)
Neubau der Wabebrücke beginnt: Bundesstraße 1 von Montag an voll gesperrt
Verkehr wird bis Ende April 2008 über die nahe Autobahn 39 umgeleitet - Projektbeschreibung im Internet

(Wolfenbüttel) - Der Neubau der Wabebrücke im Zuge der Bundesstraße 1 südöstlich von Braunschweig beginnt am Montag, 18. Juni. Die Bundesstraße wird hierzu bis voraussichtlich Ende April 2008 voll gesperrt, der Verkehr über die nahe gelegene Autobahn 39 umgeleitet. Hierauf wies die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr am Donnerstag in Wolfenbüttel hin. Nach Mitteilung der Behörde wird der Verkehr in Richtung Braunschweig an der Anschlussstelle Sickte auf die A 39 bis zur Anschlussstelle Braunschweig-Rautheim geführt, entsprechend umgekehrt in der Gegenrichtung. Für Fußgänger und Radfahrer wird eine Wegeverbindung im Baustellenbereich geschaffen. Die Zufahrt zu den ansässigen Geschäften im Gewerbehof am Schöppenstedter Turm bleibt aus Richtung Osten frei. Eine Umleitung für den nicht autobahnfähigen (z. B. landwirtschaftlichen) Verkehr über Riddagshausen wird ausgeschildert.

Der Neubau der Wabebrücke im Zuge der B 1 soll nach Mitteilung der Landesbehörde die ökologische Durchlässigkeit der Wabeniederung verbessern und das Europareservat Riddagshausen und die Weddeler Teiche mit den Herzogsbergen und dem Elm südöstlich von Braunschweig vernetzen. Der Bau war im Planfeststellungsbeschluss zum Neubau der A 39 als Teil eines Maßnahmenpaketes verbindlich festgelegt worden, um die durch den Autobahnbau verursachten Eingriffe in den Naturraum auszugleichen. Beim Bau der gegenwärtigen Wabebrücke (lichte Weite 8 m, lichte Höhe 1,70 m) im Jahr 1978 waren ökologische Belange noch nicht Gegenstand der Planung gewesen. Das neue Bauwerk soll eine lichte Weite von 30 m und eine lichte Höhe von 3,50 m erhalten. Die Baukosten belaufen sich auf rund 1,2 Millionen Euro, davon 10.000 Euro für den Abriss der alten Brücke, 815.000 Euro für den Neubau und 380.000 Euro für Straßenbau im Rahmen der Anpassung an das Bauwerk. Kostenträger ist die Bundesrepublik Deutschland.

Weiterführende Informationen zum Bauprojekt erhalten Interessierte auf den Internetseiten der Landesbehörde unter http://www.strassenbau.niedersachsen.de/master/C35277868_N5542522_L20_D0_I5213350.html

 

24. Mai 2007
(herausgegeben von der SPD-Fraktion im niedersächsischen Landtag)
Rote Karte für Sander - Fachtagung „100 Jahre Ehrenamt im Naturschutz" fällt aus

(Hannover) - „Die Ehrenamtlichen im Naturschutz zeigen Umweltminister Sander nun endgültig die Rote Karte", so Hans-Dieter Haase, umweltpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag. „Die Ehrenamtlichen fühlen sich offenbar nicht ernst genommen", so Haase. Und das ist auch kein Wunder: finanzielle Unterstützung auf Null gesetzt, Projektmittel nur noch nach Gutsherrenart, für die `Guten´ noch eine Nadel an´s Revers und die Jahrestagung mit völlig falschen Rahmenbedingungen - es reicht". Zudem wolle Sander mit seinem neuen Naturschutzgesetz den Verbänden ihre Mitsprachrechte massiv schwächen. Die Verbände haben das scheinheilige Spiel des Ministers durchschaut und reagieren geschlossen. Die umstrittende „Umweltnadel", die Sander großzügig an Auserwählte verleihen wollte, wurde seitens der Verbände zurückgewiesen. Sie gaben heute bekannt, dass sie sich nicht beteiligen werden.

Aber der Protest geht noch weiter: Der 17. Naturschutztag am 30.05. zum Thema „100 Jahre Ehrenamt im Naturschutz" musste mangels Resonanz abgesagt werden. Die Alfred-Toepfer-Akademie für Naturschutz, eine Einrichtung des Landes, richtete dieses Treffen seit fast 16 Jahren erfolgreich aus. Bis zum Regierungswechsel in 2003 hatte das Umweltministerium immer eine zweitägige Veranstaltung zum Wochenende angeboten und den behördlichen und ehrenamtlichen Naturschutz gemeinsam eingeladen. Auch die kommunalen Spitzenverbänden waren stets mit dabei. „Sander ließ die beliebte Tagung gleich nach Amtsantritt auf einen Wochentag verlegen", so Haase. „Da will und kann nun beim besten Willen kein ehrenamtlich Aktiver mehr teilnehmen". Diese Landesregierung hat bei den Umweltverbänden verspielt", urteilt Haase. „Wulff hält Sonntagsreden zur Stärkung des ehrenamtlichen Engagements und Sander treibt es auf zynische Art und Weise auf die Spitze - nun wissen wir genau was Sander darunter versteht, wenn er gebetsmühlenartig `Naturschutz mit den Menschen´ predigt".

 

24. Mai 2007
(herausgegeben vom NABU Landesverband Niedersachsen)
NABU Niedersachsen weist Schirmherrschaft von Umweltminister Sander über `Tour de NABU´ zurück

(Hannover) - Der NABU Niedersachsen hat zu seiner `Tour de NABU´ anlässlich des 60-jährigen Bestehens des Umweltverbandes die Schirmherrschaft von Umweltminister Hans-Heinrich Sander zurückgenommen. In einem persönlichen Gespräch hat NABU-Landesvorsitzender Hans-Jörg Helm dies mit der Missachtung des Ehrenamtes in seinen Äußerungen, wonach Kritik von Umweltverbänden nicht ernst genommen werde, begründet. Diese Einstellung des Niedersächsischen Umweltministers zeigt sich auch in dem vorgelegten Naturschutzgesetz und den geplanten Schneverdinger Naturschutztagen. Der NABU Niedersachsen fordert Umweltminister Hans-Heinrich Sander auf, den Entwurf zum Naturschutzgesetz zurückzuziehen und Natur- und Umweltpolitik "ür die Menschen zu machen" und nicht nur für einzelne Naturnutzer.

Hans-Jörg Helm, NABU-Landesvorsitzender, erklärte: "Ein Minister, der, wie uns bestätigt wurde, die Kritik von Umweltverbänden nicht ernst nehme, hat die Türen und Ohren gegenüber dem ehrenamtlich tätigen Naturschutz im ganzen Land und vor Ort verschlossen. Ein Schirmherr für die `Tour de NABU´ muss Argumenten von Naturschützern gegenüber offen sein. Wir sind immer gesprächsbereit und wir erwarten von einem Umweltminister, dass er anders arbeitet und Argumenten des Naturschutzes gegenüber aufgeschlossen ist. Das Ehrenamt darf nicht mit Füßen getreten werden, denn ohne ehrenamtliches Engagement wäre es um unsere Lebensgrundlagen schlecht bestellt." Umweltminister Hans-Heinrich Sander hatte auf einer Veranstaltung in Mulmshorn (Landkreis Rotenburg) geäußert, dass er die Kritik von Umweltverbänden nicht Ernst nehme. Berater für ihn als Umweltminister seien vielmehr die Wirtschaft, Landwirtschaft und Industrie. Die Handschrift der Landwirtschaft, so Hans-Jörg Helm weiter, werde im vorgelegten Naturschutzgesetz mit der Aufhebung des Grünlandschutzes deutlich. Für Niedersachsen drohe so eine `Vermaisung´ ganzer Landschaftsräume.

Die Missachtung des Ehrenamtes durch Umweltminister Hans-Heinrich Sander und die Handschrift von Wirtschaft und Industrie zeige sich auch bei der Halbierung der Bearbeitungsfristen für Planvorhaben. Hans-Jörg Helm erklärte: "Die kostenlose Kartierung von Pflanzen und Tieren durch zahlreiche, qualifizierte Ehrenamtliche wird zunächst gern entgegengenommen. Die Stellungnahmen der Ehrenamtlichen gegenüber behördlichen Planungen werden dann aber gar nicht gewollt. Eine Beratung für Natur und Landschaft durch das Ehrenamt wird abgeschafft. Das Ehrenamt darf nicht nur in Sonntagsreden und beim `Niedersachsenpreis für Bürgerengagement´ stattfinden, sondern muss vielmehr im Naturschutzgesetz und seine Regelungen gestärkt werden." Einen `Schneverdinger Naturschutztag´ zum Thema `100 Jahre Ehrenamt im Naturschutz´ eintägig an einem Wochentag zu veranstalten, zeige, so betonte Helm, dass das Ehrenamt ausgegrenzt werde.

 

24. Mai 2007
(herausgegeben vom NABU Landesverband Niedersachsen)
Umweltverbände lehnen MU-Umweltnadel ab: "Naturschutz mit den Menschen nicht gewollt!"
- Keine Vorschläge für die Verleihung

(Hannover) - Die niedersächsischen Umweltverbände werden keine Vorschläge für die Verleihung der 'Umweltnadel' an das Niedersächsische Umweltministerium übermitteln. Die Verbände begründen ihre Ablehnung mit dem vorgelegten neuen Niedersächsischen Naturschutzgesetz. Mit ihm werden den ehrenamtlich im Naturschutz tätigen Mitgliedern der Umweltverbände nahezu alle landesrechtlichen Möglichkeiten genommen werden, einen konstruktiven Dialog weiterhin engagiert zu führen und Entwicklungen in Natur und Landschaft in Niedersachsen zu begleiten. Die Bearbeitungsfrist für ehrenamtlich arbeitende Naturschützer wird im Naturschutzgesetz auf vier Wochen halbiert und der Beteiligungsumfang reduziert. Ihre Ablehnung haben die Umweltverbände in einem offenen Brief (siehe Anlage) an das Niedersächsische Umweltministerium begründet.

"Der Gesetzesentwurf signalisiert den Ehrenamtlichen, dass Ihr Engagement in Niedersachsen künftig nicht mehr erwünscht ist. Umweltminister Hans-Heinrich Sander hatte wiederholt betont, dass es zu den wichtigsten Prämissen seiner Umwelt- und Naturschutzpolitik gehört, 'Naturschutz mit den Menschen' zu praktizieren. Die Neuregelungen erwecken den Anschein, der Schutz von Natur und Landschaft bei gleichzeitiger wirtschaftlicher Entwicklung solle in Niedersachsen künftig unter Ausschluss der Menschen, insbesondere der ehrenamtlich tätigen Menschen in den Umweltverbänden vollzogen werden", erklärte ein Verbandssprecher. Die vorgesehenen Änderungen bei der Verbandsbeteiligung, mit der Abschaffung von Beteiligungsmöglichkeiten, der Verkürzung von Fristen und der Erschwerung von Information und Dialog, reduzieren in erheblichem Maße Möglichkeiten der ehrenamtlich tätigen Mitglieder, den Naturschutz in Niedersachsen mit zu gestalten. Ehrenamtliche bei der Biotoppflege

In den Untergliederungen der Umweltverbände gibt es eine Reihe exzellenter langjährig erfolgreich wirkender Ehrenamtlicher, deren unbezahlte Arbeit wesentlich dazu beiträgt, Niedersachsens Natur- und Kulturlandschaften zu erhalten und zu entwickeln. Mit ihrer Arbeit unterstützen sie das Land wesentlich, auch bei der Erfüllung verschiedener Pflichtaufgaben. So erheben die Ehrenamtlichen kostenlos Umweltdaten und speisen damit die landesweiten Erfassungsprogramme. Sie wirken an der Konzeption und Umsetzung von Natur- und Artenschutzmaßnahmen mit.

Das Niedersächsische Umweltministerium hatte mit Scheiben vom 11. April 2007 die Umweltverbände gebeten, Ehrenamtliche vorzuschlagen, die wegen ihrer langjährigen exzellenten ehrenamtlichen Arbeit gewürdigt und in Form der 'Umweltnadel' des Niedersächsischen Umweltministeriums ausgezeichnet werden sollen.

Offener Brief der nds. Naturschutzverbände an `Umweltminister´ Sander

Unbezahlt und unbezahlbar: Ehrenamtliche bei der Biotoppflege

19. April 2007
(herausgegeben vom NABU Landesverband Niedersachsen)
NABU lehnt die geplante Novelle zum Niedersächsischen Naturschutzgesetz ab
Helm: „Ehrenamt wird mit Füßen getreten!"

(Hannover) - Der NABU Niedersachsen lehnt die geplante Novelle zum Niedersächsischen Naturschutzgesetz ab. Die im Gesetzentwurf vorgesehenen massiven Einschränkungen der bürgerschaftlichen Beteiligung und die Verkürzung der Bearbeitungsfristen für die ehrenamtlich tätigen Mitglieder der Naturschutzverbände werden vom NABU Niedersachsen kritisiert. Weiterhin wird die Aufhebung des bisher geschützten landschaftsprägenden Grünlandes sowie Verwässerung des niedersächsischen Artenschutzes vom NABU Niedersachsen in seiner Stellungnahme zur Gesetzesnovelle abgelehnt. Das bürgerschaftliche, ehrenamtliche Engagement werde mit der Gesetzesnovelle eingeschränkt und seine Möglichkeiten reduziert kritisierte der NABU Niedersachsen.

Hans-Jörg Helm, NABU-Landesvorsitzender, erklärte: „Das Ehrenamt wird mit Füßen getreten und seine Akzeptanz findet offensichtlich nur in Sonntagsreden niedersächsischer Politiker statt. Naturschutz mit den Menschen ist nicht gewollt. Behörden nehmen gerne kostenlos die von qualifizierten Ehrenamtlichen in tausenden Stunden ermittelten Kartierungsdaten von Tieren und Pflanzen entgegen. Während Behörden jahrelang ein Planverfahren in zahlreichen Ordnern vorbereiten, wird den Ehrenamtlichen ein Zeitraum von vier Wochen zur Stellungnahme zu den Planunterlagen zugemutet. Bei jahrelangen Verfahren von einer Beschleunigung aufgrund der Reduzierung von sechs auf vier Wochen reden zu wollen, ist ein Witz. Diese beiden Wochen sollten vielmehr im Zuge der vielgepriesenen niedersächsischen Verwaltungsreform einzusparen sein. So wird eine angeblich notwendige Verfahrensbeschleunigung allein auf die im Ehrenamt tätigen Bürgerinnen und Bürger im Naturschutz abgewälzt.“

Helm betonte: „Ein niedersächsischer Umweltminister, der gebetsmühlenartig wiederholt, ‚Umweltpolitik mit den Menschen machen zu wollen’, ist an seinen Taten zu messen. Daher muss der niedersächsische Umweltminister Hans-Heinrich Sander seine Gesetzesnovelle zum Naturschutzgesetz zurückziehen.“ Die Niedersächsische Landesregierung täte gut daran, diese Kritik eines über 66.000 Menschen starken Naturschutzverbandes ernst zu nehmen. Wie verlautet, hatte Minister Sander auf einer Veranstaltung in Mulmshorn im Landkreis Rotenburg/Wümme erklärt, die Kritik von Naturschutzverbänden nicht Ernst zu nehmen.

Seit der Einführung der Beteiligung der Naturschutzverbände nach dem Verfahrenskatalog gab es mehrere freiwillige Vereinbarungen, mit dem Ziel, einen möglichst reibungslosen Ablauf der Beteiligungsverfahren zu gewährleisten. Zur Unterstützung dieses Prozesses haben alle Naturschutzverbände in einer freiwilligen Vereinbarung auf einen Katalog von Verfahrensbeteiligungen verzichtet. Inzwischen hat sich, auch aufgrund der Beteiligung, in vielen Landkreisen und Gemeinden eine vertrauensvolle Atmosphäre zwischen ehrenamtlich tätigen Naturschützern und Behördenvertretern eingestellt. Hierdurch wird eine Einbindung der Bürgerinnen und Bürger in Genehmigungen auf kurzem Weg ermöglicht, so der NABU Niedersachsen.

Die jetzt vorgesehene Streichung der Verfahren führt erneut zu Misstrauen, da interessierte Bürger aktiv von Planungen in ihrem direkten Umfeld ausgeschlossen werden. Dies widerspricht der Zielsetzung, durch eine aktive Bürgerinformation und Bürgerbeteiligung einer Bürokratisierung entgegenzuwirken. Eine Streichung der jetzt bestehenden Beteiligungsrechte in der Gesetzesnovelle wird dazu führen, dass bei den Behörden vermehrt Anfragen unter Berufung auf das Umwelt-Informations-Gesetz (UIG) eingehen. Anstatt einer Arbeitsersparnis ist eher ein erhöhtes Arbeitsaufkommen der Behörden hierdurch vorgegeben. Ein Verlust von Informationen durch ortskundige Bürger und eine engagierte ehrenamtliche Mitarbeit bei der Umsetzung von Gebietsentwicklungen oder Landschaftsplanungen, auch im Siedlungsbereich, ist absehbar.

 

25. März 2007
(herausgegeben von der NABU Bezirksgeschäftsstelle Braunschweig)
Verbot von Rückschnittmaßnahmen in der freien Natur vom 01. März bis 30. September

(Braunschweig) - Der Naturschutzbund (NABU) weist darauf hin, dass nach den Bestimmungen des Niedersächsischen Naturschutzgesetzes (NNatG) in der Zeit vom 01. März bis zum 30. September in der freien Natur und Landschaft Hecken und Gebüsche heimischer Arten und außerhalb des Waldes stehende Bäume nicht zurückgeschnitten, gerodet oder auch erheblich beschädigt oder zerstört werden dürfen. Zuwiderhandlungen können nach dem NNatG mit einer Geldbuße von bis zu 50 000 Euro geahndet werden.

Auch außerhalb der so genannten freien Landschaft sind im übrigen ganz allgemein die Brut-, Setz- und Aufzuchtplätze unserer wildlebenden Tiere streng geschützt. Insbesondere in diesem Frühjahr, wo bereits erheblich früher als gewöhnlich anhaltend milde Temperaturen herrschen, beginnen einzelne Vogelarten z. T. bereits jetzt mit dem Brutgeschäft. "Wir gehen davon aus, dass Rücksichtnahme auf unsere heimische Tierwelt für jederman selbstverständlich ist und dass deshalb insbesondere an Büschen und Hecken nach dem 1. März nirgendwo noch Rückschnittmaßnahmen durchgeführt werden.", so Carlo Fuchs, Leiter der NABU Bezirksgeschäftsstelle Braunschweig. "Die ersten erfolgreichen Amsel-Bruten dieses Jahres wurden bereits für den 30. Januar gemeldet! Das sind einmal mehr Fallbeispiele über die Folgen des Klimawandels."

 

17. November 2006
(herausgegeben vom Nds. Ministerium für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz )
Waldzustandsbericht 2006: dem niedersächsischen Wald ist es zu warm und zu sauer

(Hannover) - Neben den bereits langjährig bekannten Schadeinträgen durch Säure und Stickstoff-Verbindungen treten zunehmend klimatische Veränderungen und ihre Auswirkungen auf die Waldbestände in den Focus der forstlichen Forschung. Seit Ende der Achtzigerjahre zeigt sich in Niedersachsen eine Erwärmungstendenz, die ihren vorläufigen Höhepunkt im Juli 2006 erreichte. Das ist eines der Ergebnisse der jährlichen Untersuchungen, die Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen mit dem Waldzustandsbericht in Hannover vorlegte. 2006 wurden in Niedersachsen 303 Waldflächen mit über 7.000 Bäumen durch die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA) in Göttingen auf ihre Vitalität geprüft.
"Die Widerstandskraft unserer Waldökosysteme ist bereits durch die chronische Belastung durch Stoffeinträge und Bodenversauerung beeinträchtigt, weitere Stressfaktoren, wie Hitze und Trockenstress, schränken sie weiter ein", warnt Ehlen.

Die Folgen des Klimawandels und des Treibhauseffektes für den Wald in Europa diskutierten im Oktober dieses Jahres 120 Waldschadensforscher aus 30 Ländern bei einem Symposium in Göttingen auf Einladung der NW-FVA. Forschungsergebnisse auf Grundlage des europaweiten Walduntersuchungsprogramms "ICP Forests" bestätigen den Trend zu wärmeren und trockeneren Sommern. In der Folge wachsen die Bäume langsamer und forstliche Schadinsekten wie Borkenkäfer, Frostspanner und Eichenprachtkäfer werden begünstigt. Besonders die älteren Fichten gehören zu den Sorgenkindern der niedersächsischen Waldbesitzer. Bäume reagieren auf Stress mit einer deutlich sichtbaren Verlichtung der Nadeln und Blätter in der Krone. "Der derzeitige Umbau unserer Wälder in naturnahe, strukturreiche und laubholzbetonte Mischwälder ist vor diesem Hintergrund ebenso unverzichtbar wie die Waldkalkung", erläutert Minister Ehlen. Aber auch beim Umweltschutz gibt es Erfolge zu vermelden. Die Schwefeleinträge in den Waldboden sind dank intensiver Anstrengungen bei der Industrie und bei der Gebäudeheizung drastisch zurückgegangen. Doch müssen die schädlichen Stoffeinträge, insbesondere Stickstoffverbindungen, noch deutlicher als bisher reduziert werden, um die Waldböden nachhaltig leistungsfähig zu erhalten. "Schutz des Waldes heißt nachhaltiger Schutz unserer eigenen Lebensgrundlagen Boden, Luft und Wasser" sagt Landwirtschaftsminister Ehlen zu den Ergebnissen des Berichtes. "Auch wird die Rolle des Waldes als Lieferant für den nachwachsenden Rohstoff Holz immer wichtiger. Deshalb werden wir die Zustandsuntersuchungen in den niedersächsischen Wäldern auch weiterentwickeln", sichert der Minister zu.

Der Waldzustandsbericht 2006 geht ausführlich auf die einzelnen Baumarten und die Schadursachen ein. Er kann ab sofort im Internetauftritt des Landwirtschaftsministeriums heruntergeladen werden: http://www.ml.niedersachsen.de/master/C1897049_N9048_L20_D0_I655.html (Themenbereich "Wald, Holz und Jagd", Seite "Waldzustand und Waldschäden").

 

16. November 2006
(herausgegeben vom Nds. Ministerium für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz )
Landesweite Bürgerbeteiligung zur weiteren Entwicklung des Landes

(Hannover) - Staatssekretär Friedrich-Otto Ripke hat alle Bürgerinnen und Bürger Niedersachsens aufgerufen, sich an der Diskussion über die grundlegende Neufassung des Landes-Raumordnungsprogramms, das Ziele zur künftigen Entwicklung des Landes festlegt, zu beteiligen. Das Abstimmungs- und Beteiligungsverfahren beginnt in diesen Tagen und soll Mitte Februar 2007 abgeschlossen werden. Mit dem Landes-Raumordnungsprogramm koordiniert die Landesregierung raumbedeutsame Planungen und Maßnahmen der öffentlichen Hand und bietet der Wirtschaft einen Rahmen für Investitionen.

Themen sind u. a. der Infrastrukturausbau, so die Trassenführung der neuen Autobahnen A22 und A39, die Ergänzungen im Hochspannungsnetz und die weitere Windenergienutzung sowie die Flächensicherung für Industrie- und Gewerbestandorte. Auch die Standortanforderungen an großflächige Einzelhandelsvorhaben und die Behandlung der in der Öffentlichkeit bereits diskutierten FOC-Vorhaben ("factory outlet center") spielt eine wichtige Rolle. Ripke betonte: "Das Landes-Raumordnungsprogramm ist ein Stück Zukunftssicherung." Mit der Öffentlichkeitsbeteiligung als Modellvorhaben im Rahmen des e-Government-Projekts der Landesregierung werde der Planungsprozess des Landes-Raumordnungsprogramms auch für die Bürgerinnen und Bürger erheblich an Transparenz gewinnen. Neben der Öffentlichkeitsbeteiligung auf kommunaler Ebene, wo es in der Regel um Fragen der örtlichen Bauleitplanung gehe, bestehe nun erstmals die Gelegenheit, zu überörtlichen Fragen Stellung zu nehmen.

Die entsprechende Internetplattform www.LROP-online.de ist ab sofort frei geschaltet und steht jeder Bürgerin und jedem Bürger für Stellungnahmen, Hinweise und Anregungen offen. Der LROP-Entwurf kann darüber hinaus aber auch in den vier Regierungsvertretungen eingesehen werden.

 

16. November 2006
(herausgegeben vom Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz)
Biogasanlagen: Leitfaden für Planer und Behörden - Broschüre des NLWKN informiert aus Sicht des Gewässerschutzes

(Hildesheim) - Der Bau von Biogasanlagen boomt - insbesondere die seit dem Jahr 2000 gültige Einspeisevergütung hat zu einer deutlichen Belebung der Nachfrage nach Biogasanlagen geführt. Dazu kommen staatliche Investitionshilfen und die Möglichkeit, nachwachsende Rohstoffe von Stilllegungsflächen und Reststoffe nicht landwirtschaftlicher Produkte zu vergären. Der NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) hat darauf reagiert und gemeinsam mit Vertretern der Biogas-Verbände, der Behörden und des Umweltministeriums eine Informationsbroschüre erarbeitet. Herausgekommen ist ein Leitfaden für Planer und Genehmigungsbehörden: "Errichtung und Betrieb von Biogasanlagen - Anforderungen für den Gewässerschutz". Der Leitfaden ist im Internet unter www.nlwkn.de zu finden. Wilfried Haun von der NLWKN-Betriebsstelle Hannover-Hildesheim begründet das Engagement des NLWKN so: "Bei der Konzipierung der Biogasanlagen wird viel Wert auf die Vermeidung von üblen Gerüchen gelegt. Die Sicherheit der Anlage mit Blick auf den Gewässerschutz wird hingegen oft vernachlässigt". Erst Schadensfälle in den Landkreisen Cloppenburg und Oldenburg - beide zurückzuführen auf menschliches und technisches Versagen - hätten die Verantwortlichen für das Thema sensibilisiert. Der Leitfaden steht als Download-Objekt in der Infospalte bereit!

Download der Broschüre
"Errichtung und Betrieb von Biogasanlagen - Anforderungen für den Gewässerschutz" (1302 kb)

 

26. Oktober 2006
(herausgegeben vom Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz)
NLWKN beurteilt Gewässergüte - 60 Flüsse und Bäche im Einzugsgebiet der Aller untersucht

(Braunschweig) - 60 Flüsse und Bäche im Einzugsgebiet der Aller zwischen Saalsdorf und Müden im Süden Niedersachsens hat der NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küstenschutz und Naturschutz) unter die Lupe genommen. Das Ergebnis fasst Dietmar Bublitz vom NLWKN in Braunschweig so zusammen: "Insgesamt können wir für die Gewässergüte die Note 2 attestieren". Das ausführliche Ergebnis der Untersuchungen ist im "Gewässergütebericht Aller-Quelle 2004" nachzulesen, der jetzt veröffentlicht wurde. Verbreitungskarten zahlreicher für das untersuchte Gebiet charakteristischer Gewässerbewohner runden den Bericht ab.

Ob Katharinenbach, Mittlerer Drömlingsgraben oder Beverbach: Der NLWKN hat die chemischen und biologischen Daten sowie die Strukturgütedaten für die Flüsse in den Landkreisen Gifhorn, Helmstedt und Wolfsburg ermittelt und für die ökologische Bewertung auch Daten ab 1985 mit herangezogen. Und dabei zeigt sich: Phosphat und Nitrat machen den Flüssen und Bächen zu schaffen. Das wird besonders bei jenen Gewässern deutlich, an denen Gütemessstellen liegen - hier wird das Wasser regelmäßig chemisch untersucht. Das Angebot der Pflanzennährstoffe Phosphat und Nitrat ist vielfach stark erhöht.

Die Folgen: Im Sommer wachsen die Pflanzen viel zu üppig, deshalb müssen die Flüsse und Bäche entkrautet werden. Dazu Bublitz: "Das übermäßige Pflanzenwachstum und die gründliche Unterhaltung wirken sich gleichermaßen negativ auf die Lebensgemeinschaft der entsprechenden Gewässer aus". Es gibt auch deutliche Hinweise, dass sich das Leben in den Flüssen verändert hat: "Es fehlen zum Beispiel in den meisten Gewässern fast völlig Vertreter der Insektengruppe der Steinfliegen. Lediglich in einigen kleineren Bächen wurden diese Insekten nachgewiesen. Auffallend ist auch, dass wir viele Tiere gefunden haben, die gar keine typischen Fließwasserbewohner sind, sondern eher Gewässerbereiche mit recht schwacher Strömung als Lebensraum bevorzugen", sagt Bublitz. Das sei zwar nicht besorgniserregend, für die Fachleute aber gleichwohl auffällig.
Den "Gewässergütebericht Aller-Quelle 2004" gibt es beim NLWKN in Braunschweig (0531/8665-4000) und ist über das Internet zu bestellen (
www.nlwkn.de). Lesekostproben finden sich in der Info-Spalte.

Downloads zu dem Thema :
Gewässergütebericht Aller-Quelle (Kurzfassung mit Titelbild, Inhaltsverzeichnis, Vorwort, Zusammenfassung und den wichtigsten Karten) -
http://www.nlwkn.niedersachsen.de/servlets/download?C=28224211&L=20
Gewässergütebericht Aller-Quelle (Titelbild) -
http://www.nlwkn.niedersachsen.de/servlets/download?C=28224265&L=20

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31. März 2006
(herausgegeben vom Nds. Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit)
Veterinärinstitut Oldenburg: bisher 5.600 Wildvögel in Niedersachsen auf Geflügelgrippe getestet

(Oldenburg) - Hochbetrieb im Veterinärinstitut Oldenburg: In den vergangenen drei Monaten sind bislang mehr als 5.600 Wildvögel in Niedersachsen auf Geflügelpest untersucht worden, davon knapp 4.000 allein im März. Das bedeutet für die Mitarbeiter des Instituts des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) Nachtschichten und Wochenenddienste. "Es ist mir eine Herzensangelegenheit, mich persönlich für das große Engagement zu bedanken", sagte Hans-Heinrich Ehlen, Landwirtschaftsminister in Niedersachsen, bei seinem Besuch in Oldenburg.

Die Untersuchung der Aviären Influenza (Geflügelpest) gehört seit mehr als zehn Jahren zu den Schwerpunkten des Veterinärinstituts Oldenburg. "Nur deshalb waren wir auch so kurzfristig in der Lage, dieses hohe Aufkommen an Proben zu bewältigen", meint Prof. Dr. Günter Thalmann, Leiter des Instituts. Dabei hätten auch das Veterinärinstitut Hannover und das Futtermittelinstitut Stade des LAVES die Oldenburger unterstützt, denn dort wurden eingelieferte Tiere, bereits für die weitere Untersuchung vorbereitet.
Weit mehr als 100 Tiere werden täglich aus ganz Niedersachsen eingesandt. In Niedersachsen hat es bisher zwei positive Befunde bei Wildvögeln gegeben: im Landkreis Soltau-Fallingbostel sowie in der Stadt Cuxhaven. Auch werden derzeit Säugetiere, wie Katzen und Steinmarder, auf das Virus untersucht. Bisher ohne Befund.
In den vergangenen zwei Jahren (2003 -2005) wurde vom Bundesforschungsinstitut Tiergesundheit, dem Friedrich-Löffler-Institut (FLI), Insel Riems, ein großangelegtes Geflügelpestmonitoring durchgeführt. Als bundesweit einziges Institut wurde das Team um Prof. Dr. Thalmann vom FLI in dieses Programm einbezogen. Mehr als 20.000 Untersuchungen wurden allein dafür in Oldenburg durchgeführt.

 

03. März 2006
(herausgegeben von der NABU Bezirksgeschäftsstelle Braunschweig)
NABU sammelt Althandys für Naturschutzgroßprojekt
Vodafone spendet 5 Euro für jedes beim NABU abgegebene Mobiltelefon

(Braunschweig) - Der NABU und Vodafone starten eine gemeinsame bundesweite Kampagne zum Recycling gebrauchter Mobiltelefone. Dabei erhält der NABU-Bundesverband für jedes bei uns abgegebene Althandy eine Spende von 5 Euro (Anmerk. d. Red.: seit März 2007 "nur noch" 3,50 Euro) von seinem Kooperationspartner Vodafone. Die Gelder sollen für das NABU-Renaturierungsgroßprojekt `Unteren Havel´ verwendet werden.

Gemeinsam mit den Ländern Brandenburg und Sachsen-Anhalt will der NABU-Bundesverband weite Gebiete in dem größten zusammenhängenden Feuchtgebiet Mitteleuropas wieder naturnah gestalten. "Mit Hilfe der Althandy-Spendengelder von Vodafone will der NABU Altarme wieder anschließen, Ufersäume umgestalten und Fischwanderhilfen bauen. Kanalisierte oder begradigte Ufer sollen so umgestaltet werden, dass dort wieder die Naturlandschaften entstehen, in denen sich Biber, Eisvogel oder Wasseramsel wohlfühlen können. Bei diesem Projekt handelt es sich zur Zeit um das größte europäische Fluss-Renaturierungsprojekt“, erklärt Carlo Fuchs, Leiter der NABU-Bezirksgeschäftsstelle Braunschweig.

"Mit der Aktion will der NABU die Menschen zudem auch im Bereich der mobilen Technologie für das Recycling sensibilisieren und möglichst viele dazu zu bewegen, ihr Handy umweltgerecht zu entsorgen. Viele Besitzer eines neuen Handys wissen gar nicht, dass sie ihr Altgerät recyceln lassen können. Anstatt es wegzuwerfen oder in der Schublade verstauben zu lassen, kann man dieses nun in der NABU-Geschäftsstelle (Hochstr. 18) abgeben. Das lohnt jetzt gleich doppelt, denn dadurch wird die Umwelt geschont und zugleich ein konkretes Naturschutzprojekt unterstützt."

Mittlerweile gibt es 70 Millionen Handy-Nutzer in Deutschland und die Einsatzzeit eines Handys ist kurz: Im Schnitt wird jedes Gerät lediglich 18 bis 24 Monate benutzt und dann durch ein neues ersetzt. Die alten Mobiltelefone verschwinden in den Schubladen - schätzungsweise handelt es sich dabei um 40 bis 50 Millionen Altgeräte, die entsorgt werden müssen. So entstehen jährlich ca. 5.000 Tonnen Elektroschrott, welche die Umwelt bei nicht sachgerechter Entsorgung gefährden können. 

 

14. Dezember 2005
(herausgegeben von der NABU Bezirksgeschäftsstelle Braunschweig)
NABU fordert die Vorlegung eines Aktionsplans zur Luftschadstoffreduzierung in Braunschweig
Unterschriftensammlung für Aktionsplan und Wiederaufstellung des Messcontainers in der Innerstadt


(Braunschweig) - Die interessante Pressemitteilung des Umweltbundesamtes vom Mittwoch den 14.12.2005 nimmt der NABU zum Anlass, auf die in der Stadt Braunschweig fortdauernde Nicht-Einhaltung der EU-Luftqualitätsrahmenrichtlinie und deren Tochterrichtlinien hinzuweisen. Zu den Informationen, welche die vom UBA erstellte Link-Sammlung bietet, gehört letztendlich auch die Bestätigung, dass Niedersachsen in puncto Luftreinhaltung zu den bundesdeutschen Entwicklungsländern gehört.

Nach Aussagen der Stadt Braunschweig liegt die Zuständigkeit zur Luftreinhaltung beim Niedersächsischen Umweltministerium (NMU) in Hannover. Außer der im Frühjahr von dort verlauteten Absichtserklärung, spätestens in diesem Herbst die Erstellung eines Aktionsplans zur Luftschadstoffreduzierung in Braunschweig abzuschließen, ist seitens des NMU jedoch nach wie vor nichts geschehen. Da laut EU- Kommission in Gesamteuropa jährlich 310 000 Menschen vorzeitig an den Folgen von Ozon und Feinstaub sterben, sollte die EU-Luftqualitätsrahmenrichtlinie EG-RL 96/62 und deren Tochterrichtlinie 99/30/EG zur Außenluftqualität, die den zugelassenen Grenzwert für gesundheitsschädliche Feinstäube (PM10) festlegt, bis 2001 umgesetzt werden. Neben einheitlichen Methoden für die Beurteilung der Luftqualität verlangt die EU-Richtlinie von den Kommunen insbesondere auch Aktionspläne zur Einhaltung der vorgegebenen Werte. Ebenso besteht die Verpflichtung, die Bevölkerung über die aktuelle Luftverschmutzung zu informieren.

Mit Abbau des Messcontainers am Bohlweg ist die Beurteilung der seitens der Messstation dokumentiert schlechten Luftqualität der braunschweiger Innenstadt jedoch unmöglich geworden, wodurch folglich auch den Bürgern ihr Recht auf Information beschnitten wurde. Der NABU als einer der Träger des "Braunschweiger Bündnis´ für saubere Luft" fordert den Niedersächsischen Umweltminister Sander deshalb auf, den im April unter dem Vorwand der Bauarbeiten vom Bohlweg entfernten Messcontainer nun endlich wieder aufstellen zu lassen, um den Verpflichtungen der EU-Rahmenrichtlinien nachzukommen. Die damals nachgeschobene Begründung, die Messstation müsste jetzt in einer anderen Kommune eingesetzt werden, obwohl am Bohlweg sogar die festgelegte Anzahl von maximal 35 Grenzwertüberschreitungen pro Jahr bereits im April überschritten wurde, ist anhaltend rechtswidrig. Das Recht auf Information und Gesunderhaltung ist nicht teilbar, sondern die Landesbehörde steht statt dessen in der Pflicht, in benötigter Anzahl Messstationen zur Verfügung zu stellen bzw. falls erforderlich zu beschaffen.

Seit Abzug des Meßontainers aus der braunschweiger Innenstadt kommt das NMU seinen durch die EU-Richtlinie auferlegten Kontroll- und Informationsverpflichtungen nicht mehr nach und kann weder die Wirksamkeit der von der Stadt Braunschweig im April eingeleiteten Sofortmaßnahme beurteilen, noch die Bevölkerung über die Luftverschmutzung informieren und bei Überschreitungen gegebenenfalls warnen. Ob die durch die Stadt am 11.04.2005 angeordnete innerseitige Sperrung des Wilhelminischen Ringes für LKW auch tatsächlich zu einer im wahrsten Sinne des Wortes messbaren Verbesserung der Luftqualität geführt hat, kann folglich nicht beurteilt werden. Da jedoch im Gegenzug die Filterfunktion des Schloßparkes inzwischen nicht mehr vorhanden ist und die getroffene Regelung nicht für den Lieferverkehr des Einzelhandels gilt, ist dies allerdings mehr als zweifelhaft. Insbesondere mit Blick auf die Kinder sowie alte und kranke Menschen ist das ein unhaltbarer Zustand.

Der NABU ruft deshalb zur Unterstützung einer an den niedersächsischen Umweltminister gerichteten Unterschriftensammlung auf, in welcher die sofortige Wiederaufstellung des Messcontainers am Bohlweg sowie das Vorlegen eines Aktionsplans zur Luftschadstoffreduzierung in Braunschweig gefordert wird. Anlaufstelle, auch für die Ausgabe von Unterschriftenlisten, ist die NABU-Bezirksgeschäftsstelle Braunschweig in der Hochstr. 18.

=> Unterschriften-Liste als PDF zum Download (30 KB)

 

06. Dezember 2005
(herausgegeben vom WWF)
Bundesverwaltungsgericht lässt Revision im Rechtsstreit um den Bau des Emssperrwerks zu
WWF-Studien weisen Rückgang von geschützten Arten und Verstöße gegen EU-Recht nach

(Bremen) - Seit dem Bau des Emssperrwerks hat die Zahl der im europäischen Schutzgebiet Nendorper Vorland rastenden Vögel deutlich abgenommen. Zudem hat das Land Niedersachsen es versäumt, die Ems zwischen Papenburg und Emden der EU als „Natura 2000“-Gebiet zu melden. Dies sei jedoch nach den Vorgaben der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie (FHH-RL) zwingend gewesen. Die EU könnte deshalb ein Bußgeld von bis zu 792.000 Euro täglich gegen Deutschland verhängen. Das sind die Ergebnisse von zwei Studien zum Emssperrwerk, die der WWF heute in Bremen vorlegte.

„Unsere Befürchtungen bewahrheiten sich leider. Das  Vogelschutzgebiet verliert durch den politisch rücksichtlosen und wirtschaftlich unnötigen Bau des  Sperrwerks seine ökologische Bedeutung“, so WWF-Expertin Beatrice Claus. Das Sperrwerk sei vor allem gebaut worden, um der Meyer-Werft in Papenburg unabhängig von Ebbe und Flut die Überführung großer Schiffe in die Nordsee zu ermöglichen.

Vor diesem Hintergrund begrüßten mehrere Umweltverbände die kürzlich bekannt gewordene Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes (BVG) in Leipzig, die Rechtmäßigkeit des Baus erneut zu prüfen. Die Richter hatten in einem am 21.11.2005 gefassten Beschluss die von BUND, NABU, WWF und anderen Verbänden angestrebte Revision gegen ein früheres Urteil des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg zugelassen. Das Gericht will nun selbst prüfen, ob das Land Niedersachsen mit dem Bau des 230 Millionen Euro teuren Emssperrwerks gegen europäisches Umweltrecht verstoßen hat. „Die Wiederaufnahme ist eine Chance für die Natur. Wir wollen verhindern, dass das Emssperrwerk zum Präzedenzfall für die ungestrafte Missachtung europäischer Umweltstandards wird“, sagte Claus.

In dem Rechtsstreit geht es um die Frage, ob der Eingriff des Sperrwerks in das Vogelschutzgebiet Nendorper Deichvorland - durch das einer der Anschlussdeiche zum Sperrwerk verläuft – mit der Vogelschutzrichtlinie der EU vereinbar ist. Das Nendorper Deichvorland ist ein bedeutender Nahrungs- und Rastplatz für Grau-, Nonnen- und Blessgänse sowie Pfeifenten. Das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg hatte im Dezember 2004 eine Klage der Verbände gegen den Planfeststellungsbeschluss abgewiesen und eine Revision nicht zugelassen.

 

02. Dezember 2005
(herausgegeben von der NABU Bezirksgeschäftsstelle Braunschweig)
Flughafen Braunschweig-Wolfsburg: NABU stellt Antrag auf Absage des Erörterungstermins und vorläufige Einstellung des Verfahrens

(Braunschweig) - Nach bekannt werden des existierenden Gutachtens der Braunschweiger Planungsgemeinschaft LaReG, welches die Position des NABU bestätigt hat, dass es sich bei dem durch die Verlängerung der Start- und Landebahn des Flughafens betroffenen Waldgebiet um ein faktisches Vogelschutzgebiet handelt, hat der NABU heute bei der Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr den Antrag auf Absage des Erörterungstermins und die vorläufige Einstellung des Planfeststellungsverfahren gestellt.

„Wir halten es für rechtlich nicht vertretbar, dass dieses Gutachten nicht als Teil der Verfahrensunterlagen zur Stellungnahme vorgelegt wurde.“, so Professor Dr. Friedmund Melchert, 1. Vorsitzender der NABU Bezirksgruppe Braunschweig. „Aufgrund der fehlenden Übersendung dieser außerordentlich wichtigen und hochbrisanten Unterlagen ist die Durchführung des Erörterungstermins hinfällig. Alles andere als eine Absage wäre mehr als anrüchig.“

„Der entscheidende Fakt an der Bekanntgabe des vorliegenden Gutachtens ist, dass die Beurteilung einer Planung, die den wissentlichen Eingriff bis zur teilweisen Zerstörung eines `Faktischen Vogelschutzgebiets´ beinhaltet, erst möglich wäre, wenn eine Prüfung nach Artikel 6 der FFH-Richtlinie zulässig ist.“, erläutert Carlo Fuchs, Pressesprecher und Leiter der Bezirksgeschäftsstelle des NABU. „Da die strengen Vorschriften des Artikel 4 der EU-Vogelschutzrichtlinie für faktische Vogelschutzgebiete jedoch direkt gelten und eine Prüfung des Vorhabens nach Artikel 6 der FFH-Richtlinie deshalb ausgeschlossen ist, ist das zur Zeit angestrebte Verfahren unzulässig. Wir freuen uns natürlich, dass unserer Einwendungen, dass es sich bei dem Erweiterungsgebiet um ein ‚faktisches Vogelschutzgebiet´ handelt, nun auch gutachterlich bestätigt wurden, und verweisen unmißverständlich auf die bestehende Rechtsprechung zu faktischen Vogelschutzgebieten (u.a. EuGH Urt. vom 7. Dezember 2001 gegen Frankreich, C 3724/98; Bundesverwaltungsgerichtsurteil vom 01. April 2004, BVerwG C 2.03). Da das Erweiterungsgebiet als ‚faktisches’ EU-Vogelschutzgebiet dem strengen Schutz des Art. 4 Abs. 4 der VRL unterliegt, sind nur überragende Gemeinwohlbelange, wie etwa der Schutz des Lebens und der Gesundheit von Menschen oder der Schutz der öffentlichen Sicherheit geeignet, das Beeinträchtigungs- und das Störungsverbot des Art. 4 Abs. 4 Satz 1 der Vogelschutzrichtlinie zu überwinden (s. EuGH, Urt. vom 28.2.1991 – C 5789). Diese hohen Anforderungen der ständigen Rechtsprechung des EuGH sowie des Bundesverwaltungsgerichts erfüllt die vorliegende Planung nicht. Der NABU hat daher bei der hierfür zuständigen niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr beantragt, das eingeleitete Planfeststellungsverfahren bis zur Ausweisung des faktischen Vogelschutzgebietes und dem Erlass einer Schutzgebietsverordnung für das Gebiet einzustellen.“

„Nicht umhin kommen wir zudem auch um die Feststellung, dass sich unser derzeitiger sogenannter Umweltminister, Hans-Heinrich Sander, ausschließlich dazu äußert, wie die geplante Landebahn doch noch in das Waldgebiet gebaut werden könnte, anstatt sich entsprechend seinem Zuständigkeitsbereich über den Erhalt des potentiellen EU-Vogelschutzgebietes und wichtigsten Brutgebietes für den Mittelspecht in Niedersachsen Gedanken zu machen. Dies spricht einmal mehr für sich.“, so Fuchs.

 

16. Juni 2005
(herausgegeben von der NABU Bezirksgeschäftsstelle Braunschweig)
NABU stellt Strafanzeige gegen den Oberbürgermeister der Stadt Braunschweig
Rodung des Schloßparks massiver Verstoß gegen das NNatG - Erteilung der Ausnahmegenehmigung rechtswidrig

(Braunschweig) - Der Naturschutzbund Deutschland (NABU), Bezirksgruppe Braunschweig e. V., hat am Donnerstag den 16.06.2005 gegen den Oberbürgermeister der Stadt Braunschweig, Herrn Dr. Gert Hoffmann, sowie gegen Unbekannt Strafanzeige erstattet. Begründet wurde die Strafanzeige mit dem massiven Verstoß gegen die Verbote nach § 37 (1) des Niedersächsischen Naturschutzgesetzes und § 42 (1) des Bundesnaturschutzgesetzes im Zusammenhang mit der Fällung von ca. 270 Bäumen des Braunschweiger Schlossparks sowie der Entfernung des gesamten Unterholzes und Buschwerkes in den Folgetagen.

Wie die ersten beiden Vorsitzenden des NABU, Prof. Dr.-Ing. Friedmund Melchert und Carlo Fuchs, mitteilten, hält der NABU bereits die Erteilung einer Ausnahmegenehmigung aufgrund der in der Pressemitteilung des Oberbürgermeisters vom 18. Mai 2005 genannten Gründe für rechtswidrig. Die angegebenen „wirtschaftlichen Nachteile“ einer Verschiebung der Maßnahmen um wenige Wochen bis zum Ende der Brutperiode rechtfertigten nicht den massiven Eingriff und Verstoß gegen die Naturschutzgesetze. Dem OB war dabei bekannt, dass dieser Termin mitten in der Brutzeit lag und damit die Vernichtung von Nest-, Brut-, Wohn- und Zufluchtstätten wild lebender Tiere der besonders und streng geschützter Arten zur Folge hatte.

„Trotz zweier konkreter schriftlicher Nachfragen an Herrn Dr. Hoffmann durch uns als NABU Bezirksgruppe sowie einer zusätzlichen Nachfrage durch unseren Landesverband hat der NABU bisher weder den Text der Ausnahmegenehmigung noch die angefragte Auskunft über Durchführung, Überwachung und Einhaltung erteilter Auflagen erhalten“, informiert Prof. Dr. Friedmund Melchert. "Dies steht uns nach dem UIG (Umweltinformationsgesetz) zu", so Carlo Fuchs. „Vor einer Strafanzeige hätten wir zwar gern die vollständigen schriftlichen Unterlagen eingesehen, aber wir lassen uns jetzt nicht länger hinhalten. Welchen Stellenwert der Naturschutz für die jetzige Verwaltungsspitze hat, zeigt auch die beschämende Tatsache, dass Herr Dr. Hoffmann es nicht für nötig hält, dem Träger der Bürgermedaille der Stadt Braunschweig persönlich auf seine Anfragen zu antworten. Statt dessen wurde Herrn Prof. Dr. Melcherts erstes Anschreiben vom 19.05. an den Fachbereichsleiter Meyer weitergereicht, der in einem kurzen Anschreiben nicht eine einzige der gestellten Fragen beantwortet hat“.
Prof. Dr. Melchert war im November 2002 auf Vorschlag des Umweltamtes in einer offiziellen Feierstunde im Rittersaal des Altstadtrathauses zusammen mit seiner Frau Annemarie für jahrzehntelanges, ehrenamtliches Engagement für den Naturschutz mit der Bürgermedaille der Stadt Braunschweig ausgezeichnet worden – vorgenommen von dem 1 Jahr zuvor gewählten neuen Oberbürgermeister Hoffmann.

„Davon abgesehen, dass wir die erteilte Ausnahmegenehmigung an sich bereits für rechtswidrig halten, sind, soweit man dies ohne Einsichtnahme in die Akten beurteilen kann, zudem sowohl in der erteilten Genehmigung als auch in der Ausführung eine Reihe von weiteren naturschutzfachlichen Mängeln festzustellen. Sachlich festzuhalten ist, dass die geborgenen 5 Nester und 20 Vogeleier nur einen kleinen Bruchteil der tatsächlich vorhanden gewesenen und zerstörten Vogelniststätten darstellen. Es erscheint uns deshalb unmöglich, dass es im Bereich des Schlossparks nur diese extrem geringe Zahl von Nestern und Eiern gegeben haben soll und Mitte Mai ausgerechnet nur im Schlosspark nicht einen einzigen Nestling (Jungvogel). Gerade nach der Schließung des Bauzaunes ab 20. April waren die Singvögel in der Hauptbrutzeit ungestört von Passanten, so dass gegenüber vergleichbaren Bereichen eher von einer höheren als einer extrem niedrigen Nesterzahl auszugehen ist. Des weiteren wird weder in der Pressemitteilung des OB noch in den weiteren Stellungnahmen der Stadt in der Presse auf die Wohn- und Zufluchtsstätten anderer Tiere eingegangen, so dass wir bezweifeln, dass diese bei der Erteilung der Ausnahmegenehmigung berücksichtigt wurden.

Anzumerken ist noch, dass die Strafanzeige bereits letzten Freitag gestellt werden sollte, aber der Kriminaldauerdienst, aufgrund von Einsparmaßnahmen personell unterbesetzt und überlastet, hätte die Anzeige erst nach für uns mehrstündiger Wartezeit von uns aufnehmen können, so dass wir das Stellen der Strafanzeige verschoben und den Schriftsatz nun einige Tage später selbst formlos aufgesetzt haben.

Zu der am Mittwoch den 15. Juni in der BZ zu lesenden Ablehnung der von der Initiative Innenstadt gestellten Fachaufsichtsbeschwerde ist aus Sicht des NABU folgendes anzumerken:
Da wir die gegen den Naturschutz ausgerichtete Amtsführung des derzeitigen niedersächsischen Umweltministers inzwischen zur Genüge kennen gelernt haben, hatten wir uns diesen Weg geschenkt. Herr Sander (FDP) hat bereits mit erschreckender Regelmäßigkeit bewiesen, dass er fachlich eine echte Fehlbesetzung ist und statt dessen seit seinem Amtsantritt sein ganzes Handeln auf die Zerschlagung sowohl des ehrenamtlichen als auch des behördlichen Naturschutzes ausgerichtet – für das Amt eines Umweltministers eine Schande. Für uns war daher zu erwarten, dass die Führungsebene des Umweltministeriums auf eine derartige Beschwerde nur parteipolitische Gefälligkeiten verteilen lässt, statt ihrer Dienstpflicht nachzukommen“ so Carlo Fuchs. „Die Art und Weise, wie hier unsachlich und am Thema vorbei argumentiert wurde, ist aber trotzdem einmal mehr erschütternd. Wir empfehlen jedoch Herrn Hoffmann, über diese angebliche `Rechtsauffassung´ des Umweltministeriums keine Freude aufkommen zu lassen, denn diese Stellungnahme ist nicht das Papier wert, auf dem sie geschrieben wurde. So etwas kann uns nicht beeindrucken.“

 

19. September 2004
(herausgegeben vom NABU Braunschweig)
"Balance - mein Körper im Gleichgewicht" von den Besuchern sehr positiv aufgenommen
Über 13.000 Besucher auf der Erlebnis-Ausstellung der Gmünder Ersatzkasse (GEK) sowie am Ausstellungsstand des NABU

Auf großes Besucherinteresse und durchweg positive Resonanz stieß die von der GEK (Gmünder Ersatzkasse) konzipierte Ausstellung "Balance - mein Körper im Gleichgewicht", die vom 11.- 19. September in der Millenium-Halle in Braunschweig gastierte. Der im letzten Jahr zum 125jährigen Bestehen der GEK entwickelte Erlebnis-Parcour durch den menschlichen Körper (siehe www.Balance-Ausstellung.de) tourt seit 2004 als Wanderausstellung durch die Republik und zog täglich zwischen 09 und 19 Uhr einen stetig wachsenden Besucherstrom auf das Gelände der ehemaligen Ziegelei. Wurde an den vorherigen Stätten ein täglicher Besucherschnitt von 1000-1500 Personen registriert, so strömten in Braunschweig über 13.000 Besucher - davon 3300 Schüler - in den multimedial ausgestatteten Anatomieexkurs, was bei 9 Öffnungstagen einem täglichen Schnitt von rund 1450 Interessierten entspricht. Aufgrund der verzögerten Berichterstattung der örtlichen Medien hätten es vermutlich auch noch wesentlich mehr sein können, wobei der pressebedingt sehr unterschiedlich verteilte Besucherstrom mit z. T. über 2000 Besuchern in den letzten Tagen auch deutlich an die Kapazitätsgrenzen der Ausstellung stieß. Der im sogenannten "Partner-Forum" direkt am Ausgang der Ausstellung gelegene und als optischer Kontrapunkt auffällig naturnah gestaltete große Stand des NABU wurde von den Besuchern ebenso positiv aufgenommen und war quasi durchgehend stark frequentiert. Die hervorragende Kooperation der GEK (Gmünder Ersatzkasse) mit dem Naturschutzbund in Braunschweig ist beispielhaft und soll seitens des NABU an dieser Stelle ausdrücklich lobend hervorgehoben werden.
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16. April 2004
(herausgegeben von Die Tageszeitung online)
The American Way: Niedersachsen by Nature
Touristen sollen nach dem Willen von Umweltminster Sander auch in Naturschutzgebiete dürfen - Ein Konzept gibt es noch nicht

(Emden) - Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander hat eine Idee. Er verkündete sie - zwischen Lachs und Zungenwurst - auf einem Pressefrühstück kurz vor Ostern. Der FDP-Mann will Niedersachsen zu einer Art Serengeti-Park umbauen. Naturschutzgebiete und Nationalparks sollen im Bundesland zwischen Wattenmeer und Harz großzügig für den Naturtourismus geöffnet werden. "Nur wer die Natur kennt, will sie auch schützen", so Sander, der als bekennender Fan amerikanischer Nationalparks gilt.

"Viele bedrohte Tiere haben sich längst an Menschen gewöhnt. Die Alttiere geben ihre Zutraulichkeit an die Jungen weiter", erklärt der Umweltminister den "Serengeti-Effekt". Als Konsequenz könnten diverse Schutzzonen aufgehoben werden. Immerhin würden in den USA die Nationalparks sehr viel strenger geschützt und kontrolliert als bei uns. Letzteres können Umweltverbände nur bestätigen. Und wundern sich daher: "Sollte Sanders Idee Wirklichkeit werden und das amerikanische Modell auf Niedersachsen übertragen werden, dann müsste die Regierung sehr viel mehr Geld in Aufsichtspersonal, Informationshäuser und Leitsysteme investieren", so Birgit Weerts vom World Wildlife Fonds (WWF) in Bremen. An eine Aufstockung des Naturschutzetats - derzeit sind das in Niedersachsen rund 22,5 Millionen Euro - denkt das Umweltministerium aber keineswegs.

Naturschutzetat gekürzt

Im Gegenteil, unter den Naturschutzverbänden in Niedersachsen geht derzeit das Gespenst der Pleite um. "Wir wollen in Zukunft eher konkrete Projekte unterstützen und nicht mehr den Verbänden pauschal Geld überweisen", bestätigt ein Sprecher des Ministeriums. Außerdem stehen Etatkürzungen in den Nationalparkhäusern an. "Hier wird informiert, hier werden Zusammenhänge erklärt. Wenn der Minister ohne neue Investitionen Naturschutzgebiete öffnet, zerstört er Natur", sagt Ulrich Thüre, stellvertretender Geschäftsführer des Naturschutzbundes (NABU) Niedersachsen.

Um seine Idee zur Öffnung von Naturschutzgebieten zu begründen, beruft sich Umweltminister Sander auf "neue wissenschaftliche Erkenntnisse". "Wir meinen damit die Beobachtungen der ehrenamtlichen Helfer des Niedersächsischen Landesamtes für Ökologie (NLÖ) und Beobachtungen unserer Mitarbeiter am Maschsee in Hannover. Da fühlen sich Reiher nicht mehr von den Menschen gestört", stutzt Magnus Buhlert, Sprecher des Umweltministeriums, die wissenschaftlichen Erkenntnisse des Ministers auf ihr tatsächliches Maß zurück.

Schutz sichert Vielfalt

Abgesehen davon, dass das Umweltministerium just dieses Landesamt für Ökologie gerade abschafft, gibt es tatsächlich Untersuchungen - nur: die widersprechen dem Minister. "Biber, Fischotter, Seeschwalben, viele bedrohte Arten haben sich gerade in streng geschützten Regionen wieder angesiedelt. Es gilt die Faustregel, je strenger eine Fläche geschützt ist, desto mehr Arten siedeln sich an", so Birgit Weerts vom WWF.

Ein Konzept für eine Öffnung der Naturschutzgebiete gibt es ebenso wenig, wie eine Studie über Kapazitäten die für einen erweiterten "Naturtourismus" zur Verfügung stehen. "Wir wollen das erstmal ausprobieren", sagt der Sprecher des Umweltministeriums. Mit den zuständigen Behörden hat der Minister seine Idee noch nicht abgesprochen. Aber die haben Angst. Denn gerade im Naturschutzbereich droht in Niedersachsen im Zuge der Verwaltungsreform ein Kahlschlag. Dabei sind im Harz oder an der Nordsee die Begehrlichkeiten der Tourismusindustrie groß, die Kapazitäten aber längst erschöpft. "Bei mehr als drei Millionen Gästen und über 20 Millionen Übernachtungen direkt im und am Nationalpark Wattenmeer kann ich mir nicht vorstellen, was der Minister da noch für den Tourismus freigeben will", meint eine Mitarbeiterin des Ministers.

Gelenkte Touren sind o.k.

Dabei wenden sich die Umweltverbände nicht pauschal gegen den Naturtourismus. "Wir praktizieren das schon lange. Mit Gänsebeobachtungen, Führungen durch Moore und zu Biberburgen. Das sind gelenkte und betreute Touren", sagt Ulrich Thüre vom Nabu. Aber selbst diese Aktionen stoßen mitunter auf Kritik. "Wir haben nachgewiesen, dass nach den Naturtouren der Verbände die Besucher wild in geschützte Gebiete eindringen", bedauert Manfred Knake vom Wattenrat in Esens/Ostfriesland.

Was tatsächlich passiert, wenn Schutzgebiete für Freizeitaktivitäten geöffnet werden, das hat Umweltminister Sander gerade in Emden im Naturschutzgebiet Petkumer Vordeich durchgespielt. Dort wurde zunächst ein Treibgutabfuhrweg durch ein 200 Hektar großes Natur- und europäisches Vogelschutzgebiet gebaut. Statt wie üblich einen einfachen Spurweg zu verlegen, baute die Deichwacht in Absprache mit der Stadt Emden eine Betonpiste in die Landschaft. Die FDP-Stadtfraktion bedrängte ihren Umweltminister in Hannover daraufhin, diesen Weg als Radweg freizugeben. Der Minister versprach Hilfe. Und nachdem die Stadt Emden offiziell die Freigabe des Weges beantragt hatte, gab es kein Halten mehr. Trotz zahlreicher Anzeigen ließen die Verantwortlichen zu, dass Angler mit ihren Autos den Weg befuhren, mehrere Monate der eigentlich gesperrte Weg illegal als Rad- und Spazierweg genutzt wurde.

Die EU soll´s richten

"Mitten in der Brutzeit haben Hunde Wattvögel gejagt. Der Petkumer Vordeich ist Nahrungs- und Rastgebiet von 16.000 Nonnengänsen. Schon ein Radfahrer verscheucht in einer Distanz von 80 Metern die Tiere. Damit ist dieser ehemals geschützte Bereich zerstört", ärgert sich Eilert Voss, seit Jahren ehrenamtlich im Naturschutz an der Küste tätig. Jetzt gab der Minster den Deichweg offiziell als Radweg frei. Das Schutzgebiet ist endgültig entwertet.

Hilfestellung gegen die ministeriale Idee, solche Zustände auch in anderen Naturschutzgebieten einzuführen, erhoffen sich die Naturschützer nun von der Europäischen Union. Denn viele Naturschutzgebiete, wie auch das Vogelschutzgebiet Petkumer Vordeich, unterliegen dem EU-Recht - es gelten strenge Regeln. "Entweder ist dem Minister das egal, oder er weiß das nicht. Aber wir werden ihn daran erinnern", sagt Manfred Knake vom Wattenrat Ostfriesland kampfeslustig.

(taz Nord Nr. 7335 vom 16.4.2004, Seite 24, 210 TAZ-Bericht Thomas Schumacher)

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15. Januar
2004
(herausgegeben vom NABU Pressedienst Niedersachsen)
Fledermausschlaf auf dem Dachboden und in Kellergewölben
NABU: Störungen im Winterschlaf gefährden die Tiere

(Hannover) - Zu den guten Vorsätzen im neuen Jahr gehört es manchmal, den Dachboden oder den Keller endlich einmal zu entrümpeln. Doch Vorsicht, denn gerade dort können Fledermäuse jetzt Ihren Winterschlaf halten. Die sensiblen Nachtjäger suchen sich im Winter möglichst frostsichere, leicht feuchte Quartiere auf, um dort die insektenarme Zeit winter schlafend zu überdauern, berichtete der NABU Niedersachsen.

In dieser Zeit sind die Tiere äußerst störungsempfindlich. Jedes unfreiwillige Aufwachen kostet viel überlebenswichtige Energie, denn der Körper wird zunächst energieaufwändig auf Betriebstemperatur gebracht, um zu fliehen und sich einen neuen Unterschlupf zu suchen. Dabei werden die im Sommer angefressenen Fettreserven unnötig verbraucht.

In unseren Breiten, dem norddeutschen Tiefland, dienen oft große Dachböden und Keller als Ersatzwinterquartiere für natürliche Höhlen, in denen die Bedingungen für eine Überwinterung am günstigsten wären. Wenige Arten legen im Herbst lange Strecken zu ihren Winterquartieren zurück, in der Regel sind es ca. 30 bis 250 Kilometer.

“Im Idealfall jedoch dient der warme Dachboden im Sommer als Wochenstube und die feuchten, kühlen Kellergewölbe als Winterquartier”, betonte Melanie Beinhorn, NABU Fledermausexpertin. Eine Ausnahme bilden die Abendsegler und Rauhautfledermäuse, die es wie Storch und Co. während des Winters in den sonnigen Süden zieht.

Fledermäuse stellen hohe Ansprüche an ihre Winterquartiere: Zwischen drei und sechs Grad kalt mit über 80 Prozent Luftfeuchte sollte der Platz für den Winterschlaf zwischen November und März sein. Nur die Zwergfledermaus, die kleinste unserer heimischen Fledermausarten ist ‚hart im Nehmen‘, wenn es um die Winterschlafplätze gehe. Auch Frostperioden mit Minusgraden überstehen die Tiere unbeschadet, so Melanie Beinhorn weiter. Zwergfledermäuse machen keinen Winterschlaf im üblichen Sinne, sondern ruhen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und sind schnell wieder aktiv, wenn Wärmeperioden eintreten.

Kommt es bei der Entrümpelung zu einer überraschenden Begegnung mit Fledermäusen, sollten Sie den Keller oder Dachboden verlassen und Störungen bis Mitte März möglichst vermeiden. Dann verlassen die Tiere das Winterquartier und wechseln in ihre Sommerlebensräume.

Haben Sie weitere Fragen zu Fledermäusen und zur Schaffung von Fledermausquartieren rund um das Haus wenden Sie sich bitte an den NABU Niedersachsen. Kontakt: Melanie Beinhorn, Tel 0511- 9110522. Dort ist auch das Fledermausinfopaket zum Preis von 8 Briefmarken á 55 Cent erhältlich: NABU Niedersachsen, Stichwort: `Winterfledermäuse‘, Calenberger Str. 24, 30169 Hannover.

 

17. Dezember 2003
(herausgegeben vom NABU Braunschweig)
Stellungnahme des NABU zur Abholzung von Erlenbruchwald im NSG Riddagshausen

(Braunschweig) - Wie der NABU aktuell feststellen musste, ist im NSG Riddagshausen nahe Schäfersruh auf einer Länge von mindestens 100 m Erlenbruchwald abgeholzt worden – nach unseren Informationen nach Absprachen zwischen Unterer Naturschutzbehörde (Hr. Dr. Hoppe-Dominik) und dem FB Stadtgrün (Hr. Laser) mit Genehmigung der Oberen Naturschutzbehörde (BezReg. BS, Hr. Dr. Grunert). Mit großem Bedauern musste wir registrieren, dass der NABU in diese, von erheblichem Umfang geprägte, sogenannte Pflege- und Entwicklungsmaßnahme weder fachlich einbezogen wurde noch zu irgendeinem Zeitpunkt in jüngerer oder älterer Vergangenheit über dieses Vorhaben wenigstens informiert worden ist.

Dass der NABU, der dieses Gebiet nun seit fast einem Jahrhundert betreut, hier insbesondere auch im Vogelschutz höchste Fachkompetenz vorweisen kann, ist allgemein bekannt. Zudem sammeln in dem Gebiet gleich mehrere Arbeitsgruppen des NABU - alle mit zweistelligen Mitarbeiterzahlen ! – für Ihren jeweiligen Fachbereich Daten. Dieses sind u. a. die Arbeitsgemeinschaft „Europareservat Riddagshausen / Weddeler Teichgebiet“, die „Faunistische Arbeitsgemeinschaft Südost-Niedersachsen“, die Arbeitsgruppe „Fledermausschutz“ oder auch die Arbeitsgruppe „Amphibienschutz“. Warum hier von den verantwortlichen Mitarbeitern der Unteren Naturschutzbehörde selbstherrlich auf die Einbindung dieser geballten Orts- und  Fachkenntnisse des NABU verzichtet wurde, ist nicht nachzuvollziehen. Zwar bestand hier keine gesetzliche Einbindungspflicht, aber gerade nach der jüngst erst heftig kritisierten, katastrophalen Kooperations- und Informationspolitik der Bezirksregierung im Zusammenhang mit einem anderen massiven Eingriff in das NSG (Bejagung von Wasservögeln), ist ein derartiges Verhalten entgegen einer Zusammenarbeit für dieses wertvolle Gebiet um so verwunderlicher.

Zudem stellt sich uns die Frage, ob aktuell und in Zukunft nur noch derjenige Naturschutzverband informiert geschweige denn fachlich hinzugezogen wird, der zufällig selbst von etwaigen Maßnahmen Kenntnis bekommt? Wie wir von den Kollegen des BUND erfahren haben, ist deren Mitarbeitern diese Maßnahme kurz vor Durchführung per Zufall bekannt geworden, woraufhin Sie nach einem sofort von Ihnen beim Leiter des Fachbereichs eingereichten Protest anschließend von dem Abt.-Leiter Naturschutz, Herrn Köhler, zu einem (am Freitag auf Montag extrem kurzfristig angesetzten) Ortstermin eingeladen wurden. Mit Befremden mussten wir hier wiederum zur Kenntnis nehmen, dass selbst dann der NABU als der bekanntermaßen seit Jahrzehnten dieses Gebiet intensiv betreuende Naturschutzverband weder informiert noch ebenfalls zu diesem Ortstermin hinzugezogen wurde. Über diese Vorgehensweise der beiden verantwortlichen Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde, den NABU hier explizit auszugrenzen, haben wir aktuell die Leiterin der Behörde schriftlich informiert. Eine Reaktion hierzu steht noch aus.

Da wir selbst bisher keinerlei Information zu den naturschutzfachlich-planerischen Hintergründen dieser Maßnahme bekommen haben, können wir uns nur auf die Aussagen der bei uns anfragenden BZ-Redakteurin Fr. v. Wille stützen, dass laut Mitteilung der Abt. Umweltschutz angeblich Weißstorch, allgemein Feuchtwiesen und deren Vögel sowie Orchideen gefördert werden sollen. Nach Mitteilung des BUND ist bei dem Ortstermin am 01.12.2003 von Herrn Dr. Hoppe-Dominik der Weißstorch als „Zielart“ benannt worden. In einem Gespräch bzgl. Riddagshausen erhielt eine Mitarbeiterin des NABU Landesverbandes auf ihre eigene Nachfrage von Herrn Dr. Grunert die Auskunft, dass hier insbesondere eine ehemalige Orchideenwiese gefördert werden solle.

Zu diesem Sammelsurium unterschiedlicher Mitteilungen möchte der NABU Pressesprecher und Leiter der NABU Arbeitsgemeinschaft "Europareservat Riddagshausen / Weddeler Teichgebiet“, Carlo Fuchs, wie folgt Stellung beziehen:

1.)    in einem EU-Vogelschutzgebiet eine nach der EU-Vogelschutzrichtlinie in Anhang I aufgeführte prioritäre Art als Zielart für diese Maßnahme zu benennen, ist zwar in der Theorie lobenswert, in diesem Fall in der Praxis aber wenig erfolgversprechend. Nach der Datenbank des NABU konnten z. B. in einer Reihe von Teilbereichen der Okeraue, die eine ähnliche, mit Bäumen durchzogenen Habitatstruktur aufweisen, in den letzten Jahren regelmäßig Weißstörche bei der Nahrungsaufnahme beobachtet werden. Aufgrund der hohen Besucherfrequenz und des damit verbundenen hohen Störungspotenzials ist ein signifikant vermehrtes Auftreten des Weißstorchs in diesem Gebiet jedoch nach wie vor nicht zu erwarten.

2.)    Bezüglich der dort bisher nicht aufgetretenen Wiesenlimikolenarten ist zu erwarten, dass diese die bestehenden Wiesenflächen ebenfalls nach wie vor meiden werden, da diese Arten zum Schutz vor Greifvögeln nur in offenen, also weit einsehbaren Wiesenflächen auftreten, was durch den ringsum immer noch vorhandenen Bruchwald nach wie vor nicht gegeben ist.

3.)    Bleibt noch das angeblich ehemals dort vorhandene Orchideenvorkommen. Nach unserer Kenntnis, die sich auf den inzwischen lange pensionierten, ehemaligen Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde Rudolf Reinecke begründet, war die jetzt freigestellte Wiesenfläche in früheren Zeiten keine Orchideenwiese. Eine solche befand sich vis-a-vis östlich von Schäfersruh, wobei diese Fläche im Laufe der Jahre immer mehr zurückging und dann (vor Jahrzehnten) irgendwann umgebrochen wurde.

Bei dem massiven Eingriff wurde im NSG auf einer Länge von ca. 100 x 40 Metern Erlenbruchwald, ein nach §28a NNatG besonders geschützter Biotoptyp, komplett abgeholzt und gerodet. Gemäß § 28a (2) sind alle Handlungen, die zu einer Zerstörung oder sonst erheblichen Beeinträchtigung des besonders geschützten Biotop führen können, verboten. Dass hiervon sogenannte Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen ausgenommen sind, war für das NSG in diesem Fall nicht von Vorteil. Zwar muss für eine solche Maßnahme bei der Oberen Naturschutzbehörde eine Ausnahmegenehmigung eingeholt werden, aber bei der derzeitigen Genehmigungspraxis gibt dies nicht gerade Anlass zu Optimismus.

Als Resümee bleibt hier also nur zu ziehen, dass aus naturschutzfachlicher Sicht zwar nicht grundsätzlich jede Abholzung sinnlos ist, diese hier aber schon.

 

16. Dezember 2003
(herausgegeben von der Landtagsfraktion Bündnis90/Die Grünen)
Sander nach Besuch im Schacht Konrad unter Druck - Rücktritt verlangt

(Hannover) - Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) ist wegen seines umstrittenen Besuchs des möglichen Atommüllendlagers Schacht Konrad unter Druck geraten. Die Grünen- Fraktionschefin im Landtag, Rebecca Harms, forderte den Rücktritt des Ministers. «Dieser Mann kann nicht Umweltminister bleiben, Ministerpräsident Christian Wulff muss ihn entlassen», sagte Harms der «Braunschweiger Zeitung» (Mittwoch-Ausgabe). Auch Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) kritisierte seinen niedersächsischen Amtskollegen.

Auslöser der Streits ist der Besuch von Sander im Endlager Schacht Konrad in Salzgitter am Montag. Der Minister hatte dort vor Pressefotografen mit einem geschenkten T-Shirt posiert, auf dem das Warnzeichen für Radioaktivität mit dem Slogan «kerngesund» aufgedruckt war. Damit verhöhne Sander Strahlenopfer, kritisierte Harms. Bundesumweltminister Trittin sagte am Dienstag in Berlin, Sander versuche «offenbar verzweifelt, Niedersachsen zum Atomklo der Republik zu machen». Mit seiner Forderung, Schacht Konrad müsse schnell in Betrieb gehen, ignoriere Sander die Sorgen und Einwände der betroffenen Bevölkerung.

Minister Sander sagte am Dienstag zur Kritik Trittins, auch dieser wisse, wie gut geeignet Schacht Konrad sei. Sonst hätte Trittin 2002 der Genehmigung nicht zugestimmt. «Die Tatsache, dass er sich auf ein einziges, neu zu bestimmendes Endlager festgelegt hat, ist rein politisch motiviert. Fachlich, sozial und volkswirtschaftlich ist dieses Ein-Endlager-Konzept aber nicht tragfähig.»

Die Grünen-Fraktionschefin Harms erklärte weiter, Sander sei ein «Werkzeug», um die Suche nach einem Atomendlager in Deutschland zu blockieren. Die Politikerin warf dem Minister außerdem Inkompetenz vor. Nach einem dreiviertel Jahr im Amt sei von ihm aber Kompetenz zu erwarten. Über das weitere Vorgehen will Harms zunächst mit ihrer Fraktion beraten. In jedem Fall werde der Besuch Sanders in Salzgitter aber Thema der Januarsitzung im Landtag.

Trittin sagte, mit der Festlegung, bereits nach positiven Gerichtsentscheidungen der ersten Instanz mit der Umrüstung des Bergwerkes in Salzgitter zum Endlager zu beginnen, würden «teure Fakten geschaffen, bevor Rechtssicherheit herrscht». Für besondere Eile gebe es aber gar keinen Grund. Wegen des Ausstiegs aus der Atomkraft und neuer Verpackungstechniken der Abfälle werde das Volumen des einzulagernden Atommülls im Vergleich zu älteren Schätzungen deutlich geringer ausfallen.

Sander sagte dazu, in Konrad sollten radioaktive Abfälle aus Forschung, Industrie, Gewerbe und Medizin sicher endgelagert werden. Die Gesundheit der Menschen vor Ort dürfe in keiner Weise gefährdet sein. Dafür trügen die Fachleute und die Politiker Verantwortung. Mit Blick auf das T-Shirt meinte er: «Nicht mehr und nicht weniger sagt das Geschenk des Betriebsratsvorsitzenden - der im Übrigen auch SPD- Fraktionsvorsitzender im Rat der Stadt Salzgitter ist - aus.»

 

16. Dezember 2003
(herausgegeben von der Landtagsfraktion Bündnis90/Die Grünen)
Aus Kompostverordnung wird Brennverordnung - Umweltminister Sander zündelt

(Hannover) - Scharfe Kritik am heutigen (Dienstag) Kabinettsbeschluss zur Kompostverordnung kommt von den Landtagsgrünen. "Umweltminister Sander legt die Lunte an eine bewährte Regelung", sagte der kommunalpolitische Sprecher Andreas Meihsies. Die Zielsetzung werde schon durch die Umbenennung von Kompostverordnung in Brennverordnung deutlich. Jetzt werde in Niedersachsen der Verbrennung wieder Tür und Tor geöffnet.

In der Vergangenheit war das Verbrennen von Gartenabfällen nur in eng begrenzten Ausnahmefällen, zum Beispiel bei Schaderregern an Pflanzen erlaubt. Die generelle Einführung von Brenntagen, wie sie von manchen Gemeinden praktiziert wird, war bei enger Auslegung der Kompostverordnung nicht gedeckt. Gerade die zahlreichen Beschwerden aus der Bevölkerung über erhebliche Belästigungen beim
unkontrollierten Abbrennen von pflanzlichen Abfällen hatten es notwendig gemacht, in der Kompostverordnung den Vorrang der Kompostierung deutlich hervorzuheben. Die entsorgungspflichtigen Körperschaften in Niedersachsen hatten daraufhin ausreichend Sammelstellen oder einen Abholservice für Grünabfälle eingerichtet. Anlagen zur Herstellung von Qualitätskompost und regionale Vermarktungsstrukturen gehören seit langem zu den Umweltstandards.
"Sander zündelt erneut in einer wichtigen umweltpolitischen Frage", sagte Meihsies und empfiehlt den Kommunen die alte Regelung der Kompostverordnung beizubehalten. Der Grünen-Politiker befürchet, dass ansonsten der wirtschaftliche Betrieb der Kompostierungsanlagen gefährdet wird und andererseits eine erhöhte Belastung mit Luftschadstoffen durch unkontrollierte Verbrennung von Grünabfällen in Wohngebieten zu erwarten ist.

 

16. Dezember 2003
(herausgegeben vom Niedersächsischen Umweltministerium)
Kabinett beschließt Brenn-Verordnung

(Hannover) - Das Kabinett hat heute (Dienstag) die "Verordnung über die Beseitigung von pflanzlichen Abfällen außerhalb von Abfallbeseitigungsanlagen (BrennVO)" beschlossen. Danach ist es den Gemeinden künftig gestattet, an von ihnen bestimmten Tagen Brenntage zuzulassen. Eine Beschränkung der Anzahl der Brenntage ist nicht mehr vorgesehen, da die Verantwortung im Rahmen der Deregulierung weitgehend auf die Gemeinden übertragen werden soll.

Regelungen zum Brandschutz und zur Verkehrssicherheit wurden nicht in die neue Verordnung übernommen. In Absprache mit der zuständigen Feuerwehr und den betroffenen Fachbehörden kann die Gemeinde eigenverantwortlich festlegen, welche Schutzmaßnahmen sie beim Verbrennen pflanzlicher Abfälle ergreift. Die Brenn-Verordnung enthält lediglich Regelungen, unter welchen Voraussetzungen (trockene Witterung, starker Wind, mooriger Untergrund und Schutzzonen I von Wasserschutzgebieten) das Verbrennen generell verboten ist. Das Verbot, Treibsel zu verbrennen, bleibt bestehen. Auch zukünftig soll es den unteren Abfallbehörden überlassen werden, für das Verbrennen von Treibsel Ausnahmeregelungen zuzulassen, wenn dafür ein Bedürfnis besteht.

 

12. Dezember 2003
(herausgegeben vom Niedersächsischen Umweltministerium)
Sander vergibt Umweltpreis 2003 der Niedersächsischen Umweltstiftung

(Hannover) - Am (heutigen) Dienstag hat Umweltminister Hans-Heinrich Sander den mit insgesamt 10.000,- Euro dotierten Umweltpreis 2003 der Niedersächsischen Umweltstiftung im Rahmen eines Festaktes im Gästehaus der Landesregierung verliehen. Sander ist seit dem 18. November 2003 Vorstandsvorsitzender der Niedersächsischen Umweltstiftung.

Der erste Preis - dotiert mit 6.000 Euro - ging an die 'Gesellschaft für Naturland Einbeck und Umgebung e.V.'. Die Gesellschaft, die durch ihren Vorsitzenden Udo Narjes vertreten wurde, ist ein Zusammenschluss ver- schiedener Umweltverbände, Vereine und Institutionen sowie von Privatpersonen. Sie ist sowohl in der Umweltbildung als auch im Boden-, Wasser-, Landschafts- und Artenschutz mit einer Vielzahl praktischer Projekte tätig - wie zum Beispiel die Renaturierung des 'Krummen Wassers' bei Kuventhal. Sander hob in seiner Laudatio besonders die Organisationsstruktur der Gesellschaft für Naturland hervor: "Es ist den Preisträgern vorbildlich gelungen, Naturschützer, Fischer und Jäger zusammenzuführen, also Gruppen mit nicht immer gleicher Zielsetzung."

Die beiden nachfolgenden Preisträger seien von der Jury als gleichwertig eingestuft worden, sagte Sander. So erhielt Frauke Kruggel von der Veranstaltungsagentur FunKontor aus Cuxhaven 2.000 Euro für das Umweltbildungsprojekt 'Das Blaue Klassenzimmer - das Umweltprojekt am Wattenmeer'. Das 'Blaue Klassenzimmer' gibt mit seiner Idee der "Strandschule" Schülerinnen und Schülern einen unmittelbaren und spielerischen Einblick in das schützenswerte Ökosystem Wattenmeer mit seiner vielfältigen Flora und Fauna. "Solch neue Ansätze der Umweltbildung macht unsere Kindern sensibel und verantwortungsbewusst im Umgang mit der Natur", lobte Sander.

Ebenfalls 2.000 Euro gingen an die 'Stiftung Hof Hasemann', die bei dem Festakt durch ihren Vorstandsvorsitzenden und Gründer Wilhelm Hasemann aus Bramsche vertreten wurde. "Die Stiftung wird ausgezeichnet, weil sie im Naturschutz neue, zukunftsweisende Wege geht", betonte der Minister. Ihr Gründer habe die Flächen seines landwirtschaftlichen Betriebes freiwillig als ökologischen Flächenpool ausgewiesen und Teile davon in die gemeinnützige Stiftung überführt. Diese stelle den Flächenpool wiederum zur Kompensation von Eingriffen in Natur und Landschaft zur Verfügung. Dadurch könne - anstelle vieler kleinflächiger, nicht zusammenhängender Maßnahmen - eine sinnvolle Biotopvernetzung erreicht werden. Gleichzeitig, so der Minister, werde durch die Stiftung eine besondere Verbindungsmöglichkeit zwischen konventioneller Landwirtschaft und Naturschutz aufgezeigt. In vorbildlicher Weise betätige sich der Landwirt als Landschaftspfleger und sichere damit den Erhalt des Hofes.

Für sein über drei Jahrzehnte währendes Engagement im Umweltschutz und damit für sein Lebenswerk erhielt Eiltert Tantzen aus Großenkneten den diesjährigen Ehrenpreis. In seiner Laudatio hob Sander insbesondere die Naturschutzstiftung des Landkreises Oldenburg hervor, die ihre Gründung im Jahr 1991 maßgeblich dem Wirken Eilert Tantzens zu verdanken hatte. "Kennzeichnend für den Preisträger sind sein Durchhaltevermögen und seine Überzeugungskraft", betonte Sander. Das habe er auch bei seinem weit gefächerten Einsatz für eine nachhaltige Verbesserung der Umwelt unter Beweis gestellt. Der Ehrenpreis in Form eines Kunstwerkes des hannoveraner Künstlers Hans-Jürgen Breuste wurde durch die Kestner Gesellschaft Hannover gestiftet und durch deren Direktor Veit Görner überreicht.

In seiner Eigenschaft als Vorstandsvorsitzender der Niedersächsischen Umweltstiftung nahm der Minister den Festakt auch zum Anlass, Überlegungen zur Neugestaltung der vom Land eingerichteten Stiftungen im Umwelt- und Naturschutz darzulegen, die ab 2005 als 'Umweltfonds Niedersachsen' unter einem Dach zusammengeführt werden sollen. "Von der Aufgabenstellung und fachlichen Nähe zum Umweltressort soll dort eine Ansiedlung erfolgen. Dabei sollten - wie bisher - die Verbände und Interessenvertreter in die Entscheidungen eingebunden werden. "Ziel muss sein, die vielen guten Projektanträge effizient und ohne doppelten Aufwand zu bearbeiten. Durch weniger Bürokratie kann das ehrenamtliche Engagement der Bürgerinnen und Bürger und die Eigenverantwortung für Natur und Umwelt nachhaltig gestärkt werden."

 

12. Dezember 2003
(herausgegeben von der FDP-Landtagsfraktion)
1000 Meter Abstand zur Wohnbebauung halten

(Hannover) - Windenergieanlagen sollen zukünftig 1000 Meter Abstand zu Gebieten mit Wohnbebauung haben. So heißt es in einem Beschluss, den der Landtag am Freitag, 12. Dezember, mit den Stimmen der FDP/CDU-Regierungskoalition verabschiedet hat. Der umweltpolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, CHRISTIAN DÜRR, sagte:

"Wir wollen damit ein Signal setzen für die Kommunen im ganzen Land. Denn die Akzeptanz für immer mehr und neue Windkraftanlagen in Niedersachsen, die viel zu dicht an den Siedlungen gebaut werden, ist in der Bevölkerung erschöpft." DÜRR weiter: "Jetzt sind die Kommunen am Zug, die Abstände für Windenergie- anlagen ausreichend zu bemessen." Bislang sei der Abstand zwischen Häusern und Windenergieanlagen oft zu gering. "Im ländlichen Raum beeinträchtigen die vielen Windkraftanlagen mittlerweile deutlich die Lebensqualität der Menschen", sagte DÜRR und zählte als Gründe vor allem "Lärmbelästigung, das veränderte Landschaftsbild und den Disko-Effekt" auf.  Ein verantwortlicher Ansatz bei der Genehmigung neuer Windenergieanlagen, der die Interessen der Menschen vor Ort berücksichtige, sei jetzt entscheidend - nicht zuletzt, um die Zukunftsfähigkeit der Branche im Land zu sichern. Denn: "Die Windenergie ist nicht nur im Sinne des Klimaschutzes bedeutend, sie stellt auch einen wichtigen wirtschaftlichen Faktor in Niedersachsen dar, der tausende Arbeitsplätze sichert."

"Aus Sicht der FDP ist es besonders erfreulich, dass der Landtag sich außerdem für eine Stärkung des Wettbewerbs bei den erneuerbaren Energien ausgesprochen hat", so DÜRR. In dem Beschluss heißt es: "Es muss geprüft werden, wie Bestandteile alternativer wettbewerbsfördernder Steuerungsmodelle ins EEG aufgenommen werden können."
Die FDP hat bereits klare Vorstellungen, wie der Wettbewerb im EEG gefördert werden kann: "Nämlich durch ein Mengensteuerungsmodell, bei dem die Energieversorger einen festgeschriebenen Anteil an erneuerbaren Energien abnehmen", erläuterte DÜRR. "Der Abnahmepreis wird aber freigegeben und bildet sich durch einen Wettbewerb zwischen den Anbietern regenerativer Energie am Markt." Durch dieses Modell könne man Klimaschutzziele erreichen, ohne die Effizienz der einzelnen Arten der Energiegewinnung außer Acht zu lassen. Bisher errichtete Anlagen würden durch eine solche Novellierung übrigens nicht betroffen. Sie würden bis zum Auslaufen weiter nach EEG gefördert.

Außerdem im Landtagsbeschluss enthalten: Bei der Weiterentwicklung der Windkrafttechnologie in den kommenden Jahren setzt das Land vor allem auf die Windkraftanlagen im Offshore-Bereich, also außerhalb der 12-Seemeilen-Zone. "Allerdings müssen wir hier auch die Interessen von Schifffahrt, Tourismus, Fischerei und Naturschutz im Blick behalten", stellte DÜRR klar.

 

04. Dezember 2003
(herausgegeben vom Niedersächsischen Umweltministerium)
Schiffsüberführungen auf der Ems: Stauen ist besser als Baggern - auch im Sommer

(Hannover) - "Unsere Annahme, dass auch im Sommer ein kurzzeitiges Aufstauen der Ems nicht nur wirtschaftlich, sondern auch ökologisch die bessere Lösung ist als die ständige Baggerei, haben Gutachter der Uni Oldenburg jetzt bestätigt", sagte Umweltminister Hans-Heinrich Sander heute in Hannover. Der Planfeststellungsbeschluss für das Emssperrwerk sollte daher in diesem Punkt schnellstmöglich geändert werden, so wie es der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft und Küstenschutz (NLWK) beantragt habe.

Die während der Überführung des Kreuzfahrtschiffes 'Serenade of the Seas' der Meyer-Werft am 12. Juli 2003 erhobenen Messdaten "liefern insgesamt keine begründeten Hinweise darauf, dass in einem konkreten 12-Stunden-Staufall in der Ems im Sommer Sauerstoffzehrungen auftreten werden, die messbare Auswirkungen auf die Gewässergüte haben könnten." Zu diesem Ergebnis kommt das Gutachten des Institutes für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) der Universität Oldenburg. Auch bei künftigen Sommerstaus könne davon ausgegangen werden, dass staufallbedingte ökologische Schäden aufgrund von Sauerstoffmangel in der Ems "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" auszuschließen seien.

Im vergangenen Juli war erstmals in einem Sommer das Emssperrwerk geschlossen worden, um die Schiffsüberführung von Papenburg in die Nordsee - ohne aufwändiges Ausbaggern der Ems - zu ermöglichen. Mit den Umweltverbänden wurde seinerzeit ein umfangreiches Messprogramm vereinbart, um die ökologischen Auswirkungen auf den Fluss zu dokumentieren. Der Gewässerkundliche Landesdienst (GLD) hatte daraufhin während des Staus an fünf Dauermessstellen und von zwei Messschiffen aus die Wassertemperatur, den Salzgehalt sowie die Sauerstoff- und Schwebstoffkonzentration kontinuierlich dokumentiert. Nach der im Oktober abgeschlossenen Auswertung hatte sich gezeigt, dass alle Sauerstoffwerte im Bereich der Schwankungen lagen, die auch im natürlichen Tidegeschehen der Ems gemessen werden. Anschließend sind die Daten dem ICBM der Universität Oldenburg zur gutachterlichen Bewertung übergeben worden.

Sander appellierte an die Umweltverbände, den guten Weg, den man mit der Vereinbarung zum Sommerstau gefunden habe, nun gemeinsam weiterzugehen. "Diese Lösung sollte nicht blockiert oder verzögert werden: Sie ist besser für die Ems und gut für die Arbeitsplätze in Papenburg."

 

04. Dezember 2003
(herausgegeben von der Landtagsfraktion Bündnis90/Die Grünen)
Starkes Landesumweltamt ist unverzichtbar - Minister Sander pflegt schlechten Stil im Umgang mit NLÖ-Mitarbeitern

(Hannover) - Als äußerst schlechten Stil bezeichnen die Landtagsgrünen den Umgang des niedersächsischen Umweltministers Sander mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Niedersächsischen Landesamtes für Ökologie (NLÖ). Diese hätten aus der Presse erfahren, dass ihr Amt Ende 2004 aufgelöst werde. Das sei ein echtes Armutszeugnis für den Obersten Dienstherrn der Behörde, der doch immer vorgäbe, Politik für die Menschen zu machen, kritisierte die umweltpolitische Sprecherin Dorothea Steiner das Vorgehen des FDP-Ministers.

"Sander amputiert den Umwelt- und Naturschutz in Niedersachsen – und das schnell und gründlich", sagte Steiner. Die Grünen-Politikerin wies darauf hin, dass alle anderen Bundesländer selbstverständlich über Landesumweltämter verfügten oder sie, wie in Bayern, wieder aufbauen. Dort hätte man erkannt, dass Umwelt- und Naturschutz ein wichtiger Standortfaktor sei. In Niedersachsen dagegen würden dem Umweltschutz die fachlichen Grundlagen und damit der Boden entzogen.

Steiner forderte die Landesregierung auf, die Entscheidung über die Auflösung des NLÖ zurückzunehmen. "Im Gegenteil muss das Landesamt für Ökologie gestärkt werden, indem es mit dem Landesamt für Bodenforschung zusammengelegt wird und alle flächengebundenen Aufgaben in diesem neuen Amt gebündelt werden."

 

03. Dezember 2003
(herausgegeben vom Niedersächsischen Umweltministerium)
Internationaler Tag des Bodens / Sander: "Flächenbedarf und Bodenschutz in Einklang bringen"

(Hannover) - Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander tritt für einen zurückhaltenden Verbrauch von neuen Flächen für Siedlung und Verkehr ein. Notwendige Siedlungserweiterungen sollten verstärkt auf brachgefallenen, ehemals gewerblich oder industriell genutzten Flächen sowie nicht mehr genutzten Liegenschaften des Militärs und der Bahn stattfinden, betonte der Minister heute vor 170 Vertretern aus Politik, Städtebau, Architektur und Bodenkunde in Hannover.

Auf der gemeinsamen Veranstaltung des Umwelt- und des Sozialministerium aus Anlass es "Internationalen Tages des Bodens" am 5. Dezember rief Sander die Kommunen auf, eine Strategie mitzuentwickeln, mit der Flächenbedarf und Bodenschutz in Einklang gebracht werden können. Das Ziel, weniger neue Fläche in Anspruch zu nehmen, solle ohne Eingriffe in die kommunale Planungshoheit erreicht werden. "Das Bewusstsein, dass Boden ebenso wie Luft und Wasser zu unseren Lebensgrundlagen zählt, ist in der breiten Öffentlichkeit noch nicht verankert", erläuterte der Minister. Die Tatsache, dass in Niedersachsen im vergangenen Jahr 4300 Hektar Fläche neu für Siedlungs- und Verkehrsflächen in Anspruch genommen wurden, müsse zu denken geben. Fruchtbarer Boden gehe verloren, Städte faserten in die Landschaft aus, Verkehrsaufkommen und Lärm nähmen zu.

Im Mittelpunkt stehe die Revitalisierung alter Strukturen wie Industriebrachen, millitärischer Liegenschaften, Bahnflächen sowie die Nutzung von Baulücken. In vielen Fällen stelle sich hier die Frage der Bodensanierung. Diese sei nur dann realisierbar, wenn eine wirtschaftlich attraktive Nachnutzung gewährleistet sei. Das Niedersächsische Sozialministerium als die für Bauen zuständige oberste Landesbehörde habe bereits Planungshilfen für die neue Nutzung alter Strukturen erarbeitet. In Zukunft gehe es darum, diese Gedanken weiterzutragen und in den Kommunen als gemeinsames Interesse zu verankern. Auch für die unterschiedlichen Interessen von kleineren Kommunen und größeren Städten gelte es einen Ausgleich zu finden, sage Sander.

 

28. November 2003
(herausgegeben von der Landtagsfraktion Bündnis90/Die Grünen)
Bundesratsentscheidung zu Käfighaltung ist tierschutzpolitischer Skandal
Landesregierung betreibt Politik für Käfigbauer statt für Verbraucher

(Hannover) - Die Grünen im niedersächsischen Landtag kritisieren die heutige Bundesratsentscheidung zur Käfighaltung und begrüßen die Erklärung von Verbraucherschutzministerin Künast, diesen Beschluss nicht in Kraft zu setzen. "Dass die Mehrheit der Länder bereit war, das ab 2006 geltende Verbot der Käfighaltung aus der gültigen Verordnung zu streichen, ist ein tierschutzpolitischer Skandal", urteilt der agrarpolitische Sprecher Hans-Jürgen Klein.

Er wirft dem niedersächsischen Agrarminister vor, erheblichen Anteil an diesem verbraucherfeindlichen Vorgehen zu haben. "Wenn der Beschluss Rechtskraft erlangt, verschafft er den niedersächsischen Hühnerbaronen die Chance ihre Legehennen noch viele Jahre in nicht artgerechten Käfigbatterien zu quälen", befürchtet Klein. Das sei weder im Interesse der Verbraucher noch im Interesse der bäuerlichen Landwirtschaft. Klein fordert Ehlen auf, endlich eine Politik von der Ladentheke aus zu machen und nicht aus den gut gepolsterten Sesseln der Käfigbauer und Pohlmänner.

 

26. November 2003
(herausgegeben von der Landtagsfraktion Bündnis90/Die Grünen)
Kormoranverordnung unterläuft Waffengesetz - Minister Sanders Fehlschuss

(Hannover) - Mit einer parlamentarischen Initiative fordern die Landtagsgrünen Auskunft darüber, wie die Landesregierung rechtlich und sachlich begründet, dass Besitzer von Teichwirtschaftsbetrieben oder ihre Beauftragten Kormorane abschießen dürften, auch wenn sie keinen Jagdschein besitzen. Der rechtspolitische Sprecher Ralf Briese wies darauf hin, dass das in diesem Jahr verschärfte Waffengesetz sehr enge Voraussetzungen für Besitz und Gebrauch von Waffen formuliert. Dagegen würde die Kormoranverordnung jedoch auch Nichtjägern den Einsatz von Waffen erlauben, ohne dass zuvor nachgewiesen werden muss, dass tatsächlich der Fischbestand eines Betriebes geschädigt wurde.

"Erst schießen – dann fragen. Das erinnert an den Wilden Westen", sagte der Grünen-Politiker am Mittwoch in Hannover. Die Verordnung sei mit der Intention des neuen Waffenrechts nicht kompatibel. Briese: "Das ausdrückliche Ziel, den Waffenbestand zu reduzieren, wird unterlaufen. So gesehen ist die Kormoranverordnung ein echter Fehlschuss.

Die Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage sei auch für die Landkreise und kreisfreien Städte von großem Interesse, sagte der Grünen-Politiker. Diese müssten als untere Waffenbehörden über Anträge von Fischereiwirten auf Waffenbesitz entscheiden. Angesichts der rechtlich fragwürdigen Kormoranverordnung dürfte es keine Genehmigungen dafür geben.

 

25. November 2003
(herausgegeben von der Landtagsfraktion Bündnis90/Die Grünen)
GRÜNE fragen nach Naturschutzkonzept des Umweltministers
Sander hat außer Behörden- und Beamtenschelte nichts zu bieten

(Hannover) - Mit einer parlamentarischen Initiative verlangen die Landtagsgrünen Auskunft von Umweltminister Sander, wie zukünftig in Niedersachsen die Aufgaben des Naturschutzes wahrgenommen werden sollen. Die umweltpolitische Sprecherin Dorothea Steiner kritisierte jüngste Äußerungen Sanders, nach denen sich Niedersachsen "staatlichen Naturschutz in Zukunft nicht mehr leisten" könne (Zitat "Diepholzer Kreisblatt, 17.11.). Auch der bei gleicher Gelegenheit ausgesprochene Vorwurf, die Mitarbeiter der Naturschutzverwaltung "hätten den Regierungswechsel noch nicht mitbekommen", sei unverschämt, sagte die Grünen-Politikerin am Dienstag in Hannover. Der Umweltminister disqualifiziere sich fachlich und als oberster Dienstherr.

Was Sander beim traditionellen Enten-Essen der FDP in Twistringen aufgetischt hat, würde den Niedersachsen noch lange im Magen liegen, sagte Steiner. "Da wird gegen Strukturen und Personal geholzt, ohne dass bessere Ideen vorliegen. Sander hat außer Behördenschelte, unsinnigen Vorschlägen zur Reform der Umweltverwaltung und vagen Thesen zum Naturschutz nichts zu bieten." Die Grünen-Politikerin wies darauf hin, dass Naturschutz Teil der staatlichen Daseinsvorsorge sei. "Der Naturschutz bildet eine wichtige Grundlage für den Tourismus, ist Standortfaktor für die Wirtschaft und von großer Bedeutung für das Lebens- und Wohnumfeld der Menschen." Umweltminister Sander müsse daran gehindert werden, den Naturschutz in Niedersachsen zu ruinieren.
Mehr unter: www.gruene-niedersachsen.de

 

24. November 2003
(herausgegeben von der Landtagsfraktion Bündnis90/Die Grünen)
Landesregierung in Atommüllfrage unbelehrbar - Gorleben-Moratorium nicht aufgeben

(Hannover) - Unbelehrbarkeit hat die Fraktionsvorsitzende der Landtagsgrünen Rebecca Harms der Landesregierung im Zusammenhang mit der Endlagerung von deutschem Atommüll vorgeworfen. "Die Landesregierung beharrt auf ihrer falschen Position", sagte die Grünen-Politikerin am Montag in Hannover. "Ministerpräsident Wulff und Umweltminister Sander wollen Gorleben weiter erkunden und ausbauen und Schacht Konrad möglichst bald in Betrieb nehmen. Das ist der Ausverkauf der niedersächsischen Interessen in der Endlagerfrage."

Harms erneuerte ihre Forderung nach einer vergleichenden Standortsuche auf der Grundlage der Vorschläge des AKEnd, die im Grundsatz auch von einer Kommission der Länder Bayern, Baden-Württemberg und Hessen gestützt werden. "Wie immer man die Suche konkret organisiert, entscheidend ist, dass am Gorleben-Moratorium festgehalten wird, weil es die Grundvoraussetzung dafür ist, dass überhaupt über neue mögliche Standorte gesprochen wird."

Die Grünen werden ihre wissenschaftliche und politische Bewertung zum weiteren Umgang mit dem Atommüll auf einem Hearing am 02.12. im Niedersächsischen Landtag vorstellen.

 

20. November 2003
(herausgegeben vom Niedersächsischen Umweltministerium)
Stand der Umsetzung der FFH-Gebietsmeldungen in Niedersachsen

(Hannover) - Landtagsrede von Umweltminister Sander zur Dringlichen Anfrage der Fraktion der SPD:

Der Umweltausschuss des Niedersächsischen Landtages ist am 22. September sehr ausführlich über den Stand der FFH-Meldungen informiert worden. Ungeachtet dessen lege ich Ihnen natürlich gern noch einmal den Sachstand dar:

Die Landesregierung hat mit Beschluss vom 29. April 2003 das Umweltministerium beauftragt, die von der Europäischen Kommission verschickten Protokolle der wissenschaftlichen Seminare über die sogenannte atlantische und die kontinentale Region auf einen Handlungsbedarf des Landes hin auszuwerten. Breits im März 2003 hatte der Bund in enger Abstimmung mit allen Ländern der Europäischen Kommission einen länderspezifischen Zeitplan zur Abarbeitung von Defiziten vorgelegt. Vor dem Hintergrund des gegen Deutschland eingeleiteten Bußgeldverfahrens auf Grund der Verurteilung durch den Europäischen Gerichtshof wegen unzureichender FFH-Gebietsmeldung wurde auf vertraulicher, informeller Basis ein bilaterales Gespräch mit der Kommission vereinbart.

Anfang September 2003 hat das Niedersächsische Umweltministerium dem Bundesumweltministerium zur Vorbereitung dieses Gesprächs fristgerecht ein vorläufiges Gesamtkonzept übersandt. Dieses gibt Auskunft über die Größenordnung und die räumliche (regionale) Verteilung der nach derzeitigem Kenntnisstand für eine Beseitigung der angemahnten Defizite in Frage kommenden Kernflächen. Das  Konzept enthält also keine konkret abgegrenzten Gebietsvorschläge des Landes. Detaillierte Gebietsvorschläge werden zurzeit mit dem vorliegenden Datenmaterial erarbeitet und sollen laut Zeitplan etwa Anfang März 2004 vorliegen. Diese Unterlagen werden die Grundlage für die Entscheidung der Landesregierung bilden, das Verfahren zur Öffentlichkeitsbeteiligung zu eröffnen. Dies soll voraussichtlich ebenfalls Anfang März des kommenden Jahres geschehen. Verbände, sonstige betroffene Institutionen sowie betroffene Bürger erhalten Gelegenheit, sich zu den Vorschlägen zu äußern. Damit bleibt genügend Raum, die Vorschläge des Landes zu diskutieren.

Der Zeitplan sieht weiter vor, dass die Landesregierung über die nachzumeldenden Gebiete im 3. Quartal 2004 entscheidet. Deutschland will seine Nachmeldungen etwa Anfang 2005 der Kommission insgesamt offiziell vorlegt haben.

Nun zu den Fragen im Einzelnen:

Zu 1. und 2.
Das für Ende November 2003 angesetzte bilaterale Gespräch mit der Europäischen Kommission wurde auf Wunsch der Kommission verschoben und ist nunmehr auf den 21./22. Januar 2004 terminiert.

Über die konkrete Abgrenzung von Gebieten, die die Niedersächsische Landesregierung zur Beseitigung vorhandener Meldedefizite als geeignet ansieht, kann erst nach diesem Gespräch befunden werden.

Zu 3.
Die Auswahlkriterien für die Meldung der FFH-Gebiete sind in Anhang III der FFH-Richtlinie aufgeführt.

 

19. November 2003
(herausgegeben von der Landtagsfraktion Bündnis90/Die Grünen)
Ministerpräsident soll Sander-Pläne zur Umweltverwaltung stoppen
Bürokratischer Irrsinn des Umweltministers


(Hannover) - Die Landtagsgrünen fordern Ministerpräsident Wulff auf, die Pläne seines Umweltministers Sander zur Verwaltungsreform im Umweltbereich zu stoppen. Der Vorschlag Sanders zur Zerstückelung des Landesamtes für Ökologie (NLÖ) führe zur Bildung eines Verwaltungsmonsters, sagte die umweltpolitische Sprecherin Dorothea Steiner am Mittwoch (heute) in Hannover.

Der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft und Küstenschutz (NLWK) beschäftige bereits heute 640 Mitarbeiter und werde von Fachleuten als aufgebläht und unflexibel kritisiert. Wenn wirklich die Umweltverwaltung der Bezirksregierungen und Teile (NLÖ), wie vom Umweltminister verkündet, dorthin verlagert werden, würde der Landesbetrieb weit über 1000 Menschen beschäftigen. "Das ist bürokratischer Irrsinn in Potenz," so Steiner. Die Grünen-Politikerin forderte, das NLWK auf seine Kernaufgaben zurückzufahren. Es sei nicht zu rechtfertigen, dass das Land mit eigenem Personal Deiche baue und Gewässer unterhalte. Bauaufgaben sollten an die freie Wirtschaft vergeben werden.

Wenn Herr Sander das NLÖ auflösen und das als "bürgernahe Politik" verkaufen wolle, offenbare er sein sehr schlichtes Verständnis von Umwelt- und
Naturschutzpolitik. Die Anforderungen in diesem Bereich würden immer komplexer und erforderten die Entwicklung neuer Konzepte. Diese Arbeit könne nur ein schlagkräftiges Landesamt leisten. Die Berufserfahrung eines landwirtschaftlichen Kleinbetriebes ließe sich nicht auf die Umweltpolitik in Niedersachsen übertragen.

Steiner erinnerte daran, dass über 120 angesehene Naturschutzfachleute aus ganz Deutschland vom Ministerpräsidenten den Erhalt des NLÖ und der Fachkompetenzen im Naturschutz gefordert hätten. Die Zerschlagung eines Landesumweltamtes wäre beispiellos in Deutschland und müsse verhindert werden.

 

18. November 2003
(herausgegeben von der FDP-Landtagsfraktion)
FDP-Vorschläge zur Reform der Umweltverwaltung - NLÖ wird aufgelöst

(Hannover) - Auflösung des ‚Niedersächsischen Landesamtes für Ökologie’ (NLÖ), Bündelung betriebsbezogener Kompetenzen bei den Staatlichen Gewerbeaufsichtsämtern und die Zusammenführung von Naturschutz und Wasserwirtschaft unter einem Dach - das sind die wesentlichen Vorschläge zur Modernisierung der Umweltverwaltung, die Umweltminister Hans-Heinrich Sander heute vorstellte.

Gleichzeitig sollen zahlreiche bisher vom Land wahrgenommene Aufgaben - die nicht wegfallen können - kommunalisiert oder privatisiert werden. Die Nationalpark- und Biosphärenreservatsverwaltungen werden direkt an das Umweltministerium angebunden. „Meine Vorschläge für eine moderne zweistufige Umweltverwaltung basieren auf der Facharbeit dreier Projektgruppen, die unter Beteiligung von Verwaltung, kommunalen Spitzenverbänden, Wirtschaft und Personalvertretungen die Umweltverwaltung durchleuchtet haben“, erklärte Umweltminister Hans-Heinrich Sander. „Das Gesamtkonzept werde ich in die weiteren Beratungen zur Staatsmodernisierung einbringen. “Die Kernaufgaben des Naturschutzes und der Wasserwirtschaft, die bislang beim NLÖ‚ dem ‚Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft und Küstenschutz’ (NLWK) und den Bezirksregierungen angesiedelt sind, sollten künftig unter dem Dach eines Landesbetriebes konzentriert werden, der auf den Strukturen des NLWK aufbaut. „Das Land erhält so eine schlagkräftige, integrierte und flächenbezogene Verwaltungsebene“, so Sander. „Sie orientiert sich an den Erfordernissen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie und an der Umsetzung des europaweiten Schutzgebietssystems Natura 2000.“ Die Ausweisung von Naturschutz-, Wasserschutz- und Überschwemmungsgebieten würde den Kommunen übertragen, Planung und Bauüberwachung von Hochwasser- und Küstenschutzanlagen teilweise privatisiert, Gewässer und dazugehörige Anlagen soweit wie möglich an Unterhaltungsverbände abgegeben.

Übergreifende Aufgaben im Naturschutz – wie etwa die Staatliche Vogelschutzwarte – werden auch künftig zentral wahrgenommen. Die Staatliche Gewerbeaufsicht soll zum zentralen Ansprechpartner der niedersächsischen Wirtschaft für alle betriebsbezogenen Fragen des Umwelt- und Arbeitsschutzes weiter entwickelt werden. Die bislang vom NLÖ und von den Bezirksregierungen wahrgenommenen Aufgaben in diesem Bereich, die nicht wegfallen, privatisiert, kommunalisiert oder verlagert werden können, sollen in die Gewerbeaufsichtsämter integriert werden. Dabei werden künftig in den Ämtern Braunschweig, Hannover, Lüneburg und Oldenburg Kompetenzzentren für komplexe industrielle Genehmigungsverfahren eingerichtet. Der bisher beim NLÖ dafür vorgehaltene wissenschaftlich-technische Sachverstand geht auf die Ämter Hannover und Hildesheim über. „Theorie und Praxis werden somit optimal verknüpft“, betonte der Minister. Privatisiert werden soll insbesondere das ‚Lufthygienische Überwachungsmessnetz’ (LÜN) des Landes, das heute vom NLÖ betrieben wird. Auch Laboruntersuchungen sollen künftig verstärkt von privaten Dienstleistern übernommen werden. Erst wenn alle Reformvorschläge für die gesamte Landesverwaltung auf dem Tisch lägen, könne endgültig über die künftige Struktur entschieden werden, fügte Sander hinzu. Bei Umsetzung der heute vorgestellten Vorschläge werde im Übrigen das Ziel erreicht, in der Umweltverwaltung des Landes 400 Stellen entbehrlich zu machen.

 

17. November 2003
(herausgegeben von der Landtagsfraktion Bündnis90/Die Grünen)
Grüne bringen Antrag zur Modernisierung der staatlichen Umweltverwaltung ein

(Hannover) - 17.11.2003, Antrag der Landtagsfraktion Fraktion Bündnis 90/Die Grünen:

Der Landtag wolle beschließen:
Entschließung
Die Auflösung der Bezirksregierungen macht die Neuordnung der Aufgaben und Organisation der staatlichen Umweltverwaltung erforderlich. Damit sind zugleich die auf verschiedene Stellen verteilten Kompetenzen der Umweltüberwachung, des Informationswesens und der Serviceleistungen für Bürger, Wirtschaft und Kommunen neu zu ordnen.

Der Landtag fordert die Landesregierung auf, die bisherigen Aufgaben der staatlichen Umweltverwaltung, soweit sie nicht kommunalisiert oder an Dritte übertragen werden können, und weiter von staatlichen Stellen wahrgenommen werden müssen, wie folgt zu ordnen:

1. Die bestehenden Gewerbeaufsichtsämter sollen zu serviceorientierten Genehmigungszentren ausgebaut werden. Hier sollen neben den vorhandenen Aufgaben künftig alle anlagenbezogenen Genehmigungs- und Überwachungsaufgaben in den Bereichen Immissionsschutz, Arbeitsschutz und Abfall wahrgenommen werden.

2. Die bisher auf verschiedene Stellen verteilten Kompetenzen für Konzeption und Steuerung der Umweltüberwachung, der Erhebung von Umweltdaten incl. ihrer Auswertung und Bewertung, und der fachlichen Beratung von Bürgern, Wirtschaft, Kommunen, Parlament und Landesregierung sollen in einem Landesumweltamt zusammengefasst werden. Dazu gehören:
- Teile des Niedersächsischen Landesamtes für Ökologie (NLÖ) incl. der Forschungsstelle Küste,
- das Landesamt für Bodenforschung (NLfB),
- Teile des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft und Küstenschutz (NLWK),
- die Moorverwaltung.

Es ist zu prüfen, inwieweit Aufgaben des Forstplanungsamtes in das neue Landesumweltamt verlagert werden können.

3. Es sollen Ämter für regionale Entwicklung geschaffen werden. Neben den bei den bisherigen Ämtern für Agrarstruktur verbleibenden Restaufgaben sollen hier Vollzugsaufgaben der Wasserwirtschaft, des Hochwasser-, und Bodenschutzes, des Naturschutzes, der Landesplanung sowie des Baurechts wahrgenommen werden, die nicht kommunalisierbar sind.

4. Die Verwaltung von Großschutzgebieten, wie den Nationalparken, dem Biosphärenreservat Elbtalaue oder wichtigen, durch Naturschutzstationen betreuten Gebieten, soll zukünftig außerhalb der staatlichen Strukturen, in gemeinnützigen Organisationsformen wahrgenommen werden. So soll gewährleistet werden, dass unsere wertvollsten Naturschutzgebiete langfristig ausgerichtet, in großer Eigenständigkeit, erhalten und weiter entwickelt werden können, und Bürger, Verbände und Kommunen vor Ort optimal beteiligt werden.

Es ist ferner sicherzustellen, dass verbunden mit der Neuorganisation der staatlichen Umweltverwaltung die Möglichkeiten der Kooperation im norddeutschen Raum verbessert werden. Damit wird auch die Perspektive einer Zusammenlegung von Landesumweltämtern eröffnet.

Begründung

Es sind erhebliche Synergieeffekte zu erwarten, wenn künftig immissionsschutzrechtliche Verfahren und die zugehörigen Überwachungsaufgaben an einer Stelle gebündelt wahrgenommen werden. Nicht nur der Niedersächsische Städtetag fordert die Einrichtung von Genehmigungszentren bei den Gewerbeaufsichtsämtern.
Den Landkreisen oder kreisfreien Städten kann in Einzelfällen die Möglichkeit eröffnet werden, Genehmigungskompetenzen nach BImSchG zu übernehmen, wenn für den Standort besonders häufige, typische Genehmigungsverfahren zu bearbeiten sind.
Die bisher an verschiedenen Stellen vorgehaltenen Fachkompetenzen für flächenbezogenen Umweltschutz (Bodenschutz, Gewässerschutz, Tier- und Pflanzenartenschutz, Luftqualität, Strahlenschutz) sind in einer staatlichen Behörde zu konzentrieren.
Die Verpflichtungen insbesondere gegenüber der Europäischen Union für den Erhalt des Europäischen Naturschutznetzes Natura 2000 und die internationale Aufgabe des Erhalts der Artenvielfalt lassen nicht zu, Fachaufgaben im Naturschutz zu kommunalisieren. Die im NLÖ vorhandenen naturschutzfachlichen Kompetenzen müssen erhalten und weiter gestärkt werden, um langfristig Umweltdaten bewerten, Serviceleistungen erbringen zu können und Berichtspflichten zu erfüllen.
Das neue Landesamt soll Bürgern, der Wirtschaft und den Kommunen als Fachbehörde umfassend Beratung und Information aus einer Hand zur Verfügung stellen.
Der Erhalt der Forschungsstelle Küste ist wegen ihrer anwendungsorientierten Grundlagenarbeit für den Insel- und Küstenschutz, wegen der besonderen internationalen Verpflichtung zum Schutz und Erhalt des Wattenmeeres besonders wichtig. Sie ist in Fragen des Meeresschutzes die einzige kompetente Stelle in Norddeutschland und Niedersachsen und leistet wichtige Beiträge zum internationalen Watten- und Meeresschutz.
Das NLWK soll, so wie bei seiner Gründung beabsichtigt, die technischen Aufgaben im Küstenschutz und bei der Gewässerunterhaltung wahrnehmen, die unbedingt vom Staat zu leisten sind. Der Landesbetrieb ist vor dem Hintergrund gegründet worden, dass technische Serviceleistungen nicht von einer Behörde erledigt werden müssen, sondern ausgelagert werden können. Vollzugsaufgaben, die das NLWK inzwischen übernommen hat, sollen deshalb bei den künftigen Ämtern für den ländlichen Raum angesiedelt werden. Der Gewässerkundliche Landesdienst ist beim neuen Landesumweltamt anzugliedern.
Bei den Ämtern für regionale Entwicklung sollen die flächenbezogenen Vollzugsaufgaben der Umweltverwaltung zusammengefasst werden, die unverzichtbar sind, nicht kommunalisiert oder an Dritte abgegeben werden können. Daneben sind auch flächenwirksame Aufgaben wie die Landesplanung oder der Vollzug des Baurechts hier anzusiedeln, um eine einheitliche Entwicklung insbesondere des ländlichen Raums fördern zu können.
Großschutzgebiete sollen nicht aus der staatlichen Verantwortung entlassen, sondern wegen ihrer Sonderstellung aus den staatlichen Behördenstrukturen herausgelöst werden. Die Zielsetzungen der Schutzgebiete werden dabei über Gesetze festgelegt. Die Umsetzung der Ziele kann über Instrumente wie Zielvereinbarungen zwischen staatlicher Aufsicht und den Trägern flexibel gesteuert werden. Die Finanzierung der Großschutzgebiete wird mittelfristig im bisherigen Umfang erforderlich sein und ist vertraglich sicherzustellen. Stiftungen, Vereine und andere gemeinnützige Verwaltungsstrukturen bieten bessere und effektivere Möglichkeiten der Beteiligung von Bürgern, Verbänden und Kommunen in den jeweiligen Schutzgebietsregionen an der Umsetzung von Naturschutzzielen und der Förderung einer nachhaltigen und sozialen wirtschaftlichen Entwicklung der Regionen.

Fraktionsvorsitzende

 

15. November 2003
(herausgegeben vom NABU Braunschweig)
Stellungnahme des NABU zum BZ-Artikel v. 14.11.2003 über die Bejagung von Gänsen und fehlfarbenen Stockenten im NSG Riddagshausen

(Braunschweig) - In der BZ vom 14.11.2003 wurde unter der Überschrift "Kein Moorhuhnschießen auf Gänse" behauptet, der Naturschutzverband NABU hätte die aktuell beantragte und auch von der Bezirksregierung genehmigte Jagderlaubnis mitgetragen. Diese Behauptung entbehrt jeder Grundlage, d. h., der NABU ist über die beantragte Jagd im NSG auf Graugänse und Stockentenhybriden noch nicht einmal informiert geschweige denn befragt worden. Obwohl der NABU seit über 50 Jahren das Europareservat betreut, als einziger Verband hier durch die jährliche Beobachtung der Vogelwelt konkrete Daten sowohl zur Bestandsentwicklung der Arten als auch zum aktuellen Bestand besitzt, und somit auch als einziger in der Lage ist zu beurteilen, ob bei einer Art eine „Überpopulation droht“, hat man es von keiner Seite für nötig gehalten, als notwendige Entscheidungsgrundlage hier die erforderliche fachliche Auskunft einzuholen.

Mindestens genauso bestürzend ist jedoch die Tatsache, dass auch von dem Verfasser des Artikels, Herrn Dr. Jonscher, die als Zitat von Herrn Dr. Grunert wiedergegebene angebliche Position des NABU nicht durch Nachfrage beim NABU verifiziert wurde. Bei einer naturschutzfachlich derart brisanten Angelegenheit die Position eines Naturschutzverbandes unüberprüft durch Aussagen Dritter wiederzugeben, ist eine Vorgehensweise, die journalistisch nicht als korrekt angesehen werden kann. Auch hier wäre sicher eine Anfrage an mich als NABU-Pressereferenten oder als Leiter der „Arbeitsgemeinschaft Europareservat“ wünschenswert, um nicht zu sagen angebracht, gewesen. Dies ist um so verwunderlicher, da ich als Ansprechpartner bekannt bin. Ansonsten ist es aber auch via Internet jederzeit problemlos möglich, auf der Homepage des NABU Ansprechpartner für die verschiedenen Kompetenzbereiche in Erfahrung zu bringen.

Wie sieht die Position des NABU zur Frage der Bejagung von Gänsen und fehlfarbenen Stockenten im NSG aber tatsächlich aus? Die Population der Graugans ist im letzten Jahrzehnt unverändert geblieben, d. h. schwankend zwischen ca. 300 Tieren im Frühjahr und ungefähr 400 direkt nach der Brutzeit. Wahrscheinlich wandert ein Teil der Jungtiere in andere Gebiete ab, manche Tiere schließen sich durchziehenden Gruppen an, wie z. B. Ringfunde aus Südwesteuropa zeigen, und ein gewisser Prozentsatz kommt letztendlich auch ums Leben. Aus fachlicher Sicht muss deshalb festgestellt werden, dass sich hier derzeit offensichtlich eine Bestandsobergrenze eingepegelt hat, weshalb es aktuell keinen Grund zu der Annahme einer „drohenden Überpopulation“ und somit für eine Bejagung gibt. Dass darüber hinaus die derzeitige Populationsgröße für dieses Gebiet als unverträglich angesehen werden sollte, ist wissenschaftlich nicht belegt.

Noch weniger nachvollziehbar ist die Beantragung insbesondere durch den Umstand, dass, bedingt durch die anstehende Sanierung des Schapenbruchteiches, dieser zu Beginn der Brutsaison 2003 bereits stark abgelassen war, so dass die Schilfzone des Teiches als Bruthabitat in der vergangenen Saison ein Totalausfall gewesen sein dürfte. Dem entsprechend war für 2003 dann auch insgesamt eine unterdurchschnittliche Reproduktionsrate der Graugans festzustellen. Ausgerechnet nach dieser Brutsaison eine Bejagung durchführen zu wollen, legt offenbar, dass hier primär der Wille zur Bejagung der Graugans an sich im Vordergrund steht, völlig unabhängig von der tatsächlichen Bestandsentwicklung.

Eine Bejagung der Stockentenhybriden wird von mir dagegen im Prinzip begrüßt, wobei dieses jedoch nicht in der Kernzone des Riddagshäuser Teichgebietes geschehen sollte. Die dort durchzuführende, verstärkte Bejagung des inzwischen verheerenden Wildschweinbestandes - von mir vor einigen Jahren als dringend notwendig erachtet, daraufhin vehement eingefordert und damit sogar initialisiert - zieht bereits genügend Störungen nach sich. Die Jagd auf Stockentenhybriden kann genauso gut auch in den Randbereichen des NSG oder auch andernorts durchgeführt werden. Sorgen verschiedene, während der Brutsaison auftretende, wassergebundene Vogelarten für den besonderen Schutzstatus als EU-Vogelschutzgebiet, so ist nämlich auch zu beachten, dass die Wasserflächen durchaus auch im Herbst/Winter für verschiedene Wasservogelarten von Bedeutung sind. Neben überwinternden Exemplaren der Rohrdommel, die eine der wertgebenden Brutvogelarten ist und als solche nur noch an rund 10 Stellen in Niedersachsen vorkommt, sind insbesondere die Rastbestände der Löffelente maßgebend für die internationale Bedeutung des Teichgebietes. Und diese Art tritt hier in der Regel von August/September bis Ende November auf.

Wenn also von Herrn Dr. Grunert im Zusammenhang mit dem Gebrauch von Schusswaffen in Bezug auf die Graugans sogar von einem gewünschten Vergrämungseffekt gesprochen wird, so sollte doch beachtet werden, dass dieses sich natürlich genauso auch auf andere Arten auswirkt. Auch so kann man dem bedingt durch die EU-Vogelschutzrichtlinie einklagbaren, besonderen Schutz des Gebietes den Todesstoß geben, denn der Status der EU-Vogelschutzgebiete wird entsprechend der Richtlinie regelmäßig wiederkehrend überprüft und gegebenenfalls auch korrigiert. So mussten wir schon 2001 erleben, dass auf Betreiben der staatlichen Naturschutzinstitutionen des Landes Niedersachsen bereits das NSG Weddeler Teich unsinnigerweise seinen Status als EU-Vogelschutzgebiet verlor - wegen der angeblich nicht mehr in ausreichender Anzahl vorkommenden, wertgebende Arten. Ich will hier nicht unterstellen, dass dieses derzeit auch für das NSG Riddagshausen betrieben wird, aber wir wollen auch nicht erleben, dass dieser Fall durch unbedachtes Handeln eventuell tatsächlich verursacht wird.

Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen, möchte ich folgendes an dieser Stelle noch anmerken:
wie auch aus unseren Standpunkten zur Bejagung von Stockentenhybriden oder Wildschweinen deutlich wird, haben die Vertreter des NABU Braunschweig trotz der überregional belastenden Rabenvogel- und Kormoranverordnungen im allgemeinen durchaus ein entspanntes Verhältnis sowohl zur Jagd -- wenn nicht gerade dem Jagdrecht unterliegende, eher seltene Arten wie z. B. die Waldschnepfe geschossen werden -- als auch zur Jägerschaft im Raum Braunschweig. Ich selbst bin immer bemüht, naturschutzrelevante Angelegenheiten ausschließlich fachlich und nicht emotional oder vorurteilsgeprägt zu beurteilen. Von daher möchte ich diese durch mich für den NABU abgegebene Stellungnahme auch nicht als ein grundsätzliches NABU contra Jägerschaft verstanden wissen. Zum einen vertrete ich eine solche Position nicht und zum anderen möchte ich hier auch nicht die auf beiden Seiten immer noch weit verbreiteten, oberflächlichen und pauschalen Vorurteile gegeneinander bestärken.

Nachfolgend seien hier noch einige der in dem Artikel auftretenden sachlichen Fehler richtig gestellt: 1964 wurde mit insgesamt 4 Grauganspaaren versucht, diese Art wieder einzubürgern, wobei diese auch nicht von Konrad Lorenz ausgesetzt wurden, sondern federführend von Dr. Rudolf Berndt, der diese von Konrad Lorenz aus Seewiesen erhielt. Außerdem hat die Graugans nicht die „heimische“ Saatgans verdrängt, da diese hier niemals heimisch war. Diese nordische Gänseart kam in der Vergangenheit nur in selten Ausnahmefällen kurzzeitig als winterlicher Rastvogel vor.

Ansprechpartner bei Fragen zum Europareservat: Carlo Fuchs (Leiter d. NABU-Arbeitsgemeinschaft Europareservat Riddagshausen / Weddeler Teichgebiet)

 

10. November 2003
(herausgegeben vom Niedersächsischen Umweltministerium)
Klimaschutzforum Niedersachsen 2003: Energie sparen in Gebäuden nützt Klima, Wirtschaft und Haushaltskasse

(Osnabrück) - "Jeder Euro, den wir in den optimalen Wärmeschutz von Gebäuden und in effiziente Heizungstechnik investieren, bringt dreifachen Gewinn - für die Haushaltskasse, für das Klima und für Handwerk und Bauwirtschaft", sagte Umweltminister Hans-Heinrich Sander zum Auftakt des Klimaschutzforums Niedersachsen am (heutigen) Montag in Osnabrück.

Das eintägige Forum bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) ist Auftakt der "Landesinitiative Energieeinsparung", die das Kabinett im September beschlossen hatte. Mit dem Schwerpunkt "energetische Gebäudemodernisierung" richtet es sich an die Bau- und Wohnungswirtschaft, an Handwerk und Kammern, Banken und Bausparkassen, Kommunen, Verbraucher- und Umweltverbände. "Dreiviertel des heutigen Gebäudebestandes in Deutschland sind unter dem Gesichtspunkt des sparsamen Energieverbrauches völlig veraltet", erläuterte der Minister. Allein in Niedersachsen müssten zwei Millionen Wohnungen energetisch nachgerüstet werden. Wer hier investiere, leiste nicht nur einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz, sondern steigere auch den Wert der Immobilie und sichere langfristig deren Vermietbarkeit.

Gastgeber Dr. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der DBU, wies auf die Bedeutung einer umweltgerechten Sanierung der Altbaubestände in Deutschland hin: "Durch den hohen Energiebedarf für Raumheizung, Warmwasser und Elektrizität tragen diese Bauten zu über 40 Prozent zum gesamtdeutschen Energieverbrauch bei." Das entspreche etwa 30 Prozent des gesamten Kohlendioxidausstoßes. Die vom Umweltministerium ergriffene Initiative zeige, dass durch die intensive Beteiligung und Zusammenarbeit von Behörden, Institutionen, Handwerkern und Verbrauchern für den Umweltschutz viel erreicht werden könne.
Grundlage der "Landesinitiative Energieeinsparung" ist eine Bürgschaft von 18 Millionen Euro, die das Land der Landestreuhandstelle für das Wohnungswesen (LTS) für das Ausreichen von Modernisierungsdarlehen der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gewährt. Dadurch verringert sich der günstige Zinssatz der KfW nochmals um 0,3 Prozent. Die LTS übernimmt im Rahmen der Landesinitiative überdies die Funktion der Hausbanken. Denn diese empfehlen die KfW-Programme wegen des Haftungsrisikos und der geringen Verdienstspanne nur äußerst zögerlich. "Wir können und wollen nicht mit dem Füllhorn übers Land gehen und Geld verteilen, das wir nicht haben. Aber wir wollen alles tun, um vorhandene Fördertöpfe leichter zugänglich und besser bekannt zu machen", sagte Sander. Er freue sich daher, heute mitteilen zu können, dass in der vergangenen Woche auch der Haushaltsausschuss des Landtages der Bürgschaft zugestimmt habe.

Ein weiterer Baustein der Initiative Energieeinsparung ist der Aufbau eines landesweiten Netzwerkes, in dem regionale Aktivitäten zusammengeführt, Kooperationen ermöglicht und Informations- und Qualifizierungskampagnen zielgerichtet durchgeführt werden. Dafür und für die Unterstützung einzelner herausragender Projekte sind bis zu 400.000 Euro vorgesehen.

 

06. November 2003
(herausgegeben vom NABU Pressedienst Niedersachsen)
NABU Gut Sunder wird von BINGOLotto gefördert
Helm: “Wichtiger Schritt zum Naturerlebnis auf Gut Sunder”

(Hannover / Meißendorf) - Die Umgestaltung von NABU Gut Sunder zu einer Naturerlebniseinrichtung ist einen wichtigen Schritt voran gekommen.
Der NABU Niedersachsen wird von BINGO ,die Umweltlotterie auf N3‘ bei der Umsetzung seines Konzeptes gefördert und unterstützt. Für das neue Naturerlebniskonzept für NABU Gut Sunder sind umfangreiche Investitionen und Maßnahmen in einer Gesamthöhe von 500.000 Euro vorgesehen.

Der NABU Niedersachsen hatte das ehemalige Teichgut am 1. Oktober 2003 vom NABU Bundesverband übernommen.

“Dies ist ein guter Tag für NABU Gut Sunder und für unser niedersächsisches Naturerbe. Die Zusage von Bingolotto versetzt uns nun in die Lage erste Maßnahmen umzusetzen, damit dann im Frühjahr die ersten Schulklassen betreut werden können. Wir begreifen Gut Sunder als ein wertvolles Kleinod und sind fest entschlossen, dies in der Reihe unserer Besucherzentren in Niedersachsen zu einer lebendigen Naturerlebnisstätte auszugestalten. Der NABU Niedersachsen bedankt sich bei BINGO, die Umweltlotterie auf N3, und allen, die uns bei unserem Naturerlebniskonzept unterstützen. Für Gut Sunder ziehen der Landkreis Celle sowie die Gemeinde Winsen/Aller, Bürger und Förderer sowie auch die ehrenamtlich tätigen NABU Mitglieder an einem Strang”, erklärte Hans-Jörg Helm, NABU Landesvorsitzender, heute in Hannover.

Das Konzept sieht drei wichtige Säulen für ein Naturerlebnis auf NABU Gut Sunder vor. Der Umbau des Seminargebäudes soll zukünftig für eine ganze Woche die Unterbringung von Schulklassen ermöglichen, um ihnen einen Schulunterricht in der Natur anbieten zu können. Weiterhin werden Seminare für naturinteressierte Erwachsene durchgeführt, die sich um Naturerlebnisangebote wie zum Beispiel Fledermausbeobachtungen oder Exkursionen zum Vogelzug drehen. Für Touristen, Besucher und Bürger der Region wird in einem neuen Informationszentrum Verständnis und Interesse für die herausragende Naturausstattung von Gut Sunder geweckt werden. So wird in einer neuen naturkundlichen Ausstellung über das niedersächsische Naturerbe Meißendorfer Teiche informiert.

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Gut Sunder täglich im Fernsehen

In der Sendung 'Hallo Niedersachsen' auf N3 Fernsehen wird gegen Ende der Sendung, ca. 19.50 Uhr, die Wettervorschau gezeigt. Achten Sie einmal auf die am unteren Bildrand durchlaufende Zeile der Wetterstationen und den dort genannten Orten. Täglich ist jetzt dort 'Gut Sunder' zu finden, mit den voraussichtlichen Minimum- und Maximumtemperaturen des kommenden Tages.

 

29. Oktober 2003
(herausgegeben vom NABU Pressedienst Niedersachsen)
NABU und Land Niedersachsen unterzeichnen Vertrag
Köppe: “Wichtiger Schritt zu einer erfolgreichen Artenschutzarbeit in Leiferde”

(Leiferde) - In Vertretung des Landes Niedersachsen und des Niedersächsischen Umweltministeriums unterzeichneten heute Wilfried Wöhler von der Bezirksregierung Braunschweig sowie Gabriele Köppe, NABU Landesgeschäftsführerin, die Vereinbarung über die Gewährleistung des laufenden Betriebes des Artenschutzzentrums. Jährlich werden bis zum Jahr 2008 mit dem Vertrag 120.000 Euro vom Land zur Verfügung gestellt, um den Betrieb des NABU Artenschutzzentrums abzusichern. So werden in Leiferde verletzte einheimische Wildtiere fachgerecht versorgt, die dann ausgewildert werden oder beschlagnahmte exotische Wildtiere gepflegt, um dann an Zoos vermittelt zu werden. Das NABU Artenschutzzentrum Leiferde hat damit den Status eines Kooperationspartners erhalten.

“Die heutige Vertragsunterzeichnung ist ein wichtiger Schritt, um die erfolgreiche Arbeit in Leiferde weiterhin fortsetzen zu können. Wir übernehmen mit dem NABU Artenschutzzentrum Leiferde Pflichten des Staates”, erklärte Gabriele Köppe, NABU Landesgeschäftsführerin. Auch die Leiterin des Artenschutzzentrums, Bärbel Rogoschik, freute sich über die bis zum Jahr 2008 festgeschriebene Planungssicherheit.

Die Nutznießer dieser Vereinbarung werden in den kommenden fünf Jahren schätzungsweise über 10.000 Tiere sein, die aus den unterschiedlichsten Gründen ihr vorübergehendes Domizil in Leiferde finden werden und müssen. In Leiferde können verletzt aufgefundene Wildtiere abgegeben werden, die dann gepflegt und auf ihre Auswilderung vorbereitet werden.

Anlässlich der Vertragsunterzeichnung dankte Gabriele Köppe dem Land Niedersachsen und betonte, dass auch die Gemeinde Leiferde, die Landkreise Gifhorn und Peine sowie der Förderverein des Artenschutzzentrums neben dem NABU Niedersachsen mit ihrer vielfältigen Unterstützung dafür sorgen, dass Leiferde seine Aufgaben wahrnehmen könne. “Damit wird die Privatisierung von staatlichen Aufgaben erst ermöglicht. In Leiferde ziehen Bürger, Naturschutzbehörden und NABU an einem Strang”, betonte Gabriele Köppe abschließend.

Das NABU Artenschutzzentrum Leiferde ist das einzige Artenschutzzentrum bundesweit in Trägerschaft eines Umweltverbandes, des NABU Niedersachsen. Leiferde ist Betreuungsstation für beschlagnahmte, exotische, geschützte Tierarten sowie Naturerlebniszentrum. Außerdem arbeitet Leiferde als anerkannte Storchenpflegestation des Landes Niedersachsen und ist Auffang- und Pflegestation für artengeschützte, einheimische Wildtiere. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 2.050 Tiere in 197 Arten, darunter 146 Exoten (Papageien, Reptilien und Wirbellose) n 66 unterschiedlichen Arten eingeliefert.

 

10. Oktober 2003
(herausgegeben vom Niedersächsischen Wirtschaftsministerium)
Wirtschaftsminister und Unternehmerverbände: Befristung bei EEG-Härtefallregelung bedroht in Niedersachsen Investitionen

(Hannover) - "Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) darf nicht länger Hemmschuh für wichtige Investitionen in Niedersachsen sein", hat Wirtschaftsminister Walter Hirche heute bei der Inbetriebnahme der neuen Pipeline des Chemieunternehmens Dow in Stade vor erheblichen Standortnachteilen gewarnt. Scharfe Kritik am EEG übten auch die Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN) in Hannover.

Einig sind sich deren Hauptgeschäftsführer Dr. Volker Müller und Wirtschaftsminister Walter Hirche darin, dass in Niedersachsen Investitionsausfälle von über eine Milliarde Euro drohen, falls die bis zum 30. Juli 2004 befristete EEG-Härtefallregelung nicht bald durch eine unbefristete Regelung ersetzt werden sollte. Hirche: "Wer glaubt, die Wirtschaft würde investieren, wenn die Rahmenbedingungen nur wenige Jahre gelten, dem fehlt jedes Verständnis für unternehmerische Entscheidungen!" Der Wirtschaftsminister forderte eine EEG-Novelle, die internationale Wettbewerbsnachteile für energieintensiv produzierende Unternehmen ausschließt. Darüber hinaus sollten, so Hirche, in Deutschland bei der Verwendung von Strom als Rohstoff auch alle anderen Energiebelastungen entfallen - so wie dies z.B. in Großbritannien der Fall sei. "Bereits heute belastet das EEG energieintensive Industrien und schwächt ihre Position im internationalen Wettbewerb", sagte UVN-Hauptgeschäftsführer Müller. Die Absicht des Wirtschaftsministers, die Härtefallregelung weiter auszudehnen, werde deshalb von den Unternehmerverbänden unterstützt. Der Wirtschaftsminister wies darauf hin, dass die Preise für Strom in Deutschland durch die Belastungen aus dem EEG, dem Kraftwärmekopplungsgesetz (KWKG) und der Ökosteuer rund 20 Prozent über den Strompreisen der europäischen Konkurrenz liegen würden. Hirche: "Wir müssen jetzt den Druck auf die Bundesregierung erhöhen, um die gravierenden Nachteile vor allem der deutschen Chemiestandorte zu beseitigen."

Ähnlich sehen es die Unternehmerverbände Niedersachsen. "Die Politik muss schnell handeln und die derzeit bestehende Rechtsunsicherheit durch die Verabschiedung einer zeitlich unbefristeten Härtefallregelung beseitigen", verlangte Hauptgeschäftsführer Müller. Andernfalls drohen Abwanderungen von Unternehmen ins günstigere Ausland und weitere Arbeitsplatzverluste.

 

22. Oktober 2003
(herausgegeben von der Landtagsfraktion Bündnis90/Die Grünen)
Novelle Erneuerbare-Energien-Gesetz - Harms: Sander will ein Erfolgsmodell durch Riesen-Bürokratie-Aufwand ersetzen

(Hannover) - "Das Erneuerbare-Energien-Gesetz ist ein Erfolgsmodell! Die kräftige Zunahme der regenerativen Stromerzeugung und 130.000 Arbeitsplätze in Deutschland sprechen für dieses Instrument," sagte Rebecca Harms, Fraktionsvorsitzende der Landtagsgrünen. Sie sehe absolut keinen Grund, das Erneuerbare-Energien-Gesetz abzuschaffen und durch ein anderes Fördermodell zu ersetzen, wie der niedersächsische Umweltminister Sander gefordert hat. Die Erfahrung aus Großbritannien zeige, dass das Quotenmodell zu keinem Zubau von regenerativer Stromerzeugung geführt habe.

Das von Sander vorgeschlagene Mengen- oder Quotenmodell sei ineffizient und bedeute in der Umsetzung einen riesigen bürokratischen Aufwand. "Hat sich diese Regierung nicht den Bürokratieabbau auf die Fahnen geschrieben? Herr Sander befürwortet jedenfalls das Gegenteil", so Harms.

Auf die Kritik von Sander, dass der Bund die Einspeisevergütung für Strom aus Offshore-Windanlagen nicht genehmigen will, wenn die Anlage in einem Naturschutzgebiet liegt, reagierte Harms verständnislos. "Alle Umweltminister müssten doch begeistert davon sein, dass in Naturschutzgebieten keinerlei Anreiz zur Errichtung von Windkraftanlagen besteht", so Harms.

 

21. Oktober 2003
(herausgegeben von der Landtagsfraktion Bündnis90/Die Grünen)
Grünen-Antrag im Landtag: Kein Zurück zur Käfighaltung

(Hannover) - 21.10.2003, Antrag der Landtagsfraktion Fraktion Bündnis 90/Die Grünen:

Der Landtag wolle beschließen:
Entschließung

Der Landtag missbilligt die Initiative der Landesregierung das entsprechend der Legehennenverordnung ab 2007 geltende Verbot der Käfighaltung rückgängig zu machen.

Er fordert die Landesregierung auf,
- Initiativen zu ergreifen, um bis 2007 einen reibungslosen Übergang der niedersächsischen Geflügelwirtschaft von der Käfighaltung auf artgerechte Haltungssysteme zu gewährleisten,
- niedersächsische Forschungsaktivitäten darauf zu konzentrieren, die von den Verbrauchern gewünschten Systeme der Boden-, Volieren- und Freilandhaltung zu optimieren und auf der Basis einer artgerechten Tierhaltung weiterzuentwickeln,
- über die Fachberatung das notwendige Know-how und Managementwissen für diese Systeme bereitzustellen und zu verbessern,
- im Rahmen der Agrarinvestitionsförderung die Unterstützung von beispielhaften Systemen und Modellprojekten sicherzustellen.

Begründung

Zwar hatten im Jahr 2001 noch ca. 83% der Legehennenbetriebe in Deutschland die Käfighaltung, aber das Käfigei hat aus mehreren Gründen seinen Zenit überschritten. Erstens gibt es seit 2001 die Legehennenverordnung, deren Anforderungen an die artgerechten Haltungsbedingungen der Tiere so sind, dass die Käfighaltung nicht darunter fällt. Das heißt, dieses Haltungssystem ist ab 2007 nicht mehr erlaubt. Zweitens sind Freilandeier am Markt erwünscht: 83% der Befragten einer jüngsten NFO-Infratest-Umfrage geben an, Freilandeier zu bevorzugen, nur 5% dagegen bekennen sich zum Käfigei. Und drittens folgen bereits größte Handelsketten diesem Kundenwunsch und listen Käfigeier aus.

Bekanntlich werden in Niedersachsen ein Drittel der deutschen Legehennen gehalten. Deshalb ist die Aufgabe, hier auf alternative Haltungssysteme umzusteigen, also besonders groß. Mit seinen Forschungseinrichtungen und finanziellen Fördermöglichkeiten ist das Land Niedersachsen in diesem Prozess stark gefragt und hat Pflichten. Aber bereits die vorherige Landesregierung hat in dieser Beziehung nicht nur ihre Hände in den Schoß gelegt, sondern kontraproduktiv ihre Aktivitäten in die Entwicklung eines "ausgestalteten Käfigs", menschelnd auch "Appartement" genannt gesteckt. Unter den wohlwollenden Blicken industrieller Hühnerbarone und Käfigbauern führt die neue CDU/FDP-Landesregierung diese Verweigerungspolitik fort. Der zuständige Minister Ehlen redet den "ausgestalteten Käfig" mit Begrifflichkeiten wie "Gruppenhaltung" so schön, dass ein bekanntes Nachrichtenmagazin in diesem Zusammenhang titelte: "Loblied auf den Knast". Der Zwischenbericht einer epidemiologischen Untersuchung der Tierärztlichen Hochschule Hannover (Tiho) im Legehennenbreich, die sich der Entstehung, Verbreitung und – derzeit leider noch nicht realisiert – der Bekämpfung von Krankheiten widmet, wurde von ihm zu der verwegenen Behauptung genutzt, artgerechte Haltung und Gesundheitsschutz der Tiere schlössen sich aus.

Vernünftigerweise hätte der zuständige Minister Ehlen die, wenn auch derzeit noch unvollständigen, Erkenntnisse oben erwähnter Tiho-Untersuchung über Probleme in alternativen Haltungssystemen dazu nutzen sollen, zusammen mit den fachlich qualifizierten Wissenschaftlern ein Forschungsprogramm zu entwickeln und dann aufzulegen, mit dem Ziel einer Optimierung von Boden-, Volieren- und Auslaufhaltung. Neben den ethologischen Fragen gehören hierzu Fragen der Weiterentwicklung des Managements und der Strukturierung der Herden. Nur so wird der Minister Ehlen der niedersächsischen Geflügelwirtschaft einen Dienst erweisen und ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken sowie Landwirte und Landwirtinnen, die sich diesen Markt und diese Einkommensquelle zurückerobern wollen, unterstützen.

Das Land Niedersachsen sollte die Initiative ergreifen, Praktiker offensiv und öffentlichkeitswirksam und finanziell über das Agrarinvestitionsförderprogramm zu ermutigen, den Betriebszweig Legehennenhaltung innovativ zu erschließen. Dabei können Modellprojekte auch wichtige Erkenntnisse über die Wirtschaftlichkeit und Marktsituation kleinerer Betriebe liefern.

Fraktionsvorsitzende

 

17. Oktober 2003
(herausgegeben vom Niedersächsischen Umweltministerium)
Herbstlaub / Umweltministerium erleichtert Kommunen die Zwischenlagerung

(Hannover) - Für Plätze, auf denen niedersächsische Kommunen Herbstlaub bis zur endgültigen Kompostierung lagern, hat das Umweltministerium die technischen Anforderungen reduziert, teilte eine Sprecherin heute mit.

Grundlage hierfür sind neue wissenschaftliche Untersuchungen der Universität Bremen die belegen, dass aufgrund seiner Zusammensetzung und des geringen Wassergehaltes der Rotteprozess bei Herbstlaub wesentlich später einsetzt als bei anderen Pflanzenabfällen. „Die Kommunen können daher künftig auf eine Abdichtung der Flächen für Herbstlaub - wenn die Lagerung auf maximal sechs Monate befristet wird – verzichten und damit Kosten sparen“, sagte die Sprecherin. Fast alle Landkreise und Städte in Niedersachsen bieten den Bürgerinnen und Bürgern Sammelstellen für Garten- und Park-abfälle an. „Wer allerdings die Möglichkeit hat, sollte das Herbstlaub unter den Büschen, Hecken und Bäumen liegen lassen oder es kom-postieren“, fügte die Sprecherin hinzu. Es schütze so den Boden vor Austrocknung und rascher Abkühlung, Regen könne den Bo-den nicht verschlämmen, er bleibe locker und werde weniger leicht abgetragen. Das Laub unterdrücke auch eher unliebsame Wildkräuter, schattenverträgliche Frühblüher wie Schneeglöck-chen oder Buschwindröschen würden dagegen von dem Schutz profitieren. Rasen allerdings ersticke unter einer Laubschicht, sie sollte daher entfernt werden. Kompostiert ergebe Herbstlaub dann eine ausgezeichnete Erde.

 

15. Oktober 2003
(herausgegeben von der Landtagsfraktion Bündnis90/Die Grünen)
Kormoranverordnung schießt weit über’s Ziel hinaus
Grüne setzen sich für Schutz der Kormorane ein

(Hannover) - Der Grünen-Landtagsabgeordnete Hans-Joachim Janßen kritisiert scharf die jetzt vom Landeskabinett beschlossene Verordnung zum Kormoranabschuss. Letztlich bestehe an nahezu allen Gewässern, auch an den natürlichen Gewässern, ein Fischereirecht. Mit der Verordnung werde der Kormoran praktisch flächendeckend zum Abschuss freigegeben.Der Kormoran zähle jedoch nach dem Bundesnaturschutzrecht in Verbindung mit der EU-Vogelschutzrichtlinie zu den besonders geschützten Arten.

Die Verordnung mit dem Schutz der heimischen Tierwelt zu begründen, sei nicht gerechtfertigt, so Janßen. Im Jahre 2001 gab es in Niedersachsen im Binnenland insgesamt nur 540 Brutpaare an 13 Standorten, im Jahre 2002 477 Brutpaare an 12 Brutplätzen. In Mecklenburg-Vorpommern, das immer wieder als Vergleich herhalten müsse, liege die Zahl der Brutpaare dagegen bei 10.000. Der Kormoran sei Teil des Naturhaushaltes und fresse keineswegs mit besonderer Vorliebe seltene Fischarten. Er nehme als Nahrungsoppurtunist das, was ihm vor den Schnabel komme, wie auch Studien belegten, so Janßen.

Bei einer so weit gehenden Verordnung werde riskiert, den Kormoran wieder komplett aus Niedersachsen zu vertreiben. Schließlich brüte er im Binnenland nach Einstellung der Verfolgungen erst seit 1991 wieder regelmäßig. "Wenn man etwas für den Schutz der Fische tun will, muss man davon Abstand nehmen, Fischteiche als Badewannen anzulegen, wo sie keinerlei Unterschlupfmöglichkeiten finden. Wenn den Kormoranen die Fische auf dem Tablett serviert werden, darf man sich nicht wundern, wenn sie auch zugreifen," so Janßen.

 

14. Oktober 2003
(herausgegeben vom Niedersächsischen Umweltministerium)
Kabinett beschließt Kormoran-Verordnung

(Hannover) - Nach Abschluss der Verbandsbeteiligung hat das Kabinett heute die Kormoranverordnung verabschiedet. Sie ersetzt einen Erlass des Umweltministeriums aus dem Jahr 2001. Zur Abwendung erheblicher fischereiwirtschaftlicher Schäden und zum Schutz der heimischen Tierwelt lässt die Verordnung Abschüsse von Kormoranen auf Binnengewässern, an denen ein Fischereirecht besteht, allgemein zu.

Bisherige Abwehrmaßnahmen, die im Einzelfall beantragt werden mussten, hatten sich lediglich auf Teichwirtschaften beschränkt. Weiter trifft die Verordnung Regelungen über Schonzeiten, für Schutzgebiete und zum Kreis der Jagdberechtigten. Außerhalb von Schutzgebieten und unter Beachtung einer Schonzeit vom 1. April bis zum 15. August dürfen Kormorane, die sich auf, über oder näher als 100 Meter an einem Binnengewässer mit Fischereirecht befinden, tagsüber durch Abschuss getötet werden. Die Verwendung von Bleischrot ist nicht erlaubt. Über Zahl, Tage und Orte der Abschüsse muss der Unteren Naturschutzbehörde jährlich berichtet werden. Die Möglichkeit, die Neugründung von Kormoran-Kolonien vor der Eiablage zu verhindern, ist auf Teichwirtschaftsbetriebe und einen Umkreis von maximal zehn Kilometern beschränkt. Hierzu bedarf es jedoch im konkreten Einzelfall der Zulassung durch die Obere Naturschutzbehörde.Die Geltungsdauer der Verordnung wird auf vier Jahre bis Oktober 2007 beschränkt. In diesem Zeitraum sollen die Neuregelungen auf Effizienz und Praxistauglichkeit überprüft werden.

 

10. Oktober 2003
(herausgegeben von der Landtagsfraktion Bündnis90/Die Grünen)
GRÜNE: Artgerechte Tierhaltung in Käfigen nicht möglich

(Hannover) - Auf Kritik bei den Landtagsgrünen stoßen die anhaltenden Versuche des niedersächsischen Landwirtschaftsministers, das ab 2007 geltende Käfighaltungsverbot für Legehennen zu kippen.

"Um den industriellen Hühnerbaronen und Käfigbauern weiter die Taschen zu füllen, will Ehlen die artgerechte Tierhaltung opfern, die in Käfigen nicht möglich ist und weiter an den Wünschen der Verbraucher vorbei produzieren lassen." sagte der agrarpolitische Sprecher Hans-Jürgen Klein am Freitag in Hannover. Der Grünen-Politiker verweist außerdem darauf, dass die geänderte Bundes-Verordnung die Chance für bäuerliche Familienbetriebe bietet, wieder wirtschaftlich in die Eierproduktion einzusteigen. "Ehlen will also auch verhindern, dass sich die Bauern diese Einkommensquelle zurückerobern. Er macht gemeinsame Sache mit denen, die immer schon dafür gesorgt haben, dass das Geld nicht in sondern an der Landwirtschaft verdient wird," kritisiert Klein und fordert den Minister auf, sich in der Praxis zu informieren, dass artgerechte Hennenhaltung und Gesundheitsschutz der Tiere sich nicht ausschließen.

 

09. Oktober 2003
(herausgegeben von der FDP-Landtagsfraktion)
FDP: Niedersachsen Deutschlands Windenergie-Land Nr. 1
Standorte für Windkraftanlagen im Binnenland knapp geworden

(Hannover) - "Die Windenergiebranche spielt umwelt- und wirtschaftspolitisch eine wichtige Rolle im Land. Es ist Zeit, die Weichen für eine zukünftige sinnvolle Weiterentwicklung zu stellen", machte der umweltpolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, CHRISTIAN DÜRR, den Handlungsbedarf in Sachen Windkraft deutlich. Aus diesem Grund haben die Liberalen kürzlich ein Experten-Hearing in Leer veranstaltet, die Aussagen diskutiert und jetzt einen Beschluss zum Thema gefasst. Eines der Ergebnisse: Die FDP setzt in punkto Windenergie in Zukunft vor allem auf die Off-Shore Technik.

"Die Zukunft der Windenergie liegt für uns im Bereich der Nordsee - und zwar außerhalb der 12-Seemeilen-Zone", so der Umwelt-Experte der Fraktion, CHRISTIAN DÜRR. Anders sieht die FDP die beiden zur Zeit diskutierten Near-Shore-Windparks Nordergründe und Borkum-Riff. Diese "werfen auf Grund von Naturschutzgesichtspunkten, der Nähe zum Nationalpark Wattenmeer und der Auswirkungen auf die Küstenfischerei Fragen auf", heißt es in dem Beschluss der Liberalen. "Was in Nordergründe und Borkum-Riff geplant ist, geht mittlerweile über den ursprünglichen Ansatz von Pilotanlagen hinaus. Wir müssen auf die Anwohner der Küste Rücksicht nehmen  - ebenso wie auf unser großes Ziel, den Nationalpark Wattenmeer als Weltnaturerbe anzumelden", erläuterte DÜRR. Klar sei: "Innerhalb der 12-Seemeilen-Zone darf es keine weiteren Windparks geben."

Im Binnenland sieht die FDP nicht mehr viel Spielraum für den Bau neuer Windkraftanlagen: "Weitere Windräder können wir den Menschen in Niedersachsen kaum noch zumuten", sagte DÜRR. Und weiter: "Die neuen Anlagen werden immer größer. Deswegen müssen wir ganz besonders auf ausreichende Abstände zu Siedlungen, aber auch zu einzelnen Häusern achten."

Beim so genannten Repowering, also beim Austausch vorhandener durch neuere und wirkungsvollere Anlagen, soll nach Meinung der liberalen Abgeordneten die Chance genutzt werden, die Anzahl der Windkrafträder im Binnenland zu reduzieren. Davon profitiere vor allem das Landschaftsbild.

 

09. Oktober 2003
(herausgegeben vom Niedersächsischen Umweltministerium)
Naturparke in Niedersachsen - Land nimmt Förderung wieder auf

(Bad Essen) - Niedersachsens zwölf Naturparke werden künftig wieder vom Land finanziell gefördert. Ab 2004 können sie zunächst mit 60.000 Euro jährlich rechnen. Dies kündigte Umweltminister Hans-Heinrich Sander auf einer Sitzung der Arbeitsgemeinschaft Niedersächsischer Naturparke am (heutigen) Donnerstag in Bad Essen an. Mit diesem Schritt wolle er bewusst eine Entscheidung von 1997 rückgängig machen, als die Landesregierung die Förderung der  Naturparke komplett eingestellt hatte.

"Das Land Niedersachsen setzt damit ein deutliches Zeichen, dass die überaus erfolgreiche Arbeit der Naturparke bei der  Erschließung unserer schönsten Landschaften für die Erholung der Menschen auch in schwierigen Zeiten Unterstützung verdient", sagte Sander.  Erhalt und Förderung des Zugangs zu Landschaftsteilen, die sich für die Erholung der Bevölkerung besonders eignen, seien Ziele, die das Niedersächsische Naturschutzgesetz gleichrangig neben den Erhalt der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes stelle. "Diese Gleichrangigkeit und die hervorragende Arbeit der Naturparke hat die Vorgängerregierung offenbar aus den Augen verloren. Das wird sich in Zukunft ändern", so der Minister.

Die zwölf Naturparke umfassen mehr als 20 Prozent der niedersächsischen Landesfläche. Ihre Träger sind zumeist Landkreise oder Zweckverbände, die Natur und Landschaft in den Parken pflegen und entwickeln, Besuchereinrichtungen betreiben und Informationsarbeit leisten.  Niedersachsen war das einzige Bundesland, das sich vollständig aus der Naturparkförderung zurückgezogen hatte.

 

07. Oktober 2003
(herausgegeben von der Landtagsfraktion Bündnis90/Die Grünen)
Endlich wird Brennstoffzellen-Technologie in Niedersachsen gefördert
Schwerpunkt muss die Verbindung von regenerativer Energie und Brennstoffzelle sein

(Hannover) - "Niedersachsen ist endlich dort angekommen, wo andere schon lange innovativ tätig sind," so der wirtschaftspolitische Sprecher der grünen Landtagsfraktion Enno Hagenah. Schon seit Jahren forderten die Grünen die Einrichtung eines Kompetenzzentrums für Brennstoffzellen-Technologie. Gegenüber anderen Bundesländern gäbe es in Niedersachsen einen erheblichen Nachholbedarf bei der Entwicklung in diesem zukunftsweisenden Technologiebereich.

Als Windenergieland Nr. 1 sollte das Land einen Schwerpunkt auf den Einsatz regenerativer Energien zur Erzeugung von Wasserstoff für die Brennstoffzellen legen. Die Energie, die in kommenden Offshore-Windparks erzeugt wird, lasse sich als Wasserstoff speichern. Hier liege eine echte Herausforderung für Forschung und Entwicklung in Niedersachsen. Brennstoffzellen, die mit fossiler Energie wie Erdgas und Erdöl betrieben würden, seien nach Auffassung der Grünen nicht zukunftsfähig.

Niedersächsische Firmen seien in der Entwicklung von Systemkomponenten der Brennstoffzellentechnologie bereits erfolgreich. Diese besondere Qualität des Standorts Niedersachsen müsse weiter ausgebaut werden. Es werde aber kaum gelingen, Fertigungs- und Entwicklungskompetenzen für die eigentliche Brennstoffzelle nach Niedersachsen zu holen. Hagenah: "Da ist der Zug bereits abgefahren. Der Vorsprung gerade der süddeutschen Bundesländer ist bei den Kernkompetenzen der Technologie kaum noch aufzuholen."

 

19. September 2003
(herausgegeben von der Landtagsfraktion Bündnis90/Die Grünen)
Harms: Energiepolitik für die Zukunft: Vorrang für Sicherheit und Klimaschutz

(Hannover) - Rede der Fraktionsvorsitzenden der Landtagsfraktion Bündnis90/Die Grünen, Rebecca Harms, im Niedersächsischen Landtag:

Einer der heißesten Sommer liegt hinter uns. Nach der Flut im Sommer 2002 war das eine weitere Erfahrung in einer Abfolge von Extremwetter als Ergebnis von Klimaveränderung. Und übrigens standen nicht nur Windräder sondern auch Atom- und Kohlekraftwerke still. Im kommenden Winter geht das Atomkraftwerk Stade vom Netz. Nach langer gesellschaftlicher Auseinandersetzung ein erster wichtiger Schritt raus aus dem atomaren Risiko.

Wir Grünen setzen uns dafür ein, dass die beiden angesprochenen Risiken nicht gegeneinander ausgespielt werden. Wir wollen raus aus dem atomaren Abenteuer und wir wollen die Ursachen der Klimaveränderung möglichst weit reduzieren. Wir sind davon überzeugt, dass die heute Verantwortlichen in Politik und Industrie die einmalige Chance haben, eine zukunftsfähige Energieversorgung zu begründen. Wir sind davon überzeugt, dass in Verantwortung für nachfolgende Generationen, aus ökonomischen und ökologischen Gründen diese historische Chance von uns genutzt werden muss.

Dass derzeit eine Art Linienkampf neu ausbricht, hat nicht nur mit der bevorstehenden Abschaltung in Stade zu tun. Auch Teile des nicht-nuklearen Kraftwerkparks müssen in absehbarer Zeit erneuert werden oder die Kapazitäten müssen anders ersetzt werden. Innerhalb einer sehr überschaubaren Zeit wird sich zeigen müssen, ob unsere Politikergeneration ihre Lektionen in Rio und Tschernobyl und angesichts endlicher Rohstoffreserven gelernt hat und ob wir uns gegen Risiken und für Innovation entscheiden:

Für die Senkung des Strombedarfs - übrigens ein sehr wesentlicher Beitrag zur Versorgungssicherheit, auch angesichts knapperer und immer teurer werdenden Ressourcen.
Für den ehrgeizigen Ausbau der erneuerbaren Energien.
Für den Einsatz von fossilen Energien nur noch in hocheffizienten und CO-2 armen Gas- und Dampf-Kraftwerken, die in Kraft-Wärme-Kopplung betrieben werden.
Das sind Eckpunkte einer, gegenüber nachkommenden Generationen, verantwortbaren Energiewirtschaft.

Was das Land dafür tun kann und muss haben wir in unserem Antrag aufgelistet. Dass eine neue Grundsatzdebatte in Niedersachsen fällig ist, ergibt sich aus vielfältigen - manchmal fast einfältigen- Äußerungen von Umweltminister Sander. Ihr oft wiederholter Spruch: Ich bin für sichere Kernkraftwerke, saubere Kohlekraftwerke und interessante Modelle zur erneuerbaren Energie stammt aus den Siebziger Jahren. Die Diskussion um Nachhaltigkeit scheint bei Ihnen nicht angekommen zu sein.

Am Tag nach ihrem Besuch war ich auf der Solarmesse in Hameln. Eine Spur des Erstaunens bis Erschreckens haben Sie dort gezogen. Ihre Ablehnung zum Gesetz für Erneuerbare Energien und zur Einspeisungsvergütung gefährdet nicht nur die Existenzen von Handwerkern und Mittelständlern, die dort ausgestellt haben. Das ständige unbegründete politische Genörgel gegen die Windenergie und gegen jede Art von geregelter Einspeisevergütung – eine Art FDP Glaubensbekenntnis- stellt technische Innovation in Frage, verunsichert Kunden, gefährdet Unternehmen und Arbeitsplätze und schadet dem Standort Deutschland.

Atomare und fossile Energien verursachen im Gegensatz zu den Erneuerbaren Energien bis heute hohe volkswirtschaftliche Schäden und Kosten: Waldsterben, Flut- und Dürreschäden, Kohlesubventionen und Bergbauschäden, Gesundheitskosten, Entsorgungskosten, Versicherungskosten…, alles Kosten, die sich nicht in den Preisen für Kohle- und Atomstrom wieder finden. Das Umweltbundesamt hat berechnet, dass das EEG diese externen Kosten verringert: Um 5 Euro pro Haushalt und Monat.

Ich bitte Sie, Herr Sander, und die niedersächsische Landesregierung deshalb ausdrücklich: Hören Sie auf mit dem Gequatsche, der Atomausstieg müsse rückgängig gemacht werden. Oder seien Sie konsequent und sagen Sie den Niedersachsen, wo denn in Zukunft neue AKWs gebaut werden sollen. Stoppen Sie ihren verbalen Feldzug gegen die Förderung der Erneuerbaren Energien. Tun Sie was für Energieeffizienz und Erneuerbare Energien. Die niedersächsischen Unternehmen und Arbeitnehmer, die von der bisherigen Einspeisevergütung profitiert haben, erwarten dass das EEG fortgeschrieben wird und dass nicht drei Jahre nach Beginn einer Erfolgsgeschichte dieser boomenden Branche das Genick gebrochen wird. Von Frau Homburger habe ich gestern den Satz gelesen, dass das EEG zur Bedienung "der grünen Klientel" diene. Am Aktionsbündnis Erneuerbare Energien beteiligen sich die IG Metall, der Bundesverband Mittelständische Wirtschaft, der Deutsche Bauernverband, die IG Metall und die Umweltverbände. Ob es um Wind, Wasser, Sonne, Biomasse oder Effizienztechnologien geht: Gemeinsam mit diesem Aktionsbündnis geht es uns nicht um die Bedienung von Klientelinteressen – was für eine Abfälligkeit gegenüber einer der engagiertesten jungen Branchen der Bundesrepublik - sondern um moderne und umweltfreundliche Technologien und um neue Einkommensmöglichkeiten und Arbeitsplätze.

Wer in Erinnerung an Tschernobyl, in Kenntnis auch der technischen Mängel deutscher Atomkraftwerke und angesichts von Milliardenschäden nach Extremwetterlagen heute munter "weiter so wie bisher" vertritt, der hat die größten Chancen zu technologischen Innovationen noch nicht einmal erkannt.

 

15. September 2003
(herausgegeben von der Landtagsfraktion Bündnis90/Die Grünen)
SOLVIS-Null-Emissionsfabrik begeistert Ammerländer Besucher

(Hannover) - Zu einer beeindruckenden Betriebsbesichtigung im Rahmen ihrer Erkundungen zur Nutzung regenerativer Energiequellen waren die Ammerländer GRÜNEN mit einer großen Gruppe Interessierter am Wochenende in Braunschweig. Ziel der Busfahrt war Europas erste Null-Emissionsfabrik, die Solarfabrik SOLVIS.

Geschäftsführer Helmut Jäger führte die BesucherInnen mit vielen Erklärungen zu den innovativen Produkten zur Nutzung der unermesslichen Energievorräte unserer Sonne durch die Fabrik, in der auf Grund der guten Auftragslage auch am Samstag die Produktion weiterlief. Dabei wurde wieder deutlich: Die Vorräte an Öl und Gas in der Welt sind endlich, so dass bereits in spätestens 10 Jahren mit einer deutlichen Preissteigerung für diese Energieträger zu rechnen ist. Wer heute bereits seine Heizung auf Solarnutzung umstellt, kann diese Entwicklung entspannt abwarten. Die Technik, insbesondere auch in Form der High-Tech-Produkte der Firma SOLVIS steht bereits zur Verfügung.

Noch ein weiterer Punkt der Besichtigung aber begeisterte die Ammerländer: die neu gebaute Fabrik selbst. Hier sind von erstklassiger Dämmung über Thermosolar- und Fotovoltaiknutzung bis zu einem Blockheizkraftwerk zur Rapsölverbrennung und wassersparenden Vakuumtoiletten alle Möglichkeiten heutiger Bautechnik umgesetzt worden. Der Erfolg: in der Fabrik entstehen nicht nur qualitativ hochwertige Produkte zur Energieeinsparung, die Fabrik selber funktioniert in ihrer Gesamtheit CO²-neutral.

Fazit der Gruppe bei ihrer Rückkehr aus Braunschweig: Solartechnik ist nichts mehr für reiche Ökospinner, sondern funktionale Technik, die begeistert und gleichzeitig auch noch der Umwelt nützt.

 

16. September 2003
(herausgegeben vom NABU Pressedienst Niedersachsen)
NABU entsetzt über gefährliche Treibsel-Verbrennung
Helm: “Brenntage-Verordnung absolut unnötig und ökologisch gefährlich!”

(Hannover) - Der Naturschutzbund NABU zeigte sich entsetzt, dass die gefährliche Treibsel Verbrennung im vorgelegten Entwurf für eine Brenntage-Verordnung vorgesehen ist und forderte das Niedersächsische Umweltministerium auf, von dem Entwurf Abstand zu nehmen. Nach dem Entwurf soll künftig die Verbrennung von Treibsel an der Küste zugelassen sowie die geltenden Beschränkungen für die Durchführung von Brenntagen in den Gemeinden aufgehoben werden.

“Wir sind entsetzt darüber, die gefährliche Treibsel-Verbrennung zulassen zu wollen. Wir sehen uns durch den Wortlaut der Begründung in unserer Auffassung bestätigt. Aufgrund der unvollständigen Verbrennung können kanzerogene, also krebserregende, Stoffe sowie Kohlenmonoxid und Stickoxide freigesetzt werden. Anders als Gartenschnitt ist Treibsel zudem erheblich feuchter, so dass eine vollständige Verbrennung vielfach unmöglich ist”, erklärte Hans-Jörg Helm, NABU Landesvorsitzender. “Die Brenntage-Verordnung ist absolut unnötig und ökologisch gefährlich. Die offene Verbrennung von Grün- und Treibselabfällen in den Gemeinden würde eine Abkehr vom Grundsatz der Vermeidung und Verwertung darstellen. Grünabfälle und gerade Treibsel sollte im Zuge der Biomassennutzung kompostiert und energetisch in den Anlagen Papenburg und in der in Emden geplanten Anlage genutzt werden.”Die Erfahrung mit früheren Brenntagen zeige, dass auch anderer Müll bei der privaten Verbrennung mit entsorgt wird. “Wer will das verhindern? Die Gemeinden werden niemanden hinausschicken, um dann die Feuer zu kontrollieren. Sie werden ohnehin genug damit zu tun haben, um die Nachbarschaftsbeschwerden entgegen zu nehmen”, war sich Helm sicher.

Nach Auffassung des NABU ist die bestehende Kompostverordnung vom 24. Januar 1994 mit der Zulassung von zwei Brenntagen im Jahr ausreichend, um Einzelfällen in den Gemeinden gerecht zu werden.

 

14. September 2003
(herausgegeben vom NABU Pressedienst Niedersachsen)
Hans-Jörg Helm ist neuer NABU Landesvorsitzender
“Nicht nur reden, sondern für den Naturschutz handeln!”

(Einbeck) - Die Landesvertreterversammlung des NABU Niedersachsen hat gestern in Einbeck den bisherigen 1. Stellvertretenden NABU-Landesvorsitzenden Hans-Jörg Helm zum neuen NABU Landesvorsitzenden gewählt. Der 55-jährige wurde vom Landesparlament einstimmig  gewählt. Helm tritt die Nachfolge von Olaf Tschimpke an, der im Juni diesen Jahres zum NABU Präsidenten gewählt worden war. Der NABU Niedersachsen, 1947 gegründet, hat heute über 55.000 Mitglieder.

Helm (auf dem Foto: links) stellte in seiner Rede den Erhalt des niedersächsischen Naturerbes in den Mittelpunkt. Unabdingbare Voraussetzung dafür sei ein starkes ehrenamtliches Fundament des Naturschutzes in der Gesellschaft. Beispielhaft sei hier gerade das Engagement der ehrenamtlich tätigen NABU-Mitglieder in Niedersachsen, die sich von Leer bis Hann.-Münden für den Erhalt von Schutzgebieten, bei der Pflege und Entwicklung von Landschaftsräumen einsetzen und auf unzähligen Exkursionen vielen tausend Menschen das niedersächsisches Naturerbe und seine Vielfalt näher bringen.

“Ehrenamtliches Naturschutzengagement muss mit staatlichem Handeln einhergehen”, betonte Hans-Jörg Helm. Dies zu garantieren sei Aufgabe der jetzigen Landesregierung. Deutlich Zweifel formulierte Helm daran, dass einige der derzeit diskutierten ‚Reformvorschläge‘ für die ‚Modernisierung‘ der Naturschutzverwaltung wenig sinnvoll und zielführend seien. So seien die von vielen fachkundigen Ehrenamtlichen gesammelten Daten unverzichtbare Grundlage für staatliches Naturschutzhandeln. Ausgerechnet die Fachbehörde für Naturschutz, die mit der Auswertung dieser Daten eine unverzichtbare Anlaufstelle für Bürgerinnen und Bürger, Verwaltung und Politik sei, stehe nun aber auf dem Prüfstand. “In Niedersachsen sollten wir uns nicht leichtfertig von einem Erfolgsmodell mit breiter Einbindung engagierter Bürgerinnen und Bürger verabschieden”, so Helm. Einstimmig wurde vom NABU-Landesparlament zur Verwaltungsreform eine Resolution verabschiedet, in der Eckpunkte für die weitere Diskussion festgelegt werden.

Hans-Jörg Helm (Bremervörde) ist seit 1984 Mitglied des NABU, seit 1991 erster Stellvertretender Vorsitzender des NABU-Landesverbandes Niedersachsen. “Wir im NABU wollen aktiv mitarbeiten und wir tun dies auch. Nicht nur reden, sondern für den Naturschutz handeln”, fasste Helm die Ziele seiner bisherigen und künftigen Arbeit zusammen. Als Nachfolger von Hans-Jörg Helm wählte die NABU Landesvertreterversammlung Hans-Jürgen Wissel (Hessisch-Oldendorf) einstimmig zum 1. Stellvertretenden NABU Landesvorsitzenden (Foto: rechts).

Außerdem wurden von der Landesvertreterversammlung folgende 2 Resolutionen beschlossen:

Resolution ‚Wahrung unseres niedersächsischen Naturerbes‘

Die LVV des NABU Niedersachsen appelliert an die niedersächsische Landesregierung, sich zur Wahrung des niedersächsischen Naturerbes zu bekennen und die Verantwortung für dessen Schutz auch weiterhin als zentrale staatliche Aufgabe zu übernehmen. Für die Wahrnehmung dieser Aufgabe ist eine regionale staatliche Struktur zu erhalten.

Die LVV fordert die Landesregierung daher auf, die Schutzgebietsverwaltungen von Nationalparken und Biosphärenreservaten direkt beim Umweltministerium als der Obersten Naturschutzbehörde anzusiedeln und vor Ort zu stärken.

Die LVV erhebt daher an die niedersächsische Landesregierung die Forderung, die zumeist in Kooperation mit dem NABU und anderen Naturschutzverbänden in den Großschutzgebieten betriebenen Informations- und Umweltbildungszentren zu erhalten und die Umweltbildung als unverzichtbaren Teil eines ganzheitlichen Naturschutzansatzes zu fördern.

Begründung:
Der Reichtum an Naturschätzen ist eine der wichtigsten Ressourcen des Landes Niedersachsen. Zwischen Harz und Nordsee bestehen derzeit über 700 Naturschutzgebiete, die etwa drei Prozent der Landesfläche einnehmen. Hinzu kommen die Nationalparke Niedersächsisches Wattenmeer und Harz sowie das Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue mit zusammen weiteren 350.000 Hektar. Aus diesen Flächen rekrutiert sich auch ein Großteil der ausgewiesenen EU-Vogelschutzgebiete und der gemeldeten FFH-Gebiete Niedersachsens für das europäische Schutzgebietssystem NATURA 2000.

Um die besondere Qualität der niedersächsischen Großschutzgebiete zu wahren und weiter zu entwickeln, bedarf es künftig noch stärkerer Anstrengungen. Dazu sind die Schutzgebietsverwaltungen direkt der Obersten Naturschutzbehörde zu unterstellen.

Die niedersächsischen Großschutzgebiete sind zugleich Schwerpunkte des Tourismus in unserem Bundesland. Dies macht zum einen deutlich, welchen Stellenwert das Erleben von intakter Natur für die Bürgerinnen und Bürger hat, erfordert zu anderen aber auch Maßnahmen, das Naturerleben umweltverträglich zu gestalten. Dabei kommt der Umweltbildung eine zentrale Bedeutung zu.

Resolution ‚Betretungserlass des Umweltministeriums‘

Der NABU fordert Umweltminister Hans-Heinrich Sander auf, unmissverständlich klarzustellen, dass der Betretungserlass des MU nicht für die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der laufenden Erfassungsprogramme gilt. Sie führen auf freiwilliger Basis Naturuntersuchungen durch und stellen die gewonnenen Daten den Naturschutzbehörden und dem NLÖ zur Verfügung. Gleiches gilt für die ehrenamtlich tätigen Regionalbeauftragten im Tierartenschutz.

Begründung:
Tief verunsichert sind die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des NABU in ganz Niedersachsen aufgrund der Pressemitteilung und Medienberichten zu einem neuen Erlass des Umweltministeriums. Danach sollen Privatpersonen, die Tier- und Pflanzenbestände erfassen und Biotope kartieren, ebenso wie Behördenbedienstete dazu verpflichtet werden, sich bei den Grundstückseigentümern frühzeitig anzumelden und deren Zustimmung einzuholen.

Der NABU betont, dass in der freien Natur das Recht des Betretens ohne vorherige Ankündigung besteht. Dabei ist es selbstverständlich, dass auf den betoffenen Grundstückseigentümer Rücksicht genommen wird, damit dieser nicht geschädigt wird. Dort wo die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig sind, werden in der Regel auch mit dem Grundstückseigentümer Gespräche über das Vorhaben geführt. Denn gerade ehrenamtlich tätige Mitarbeiter sind auf eine klare Akzeptanz ihrer Naturschutzmaßnahmen vor Ort und in der Region angewiesen.

Die Landesvertreterversammlung sieht in den Vorgaben des Ministeriums einen bürokratischen, personal- und kostenintensiven Akt, der die Erfassungsprogramme des Landes gefährdet und die Naturschutzarbeit unnötig erschwert.

NABU Hintergrund

Leitsätze zur Verwaltungsreform

Die Neuorganisation der Landesverwaltung ist ein Kernziel der Landesregierung. Dies trifft auch auf den Bereich des Natur- und Umweltschutzes zu. Zur Diskussion stehen dabei auch Modelle, die eine stärkere Wahrnehmung von Aufgaben durch private Organisationen vorsehen. Nach Auffassung des NABU Niedersachsen kann die damit verbundene breitere Verankerung des Natur- und Umweltschutzes in der Gesellschaft erfolgversprechende Ansätze für die inhaltlichen Ziele bieten. Ihre Grenzen finden alle Bemühungen zur Kostensenkung, Um- und Neuorganisation dort, wo die Kerninhalte des Natur- und Umweltschutzes in Niedersachsen gefährdet werden.

Die Landesvertreterversammlung des NABU Niedersachsen hat am 13.09.03 in Einbeck einstimmig die folgenden Leitsätze für die Diskussion um die Reform der niedersächsischen Naturschutzverwaltung verabschiedet.

 

09. September 2003
(herausgegeben von der Landtagsfraktion Bündnis90/Die Grünen)
Landwitschaftsminister Ehlen setzt Fördergelder falsch ein
Modulationsprogramm wird von Landwirten nicht angenommen

(Hannover) - Die Landtagsgrünen werfen dem niedersächsischen Landwirtschaftsminister vor, mit dem vorgelegten Programm zur Verwendung der Modulationsgelder, erneut an den Bedürfnissen der Landwirtschaft vorbeizuplanen. "Das vorgelegte Förderprogramm ist für die Landwirte unattraktiv, die Mittel werden deshalb nicht in voller Höhe genutzt. Es drängt sich der Verdacht auf, dass durch die Hintertür Geld gespart werden soll," sagte der agrarpolitische Sprecher Hans-Jürgen Klein am Dienstag in Hannover.

10 Mio Euro stehen jährlich aus Umschichtungen bei den landwirtschaftlichen EU-Subventionen (Modulation) zur Verfügung. Dieses Geld sollte nach Ansicht des grünen Agrarexperten zur Förderung einer tiergerechten aber arbeitsaufwändigeren Weidehaltung im Rinderbereich eingesetzt werden. Statt dessen wolle der Agrarminister weiterhin die größten Ackerbaubetriebe fördern oder Maßnahmen finanzieren, deren ökologischer Wert eher gering sei. Schon in diesem Jahr sei das Förderprogramm nicht in voller Höhe von den Bauern genutzt worden, sagte Klein. "Für einen Landwirtschaftminister der als Oppositionspolitiker immer großen Wert darauf gelegt hat, dass EU-Fördermittel in voller Höhe den Landwirten zu Gute kommen, ist das eine erstaunliche Kehrtwendung."

Mit einer parlamentarischen Anfrage möchte der Grünen-Politiker jetzt von der Landesregierung wissen, was sie bewogen hat, erneut ein Förderprogramm vorzulegen, das von den Landwirten nicht in vollem Umfang angenommen wird.

 

04. September 2003
(herausgegeben vom Niedersächsischen Wirtschaftsministerium)
Hirche: "Wir machen Niedersachsen zum Fahrradland Nummer 1!"
Neues landesweites Routennetz

(Hannover) - "Wir machen Niedersachsen zum Fahrradland Nummer 1!" Mit dieser Zielvorgabe präsentierte Wirtschaftsminister Walter Hirche gestern den Entwurf für ein neues landesweites Radfernwegenetz. Es soll 15 Routen mit einer Gesamtlänge von 4115 Kilometern umfassen. In die Vorbereitung des neuen Radwegenetzes habe das Land 208.000 Euro investiert, sagte Hirche. Am Konzept habe der Allgemeine Deutsche Fahrradclub mitgearbeitet.

"Wir wollen mit bereits vorhandenen und weiteren neu ausgebauten Radwanderwegen in punkto Qualität und Attraktivität bundesweit Standards setzen und zugleich unser Tourismusangebot weiter verbessern", betonte Hirche. Das Routennetz solle gemeinsam mit den Kommunen aufgebaut werden. Mit dem jetzt übersandten Entwurf habe sein Ministerium den Landkreisen und kreisfreien Städten ein detailliertes Konzept zur Umsetzung an die Hand gegeben. Die Kosten für das "moderne Routennetz mit einer durchgängig hochwertigen Wegequalität und einheitlicher Wegweisung" bezifferte der Minister auf rund 20 Millionen Euro. Zur Finanzierung könnten die Kommunen EU-Mittel sowie Fördermittel aus dem PROLAND-Programm beantragen. Überdies sollen private Mittel eingeworben werden, betonte Hirche. Unternehmen könnten "Routenpatenschaften" übernehmen und dafür u.a. auf Wegweisern mit ihrem Firmenlogo werben.

Vom neuen Routennetz werde, so Hirche, auch Niedersachsens Tourismuswirtschaft profitieren. Nach Untersuchungen des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs würden jährlich rund 2 Millionen Urlauber eine mehrtägige Reise mit dem Fahrrad unternehmen. Entgegen dem allgemeinen Trend verzeichne der Radtourismus in Deutschland zweistellige Zuwachsraten. Fahrradtouristen würden zudem in Schnitt mehr Geld ausgeben als Autoreisende.

 

01. September 2003
(herausgegeben vom Niedersächsischen Wirtschaftsministerium)
Höflichkeitserlaß für Naturschutzbehörden
Sander: Für Naturuntersuchungen auf Privatgrundstücken
vorher schriftlich anmelden

(Hannover) - Mitarbeiter von Naturschutzbehörden des Landes, die auf Privatgrundstücken Tier- und Pflanzenbestände erfassen und Biotope kartieren, sollen sich künftig bei den Eigentümern vorher anmelden. Auf einen entsprechenden Erlass hat Umweltminister Hans-Heinrich Sander am (heutigen) Freitag hingewiesen. "Ich halte es schlicht für ein Gebot der Höflichkeit, fremden Grund und Boden nur mit Wissen der Eigentümer zu betreten", sagte Sander. "Wer einfach so hereinplatzt, auch wenn ihm das Naturschutzgesetz das Recht dazu gibt, macht sich keine Freunde."

Er habe daher die Naturschutzbehörden des Landes gebeten, sich vor Durchführung fachlicher Arbeiten bei den Gemeinden darüber zu informieren, wer in dem jeweiligen Gebiet Grundeigentum besitzt. Die betroffenen Eigentümer sollen dann unter Einhaltung einer angemessenen Frist vorab schriftlich über die anstehenden Untersuchungen, den Wortlaut des zugrunde liegenden Paragrafen 62 des Niedersächsischen Naturschutzgesetzes sowie über Zweck und Zeitrahmen der Arbeiten unterrichtet werden. Sofern Privatpersonen oder Landschaftspflegebüros für die Behörden tätig werden, sollen sie durch eine entsprechende Vertragsklausel verpflichtet werden, sich ebenso zu verhalten. Auch die Unteren Naturschutzbehörden (Landkreise, kreisfreie Städte und Region Hannover) sind gebeten worden, diese Regelung zu übernehmen.

In der Vergangenheit hatten sich wiederholt Landwirte und andere Grundeigentümer darüber beschwert, dass ohne ihr Wissen unbekannte Personen naturschutzfachliche Arbeiten durchführen.

 

29. August 2003
(herausgegeben vom NABU Braunschweig)
"Raus ins Freie!" - Aufbau einer Kindergruppe in Garten und freier Natur

(Braunschweig) - Für eine Kindergruppe des NABU in Braunschweig werden ab Oktober diesen Jahres ehrenamtliche Betreuer/innen gesucht. Bis vor drei Jahren hatte der NABU Braunschweig noch eine aktive Kindergruppe. Doch als die damaligen 2 Betreuerinnen aus beruflichen Gründen Braunschweig verließen, löste sich die Gruppe auf. Aber die Nachfrage blieb und nun ist es endlich wieder so weit: Ab Herbst soll beim NABU wieder eine Kindergruppe zwischen 8 und 12 Jahren entstehen.

Als Treffpunkt steht ein noch unberührter Garten in Wendhausen (nordwestlich von Braunschweig, nahe der Stadtgrenze) zur Verfügung. Aber auch der Wald soll nicht zu kurz kommen. Ausflüge in die Natur rund um Wendhausen laden zum Erleben ein. An den regelmäßigen Treffen werden verschiedene Angebote im Freien gemacht - für schlechtes Wetter gibt es aber auch ein Gartenhaus. Spiele im Garten, Basteln mit Naturmaterialien, das Gestalten des Gartens nach den Bedürfnissen der Kinder und Spaziergänge in der Natur sind eine gute Möglichkeit, die heimische Tier- und Pflanzenwelt zu erfahren, dabei Spaß zu haben und neue Freunde kennen zu lernen.

Erwachsene oder interessierte Jugendliche (ab 16 Jahren), die Lust haben, die NABU-Kindergruppe zu betreuen, lernen dabei ganz sicher ebenso, ihre Umwelt wieder von einer neuen Seite wahrzunehmen. Die Betreuung der Gruppe wird immer mindestens zu zweit vorgenommen, wobei wenigstens ein/e Gruppenleiter/in mindestens 18 Jahre alt sein muss. Vorherige Erfahrung im Bereich Umwelt(-schutz) oder in der Leitung einer Gruppe wäre zwar von Vorteil, ist aber nicht zwingend notwendig. In den Herbstferien gibt es auch die Möglichkeit, an einer fünftägigen Jugendleiterausbildung in Langeleben teilzunehmen. Die Kosten dafür würde der NABU tragen.

Da die Treffen selbständig von den Betreuer/innen vorbereitet werden, liegt es auch in deren Händen, welche Themen, Spiele etc. an welchen Terminen stattfinden sollen. Der NABU unterstützt die Betreuer/innen durch seine Sachkundigen, die teilweise die Gruppentermine zu bestimmten Themen mitgestalten können.

Wer Lust hat, ab Herbst bei der Kindergruppe mitzumachen oder auch bereits jetzt schon eigene Ideen in die laufende Planung sowie zur Gestaltung des Gartens einbringen möchte, meldet sich bitte in der NABU Geschäftsstelle in der Hochstr. 18, 38102 Braunschweig, Tel.: 0531-798649, Fax: 0531-7997745, E-Mail: NABU.Braunschweig@t-online.de. Ansprechpartnerin ist Eva Langhans.

 

18. Juli 2003
(herausgegeben vom NABU Braunschweig)
Keine Panik - Neuer NABU-Ratgeber erklärt Umgang mit Bienen, Wespen und Hornissen

Mit anschaulichen Beschreibungen und praktischen Tipps zum Umgang mit Bienen, Wespen und Hornissen informiert der NABU in einer neuen Farbbroschüre über das Leben und die Gewohnheiten einer interessanten und vielfältigen Insektengruppe. Die 32-seitige Broschüre aus der Reihe "NABU aktiv" erlaubt mehr als interessante Einblicke in die Lebensweise dieser solitär (einzeln) oder auch in millionenstarken Völkern lebenden Tiere. Aufklärung ist jedoch auch heute noch dringend notwendig, denn kaum eine Tiergruppe ruft bei vielen Mitmenschen so heftige Reaktionen hervor wie diese unter dem wissenschaftlichen Begriff Hautflügler zusammengefassten Insekten. „Wir wollen aufklären, unberechtigte Ängste nehmen und stattdessen Interesse und Faszination für diese Insekten wecken“, so Frank Hornig, Hornissen-Experte beim NABU Braunschweig. Die Tatsache, dass nur wenige Menschen mit der Lebensweise von Wespen oder Hornissen vertraut sind, hat zur Bildung von Mythen und Vorurteilen beigetragen. Auch wenn insbesondere die beiden häufigsten Wespenarten, die Deutsche Wespe und die Gewöhnliche Wespe, aufgrund ihrer aufdringlichen Liebe zu süßen Nahrungsmitteln auf der Terrasse oder dem Balkon oft lästig werden, lassen sie sich nicht gezielt vertreiben. Durch richtiges Verhalten können Konflikte jedoch vermieden werden.

Im Gegensatz dazu interessieren sich die wesentlich größeren Hornissen nicht für Kuchen oder Limonade, sondern ausschließlich für andere Insekten. Ansonsten sind sie völlig harmlos. Einzig im direkten Nestbereich (3 - 4 Meter im Umkreis) sollte man vorsichtig sein und einige Verhaltensregeln beachten. Der NABU-Ratgeber erklärt auch, wie seltenen und durch Lebensraumschwund bedrohten Bienen- oder Hummelarten einfach und effektiv geholfen werden kann. Wer sich schließlich von der Vielfalt der Hautflügler hat faszinieren lassen und vielleicht auch aktiv werden möchte oder sogar Interesse hat, in der NABU AG Hornissenschutz mitzuhelfen, kann sich in der Geschäftsstelle des NABU (Tel.: 0531-798649) melden.

Die reich bebilderte NABU-Broschüre "Bienen, Wespen und Hornissen - Kein Grund zur Panik" kann zusammen mit weiterem Infomaterial gegen 5 Briefmarken á 51 Cent bei der NABU Bezirksgeschäftsstelle Braunschweig, Hochstr. 18, 38102 Braunschweig oder jeder anderen NABU Geschäftsstelle angefordert werden.

 

25. Juni 2003
(herausgegeben vom NABU Braunschweig)
NABU Baupreis 2003: Wohnhaus in Braunschweig ausgezeichnet

Mit einer Anerkennung für nachhaltiges Bauen und Renovieren wurde jetzt ein Wohnhaus in Braunschweig ausgezeichnet. Damit erhielt das Objekt, das von dem braunschweiger Architekten Jean-Elie Hamesse ausgeführt wurde, eine von sechs Auszeichnungen, die im Rahmen des vom NABU bundesweit ausgeschriebenen Wettbewerbs „NABU Baupreis 2003“ für flächensparendes, ressourcenschonendes Bauen vergeben wurden.

„In dem Bauobjekt von Hans und Ilona Schünke wurden hervorragende Lösungen für die Aufstockung eines Flachdachbungalows gefunden“, erläutert Ulrich Welk, Leiter der AG Stadtökologie des NABU Braunschweig. „Wir freuen uns sehr, dass eine der Auszeichnungen zum NABU-Baupreis an einen Preisträger aus unserer Region geht.“ Zu besichtigen ist das preisgekrönte Bauwerk in Mascherode, Alter Rautheimer Weg 47.

Flachdachbungalows sind in den 70er Jahren häufig gebaut worden. Sie stellen insbesondere vor dem heute offenbar werdenden ungehemmten Wachstum der Siedlungsfläche eine bedenkliche Verschwendung von Fläche dar. Die Möglichkeiten einer Aufstockung und damit der Schaffung zusätzlichen Wohnraumes ohne zusätzliche Versiegelung von Boden sind oft durch restriktives Baurecht begrenzt. Geschossflächenzahl (GFZ) und/oder Beschränkungen bei der Dachneigung setzen der Vermehrung von Wohnfläche enge Grenzen.

Die Lösung des Architekten, trotz einer Beschränkung der Dachneigung von 12° sowie einer bereits weitgehend ausgereizten GFZ zusätzlichen Raum zu schaffen, hat die Jury beeindruckt. Darüber hinaus gefiel die für die Aufstockung gewählte gut gedämmte Holzständerbauweise, welche die schlechte Wärmedämmung des Flachdaches ausgleichen konnte. Auf eine Vergrößerung der Heizungsanlage konnte aus diesem Grunde verzichtet werden. Beim Ausbau wurde außerdem Wert auf die Verwendung naturbelassener Baustoffe gelegt, verbleibende Flachdachbereiche wurden extensiv begrünt.

„Insgesamt ein sehr gutes Beispiel für mehr Wohnraum ohne mehr Flächenverbrauch, und das auf ökologisch gutem Niveau“, so Ulrich Welk vom NABU. "In Deutschland werden täglich 1,3 Millionen Quadratmeter Freiflächen für Siedlungs- und Verkehrszwecke verbaut. Die Forderung einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung ist ein zentraler Teil der NABU-Kampagne `Nachbar Natur', welche die Reduzierung des Landschaftsverbrauchs auf Null bis zum Jahr 2010 zum Ziel hat."






Übereichung der Auszeichnung an den Architekten sowie der Plakette zur Anbringung am Haus an die Bauherren Ilona + Hans Schünke;
von links: Carlo Fuchs (NABU Vorstand), Jean-Elie Hamesse (Architekt), Ilona + Hans Schünke (Bauherren), Ulrich Welk (Leiter der NABU AG Stadtökologie)


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17. April 2003
(herausgegeben vom NABU Braunschweig)
Oster-BirdWatch: Großer Beobachtungsparcours des NABU an den Riddagshäuser Teichen
Am Ostermontag können von 10.00 - 17.00 Uhr Vögel live im Großformat betrachtet werden

(Braunschweig) - Ostermontag, 21. April: Um die faszinierende Vogelwelt des Naturschutzgebietes Riddagshausen allen Interessierten zugänglich zu machen, bietet der NABU auch in diesem Jahr am Ostermontag wieder die Möglichkeit, hiesige Brutvogelarten und rastende Zugvögel hautnah zu erleben. In dem seit fast 100 Jahren von den Ornithologen des Naturschutzbund betreuten heutigen Europareservat Riddagshausen / Weddeler Teichgebiet werden die Mitarbeiter des NABU hierfür von 10.00 - 17.00 Uhr einen großen „Beobachtungsparcours“ einrichten. Durch stativgestützte Spektive, dass sind Fernrohre mit extrem hoher Vergrößerung (bis 60fach), können dann z. B. Haubentaucher, Kormorane oder die im Augenblick anwesenden farbenfrohen Löffel- und Kolbenentenmännchen im Großformat betrachtet werden. Laut dem NABU-Organisationsleiter Carlo Fuchs werden sich die festen Beobachtungspunkte mit den Spektiven am Kreuzteich, am Mittelteich und am Schapenbruchteich befinden. Die NABU-Mitarbeiter geben dort Informationen zum Vorkommen der beobachteten Vogelarten, zum Gebiet sowie über die aktuelle Entschlammungsmaßnahme am Schapenbruchteich. An einem Informationsstand wird außerdem ein umfangreiches Angebot an Broschüren sowie Informations- und Bestimmungsmaterial bereitgehalten.

Wie der Leiter der NABU-Arbeitsgemeinschaft Europareservat weiter mitteilt, halten sich in dem bedeutenden Brut- und Rastgebiet zur Zeit auch eine Reihe dort selten zu beobachtender Vogelarten auf, so z. B. eine größere Anzahl rastender Watvögel wie Flussregenpfeifer und Waldwasserläufer, aber auch Bekassinen. Highlights sind zudem ein einzelner Kranich, bis zu 3 Silberreiher und einige knallgelbe Schafstelzen und Gebirgsstelzen. Die Chancen, diese Arten am Montag zu sehen zu bekommen, stehen laut Carlo Fuchs zur Zeit sehr gut.

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Bedingt durch einen totalen Systemabsturz Ende Januar sowie den daraus resultierenden erheblichen technischen Problemen konnten ab Februar quasi keine überregionalen Nachrichten mehr eingepflegt werden. Ob dies zu einem späteren Zeitpunkt nachgearbeitet werden kann, steht aufgrund des ansonsten bereits enormen Arbeitsaufkommens offen. Ich würde hierauf dann gesondert aufmerksam machen.
C.F.

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27. Januar 2003
(herausgegeben vom NABU Braunschweig)
Informationsveranstaltung für die Amphibienschutzsaison 2003
+ PowerPoint-Lichbilder-Vortrag über den Laubfrosch
Gemeinsame Veranstaltung des NABU und der Abt. Umweltschutz der Stadt Braunschweig zur Koordination und Einweisung von freiwilligen Helfern für alle 14 betreuten Amphibienwechsel in Braunschweig

(Braunschweig) - Sobald das Thermometer nachts deutliche Plusgrade zeigt, beginnen die Laichwanderungen von Kröten, Fröschen, Unken und Molchen. Doch auf den Straßen gilt das Recht des Stärkeren. Wegen ihrer ausgedehnten Wanderungen sind Amphibien von den Auswirkungen des ständig wachsenden Straßennetzes besonders betroffen. Seit vielen Jahren haben deshalb die Naturschützer des NABU dem Amphibientod an unseren Straßen den Kampf angesagt.

In Vorbereitung auf die bevorstehende Wanderung der Amphibien veranstaltet der NABU -- traditionell wieder gemeinsam mit der Abteilung Umweltschutz der Stadt Braunschweig -- einen Informationsabend zum Amphibienschutzprogramm.

In der Amphibienschutzsaison 2002 wurde von den Helfern des NABU über 5100 (genau: 5103) Amphibien an den betreuten Amphibienwechseln über die Straße getragen. Um genaue Aussagen über die Entwicklung der Populationen treffen zu können, wird seit über 10 Jahren ein genaues Monitoring durchgeführt, was bedeutet, dass alle Tiere in Art und Geschlecht bestimmt werden. So waren im letzten Jahr die Erdkröte mit 3023 Tieren und der Grasfrosch mit 1139 Exemplaren die mit Abstand meistvertretenen Arten.

Dass durch Klimakapriolen die Wanderung der Amphibien u. U. schon Ende Januar beginnen kann, hatte sich im letzten Jahr gezeigt, als durch einen heftigen Wärmeeinbruch Ende Januar plötzlich das Wandergeschehen einsetzte. Vor allem Grasfrösche und Teichmolche hatten sich ungewöhnlich früh auf den Weg zu ihren Laichgewässern gemacht.

Das Vorbesprechungstreffen beginnt mit einem interessanten Vortrag über den Laubfrosch:
Herr H.-J. Clausnitzer (Eschede) wird über "Die Entwicklung zweier Laubfroschpopulationen in 20 Jahren nach einer gelungenen Wiederansiedlung im Landkreis Celle" einen PowerPoint-Lichtbilder-Vortrag zeigen (ca. 45 Min.).
Anschließend findet die Besprechung und Einweisung der freiwilligen Helfer zur Betreuung aller 14 Amphibienwechsel in Braunschweig statt. Wie Carlo Fuchs, Leiter des Amphibienschutzes mitteilte, sind derzeit über 60 Mitarbeiter in der NABU Amphibienschutz AG aktiv, wobei weitere Helfer aber grundsätzlich immer gern gesehen sind. Aktuell könnten insbesondere für die Wechsel Bienroder Weg und Kehrbeeke noch Helfer gebraucht werden.

Beginn 19.00 Uhr in der Brunsviga, Karlstr. 35, 3.Stock, Studiosaal.
Leitung: CARLO FUCHS

Alle interessierten Amphibienschutz-Helfer, die an der Veranstaltung nicht teilnehmen können, melden sich bitte in der NABU Geschäftsstelle, Tel.: 0531 - 79 86 49.

 

23. Januar 2003
(herausgegeben von ddp)
Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Wolfsjäger
NLÖ: Herkunft des Tieres geklärt

(Hildesheim/Klingenthal) -  Die Herkunft des in Niedersachsen von einem Jäger erschossenen Bramwald-Wolfes ist geklärt. Die „Puck" genannte Wölfin hieß ursprünglich „Bärbel" und war im vergangenen Sommer aus einem Tierpark im vogtländischen Klingenthal ausgerissen, wie das Niedersächsische Landesamt für Ökologie (NLÖ) in Hildesheim bestätigte. Das Tier war anhand eines im Nackenbereich eingepflanzten Chips identifiziert worden.

Der Chip war der sechs Jahre alten Wölfin an ihrem Geburtsort, einem Privat-Gehege im bayerischen Lohberg, eingesetzt worden. „Bärbel" war vermutlich hunderte von Kilometern quer durch Deutschland gestreift und hatte sich zuletzt im südniedersächsischen Bramwald aufgehalten. Gegen den Jäger, der den Wolf erschoss, ermittelt der Staatsanwalt.

 

20. Januar 2003
(herausgegeben von der Landtagsfraktion Bündnis90/Die Grünen)
GRÜNE: Verbesserungen für Gartenbaubetriebe durchsetzen
Harms: Keine Anhebung des Umsatzsteuersatzes für Pflanzen

(Hannover) - Deutliche Verbesserungen bei der Umsatzbesteuerung für Gartenbaubetriebe müssen nach Ansicht der Fraktionsvorsitzenden der Landtagsgrünen Rebecca Harms im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens zum Steuervergünstigungsabbaugesetz vorgenommen werden. Nach Ansicht der Grünen-Politikerin wäre der Gartenbau wie keine zweite Branche in Deutschland negativ von solchen Steuerbeschlüssen betroffen. Ohne wesentliche Mehreinnahmen für den Staat beeinträchtige dies die Wettbewerbsfähigkeit zahlreicher Baumschulen und Gartenbaubetriebe.

"Die kleinen und mittelständischen Betriebe in dieser Branche können keine höhere Steuerbelastung verkraften", erklärte Harms. Die Grünen-Politikerin weist darauf hin, dass sowohl die Agrar- als auch die Finanzpolitiker der Grünen auf Bundes- und Landesebene die Forderungen der Gartenbaubranche nach einer Beibehaltung des ermäßigten Umsatzsteuersatzes von 7% unterstützen. "Wir wollen die Arbeitsplätze in Baumschulen und Gärtnereien erhalten." Sollte auf Bundesebene darüber kein Einvernehmen erzielt werden, werde eine rot-grüne Landesregierung einer Erhöhung des ermäßigten Umsatzsteuersatzes für gartenbauliche Erzeugnisse nicht zustimmen, so Harms.

 

20. Januar 2003
(herausgegeben von der Landtagsfraktion Bündnis90/Die Grünen)
Verkehrsvertrag zwischen Land und DB-AG soll erst nach der Wahl unterzeichnet werden
Wenzel: "Wir müssen verhindern,dass es Gewinner- und Verliererregionen beim Ausbau des Bahnangebotes gibt."

(Hannover) - Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen im Landtag Stefan Wenzel hat Ministerpräsident Gabriel aufgefordert, den milliardenschweren Verkehrsvertrag mit der DB AG nicht mehr vor der Wahl zu unterzeichnen. Der Verkehrsvertrag soll voraussichtlich eine Laufzeit von zehn Jahren umfassen. Er regelt die Bestellung des Schienenpersonennahverkehrs bei der DB AG und den Umfang möglicher Ausschreibungen von Verkehrsleistungen.

Wenzel fürchtet, dass Gabriel und Knorre mit der Bahn noch vor der Wahl ein Ergebnis um jeden Preis vereinbaren. Offensichtlich sollen neue Ausschreibungen von Teilnetzen auf drei Projekte beschränkt werden, die namentlich benannt und zeitlich festgelegt werden. Dadurch wird die sinnvolle Abrundung oder Ergänzung vorhandener Netze ebenso erschwert, wie die Schaffung neuer interregionaler Bahnlinien. "Wir müssen verhindern," so Wenzel, "dass es Gewinner- und Verliererregionen beim Ausbau des Bahnangebotes gibt." Wenn die Bahn in einigen Regionen zehn Jahre lang vor Ausschreibungen geschützt werde, sei zu befürchten, dass neue Investitionen dort auf Eis gelegt würden.

 

18. Januar 2003
(herausgegeben von der Landtagsfraktion Bündnis90/Die Grünen)
GRÜNE: Keine Endlagerung von ausländischem Atommüll in Deutschland
Harms: FDP-Atomlobbyisten lancieren falsche Berichterstattung in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung

(Hannover) - Die Fraktionsvorsitzende der Landtagsgrünen und Spitzenkandidatin Rebecca Harms hat die heutige Berichterstattung der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung zurück gewiesen, nach der die Bundesregierung angeblich erwägt, gemeinsame Endlager für EU-Atommüll nicht auszuschließen. "Die Position von Rot-Grün war und bleibt klar: Ausländischer Atommüll wird in der Bundesrepublik nicht eingelagert", sagte Harms am Samstag in Hannover. Eine eindeutige Stellungnahme Bundesumweltminister Trittins bestätigt diese Aussage.

Im Unterschied zu FDP und CDU setzten sich die Grünen auch vehement für den Neubeginn einer Endlagersuche in der Bundesrepublik ein. Erst mit einer echten Suche, gestützt auf wissenschaftliche Kriterien, werde es die Aussicht auf ein geeignetes Endlager in der Bundesrepublik geben, sagte Harms. Die Grünen-Politikerin wirft der FDP vor, mit der falschen Wiedergabe einer Stellungnahme des Bundesumweltministeriums den Versuch zu unternehmen, von ihrer eigenen Energiepolitik abzulenken. Harms: "Hier werden die Dinge auf den Kopf gestellt." Denn es sei ausdrücklich auch die FDP, die bis heute nicht aus Tschernobyl gelernt hätte und in ihrem Programm weiter für den Ausbau der Atomenergie wirbt. Gorleben europaweit anzubieten hieße, Profit vor Sicherheit zu stellen, sagte Harms.

 

16. Januar 2003
(herausgegeben von der Landtagsfraktion Bündnis90/Die Grünen)
GRÜNE: Landtag soll Masterplan Fahrrad für Niedersachsen beschließen
Nationaler Radverkehrsplan soll durch niedersächsischen Masterplan Fahrrad untermauert werden

(Hannover) - Die Landtagsfraktion von Bündnis90/Die Grünen hat heute folgenden Antrag für einen Radverkehrsplan für Niedersachsen in den Landtag eingebracht:
"
Der Landtag stellt fest:
- Das Land hat die Chancen einer konsequenten Förderung des Radverkehrs jahrzehntelang vernachlässigt. Gerade in Städten und Dörfern kann der Radverkehrsanteil am Gesamtverkehr um ein Vielfaches gesteigert werden, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Fahrradurlaub in Niedersachsen kann zu einem niedersächsischen Markenzeichen entwickelt werden, wenn Angebot und Öffentlichkeitsarbeit stimmen.

Der Landtag fordert die Landesregierung auf:
- Den Fahrradverkehr und den Fahrradtourismus mit hoher Priorität zu unterstützen.
- Den nationalen Fahrradplan durch einen niedersächsischen Masterplan Fahrrad zu untermauern.
- Im Verkehrsministerium eine Projektgruppe "Fahrradfreundliches Niedersachsen" einzurichten.

Dazu fordert der Landtag die Landesregierung auf, insbesondere die nachfolgend genannten Maßnahmen zu ergreifen:
- Rücknahme der Kürzungen bei der Förderung des Radwegebaus.
- Grundsätzliche Anlage von Radwegen bei Aus- und Neubau von Straßen.
- Lücken im Radwegenetz schließen.
- Planung u. Förderung eines Radverkehrsnetzes für Alltags- u. Freizeitverkehr unter Berücksichtigung vorhandener u. geplanter kommunaler, bundes- u. europaweiter Netze.
- Eine Defizitanalyse zu den Schwachstellen der Radwegeförderung und zu planungsrechtl., verkehrsrechtl. und organisatorischen Mängeln in Auftrag zu geben.
- Einheitliche Beschilderung der kürzlich festgelegten Radwanderwegenetze und aller Alltags- und Freizeitverkehrsnetze.
- Festlegung von Standards für eine bedarfsgerechte u. kreative Gestaltung der Radverkehrsanlagen nach den "Empfehlungen für Radverkehrsanlagen" (ERA 95)
- Aufhebung der Bagatellgrenze im Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) für die Förderung von Radverkehrsanlagen.
- Verstärkte Förderung der Einrichtung von diebstahlsicheren Abstellanlagen an Bus- und Bahnhaltestellen.
- Ermöglichen einer problemlosen und kostenlosen Mitnahme von Fahrrädern in allen Nahverkehrszügen.
- Verstärkung der Vorbeugung gegen Fahrraddiebstähle durch flächendeckende Codierung von Fahrrädern.
- Höhere Priorität bei der Aufklärung von Fahrraddiebstählen (Vorbild Krefeld)
- Stärkere Berücksichtigung des Radverkehrs in Kindergärten und Schulen (Schulweg, Verkehrs- und Umwelterziehung, Gesundheitsvorsorge)
- Verstärkte Fortbildung für Planer und MitarbeiterInnen von Straßenverkehrsbehörden zu allen Fragen des Fahrradverkehrs.
- Förderung des Mobilitäts- und Gesundheitsmanagements in Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen, ideelle und finanzielle Förderung von fahrradfreundlichen Betrieben, Zusammenarbeit mit Krankenkassen."

Begründung:

67 Prozent aller Wege, die ein Mensch im statistischen Durchschnitt zurücklegt sind kürzer als 5 Kilometer, 53 Prozent aller Wege sind kürzer als 3 km. Diese Zahlen hat socialdata München in langfristigen Erhebungen festgestellt. Selbst bei den PKW-Fahrten sind 48 Prozent kürzer als 5 Kilometer und 32 Prozent kürzer als 3 Kilometer. Das zeigt: Das Potenzial für das Verkehrsmittel Fahrrad ist gewaltig - wenn die Rahmenbedingungen stimmen!

Die Niederlande haben in den letzten Jahren beispiellose Erfolge bei der Förderung des Radverkehrs erzielt. Wesentliche Grundlage war der nationale Plan zur Förderung des Fahrradverkehrs, der sogenannte "Masterplan Fiets". Damit konnte der Anteil des Fahrradverkehrs am Modal split aller Verkehrsträger auf eine erstaunliche Höhe gebracht werden. In der Bundesrepublik gab es bislang keine systematische Planung des Fahrradverkehrs. Jetzt hat die Bundesregierung mit Unterstützung des Bundestag einen Nationalen Fahrradplan vorgelegt. Die Umsetzung dieses Vorhabens wird jedoch ganz wesentlich von der Unterstützung der Länder und Kommunen abhängen. Die Förderung des Fahrradverkehrs ist Teil eines komplexen Systems. Die nachhaltige Steigerung des Anteils am sogenannten Modal Split, d.h. des Fahrradanteils am Gesamtverkehr erfordert ein ganzes Bündel von Maßnahmen und eine intensive Kooperation zwischen Planungsträgern, Bürgerinnen und Bürgern, Verbänden, öffentlichen Einrichtungen und Unternehmen.

Das Fahrrad ist das ideale Verkehrsmittel (...). Es ist sparsam und effizient, es braucht keine fossilen Kraftstoffe, Fahrrad fahren ist gesund und schnell, FahrradfahrerInnen sind hochmobil. Das Fahrrad ist das Verkehrsmittel der Zukunft (...). Die konsequente Förderung des Fahrrads
- ist ein Beitrag zur Verbesserung der Mobilität,
- ist ein Beitrag zur Senkung der Abhängigkeit von fossilen Energiequellen,
- ist ein Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels,
- ist ein Beitrag zur Gesundheitsförderung,
- ist ein Beitrag zur Verbesserung der Verkehrssicherheit.

 

16. Januar 2003
(herausgegeben von dpa)
Hutewälder: Ur-Rinder verhelfen altem Eichenwald zu neuem Leben

(Nienover) - Urtümliche Rinder und Pferde können alten Eichenwäldern zu neuem Leben verhelfen. Dies ist das vorläufige Ergebnis eines bundesweit einmaligen Projektes in den so genannten Hutewäldern im Solling an der Oberweser. In den 200 Jahre alten Eichenbeständen durften rückgezüchtete Auerochsen und Exmoor-Ponys weiden. Dadurch siedelten sich verschwundene Pionierpflanzen wieder an, sagte der Leiter des Naturparks Solling-Vogler, Peter Martensen, im Neuhaus bei Nienover. Darunter waren Moose und Flechten, aber auch verschiedene krautige Pflanzen. Die Tiere knabberten auch junge Buchen ab und drängten sie dadurch zurück. So verbesserten sie die Wachstumschancen der Eichen.

Gestartet wurde das Modellprojekt im Jahr 2000. Damals wurden die ersten 6 so genannten Heckrinder und 6 Exmoor-Ponys in einem rund 200 Hektar großen Naturwald freigelassen. Heckrinder sind Rückzüchtungen von Hausrindern nach dem Vorbild des ausgestorbenen Auerochsen. Exmoor-Ponys gelten als die am ursprünglichsten erhaltene Pferdeform in Europa. Sie ähneln stark dem Wildpferd. Inzwischen leben in dem Wald bei Nienover 14 Heckrinder und 9 Exmoor-Ponys. Die Idee, die Tiere in naturnah belassenen Waldflächen weiden zu lassen, stammt von Forschern der Gesamthochschule Paderborn. Sie wollen damit klären, wie sich die Weidehaltung auf das Ökosystem Wald auswirkt. "Die bislang absehbaren Folgen sind sehr vorteilhaft", sagte Martensen. Wo die Rinder und Pferde scharren oder sich wälzen, entstehe Rohboden, auf dem Pionierpflanzen siedelten. Nützlich für den Wald sei es auch, dass besonders die Exmoor-Ponys junge Buchen verbissen, die die Eichen zurückzudrängen drohten. Jetzt hätten die Eichen wieder bessere Wachstumschancen. Die Folge: Der Wald wird lichter, so dass auch andere Pflanzen besser wachsen, die Helligkeit und Wärme lieben.

Auch die Fauna profitiere von den im Wald weidenden Großtieren, so entstünden etwa neue Lebensräume für den Hirschkäfer und den Mittelspecht. Im Gegensatz zu anderen Spechtarten suche dieser in der Borke von Eichen nach Nahrung, erläuterte Martensen. Auch den urtümlichen Rindern und Pferden selbst gehe es in dem Wald offensichtlich sehr gut. Befürchtungen, sie könnten zu viel Farne oder Eicheln fressen und daran erkranken, hätten sich nicht bestätigt.

 

15. Januar 2003
(herausgegeben vom NABU Pressedienst Niedersachsen)
NABU fordert Vorrang ökologischer Konzepte beim Hochwasserschutz
Tschimpke: “Wasserwende in Niedersachsen überfällig!”

(Hannover) - Der NABU Niedersachsen hat dazu heute seine Forderungen an die niedersächsische Landesregierung wiederholt. Nach Auffassung des NABU brauchen wir in Niedersachsen ein Aktionsprogramm - den Flüssen mehr Raum geben - mit umweltpolitischen Taten in allen Regionen.

“Eine Wasserwende ist in Niedersachsen längst überfällig. Wir fordern die Landesregierung auf, regionale Hochwassergipfel auf Ebene der Landkreise unter Einbindung der Naturschutzverbände einzuberufen. Nur so kann der Reformbedarf für eine naturverträgliche Gewässernutzung und zum vorsorgenden Hochwasserschutz in Angriff genommen werden. In Überschwemmungsgebieten dürfen grundsätzlich Grünlandflächen nicht in Ackerflächen umgewandelt werden. Die Regelung im Niedersächsischen Wassergesetz mit dem Genehmigungsvorbehalt im Paragraphen 93 muss restriktiv behandelt werden. Hochwasserschutz, Ausweisung von FFH-, EU-Vogelschutz- und Überschwemmungsgebieten als natürliche Retentionsräume sind Aufgabenfelder, die auf den gleichen Flächen ablaufen und, wenn man es klug macht, auch all diesen Zielen gemeinsam dienen können.

Niedersachsen sollte unseren Vorschlag aufgreifen und einen ‚Niedersachsen Hochwassergipfel‘ durchführen. Bärbel Höhn in Nordrhein-Westfalen hat es bereits am 11. September 2002 vorgemacht, und wir hoffen, dass auch Niedersachsen Lehren aus den Hochwassersituationen ziehen wird”, erklärte Olaf Tschimpke, NABU Landesvorsitzender, dazu heute in Hannover.

 

15. Januar 2003
(herausgegeben von der Landtagsfraktion Bündnis90/Die Grünen)
GRÜNE zu Wahlumfragen: Ergebnis der kleineren Parteien entscheidet

(Hannover) - Die Fraktionsvorsitzende und Spitzenkandidatin der niedersächsischen Grünen Rebecca Harms erwartet von den vom Institut DIMAP im Auftrag des NDR durchgeführten und heute veröffentlichten Umfrageergebnissen zum Wahlverhalten bei der Landtagswahl am 02. Februar einen zusätzlichen Motivationsschub für die Mobilisierung der grünen Wählerschaft. "Mehr denn je zeigt sich, dass die Wahl durch das Abschneiden der kleineren Parteien entschieden wird. Grün liegt dabei sehr gut im Rennen. Die Frage lautet jetzt: Harms oder Hirche?"

Es müsse verhindert werden, dass die Möllemann-Partei als Steigbügelhalter der CDU die Rolle rückwärts in der niedersächsischen Politik ermöglicht. "Die selbsternannte Partei der Besserverdienenden steht für Entsolidarisierung, die Rückkehr zum dreigliedrigen Schulsystem und den ungebremsten Ausbau der Atomenergie. Wer Gerechtigkeit, Chancengleichheit und ökologische Verantwortung will, muss am Wahltag seine Stimme den Grünen geben."

 

10. Januar 2003
(herausgegeben von dpa)
Greenpeace: Täglich bis zu vier «Schrotttanker» in der Kadetrinne

(Rostock) - Die als gefährlich geltende Ostee-Wasserroute Kadetrinne wird nach Angaben der Umweltschutzorganisation Greenpeace täglich von bis zu vier "schrottreifen Tankern" befahren. "Diese Schiffe sind Einhüllentanker und älter als 20 Jahre", sagte Greenpeace-Schifffahrtsexperte Christian Bussau am Sonntag nach dem Ende einer vierwöchigen Überwachungsaktion mit dem Schiff "Sunthorice" der Nachrichtenagentur dpa in Rostock. "Derartige Pötte müssen sofort verboten werden."

Die Besatzung der "Sunthorice" identifizierte seit dem 11. Dezember vergangenen Jahres rund 112 Tanker, von denen 28 Schiffe mehr als 20 Jahre alte Einhüllentanker waren. "Wir konnten aber bei weitem nicht jedes Schiff identifizieren und wir wissen, dass täglich etwa 20 Tanker die Kadetrinne passieren", sagte Bussau. Deshalb müsse man davon ausgehen, dass täglich bis zu vier "schrottreife Tanker" wie die vor der Nordwestküste Spaniens havarierte "Prestige" die Kadetrinne passierten. Nach dem Bestreben der Internationalen Schifffahrtsorganisation IMO sollen Einhüllentanker bis 2015 verboten sein. "Derzeit sind noch rund 3000 derartige Schiffe auf den Weltmeeren unterwegs", sagte Bussau. Er forderte ein Verbot bis spätestens 2005. Dies sei aber in der IMO nur schwer durchzusetzen. Vor allem die so genannten Billigflaggen-Länder leisteten heftigen Widerstand gegen ein frühzeitiges Verbot von Einhüllentanker.

Die Kadetrinne zwischen der dänischen Insel Falster und der deutschen Halbinsel Darß zählt mit rund 60.000 jährlichen Schiffspassagen zu einer der meistbefahrenen Wasserstraßen Europas.

 

10. Januar 2003
(herausgegeben vom WWF)
Ausstellung „Wale, Watt und Weltmeere“ am Nationalpark Wattenmeer eröffnet
Bundesregierung muss Schutzgebiete für Schweinswale ausweisen

(Husum) - Das große Informationszentrum des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer hat eine neue Attraktion: Im Multimar Wattforum in Tönning ist heute die Dauerausstellung „Wale, Watt und Weltmeere“ eröffnet worden, an deren Gestaltung der WWF und die Schutzstation Wattenmeer mitgewirkt haben. Damit präsentiert das Multimar mit den Walen eine Tiergruppe, die weltweit stark bedroht ist und für deren Schutz sich der WWF, NABU und die Schutzstation Wattenmeer besonders einsetzen.

Schweinswale haben es sehr schwer in Nord- und Ostsee. Vor allem die Stellnetze der Fischerei fordern jährlich Tausende Opfer. Aber auch Schiffsverkehr, Lärm und Schadstoffe sowie die zunehmende Industrialisierung der Meere sind eine ständige Bedrohung. Anlässlich der Eröffnung des Walhauses forderten die Organisationen heute die Bundesregierung auf, in den deutschen Gewässern wirksame Schutzgebiete für die kleinen Wale auszuweisen. Sie kritisierten, dass erst kurz vor Weihnachten der Windpark „Butendiek“ ausgerechnet in einem Gebiet westlich von Sylt genehmigt wurde, in dem nach europäischen Recht längst ein Schutzgebiet für Schweinswale und Vögel ausgewiesen sein müsste. „Diese Genehmigung ist ein denkbar schlechtes Signal für die Glaubwürdigkeit der Meeresschutzpolitik der Bundesregierung“, sagte Hans-Ulrich Rösner vom WWF.

Umso wichtiger ist nun das neue Walhaus in Tönning, denn offenbar muss in Deutschland nicht nur gegen den internationalen Walfang protestiert, sondern auch für die Erhaltung der einheimischen Wale gestritten werden. Die Naturschutzverbände wollen mit der attraktiven Einrichtung daher verstärkt für den Walschutz im und vor dem Nationalpark Wattenmeer werben: „Vielen Menschen ist es immer noch zu wenig bewusst, dass es mit den Schweinswalen auch vor unserer Haustür in Nord- und Ostsee Wale gibt, die zum Überleben, ähnlich wie ihre großen Verwandten, dringend Hilfe brauchen“, so Rainer Schulz von der Schutzstation Wattenmeer.

 

10. Januar 2003
(herausgegeben vom NABU Pressedienst Niedersachsen)
NABU begrüßt Initiative von Umweltminister Wolfgang Jüttner zum Dosenpfandsystem
Tschimpke: “Systemvereinfachung ist der richtige Weg!”

(Hannover) - Der NABU Niedersachsen hat die heutige Ankündigung von Umweltminister Wolfgang Jüttner zur Vereinfachung zum Dosenpfandsystem begrüßt. “Es ist der richtige Weg, denn es muss dringend nachgebessert werden und nicht nach Getränkesorten, sondern einzig nach der Verpackungsart unterschieden werden. Die derzeitigen Ausnahmen für kohlensäurelose Getränke sind nach Auffassung des NABU für die Verbraucherinnen und Verbraucher nicht nachvollziehbar.

Wir wünschen uns allerdings, dass über die geplante Ausnahme beim Wein noch einmal nachgedacht wird, um dieses Potenzial zum dauerhaften Angebot von Mehrwegsystemen nutzen zu können. Grundsätzlich ist es aber nach wie vor notwendig, dass Schritte für die Stärkung des Getränkeanteils in Mehrwegverpackungen unternommen werden”, erklärte Olaf Tschimpke, NABU Landesvorsitzender. Sehr zufrieden sei der NABU, dass endlich das gesetzlich vorgeschriebene Pfand erhoben werde. Wir gehen jetzt einen wichtigen Schritt weg von der Ex-und-hopp-Mentalität hin zum Rohstoffsparen. Zukünftig werde deutlich weniger Müll die Landschaft, Parks und Straßen verschandeln.

 

10. Januar 2003
(herausgegeben vom Niedersächsischen Umweltministerium)
SPD und Grüne vereinbaren Bundesratsinitiative zum Dosenpfand
Umweltminister Jüttner: “Niedersachsen macht erneuten Vorstoß zur Vereinfachung des Systems!”

(Hannover) - “Mit einem erneuten Vorstoß im Bundesrat will Niedersachsen erreichen, dass sich das Pflichtpfand so bald wie möglich an der Verpackung orientiert und nicht - wie zur Zeit noch - am Inhalt der Dose oder Einwegflasche”, kündigte Umweltminister Wolfgang Jüttner heute in Hannover an. Bereits im Juli 2001 habe Niedersachsen eine bessere und unkompliziertere Lösung in den Bundesrat eingebracht, damals aber keine Mehrheit in der Länderkammer gefunden. “Eine Novelle der Verpackungsverordnung ist 2001 leider gescheitert, weil die CDU-Umweltminister von ihren eigenen Regierungen zurück gepfiffen wurden. Damit ist verhindert worden, dass schon jetzt Dose gleich Dose ist und sie auch alle gleich behandelt werden. Jetzt zeigt es sich: Kaum jemand hat Verständnis dafür, dass auf Dosen und Einwegflaschen mit Bier, Mineralwasser und kohlensäurehaltigen Erfrischungsgetränken Pfand erhoben wird, nicht aber auf vergleichbare Verpackungen mit Getränken ohne Kohlensäure. Ich hoffe nun, dass wir uns in den nächsten Wochen auf eine praktikablere und umweltfreundlichere Verordnung verständigen können. Dann könnte das System noch in diesem Jahr vereinfacht werden.”

Die Bundesratsinitiative Niedersachsens beinhaltet folgende Änderungen der Verpackungsverordnung:

Kein Pflichtpfand auf Getränkekartons, ebenso wie Mehrwegverpackungen werden sie als ökologisch vorteilhaft eingestuft (Umweltbundesamt vom August 2002: Ökobilanz-Studie zu Getränkeverpackungen II, Phase 1)

Pflichtpfand auf alle ökologisch nicht vorteilhaften Einweg-Getränkeverpackungen (Glas, PET, Dosen)
Ausnahmen: Wein (auf Grund der strukturellen Besonderheiten des Weinmarktes), Sekt (Sicherheitsanforderungen wegen hohen Druckes) Spirituosen mit mehr als 0,2 Liter Füllvolumen (sind - im Gegensatz zu ‚Flachmännern‘ - mengenmäßig von geringer Bedeutung)

Wegfall der Mehrwegquote auf Grund der Einführung eines Pflichtpfandes auf alle ökologisch nicht vorteilhaften Getränkeverpackungen. Um aber auch in Zukunft die Entwicklung von Mehrweg verfolgen zu können, muss die Bundesregierung die Anteile an ökologisch vorteilhaften Getränkeverpackungen jährlich im Bundesanzeiger veröffentlichen.

 

09. Januar 2003
(herausgegeben von der Landtagsfraktion Bündnis90/Die Grünen)
Pilotanlage für synthetischen Kraftstoff aus Biomasse
Förderung verhilft zur Realisierung des Standortes in Niedersachsen

(Hannover) - Die Entscheidung zur Förderung einer Pilotanlage für die Produktion von synthetischen Kraftstoffen aus Biomasse am "CUTEC" in Clausthal hat Stefan Wenzel, der verkehrspolitische Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Landtag, begrüßt. "Umweltminister Jüttner hat das Projekt fast vergeigt, weil die Koordination zwischen den vier beteiligten Landesministerien monatelang in der Luft hing," erklärte Wenzel, der sich persönlich für das Projekt engagiert hatte.

In Niedersachsen werde damit eine von drei Pilotanlagen dieser Art realisiert. Ziel sei die Forschung und Entwicklung von möglichst effizienten industriellen Verfahren und die Erstellung von Ökobilanzen. VW und Daimler Benz hätten sich schon früher für die Pilotanlage "CHOREN" in Freiberg, Sachsen engagiert. Wenzel: "In letzter Minute sichert die Entscheidung von Jüttner den Anschluss Niedersachsens an die Entwicklung dieser Technologie. Damit wird auch die Voraussetzung zum Einstieg in den 6. Forschungsrahmenplan der EU geschaffen."

Neueste Studien zeigten, dass Angebot und Nachfrage von Rohöl noch in diesem Jahrzehnt auseinanderlaufen. Die Folge seien deutliche Preissteigerungen. Deshalb müssten die Alternativen zu den fossilen und atomaren Energieträgern mit Hochdruck weiterentwickelt werden. Das gelte in besonderem Maße für den Verkehrsbereich, so Wenzel.

 

09. Januar 2003
(herausgegeben vom NABU Pressedienst Niedersachsen)
Nach Cornwall und auf die Scilly-Inseln unter NABU-Leitung
Sonderreise führt ins golfstromverwöhnte Britannien


(Oldenburg) - Bereits ins sechste Jahr gehen die beliebten Cornwallreisen, die unter inhaltlicher Leitung des NABU stehen - aber im Jahr 2003 wird es eine Sonderreise geben, die einen besonderen Abstecher auf die Scilly-Inseln anbietet. Aufgrund vieler Anfragen hat sich der NABU entschlossen, erstmals eine seiner klassischen Cornwallreisen um einen einzigartigen Aufenthalt auf den legendären “Isles of Scilly” zu erweitern. Diese Sonderreise findet in der Zeit vom 15. bis 26. Oktober 2003 statt. “Wir haben für diese Sonderreise nur sehr begrenzte Kapazitäten”, erklärte NABU-Regionalgeschäftsführer Rüdiger Wohlers, “daher sind Buchungen für diese Reise nur noch bis zum 28. Januar 2003 möglich.” Interessenten können sich unter Tel. 0511 / 9 11 05-0 an den NABU wenden. Nähere Informationen gibt es auch im Internet unter www.cornwall-reisen.de

Die Scilly-Inseln liegen knapp 40 Kilometer vor dem südwestlichsten Zipfel Britanniens, Land´s End, und sind aufgrund ihres außerordentlich milden Klimas weltberühmt. “Hier lässt man sich vom Golfstrom verwöhnen”, schwärmt Rüdiger Wohlers, Initiator der Reisen nach Cornwall, welche die Partnerschaft zwischen dem NABU Niedersachsen und dem Cornwall Wildlife Trust zum Hintergrund haben. “Nicht selten tummeln sich vor den Scillies Delfine und die riesigen, harmlosen Walhaie. Sogar große Meeresschildkröten werden immer wieder gesichtet.” Deshalb werde ein Besuch auf dem Archipel, so ist sich Wohlers sicher, einen fantastischen Eindruck von atemberaubender Natur und Jahrhunderte alter Geschichte der Inseln geben. Während des Aufenthalts sei auch ein Besuch der historischen Abbey Gardens auf der Insel Tresco möglich - hier gedeihen subtropische Gewächse.

“Der Oktober zählt zu den Monaten, in denen der Vogelzug am stärksten zu beobachten ist, und die Scilly-Inseln sind ebenso wie Cornwall selbst Drehscheibe des Vogelzuges - also eine gute Zeit für alle Vogelfreunde”, betonte Wohlers. Neben naturkundlichen Erläuterungen kommen aber auch Landeskunde, Kultur und Geschichte nicht zu kurz, so dass sich die Reiseinhalte nicht nur an Vogelfreunde, sondern an alle Cornwallinteressierten richten: Auf dem Programm stehen außer dem Abstecher auf die Scillies Wanderungen auf dem Küstenpfad, durch die Heckenlandschaft, Besuche historischer Fischerdörfer und eine Flussfahrt von Falmouth in Richtung Truro - sowie natürlich Nachmittage in berühmten cornischen Gärten

 

07. Januar 2003
(herausgegeben vom NABU Pressedienst Niedersachsen)
NABU fordert mehr Umwelt- und Naturschutzpolitik in Niedersachsen
Tschimpke: “Mehr Umweltpolitik wagen!”

(Hannover) - Der Naturschutzbund (NABU) mit über 55.000 Mitgliedern in Niedersachsen forderte von den Landesparteien Umweltpolitik als die wichtigste Zukunftsaufgabe verstärkt wahrzunehmen, langfristige Perspektiven zu entwickeln und zielorientiert umzusetzen. Der NABU betonte, dass Umweltpolitik mehr ist als das ‚grüne Garnieren‘ der Wirtschafts- und Beschäftigungspolitik. “Umweltpolitik wird bei weitem nicht mehr so aktiv und zudem nicht mittel- und langfristig betrieben wie dies Anfang der neunziger Jahre der Fall war. Es muss wieder mehr Umweltpolitik gewagt werden. Mehr Umweltpolitik wagen heißt, eine vorsorgende, vorausschauende Umweltschutzpolitik mit Visionen in Niedersachsen zu betreiben. Bei der aktuellen Hochwassersituation, dem Fließgewässerzustand oder den Auseinandersetzungen zum Havariekommando Cuxhaven im Zusammenhang mit der Tankerkatastrophe der ‚Prestige‘ beobachten wir nur ein kurzfristiges, aktuelles Reagieren, solange sich die Themen in den Schlagzeilen befinden”, erklärte Olaf Tschimpke, NABU Landesvorsitzender.

“Mehr Umweltpolitik wagen heißt auch, eine umfassende Informations- und Beteiligungspraxis zu praktizieren, die mit einer gesellschaftlichen Anerkennung des bürgerschaftlichen und ehrenamtlichen Engagements einhergehen muss”, ergänzte Hans-Jörg Helm, 1. Stellvertretender NABU Landesvorsitzender, auf der heutigen Jahres-Anfangs-Pressekonferenz. Helm und Tschimpke betonten, dass für mehr Umweltpolitik grundlegende Voraussetzungen notwendig und für ihre Wirksamkeit entscheidend seien. Ohne ausreichende öffentliche Mittel im Naturschutzhaushalt werde es nicht gehen. Ebenso müsse die Verbandsbeteiligung und -klage weiter entwickelt und die Position der ehrenamtlich Tätigen gestärkt werden. Und es sei zudem wichtig, dass der Umwelt- und Naturschutz mit einer kompetenten Person am Kabinettstisch sitzt.

Für den NABU Niedersachsen, der sich mit seinen Fragen zur Landtagswahl 2003 an die Landesparteien gewandt hatte, sind drei Themenfelder von besonderer Bedeutung:
Für den Umgang mit unseren Landschaften als Bestandteil des niedersächsischen Naturerbes sind Schutzgebiete, das NATURA 2000 System und Fließgewässer entscheidend. Die abgeschlossenen Gesetzgebungsverfahren zu den beiden Nationalparken Harz und Wattenmeer schützen das niedersächsische Naturerbe künftig vor gerichtlichen Auseinandersetzungen. Nicht zuletzt Uwe Inselmann, dem jüngst verstorbenen umweltpolitischen Sprecher der SPD-Fraktion, und Umweltminister Wolfgang Jüttner ist das erste, nach dem neuen Bundesnaturschutzgesetz eingerichtete, Biosphärenreservat an der Elbe zu verdanken. Ein Hoffnungszeichen sei, so der NABU, dass das Gesetz einstimmig auch mit den Stimmen von Bündnis 90/Die Grünen und der CDU-Fraktion beschlossen wurde. Die Flächen für das NATURA-2000-System sind von der Landesregierung mit den Vorschlägen zu den FFH-Gebieten und der Ausweisung von Vogelschutzgebieten bearbeitet worden. Nach Auffassung des NABU ist dies bislang nicht zufriedenstellend bearbeitet, da für beide Schutzgebietssysteme die fachlich gebotene Gebietskulisse fehlt.

Die Flutkatastrophe an der Elbe und die aktuelle Hochwassersituation niedersächsischer Flüsse habe auf schreckliche Weise die Folgen eines falschen Umgangs mit unseren Flüssen demonstriert, unterstrichen Helm und Tschimpke. Hier werde der enorme Reformbedarf für unsere Fließgewässer deutlich. Das konsequente Eintreten der Niedersächsischen Landesregierung und auch aller Landtagsfraktionen für einen Stopp des Elbeausbaus ist, so der NABU, positiv zu würdigen. Von großer Bedeutung ist aber für den NABU, dass den Worten nun auch umweltpolitische Taten in allen niedersächsischen Regionen folgen. So muss die Flächenversiegelung reduziert, unsere flussnahen Landschaftsräume wieder als Wasserspeicher genutzt, auf Siedlungs- und Gewerbegebiete in Überschwemmungsgebieten verzichtet und ein Flussausbau, der allein den Wasserabfluss beschleunigt, der Vergangenheit angehören. Grundsätzlich gelte für den Umgang mit unseren Landschaften, dass die Reduzierung des Flächenverbrauchs und die Entwicklung eines integrierten umweltverträglichen Verkehrsträgerkonzeptes die zentralen Aufgaben für eine vorsorgende Politik wären. Konzepte zur Energieeinsparung seien zentrales Element einer ressourcenschonenden Umweltpolitik, weit vor dem Ausbau regenerativer Energien, so Helm und Tschimpke weiter.

Die Agrarwende müsse auch in Niedersachsen zu einer Erfolgsstory werden, waren sich Helm und Tschimpke sicher. In Niedersachsen wurde im vergangenen Jahr von Umwelt- und Landwirtschaftspolitikern der Landesregierung das ‚Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen‘ gegründet. Bis dato bleibt dies aber der einzig erkennbare Beitrag des Landes Niedersachsen zur Agrarwende. “Der Ökolandbau ist im bundesweiten Vergleich auf dem letzten Platz zu finden. Gerade hier zeigt sich, dass Umweltpolitik in Niedersachsen mit einer Änderung in den Vorgaben für die Landwirtschaftspolitik steht und fällt”, betonten Hans-Jörg Helm und Olaf Tschimpke übereinstimmend. Die Zustimmung des Landes Niedersachsen zur Abschaffung der Käfighaltung stieß auf den entschiedenen Widerstand des Landwirtschaftsministeriums. Auch die Holzzertifizierung nach dem PEFC-Kriterien in Niedersachsen müsse nach der Berliner Koalitionsvereinbarung, die für die Waldbewirtschaftung die FSC-Qualitätskriterien vorschreibe, als gescheitert angesehen werden.

In Sachen Bildungspolitik müsse die Landesregierung einsehen, dass es auch eine Realität außerhalb des Laptops gebe, erklärten Helm und Tschimpke. “Ohne praktische Arbeit vor Ort und ehrenamtliches Engagement wäre es um unsere natürlichen Lebensgrundlagen schlecht bestellt. Erfolgreiche Aktionen des NABU, so zum Beispiel zum Kröten-, Eulen- und Fledermausschutz oder Pflegeeinsätze auf den NABU-eigenen Flächen sind sichtbare Belege dafür, dass ehrenamtliches Engagement für unser niedersächsisches Naturerbe unverzichtbar ist. Dieses Engagement muss zukünftig gestärkt und finanziell gefördert werden”, so Helm und Tschimpke abschließend.

 

06. Januar 2003
(herausgegeben vom Otter-Zentrum Hankesbüttel)
15 Jahre Otter-Zentrum Hankensbüttel -- Veranstaltungsprogramm 2003 erschienen

(Hankesbüttel) - Im Jahr seines 15-jährigen Bestehens bietet das wieder ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm an, welches für 1,53 € in Briefmarken angefordert werden kann. Informationen: Aktion Fischotterschutz, Otter-Zentrum, 29386 Hankensbüttel, Telefon (05832) 98080, Fax 980851, E-Mail afs@otterzentrum.de,  Internet www.otterzentrum.de

2003

17. Dezember 2002
(herausgegeben von dpa)
Havariekommando einsatzbereit

(Cuxhaven) - An Deutschlands Küsten stehen im Katastrophenfall ab sofort alle Rettungskräfte unter einem Kommando. Das neue Havariekommando sei von sofort an einsatzbereit, sagte Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) in Cuxhaven. Das Cuxhavener Lagezentrum soll bei Schiffsunfällen auf Nord- und Ostsee die Hilfskräfte der fünf Küstenländer und des Bundes koordinieren. Die "Prestige"-Katastrophe vor Spanien sei die letzte Warnung gewesen, sagte Stolpe. "Sie hätte auch uns treffen können."

 

13. Dezember 2002
(herausgegeben vom NABU Pressedienst Niedersachsen)
NABU Niedersachsen begrüßt Schleswig-Holsteins Mahnungen zum Havariekommando - Niedersachsen soll sich Bewertungen anschließen
Wohlers: "Wir brauchen zentrale Küstenwache und Havariekommando"

(Hannover) - Der NABU Niedersachsen hat das Verhalten des schleswig-holsteinischen Landtags im Hinblick auf die Verbesserung der Sicherheit auf See nachdrücklich begrüßt. Der schleswig-holsteinische Landtag hatte beschlossen, der Vereinbarung mit dem Bund über die Einrichtung eines Havariekommandos zuzustimmen, gleichzeitig jedoch heftige Kritik daran geäußert, dass nicht alle schwimmenden Einheiten vom Bund zusammengefasst werden. Dieser Bewertung schloss sich der NABU an und forderte eine zentrale Küstenwache nach dem Vorbild anderer Staaten, wie in Großbritannien und den Vereinigten Staaten.

NABU-Seefahrtsexperte Rüdiger Wohlers betonte: “Nur so können wir in entscheidenden Momenten der Gefahr lähmenden föderalen Kompetenzgerangels entgehen. Das Havariekommando ist zwar ein erster Schritt in die richtige Richtung, kann jedoch nicht letzter Ratschluss sein. Niedersachsen soll endlich bei der Bundesregierung Druck machen, damit diese die überfällige Verlegung der Hauptschifffahrtsstraße in der Deutschen Bucht nach Norden vornimmt, weiter weg von den Ostfriesischen Inseln, von den Laichgründen und dem Weltnaturerbe Wattenmeer.” Mit Sorge sehe der NABU auch, dass bislang noch kein zweiter Hochseeschlepper in Sicht sei. Wohlers forderte daher, Niedersachsen müsse von der Bundesregierung die Anschaffung oder Dauercharter eines zweiten Hochseeschleppers von der Pfahlzugkapazität der ‚Oceanic‘ in der Deutschen Bucht verlangen. Im Havariefall könnten die Anmarschwege gefährlich lang sein und zudem sei es nicht ausgeschlossen, dass in schwerer See zwei Schiffe gleichzeitig an verschiedenen Orten in Not gerieten. Die Landesregierung müsse hier dringend tätig werden. “Von Borkum bis Sylt kann es verdammt weit sein”, so Wohlers. Bisherige Berliner Initiativen zur Seesicherheit müssten als unzureichend angesehen werden, deshalb sei das Land gefordert, eine härtere Gangart an den Tag zu legen, bevor es an der niedersächsischen Küste zu spät sein könne.

Der NABU-Experte betonte weiter, dass eine Havarie wie die der ‚Prestige hierzulande möglicherweise noch schwerwiegendere ökologische Schäden hätte auslösen können. Wohlers: “Das Wattenmeer ist eine völlig sedimentäre Küste, die vom Ölschlamm in kürzester Zeit regelrecht erstickt würde.” Das hätte den Verlust einzigartiger Lebensräume für Zugvögel, Fische und andere Organismen, das Aus für die Fischerei und zudem schwere Einbußen im Tourismus zur Folge.

 

04. Dezember 2002
Norddeutsche Umweltministerkonferenz verabschieden Erklärung zur Sicherheit des Seeverkehrs mit Öltankschiffen

(Hannover/Nieklitz) - Auf Vorschlag des Niedersächsischen Umweltministers Wolfgang Jüttner haben heute die Umweltminister Norddeutschlands (Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg, Bremen und Niedersachsen,) folgende Erklärung in Nieklitz (Mecklenburg-Vorpommern) verabschiedet.

Die Umweltministerkonferenz Norddeutschland erklärt:

1. Die Ölkatastrophe vor der spanischen Küste durch die Havarie des 26 Jahre alten Einhüllen-Öltankschiffes ‚Prestige‘ hat schwere ökologische und ökonomische Schäden verursacht. Obwohl die Unfallursachen noch nicht abschließend geklärt sind, hat die Umweltministerkonferenz Norddeutschland mit Besorgnis zur Kenntnis genommen, dass es sich
- um ein altes Schiff in schlechtem Zustand,
- um ein Schiff, das unter einer so genannten Billigflagge fährt,
- um ein Schiff mit offensichtlich nicht hinreichend qualifizierter Besatzung auf Niedriglohnniveau
handelte. Diese Faktoren haben auch bei den Havarien des Einhüllen-Öltankschiffes ‚Erika‘, des Holzfrachters ‚Pallas‘ und anderen weiter zurückliegenden Seeunfälle in europäischen Seegebieten eine Rolle gespielt.

2. Die Umweltministerkonferenz Norddeutschland begrüßt, dass die Bundesregierung die anstehenden Räte (Verkehrsministerrat, Umweltministerrat, Europäischer Rat) für Initiativen zur weiteren Verschärfung der internationalen und EU-Bestimmungen für die Sicherheit des Seeverkehrs nutzen wird. Sie spricht sich insbesondere dafür aus,
- die EU-Kommission aufzufordern, einen Vorschlag zur beschleunigten Aussonderung von Einhüllentankern unter Einbeziehung des verschärften Besichtigungsprogrammes in das allgemeine Besichtigungsregime unabhängig von der Bauart ab dem Alter von 15 Jahren vorzulegen sowie Regelungen zu treffen, die den Transport von Schweröl in allen Einhüllentankern unterbindet,
- die Umsetzung des von der EU bereits beschlossenen Konzeptes zur verstärkten Hafenstaatenkontrolle vorzuziehen und Lotsen in das Meldesystem besser zu integrieren,
- alle Maßnahmen zur Sicherheit der Schiffahrt mit den EU-Beitrittsstaaten und insbesondere den Baltischen Staaten zum Bestandteil der EU-Beitrittsbedingungen zu machen und dafür auch die Unterstützung Rußlands für den von seinen Häfen ausgehenden Schiffsverkehr über die Nord-und Ostsee zu gewinnen,
- den aufgrund der “Kopenhagener Erklärung” vom 10. September 2001 (‚HELCOM-EXTRA‘) für das Jahr 2003 vorgesehenen IMO-HELCOM-EU-Workshop in Rostock zum Thema ‚Auswirkungen der erhöhten Schifffahrtsdichte in der Ostsee auf die Umwelt‘ zu nutzen, eine umfassende Bestandsaufnahme zum Stand der Umsetzung der gemäß Kopenhagener Erklärung vorgesehenen Maßnahmen vorzunehmen und weitere erforderliche Maßnahmen insbesondere mit den Beitrittsländern und Rußland zu erörtern,
- die gemäß der Richtlinie 2002/59EG des Europäischen Parlamentes und des Rates vom 27. Juni 2002 auszuweisenden Notliegeplätze vordringlich auszuweisen,
- Flaggenstaaten vor allem der so genannten offenen Register durch Einführung eines IMO-Audit-Verfahrens zu einer Erfüllung ihrer Verpflichtungen zur effektiven Kontrolle und Überwachung von Schiffen zu veranlassen,
- den Untersuchungsumfang für unternormige und ältere Schiffe so zu erweitern, dass alle für einen sicheren Schiffsbetrieb wichtige Faktoren erfasst und bewertet werden,
- auf diplomatischen Wegen auf eine Beschleunigung der Ratifizierungsverfahren hin zu wirken, damit bereits beschlossene internationale Vereinbarungen auf dem Gebiet der Sicherheit des Seeverkehrs endlich wirksam werden.
Die norddeutschen Länder werden die Bundesregierung bei der Umsetzung dieser Maßnahmen unterstützen.

3. Die norddeutschen Länder beobachten mit Sorge, dass der Transport von Ölprodukten aus dem östlichen Baltikum wie im Fall der ‚Prestige‘ erheblich zugenommen hat und dadurch insbesondere im Bereich der Ostsee mit zum Teil schwierigen Fahrwasserverhältnissen (Kadetrinne), aber auch im Bereich der Nordsee mit den angrenzenden sensiblen Wattenmeergebieten, die Gefahr von Meeresverschmutzungen durch Öl und andere Schadstoffe erheblich angestiegen ist. Die ‚Prestige‘ hätte auf ihrer Fahrt durch die internationalen Gewässer der Ostsee und der Nordsee bei anderen Wetterverhältnissen auch bereits in der Nähe der deutschen Küstengebiete havarieren können. Die Länder bitten daher den Bund, sich weiterhin für die Einführung einer Lotsenpflicht in der internationalen Kadetrinne einzusetzen. Sie bitten ferner den Bund, ergänzend zu der EU-IMO-Initiative für ein frühzeitigeres Phasing-Out ein sofortiges Einlaufverbot für Einhüllen-Öltankschiffe der Kategorie 1 in europäische Häfen durchzusetzen.

4. Die UMK-Nord begrüßt, dass es gelungen ist, die bisherigen Haftungssummen für Tankschiffe (In Kraft treten zum 1.11.2003) um ca. 50 % auf 203 Millionen Sonderziehungsrechte (rd. 285 Millionen Euro) zu erhöhen. Sie hält es für geboten, die in der IMO auf Grund der EU-Initiative zum Erika-Paket laufenden Verhandlungen zur Einführung eines zusätzlichen Entschädigungsfonds baldmöglichst erfolgreich abzuschließen.

5. Die norddeutschen Länder bitten den Bund, in der EU auf eine baldige Ermächtigung zur Ratifizierung des internationalen Übereinkommens von 1996 über die Haftung und Entschädigung für Schäden bei der Beförderung schädlicher und gefährlicher Stoffe auf See (HNS-Abkommen) zu drängen und das Übereinkommen über die zivilrechtliche Haftung für Bunkerölverschmutzungsschäden (Bunkerölabkommen) schnellstmöglich zu ratifizieren.

6. Die UMK-Nord unterstützt den Aufbau des Havariekommandos, um die Ablauf- und Entscheidungswege bei Seeunfällen in Deutschland zu verbessern und eine schlagkräftige Havariebekämpfung ohne Kompetenz- und Zuständigkeitsprobleme zu ermöglichen. Die UMK-Nord bittet den Bund und die Länder sicherzustellen, dass das Havariekommando schnellstmöglich in den vollen Wirkbetrieb gehen kann. Die norddeutschen Länder werden in Anbetracht der Zunahme des Gefährdungspotentials auf See die Maßnahmen zur Gewährleistung einer effektiven und schlagkräftigen Schadstoffunfallvorsorge und –bekämpfung in ihrer Zuständigkeit trotz enger finanzieller Spielräume im bisherigen Rahmen fortsetzen und in das Havariekommando einbringen.

7. Die norddeutschen Länder bekräftigen erneut ihre Forderung nach Zusammenführung der Bundesdienste auf See und der Einrichtung einer Seewache unter der alleinigen Führung des Havariekommandos entsprechend Empfehlung Nr.1 der unabhängigen Expertenkommission Pallas und fordern den Bund auf, die Gespräche hierüber nach der Aufnahme des vollen Wirkbetriebes des Havariekommandos wieder aufzunehmen.

 

04. Dezember 2002
(herausgegeben vom NABU Pressedienst Niedersachsen)
NABU fordert "schwarze Liste" für Schrottschiffe zum Schutz der deutschen Meere
Wohlers: "Seelenverkäufer müssen weltweit geächtet werden"

(Bonn/Hannover) - Der Naturschutzbund hat die norddeutschen Umweltminister aufgefordert, bei ihrer heutigen Tagung nach dem Vorbild der EU tätig zu werden und eine 'Schwarze Liste' auch zum Schutz der deutschen Meeresumwelt in Nord- und Ostsee zu erstellen. In einer solchen 'Schwarzen Liste', die über die Liste der EU hinausginge, sollten alle Schiffe aufgeführt werden, die sich bislang einer oder mehrerer Vergehen gegen die Umwelt schuldig gemacht hätten. "Wenn ein Schiff bereits einmal überführt wurde, weil es illegal Öl abließ, oder seine Ölnachweisdaten nicht den behördlichen Vorgaben entsprachen und es deshalb zeitweilig an der Kette lag, sollte es erfasst und ihm das Anlaufen deutscher Häfen untersagt werden", forderte NABU-Seefahrtsexperte Rüdiger Wohlers.

Zudem solle die Bundesregierung endlich bei der IMO, der UN-Sonderorganisation für die Seefahrt, aktiv werden und dort internationale Sanktionen gegen einwandige Tanker anmahnen. "Ein konsequentes Handeln in EU-Gewässern bleibt sinnlos, wenn einwandige Tanker nach einem hiesigen Verbot an Drittstaaten verkauft werden und dann noch Jahrzehnte lang als Seelenverkäufer unterwegs sind", sagte Wohlers. Diese Schiffe müssten grundsätzlich von allen Weltmeeren verschwinden.

 

04. Dezember 2002
(herausgegeben vom NABU Pressedienst Niedersachsen)
NABU begrüßt das Gesetz zum Biosphärenreservat ‚Niedersächsische Elbtalaue‘
Tschimpke: “Regionalentwicklung bietet viele Chancen”

(Hannover) - Anlässlich des Inkrafttretens des Gesetzes zum Biosphärenreservat ‚Niedersächsische Elbtalaue‘ am 15. November findet heute im Schloss Bleckede eine Festveranstaltung statt. Dazu erklärte Olaf Tschimpke, NABU Landesvorsitzender:

“Das Schutzgebiet Biosphärenreservat ist ein großer Erfolg für die Natur in der niedersächsischen Elbtalaue. Damit wurde das erste Biosphärenreservat nach Verabschiedung des neuen Bundesnaturschutzgesetzes in Niedersachsen ausgewiesen. Damit die Elbtalaue zu einem Vorbild werden kann, müssen die Chancen mit dem anlaufenden Integrierten Regionalmanagement von allen Beteiligten genutzt werden. Unser Projekt ‚Leben im Großschutzgebiet Elbtalaue‘ hatte nämlich gezeigt, dass ein Schutzgebiet für die Menschen in der Region eine große Chance darstellt. Ziel unseres Projektes war es, die besondere Naturausstattung der Region als Grundlage zu nutzen, um eine naturverträgliche Regionalentwicklung mit verschiedensten Kooperationspartnern zu entwickeln und wirtschaftlich orientiert umzusetzen. Es hat sich gezeigt und steht damit für uns außer Zweifel, dass die sich daraus ergebenden Impulse für eine Regionalentwicklung in den Bereichen Tourismus, naturverträgliche Landwirtschaft und Produktvermarktung realistische Umsetzungschancen bieten und haben. Die mit dem Biosphärenreservat Elbtalaue verbundenen wirtschaftlichen und naturräumlichen Chancen kommen allen zu gute.”

 

30. November 2002
(herausgegeben vom NABU Pressedienst Niedersachsen)
NABU gibt Hilfestellung bei Fledermausquartieren
Fledermausexpertin Melanie Beinhorn: ”Keine Angst vor den lautlosen Nachtjägern”

Nachdem in England ein Fledermausexperte an Tollwut gestorben war, gibt der Naturschutzbund Hinweise zum richtigen Umgang mit unseren einheimischen Fledermäusen:

(Hannover) - Menschen werden von an Tollwut erkrankten Fledermäusen grundsätzlich nicht aktiv angegriffen! Ein Fledermausquartier unter seinem eigenen Dach zu haben, stellt für Hausbesitzer keinerlei Risiko dar, erklärt der NABU auf zahlreiche Anfragen besorgter Bürger. ”Es sollte jedoch folgendes beachtet werden: Bei gefundenen Fledermäusen - ob tot oder lebendig - den nächsten fachkundigen Experten, in Niedersachsen den amtlichen regionalen Fledermausbetreuer, informieren oder beim NABU um Rat fragen. Normalerweise sind gefundene Tiere nur geschwächt oder verletzt und können nach fachkundiger Hilfe wieder in die Freiheit entlassen werden. Tote Tiere werden von den niedersächsischen Fledermausschützern über die Veterinärämter an die Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere weitergeleitet, wo sie zu Kontrollzwecken auf eine Tollwutinfektion untersucht werden können”, erklärte Melanie Beinhorn, NABU Fledermausexpertin. Die Zahl der tollwutinfizierten Fledermäuse in Deutschland und Europa ist jedoch gering und die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung auf den Menschen ist zudem noch um ein Vielfaches geringer.

“Vor Fledermaustollwut Angst zu erzeugen wäre völlig unbegründet und würde den Belangen des Schutzes dieser bedrohten Tiere unnötig zuwiderlaufen. Auch in dem aufgetretenen Fall in Schottland zeigt sich, dass eine Übertragung der Tollwut unserer europäischen Fledermäuse nur durch eingegangenen Risiken des Fledermausexperten verursacht wurde. Fledermausschützer, die einen häufigen und direkten Kontakt mit den Tieren haben, sind jedoch in der Regel gegen Fledermaustollwut geimpft oder tragen Lederhandschuhe”, erklärte Melanie Beinhorn.

Das Fledermaus-Tollwutvirus unterscheidet sich deutlich von den Tollwutviren anderer Tiere, etwa dem der Füchse. Wissenschaftler gehen davon aus, dass bei den isoliert lebenden Fledermäusen ein eigener Tollwutzyklus abläuft, wobei es allerdings noch große Wissenslücken zum Ablauf und der Verbreitung der Erkrankung gibt. Erkrankte Tiere zeigen im späteren Stadium der Infektion Verhaltensstörungen. Sie wirken apathisch, jedoch kann Zutraulichkeit mit plötzlichen Beißattacken wechselen.

Bis in die achtziger Jahre rangierten Fledermäuse laut einer Meinungsumfrage mit den Ratten zusammen auf den untersten Rängen der Beliebtheitsskala von Tieren - sie galten mehr als ‚Ungeziefer‘ denn als unsere Mitgeschöpfe. “Dies hat sich in der Öffentlichkeit eindeutig gewandelt: Fledermäuse sind in! Sie sind Sympathieträger und Symboltiere dank der aktiven Aufklärung vieler Ehrenamtlicher im Fledermausschutz”, so Melanie Beinhorn abschließend.

 

30. November 2002
Naturschutz darf nicht "abgespeckt" werden
Gesetzlich vorgeschriebene Ausgleichs- u Ersatzmaßnahmen für Schüttfeld III sind ausgewogen und dringend erforderlich

(Braunschweig) - In mehreren Artikeln der Braunschweiger Zeitung zu den Ersatzmaßnahmen für die Errichtung des Schüttfeldes III der Mülldeponie Watenbüttel wird die Meinung vertreten, dass diese "ein Unding" und viel zu teuer seien und "abgespeckt" werden sollten. Dem ist vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) entschieden zu widersprechen !

Durch den bereits 1991 erfolgten Bau des Schüttfeldes III sind auf den Braunschweiger Rieselfeldern für die Natur wertvolle Teilflächen verloren gegangen. Die hohe Bedeutung dieses Gebietes insbesondere für Wasser- und Watvögel wird durch unsere 50-jährigen Arbeiten für den Vogelschutz auf den Braunschweiger Rieselfeldern belegt, für die der NABU Braunschweig im Vorjahr den Hauptpreis des Feldschlößchen-Naturschutzpreises erhalten hat. Auch international wurde diese Bedeutung durch die Anerkennung als "Important Bird Area" bestätigt.

Im Bundes- und Niedersächsischen Naturschutzgesetz wird ein gleichwertiger Ausgleich für die verloren gegangenen Werte des Naturhaushalts gefordert. Dieser gesetzlichen Forderung wird mit den jetzt - nach 11 Jahren - endlich begonnenen Ersatzmaßnahmen entsprochen. Die ihnen zugrunde liegende Umweltverträglichkeitsstudie und der Landschaftspflegerische Begleitplan sind sorgfältig erstellt worden, und Notwendigkeit und Umfang der Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen werden eingehend begründet. Diese sind daher als Auflage im Planfeststellungsbeschluss der Bezirksregierung vom 17.06.2001 festgesetzt worden.

Die hierfür angesetzten Kosten von 800 000 Euro betragen nur 3,2 % der Bausumme von 25 Millionen Euro, wobei der größte Teil der Kosten zur Wiedervernässung der westlichen Okeraue dient, um im Nachbarbereich der Rieselfelder Ausweichflächen und zusätzliche Rast-, Nahrungs- und Brutgebiete für Wat- und Wasservögel zu schaffen. Die jetzt angegriffene Teilmaßnahme am Waller Weg kostet mit 115 000 Euro nur 0,3 % so viel wie das Schüttfeld.

Wie schon im Rahmen des Verfahrens in unserer Stellungnahme vom 10.04.2001 ausgeführt, hält der NABU diese Maßnahmen für sinnvoll und ausgewogen und ihre Ausführung nach 11 Jahren Verzögerung in vollem Umfang für dringend erforderlich.

 

21. November 2002
(herausgegeben vom NABU Pressedienst Niedersachsen)
Seevogelsterben nach ‚Prestige‘-Tankerunglück -- NABU ruft zu Spenden auf
NABU-Artenschutzzentrum Leiferde steht zur Hilfe bereit

(Hannover) - Angesichts der verheerenden Tankerkatastrophe des altersschwachen Schiffes ‚Prestige‘ vor der iberischen Küste hat der NABU Niedersachsen die Bevölkerung zu Spenden aufgerufen. Der NABU befürchtet, dass nun ein Massensterben unter den Vögeln in der Region ausbrechen wird. Spenden erbittet der NABU Niedersachsen auf das Konto 8 444 800, BLZ 251 205 10, bei der Bank für Sozialwirtschaft Hannover, Stichwort Prestige.

“Damit soll das bundesweit einmalige NABU-Artenschutzzentrum Leiferde bei Gifhorn in die Lage versetzt werden, schnell und unbürokratisch den armen Kreaturen zu helfen, die schon jetzt im Ölschlamm stecken. Gemeinsam müssen wir uns für international strenger kontrollierte Standards zur Seesicherheit einsetzen können. Wir wollen unseren spanischen Partnerverband beim Kampf gegen die Ölpest unterstützen können”, begründete Olaf Tschimpke, NABU Landesvorsitzender, seinen Spendenaufruf.

Das NABU Artenschutzzentrum Leiferde mit seiner Leiterin Bärbel Rogoschik stehe in engem Kontakt mit den spanischen Kollegen, erläuterte er. Der NABU als deutscher Partner von BirdLife International warte auf Anweisungen des spanischen BirdLife Partnerverbandes, der Sociedad Espanola de Ornitologia, SEO, um dann auch vor Ort tätig werden zu können. Bereits 1999 hatte das NABU Artenschutzzentrum bei der Havarie der ‚Erika‘ in der Biscaya wertvolle Erfahrungen bei Bergung und Pflege von betroffenen Seevögeln sammeln können, als ein Mitarbeiterteam aus Leiferde wochenlang vor Ort war.

Schon jetzt seien zahlreiche betroffene Seevögel, wie Sturmtaucher, Sturmschwalbe, Basstölpel, Krähenscharbe, Tordalk und Papageientaucher gefunden worden. Deren Gesamtopferzahl werde vermutlich in wenigen Wochen Hunderttausende zählen, befürchtete Tschimpke: “Gerade jetzt steht der Vogelzug vieler Arten auf dem Höhepunkt - betroffen sind also auch Arten, die anderen Regionen Europas brüten und sich derzeit vor der galizischen Küste aufhalten - eine Tiertragödie, die viele andere in den Schatten stellen wird. Diese Havarie wird weit verheerender ausfallen als der ökologische Super-Gau der Exxon Valdez im Jahr 1989 mit mehr als 250.000 getöteten Seevögeln”, ergänzte Tschimpke. Mehr als 70.000 Tonnen des giftigen und extrem schwefelhaltigen Schweröls könnten aus berstenden Tanks austreten. Tschimpke: “Eine ungeheure Katastrophe für den gesamten Lebensraum des Atlantiks vor und an der Iberischen Halbinsel.”

NABU Niedersachsen, Spendenkonto 8 444 800, BLZ 251 205 10, Bank für Sozialwirtschaft Hannover, Stichwort Prestige.

 

20. November 2002
(herausgegeben vom NABU Pressedienst Niedersachsen)
NABU entsetzt über fehlende Umsetzung zum Havariekommando
Tschimpke: “Aus Pallas und Ölvogelsymposium nichts gelernt!”

(Hannover) - Der Naturschutzbund NABU Niedersachsen ist entsetzt über fehlende Umsetzung für ein länderübergreifendes, einsatzfähiges Havariekommando in Cuxhaven. Der NABU fordert eine zentrale Küstenwache und endlich die Erstellung eines niedersächsischen ‚Notfallplans zur Versorgung von Vögeln und Säugetieren nach Havarien und bei Ölverschmutzung‘. Dazu erklärte Olaf Tschimpke, NABU Landesvorsitzender, heute in Hannover: “Wir sind erschüttert und entsetzt, dass nach Pallas-Havarie und dem niedersächsischen Ölvogelsymposium nicht passiert ist. Wir bezeichnen das Ganze als den föderal zögerlichen Trott. Es kann nicht sein, dass sich die Verantwortlichen den sprichwörtlich ‚schwarzen Peter’ solange zuschieben, bis in der Deutschen Bucht eine Tankerhavarie eintritt und dann der katastrophenspezifische Aktionismus um sich greift.

Wir wollen den Föderalismus nicht abschaffen - aber es kann nicht angehen, dass die Gefahrenabwehr durch ein zentrales Havariekommando dadurch blockiert wird, dass ein Bundesland die Unterschrift verweigert. Ziel muss nach unserer Auffassung sein, eine zentrale, europäische Küstenwache einzurichten. Tankerunfällen zuzusehen, bis sich verschiedene Instanzen politisch geeinigt haben, ist widersinnig. Aus der ‚Pallas‘-Havarie vom Oktober 1998 hat man anscheinend nichts dazu gelernt. Es ist zudem völlig unverständlich, dass von der Niedersächsischen Landesregierung keine Maßnahmenkatalog erstellt wurde. Dies war eine gemeinsam getroffene Vereinbarung auf dem Ölvogelsymposium am 6. Dezember 2001 in Oldenburg. Es ist seit nunmehr knapp einem Jahr hierzu nichts passiert und umgesetzt worden. Wir mahnen hier zu Eile, wenn das einzigartige Wattenmeer als künftiges Weltnaturerbe und Erholungsraum für Millionen von Menschen vor einer schweren Ölpest bewahrt werden soll.”

Im Januar 2000 hatte der NABU als Reaktion auf die ‚Erika‘-Tankerkatastrophe vor der Küste Frankreichs einen 14 Punkte Katalog veröffentlicht, um solche Unglücke vor unserer Küste zu verhindern. Im Oktober 2000 wies der NABU erneut auf o.g. Forderungen hin, die u.a. eine Lotsenpflicht für vielbefahrene Bereiche mit felsigen Untiefen sowie Doppelrumpftanker für Schiffe mit Öl oder Chemikalien festschreiben. Letzterem kam die EU im Juni 2001 nach, in dem sie beschloss, vom Jahr 2002 an bis 2015 schrittweise alle einwandigen Tanker aus dem Verkehr zu ziehen.

Im Dezember letzten Jahres fand in Oldenburg ein “Symposium zum Umgang mit im Küstenbereich verölt aufgefundenen Seevögeln und anderen wildlebenden Tieren” statt. Auf dieser Veranstaltung, die vom Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie vom Niedersächsischen Umweltministerium veranstaltet wurde, berichtete der NABU von seinen Erfahrungen im Bereich der Ölvögelrehabilitation und legte einen überarbeiteten Katalog der Forderungen zur ‚Verbesserung der Situation der von Ölverschmutzung betroffenen Seevögel und der Sicherheit auf See‘ vor. (Auf Anforderung übersenden wir Ihnen gerne die NABU Forderungskataloge: Julia Gerlach, Telefon: 0511 / 9 11 05-0, E-Mail: julia.gerlach@nabu-niedersachsen.de)

 

20. November 2002
(herausgegeben vom NABU Pressedienst Niedersachsen)
Einschränkung der demokratischen Mitwirkungsrechte durch die Landesregierung
Tschimpke: “Das ist ein schwerer Schlag in das Gesicht des Ehrenamtes!”

(Hannover) - Die Niedersächsische Landesregierung teilte gestern mit, dass ‚künftig Genehmigungsverfahren noch mehr beschleunigt und vereinfacht werden‘ sollen (Presseinformation Nr. 329/02 vom 19.11.02). Dazu erklärte Olaf Tschimpke, NABU Landesvorsitzender, heute in Hannover: “Hinter diesem lapidaren Satz verbirgt sich eine einzigartige Beschneidung der demokratischer Mitwirkungsrechte in insgesamt 47 Fällen. Die Auswirkungen der geplanten Maßnahmen sind weitreichend. So soll die gerichtliche Überprüfung von Planentscheidungen beschnitten, die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange reduziert, die Mitwirkung der Bürger und Verbände in Genehmigungsverfahren verringert sowie die Klagemöglichkeit der Verbände eingeschränkt werden. Dieser schwere Schlag in das Gesicht des Ehrenamtes zeigt - nach dem Jahr der Freiwilligen (2001) und den vollmundigen Ankündigungen der Landesregierung zu einer Offensive des bürgerschaftlichen Engagements vom Juli 2001 - das wahre Verständnis der Landesregierung zur gesellschaftlichen Anerkennung bürgerschaftlichen Engagements. Von einer demokratischen Bürgerbeteiligung hat sich die Landesregierung völlig verabschiedet. Das Recht auf Wissen und Partizipation des Bürgers über umweltrelevante Entscheidungsprozesse im Sinne der Aarhus Konvention, die von der Bundesrepublik ratifiziert wurde, wird mit Füßen getreten. Die 47 Vorschläge wurden von Wirtschafts- und Industrieverbänden vorgelegt, von der Staatskanzlei aufgenommen und innerhalb der Landesregierung abgestimmt. Eine Information oder auch ein Austausch mit den Umweltverbänden und kommunalen Spitzenverbänden fand nicht statt. Für uns gilt im Gegensatz zur Landesregierung allerdings nach wie vor, dass es ohne praktische Arbeit und ehrenamtliches Engagement vor Ort, um unsere Lebensgrundlagen schlecht bestellt wäre. Zusammenarbeit und Kooperationen sind ein wichtiges Element für die gesellschaftliche Verankerung bürgerschaftlichen Engagements. Gerade dies hat die Landesregierung hier völlig vermissen lassen.”

 

19. November 2002
Diavortrag am Freitag, 22. November:
"Am schönsten aber sind die Orchideen - Streifzug durch die heimische Orchideenwelt"
Außerdem: Ausstellung und Verkauf einer Auswahl der 50 schönsten Natur-Kalender für 2003

(Braunschweig) - Der Arbeitskreis Heimische Orchideen ist die bundesweit organisierte Vereinigung von Orchideenschützern, die jährlich die Orchidee des Jahres wählt. Dr. Wolfgang Stern aus Hannover, Vorsitzender des AHO Landesverbandes Niedersachsen, wird auf Einladung des Naturschutzbundes NABU über das Vorkommen der Orchideen in Niedersachsen berichten und dabei eine unglaubliche Fülle schönster Fotografien präsentieren. Neben der ständigen Erfassung von Orchideenpopulationen in ganz Niedersachsen, die ihren Niederschlag in dem vom AHO im Februar 1995 herausgegebenen Buch "Orchideen in Niedersachsen" fand, arbeiten Mitglieder von NABU und AHO teilweise gemeinsam im Orchideenbiotopschutz. Auch in Braunschweig befindet sich mit der Sandbeekswiese ein besonders wertvolles Orchideenbiotop, dass jährlich gepflegt werden muss.

Die Orchidee des Jahres 2003, die Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera L.), ist eine besonders raffinierte Pflanze. Die eher unscheinbare braun-grüne Pflanze mit ihrem meist blauen Mal auf der Lippe versteht es, männliche Hautflügler, (Hymenoptera) speziell die der Familie der Grabwespen (Sphecidae), arglistig zu täuschen. Dazu hat sie einige Strategien entwickelt, mit dem Ziel selbst bestäubt zu werden.

Die Fliegen-Ragwurz ist eine eher schlanke Orchidee mit vielen kleineren (bis zu zwanzig) Einzelblüten an einem bis zu 50 Zentimeter hohen gelblich-grünen Stängel. Die Blüten zeigen den typischen Blütenaufbau der Orchideen, die Einzelblüte besteht aus sechs Blütenblättern. Auf den ersten Blick fällt ein Blütenblatt besonders auf: die längsgezogene braune sogenannte Blütenlippe mit ihrem blauen Mal und ihrer pelzigen Oberfläche. Die restlichen fünf kleineren Blütenblätter sind darüber so angeordnet, dass die Gesamtblüte auf den ersten Blick den Eindruck erweckt, ein Insekt würde mit dem Kopf in eine grüne Pflanze eintauchen. Die Blüte ahmt nicht nur ein weibliches Insekt mit ihrem Aussehen nach, sie fühlt sich dank ihrer pelzigen Oberfläche auch so an. Um aber das Ziel der Täuschungsaktion, die eigene Bestäubung, auch sicher zu erreichen, verströmt die Blüte den Sexualduftstoff (Pheromon) eines paarungsbereiten Insektenweibchens. Diese Orchidee "verführt" die Grabwespenmännchen zur Pseudokopulation.

Somit wird der enge Zusammenhang zwischen Pflanze und Tier deutlich und die Fliegen-Ragwurz kann nur überleben, wo auch ihre Bestäuber vorkommen. Daher gilt es für den Arbeitskreise Heimische Orchideen nicht nur diese Pflanze zu schützen, sondern auch ihren gesamten Lebensraum zu bewahren. Um auf die Problematik der Veränderung von Lebensräumen mit ihren Folgen für einzelne Individuen aufmerksam zu machen, wird jährlich eine Orchidee zur "Orchidee des Jahres" gewählt. Ob die Fliegen-Ragwurz für 2003 oder auch alle anderen Jahres-Orchideen der Vorjahre, der Diavortrag wird sich etwas näher mit diesen interessanten Pflanzen und ihren Lebensräumen beschäftigen und diese auch in schönsten Bildern zeigen.

Der NABU bietet außerdem vor und nach dem Vortrag die Möglichkeit, eine Auswahl der 50 schönsten Natur-Kalender für 2003 einzusehen und auch zu erwerben. Die Titelbilder sämtlicher Kalender werden auch auf der homepage des NABU präsentiert.

Beginn 19.45 Uhr im Gemeinschaftshaus Weststadt, Ludwig-Winter-Straße 4, 1.Stock, Kleiner Saal (Straßenbahnlinien 3, 5, 6 und 7, Haltestelle Emsstraße sowie Buslinie 439, Haltestelle Donaustraße). Unkostenbeitrag 1,50 EUR (Schüler und Erwerbslose frei). 

 

13. November 2002
Bürgermedaille der Stadt Braunschweig für Annemarie und Prof. Dr. Friedmund Melchert
Ehrung durch Oberbürgermeister Dr. Hoffmann für jahrzehntelanges, ehrenamtliches Engagement im NABU

(Braunschweig) - Während einer offiziellen Feierstunde im Rittersaal des Altstadtrathauses wurden heute Professor Dr. Friedmund Melchert und Ehefrau Annemarie Melchert für ihr jahrzehntelanges, ehrenamtliches Engagement für den Naturschutz mit der Bürgermedaille der Stadt Braunschweig ausgezeichnet. Bereits seit 1957 Mitglieder im damaligen Deutschen Bund für Vogelschutz, dem heutigen Naturschutzbund (NABU), setzt sich das Ehepaar Melchert seitdem in vielfältiger und beispielhafter Weise für den Naturschutz ein. "Als Organisatoren oder Durchführende von Exkursionen und Vortragsveranstaltungen, als Avifaunisten und seit 1988 auch als 1. Schriftführerin bzw. seit 1991 als 1. Vorsitzender im Vorstand des NABU Braunschweig, hat das Ehepaar Melchert sich durch sein unermüdliches Wirken für die Belange der Natur in hervorragender Weise die Anerkennung der braunschweiger Bürger verdient", wie Oberbürgermeister Dr. Hoffmann in seiner Laudatio betonte. Vor den geladenen Gästen aus Rat, Verwaltung und Verbänden wurden ebenso Roswitha Barden (Bücherwurm) für ihre Verdienste um die Jugendbuch-Kultur in Braunschweig und Heinz Friedrich (Wilh.-Braake-Gesamtschule) für sein Wirken für das Projekt "Bäume für Sahel" mit einer nigerischen Partnerschule diese Ehrung zuteil.

"Wir sehen dies auch als Würdigung der geleisteten Arbeit der vielen anderen ehrenamtlichen Mitarbeiter im Naturschutzbund" betonte Herr Prof. Dr. Melchert in seiner Dankesrede. Der Erhalt unserer vielfältigen Natur könne nicht nur mit einmaligen Projekten gesichert werden, sondern erfordere auch langfristige Fleißarbeit. Diese sei zwar weniger spektakulär, aber unbedingt notwendig. So reiche es beispielsweise nicht, eine Orchideenwiese einmalig zu pflegen, sondern dies müsse jedes Jahr wieder erfolgen, ebenso wie eine einmalige Bestandsaufnahme der Vogelwelt noch keine Aussagefähigkeit über eventuelle Veränderungen oder einzuleitende Schutzmaßnahmen erbringe. Dafür seien langjährige Erfassungen nötig. "Die Anerkennung unseres Einsatzes für den Erhalt einer lebenswerten Umwelt ist auch ein Ansporn für die Zukunft." Naturschutz richte sich ja nicht etwa - wie es manchmal dargestellt werde - gegen die Interessen der Bürger, sondern der Schutz der Natur sei vielmehr wichtig, um uns allen und auch den folgenden Generationen eine lebenswerte Umwelt zu erhalten. Und dies nicht bloß in irgendwelchen abgelegenen Schutzgebieten, sondern gerade auch in der Stadt, wie Prof. Dr. Melchert besonders betonte. Hervorzuheben sei auch die in der Vergangenheit erfreulich gute Zusammenarbeit mit der städtischen Abteilung Umweltschutz und ebenso mit dem Fachbereich Stadtgrün sowie dem Klärwerk Steinhof, was sich in der Zukunft hoffentlich auch so fortsetzen werde.

 

05. November 2002
Diavortrag "Vogeljahr 2002 - Artenvielfalt in Digitaler Fotografie"
Außerdem: Ausstellung und Verkauf einer großen Auswahl der schönsten Natur-Kalender für 2003

(Braunschweig) - Die "Digitale Fotografie" ermöglicht es heutzutage, neben dem klassischen Beobachten von Vögeln oder sonstiger Fauna und Flora, auch ganz nebenbei interessante Arten in brillianter Qualität festzuhalten. Am Freitag den 08. November zeigt Dr. Ulrich Reimers, Professor an der TU Braunschweig und Ornithologe beim NABU, Bilder von der faszinierenden Artenvielfalt vor unserer Haustür. Ob Silberreiher und Schwarzstörche in den Rieselfeldern oder die im Wierther Klärteichgebiet erbrüteten Nilgänse, ob Kolbenenten oder Zwergmöwen - der Vortrag wird sie präsentieren. Und nicht zu kurz kommen auch interessante Pflanzen am Wege.

Außerdem bietet der NABU vor und nach dem Vortrag die Möglichkeit, eine große Auswahl der 50 schönsten Natur-Kalender einzusehen und auch zu erwerben. Die Titelbilder der schönsten Natur-Kalender werden ab Freitag auf einer Sonderseite dieser homepage präsentiert.

Beginn des Diavortrages um 19.45 Uhr im Gemeinschaftshaus Weststadt, Ludwig-Winter-Straße 4, 1.Stock, Kleiner Saal (Straßenbahnlinien 3, 5, 6 und 7, Haltestelle Emsstraße sowie Buslinie 439, Haltestelle Donaustraße). Beliebiger Unkostenbeitrag erbeten.

 

31. Oktober 2002
(herausgegeben vom NABU Pressedienst Niedersachsen)
NABU kritisiert Landesregierung zum Torfabbau
Tschimpke: “Auf der ganzen Linie wortbrüchig”

(Hannover) - Der NABU Landesverband Niedersachsen hat die in der Novelle des Landesraumordnungsprogramms vorgesehene Einstufung weiterer Rohstoffsicherungsgebiete für den Torfabbau als verheerend und als eine Kahlschlagpolitik gegen den Moorschutz bezeichnet. Im Bereich der Bezirksregierung Weser-Ems werden weitere 10.000 Hektar für den Torfabbau freigegeben.

“Die Landesregierung zeigt sich auf ganzer Linie wortbrüchig”, erklärte Olaf Tschimpke, NABU Landesvorsitzender. Olaf Tschimpke: “Damit werden verbale und schriftliche Bekundungen, die als roter Faden durch Aussagen der Landesregierungen der vergangenen 20 Jahre liefen, Makulatur. So haben wir bei einer Überarbeitung des Landesraumordnungsprogramms um ergänzende Beteiligung gebeten, was allerdings, nachdem nun das Jahr des Ehrenamtes (2001) vorüber ist, nicht erfolgte. Zudem waren in den 10 Empfehlungen des Initiativkreises ‚Konfliktbewältigung zum Bodenabbau‘ vom November 2000 einvernehmlich von allen Beteiligten regionale Arbeitskreise unter Beteiligung der Natur- und Umweltschutzverbände vorgesehen (Empfehlung 9), was auch unterblieben ist. Außerdem hatte die Landesregierung in der Weißen Mappe 1995 zugesagt, sich in diesem Bereich dafür einzusetzen, dass Verfahren entwickelt werden, um Torf zu substituieren. Wir sind sehr gespannt wie dies mit dem Entschließungsantrag der SPD-Landtagsfraktion vom 4. Februar 2002‚ den Schutz der niedersächsischen Moore fortentwickeln‘ in Übereinstimmung gebracht werden soll.”

Ohne jede Notwendigkeit werde ein einzigartiger Lebensraum geopfert, ohne Rücksicht auf dessen Bedeutung für zahlreiche höchst bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Dadurch seinen gravierende Eingriffe in weiten Teilen von Weser-Ems vorprogrammiert, “und die Bürger werden sich wundern, wie unser niedersächsisches Naturerbe verschwinden wird”, setzte Tschimpke hinzu. Im 21. Jahrhundert gebe es längst keine Notwendigkeit mehr für industriellen Torfabbau: Torf gehört ins Moor, im Gartenbau können längst allerlei Substrate eingesetzt werden, betonte Tschimpke. Zudem bestünden erhebliche Zweifel, ob etwa die Ausweisung von Vorranggebieten für den Torfabbau am Rande bestehender Naturschutzgebiete mit europäischem Naturschutzrecht vereinbar sei.

 

18. Oktober 2002
(herausgegeben vom NABU Pressedienst Niedersachsen)
Antrag zum Windpark Weener ‚Dwarstief‘ im Hauptsacheverfahren zurückgewiesen
Tschimpke: "NABU wird Änderung des Niedersächsischen Naturschutzgesetzes vorschlagen"

(Osnabrück) - Im Streitverfahren um den Windpark Weener ‚Dwarstief‘ (Landkreis Leer) hatte gestern vor dem 1. Senat des Oberverwaltungsgerichtes (OVG) Lüneburg die mündliche Verhandlung im Hauptsacheverfahren nachmittags in Osnabrück stattgefunden. Der Antrag des NABU wurde als unzulässig vom OVG zurückgewiesen. Für den Naturschutzbund gelte, so das Gericht, dass der niedersächsische Gesetzgeber im Klagerecht nach dem Niedersächsischen Naturschutzgesetz keine sogenannte ‚inzidente Normenkontrolle‘ vorgesehen oder diese gewollt habe.

Im Rahmen des Hauptsacheverfahrens hatte das OVG die Frage behandelt, ob die Regelung des Niedersächsischen Naturschutzgesetzes zum Beteiligungsrecht der anerkannten Naturschutzverbände eine gerichtliche Überprüfung eines Bebauungsplanes zulässt. Diese grundsätzlich bedeutsame Frage hatte das Gericht verneint. Somit steht dem NABU das Klagerecht nicht zu, mit der Folge, dass auch die Einwendungen des NABU zum europäischen Vogelschutz in dem betroffenen Bereich nicht zu behandeln waren. Das NABU Gutachten über die Bedeutung des vom Windpark betroffenen Gebietes als europäisches Vogelschutzgebiet wurde daher auch nicht weiter in die Diskussion einbezogen.

“Faktisch vorhandene, nicht gemeldete Vogelschutzgebiete der EU müssen ernst genommen werden und dürfen nicht durch Bauvorhaben überplant werden. Unser niedersächsisches Naturerbe muss geschützt werden können. Wir halten eine Änderung des Niedersächsischen Naturschutzgesetzes für notwendig, um unser niedersächsisches Naturerbe langfristig erhalten und sichern zu können. Wir werden dazu eine Änderung des Naturschutzgesetzes vorschlagen”, erklärte Olaf Tschimpke, NABU Landesvorsitzender.

Der NABU wollte wegen der grundsätzlichen Bedeutung für den Naturschutz eine Entscheidung im Hauptsacheverfahren erreichen. Nach Auffassung des NABU sollten vorliegende Bebauungspläne und ihre Auswirkungen auf bestehende bedeutende Schutzgebiete einer gerichtlichen Überprüfung zugeführt werden können.

 

16. Oktober 2002
(herausgegeben vom NABU Pressedienst Niedersachsen)
NABU begrüßt Beschluss im Umweltausschuss des Landtags zum Biosphärenreservat
Tschimpke: "Große Chance für die Elbtalaue"

(Hannover) - Der Umweltausschuss des Niedersächsischen Landtages hat heute in seiner Schlussberatung den Gesetzentwurf zum Biosphärenreservat Niedersächsisches Elbetal fraktionsübergreifend einstimmig beschlossen.

Dazu erklärte Olaf Tschimpke, NABU Landesvorsitzender, heute in Hannover:
“Wir begrüßen diesen entscheidenden, einstimmig gefassten, Schritt als eine große Chance für die Region Elbtalaue. Das erste Biosphärenreservat nach der Verabschiedung des neuen Bundesnaturschutzgesetzes wird damit in Niedersachsen ausgewiesen werden können. Die Verabschiedung des Gesetzes wird dann wichtige Impulse für die Region mit ihrer besonderen Kulturlandschaft geben können. Wir werden die Umsetzung konstruktiv und intensiv begleiten, wobei wir davon ausgehen, dass wichtige Elemente wie eine hauptamtliche Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit, ein Netz von Informationseinrichtungen sowie die Umsetzung der Schutzbestimmungen konsequent realisiert werden.”

 

30. September 2002
Großer Beobachtungsparcours des NABU an den Riddagshäuser Teichen
03. Oktober (Tag der Deutschen Einheit) steht von 10 - 18 Uhr im Zeichen des 6. European BirdWatch

(Braunschweig) - Im Vorlauf auf das europaweit durchgeführte Aktionswochenende „Vogelfernsehen“ – auf den britischen Inseln, wo das organisierte Beobachten von Vögeln eine lange Tradition hat, „BirdWatch“ genannt - können Naturbegeisterte auch in Braunschweig live dabei sein.

Um das faszinierende Naturereignis Vogelzug allen Interessierten zugänglich zu machen, bietet der NABU auch in diesem Jahr wieder die Möglichkeit, die auf dem Weg nach Süden rastenden Zugvögel oder auch hiesige Brutvogelarten hautnah zu erleben. Wenn zum 6. European BirdWatch in ganz Europa zum Fernglas gegriffen, beobachtet und notiert wird, bieten am Tag der deutschen Einheit Ornithologen des NABU in dem seit fast 100 Jahren vom Naturschutzbund betreuten heutigen Europareservat einen großen „Beobachtungsparcours“ an.

Durch stativgestützte Spektive, dass sind Fernrohre mit extrem hoher Vergrößerung (bis 60fach), können dann z. B. Haubentaucher mit ihren Jungen, Kormorane oder Graureiher im Großformat betrachtet werden. Von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr sind hierfür feste Beobachtungspunkte mit Spektiven eingerichtet und zwar an Kreuzteich, Mittelteich und Schapenbruchteich sowie auf der Beobachtungsplattform am Schapenbruchteich, auf der auch ein umfangreiches Angebot an Broschüren, Büchern und Tierstimmen-CD´s bereitgehalten wird.

Zur Zeit halten sich neben eher häufiger auch seltenere Vogelarten in dem bedeutenden Brut- und Rastgebiet auf, z. B. auf dem Durchzug rastende Watvögel wie Flußregenpfeifer, Kampfläufer oder Grünschenkel. Aber auch verschiedenste Entenarten wie Pfeif-, Löffel-, Knäk-, Krick-, Reiher-, Tafel- und Spießente, teilweise sogar in größeren Beständen, sind hier zur Zeit zu beobachten. Wie im Vorjahr geben die NABU-Mitarbeiter gern Informationen zu den einzelnen Arten sowie einen aktuellen Überblick zur Entwicklung des Riddagshäuser Teichgebietes.

Die Highlights des Vorjahrs waren übrigens die nur selten zu beobachtenden Zwergtaucher, mehrere Bekassinen, ein Fischadler und ein sich regelmäßig formatfüllend ins Bild setzender Eisvogel. Die Chancen, diese Arten auch am Donnerstag wieder zu sehen zu bekommen, stehen laut NABU-Organisationsleiter Carlo Fuchs zur Zeit sehr gut.

 

19. September 2002
(herausgegeben vom Bundesministerium f. Umwelt)
Zweite Chance für den Drömling
Bundesumweltministerium unterstützt Naturschutzprojekt für Niedermoore mit 6,5 Millionen Euro

(Berlin) - Absinkende Wasserstände, vertrocknende Feuchtwiesen, schwindende Artenvielfalt - seit Jahrzehnten hat der Drömling unter dem wachsenden Druck intensiver Landwirtschaft zu leiden. Jetzt bekommt die zwischen Gifhorn, Wolfsburg und Helmstedt gelegene Niedermoorlandschaft eine zweite Chance: Bundesumweltminister Jürgen Trittin hat grünes Licht für ein Naturschutzgroßprojekt im niedersächsischen Drömling gegeben. Für über 10 Millionen Euro sollen in den nächsten zehn Jahren vertrocknete Feuchtwiesen wiedervernässt, Auenwälder und Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten wiederhergestellt werden. Trittin hat dem Land Niedersachsen und den betroffenen Landkreisen zugesagt, 65 Prozent der Kosten zu übernehmen.

Er freue sich, so der Bundesumweltminister an seinen niedersächsischen Kollegen Wolfgang Jüttner, dass das vor Ort anfänglich nicht unumstrittene Vorhaben nunmehr verwirklicht werden könne. "Ich hoffe, dass durch das Projekt die Wasserstände im niedersächsischen Drömling wieder soweit angehoben werden können, dass die Niedermoor-Torfzehrung und die damit verbundene Freisetzung von Kohlendioxid stark vermindert wird und gleichzeitig Feuchtwälder und Feuchtgrünland langfristig erhalten werden können."

Der im Grenzgebiet von Niedersachsen und Sachsen-Anhalt gelegene Drömling ist das größte Niedermoorgebiet Deutschlands und aufgrund seines Artenreichtums auch von internationaler Bedeutung. Aufgrund seiner Großflächigkeit stellt der Drömling auch einen wichtigen Ausbreitungsraum für Biber und Fischotter dar. Feuchtgrünland ist bundesweit stark bedroht; zu seiner Erhaltung trägt das Land Niedersachsen aufgrund noch großflächiger Vorkommen in Nordwestdeutschland eine besondere Verantwortung.

Die geplanten Wiedervernässungen sollen die u.a. durch Trockenlegung verursachte Niedermoor-Torfzehrung und die damit in Gang gesetzte Kohlendioxid-Freisetzung stoppen. Waren Moore früher aufgrund der Torfakkumulation Kohlenstoffsenken, so haben sie sich heute infolge der vielerorts durchgeführten Wasserstandsabsenkungen zunehmend in sogenannte Kohlenstoffquellen mit entsprechend negativen Auswirkungen auf die CO2-Klimabilanz ausgewirkt. So führen Grabensysteme das Wasser viel schneller ab als früher und wirken in den Fliessgewässern dann hochwasserbeschleunigend. Deshalb soll das Vorfluternetz im Drömling umgestaltet und sollen Staubauwerke erneuert werden. Dazu sagte Minister Trittin: "Gerade in Anbetracht der weltweiten Erosion der Artenvielfalt und der Beschlüsse der Johannisburg-Konferenz scheint mir hier vorbeugendes und auf Langfristigkeit angelegtes nachhaltiges Handeln immer unumgänglicher zu werden. Ich hoffe, dass auch die zukünftigen Generationen noch Arten wie das Gräben-Veilchen, den Kiebitz, die Sperbergrasmücke, den störungsanfälligen Schwarzstorch und den Feuchtwiesen-Perlmutterfalter im Drömling erleben können."

Das niedersächsische Vorhaben stellt eine notwendige Ergänzung zum ebenfalls vom BMU geförderten sachsen-anhaltinischen Drömling dar, da beide Teilprojekte aus Sicht des Wasserhaushaltes und des Naturschutzes eine Einheit bilden. Im Rahmen des Vorhabens soll die bisher erfolgte Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und Landwirtschaft fortgesetzt werden. Projektträger ist federführend der Landkreis Gifhorn (in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Helmstedt und der Stadt Wolfsburg). Die Gesamtkosten der Umsetzungsphase betragen rund 10 Mio. Euro, davon tragen der Bund 65%, das Land 19% und der Projektträger 16%.

Das Bundesprogramm zur Förderung von Naturschutzgroßprojekten gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung existiert seit Anfang der achtziger Jahre. Es soll auch im Rahmen internationaler Verpflichtungen einen Beitrag liefern, die Biodiversität Deutschlands für die zukünftigen Generationen zu erhalten und den geplanten nationalen Biotopverbund voranzutreiben. Der niedersächsische Drömling ist das 54. Vorhaben dieser Art (26 Projekte sind bereits abgeschlossen), das maßgeblich vom BMU gefördert wird. Weitere aufgrund der Naturausstattung bundesweit bedeutsame Landschaften werden u.a. im Bereich des Schaalsees, der Ostrügenschen Boddenlandschaft, der Uckermärkischen Seen, der Lüneburger Heide, der mittleren Elbe, des Spreewaldes und des Murnauer Mooses gefördert. Die Betreuung dieser zukunftsweisenden Projekte erfolgt durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und die entsprechenden Bundesländer, die Trägerschaft übernehmen Landkreise, Zweckverbände, Naturschutzverbände oder Stiftungen. Für dieses Jahr ist die Aufnahme weiterer Vorhaben geplant.

 

08. September 2002
(herausgegeben vom NABU Pressedienst Niedersachsen)
NABU Landesparlament für "Mensch und Natur"
Tschimpke: "Dicke Bretter zum vorsorgenden Hochwasserschutz lange bohren"

(Gifhorn) - Das Landesparlament des Naturschutzbund NABU tagte an diesem Wochenende im Hotel Morada Jägerhof in Gifhorn. Olaf Tschimpke, NABU Landesvorsitzender, begrüßte über 150 Delegierte aus den 250 Orts- und Jugendgruppen sowie Kreisverbänden mit insgesamt über 53.000 Mitgliedern.

Anläßlich der aktuellen Hochwasserkatastrophe fordert der NABU, regionale Hochwasser-Gipfel einzuberufen, um den Reformbedarf für eine naturverträgliche Gewässernutzung und zum vorsorgenden Hochwasserschutz konsequent in Angriff zu nehmen.

“Wir brauchen zum vorsorgenden Hochwasserschutz eine Überarbeitung der Regionalen Raumordnungsprogramme auf Ebene der Landkreise. Wir begrüßen die Initiative der SPD-Landtagsfraktion den vorsorgenden Hochwasserschutz in das Landesraumordnungsprogramm aufnehmen zu wollen. Dies reicht uns aber ohne eine regionale Umsetzung vor Ort so nicht aus. Wir fordern vielmehr, regionale ‚Hochwasser-Gipfel‘ auf Ebene der Landkreise unter Einbindung des Naturschutzverbände ein zu berufen. Flussausbaukonzepte und alte Strukturen aus der Vergangenheit helfen hier nicht weiter. Der vorsorgende Hochwasserschutz für Mensch und Natur ist ein dickes Brett, das wir alle gemeinsam lange bohren müssen”, erklärte Tschimpke. Ziel müsse sein, Bebauung und Flächenversiegelungen aus den Auenbereichen der Flüsse zurückzudrängen. Das Beispiel des neuen Gifhorner Gewerbegebietes in der Ise-Niederung habe gezeigt, dass Bebauung und Verkehrswege in unmittelbarer Flussnähe zu hausgemachten Problemen beim Hochwasserschutz führen. Gerade jetzt sei Rücksicht und Sorgfalt auf die Natur angebracht, um Niederschläge länger im Einzugsgebiet zu halten, den Abfluss auf eine natürliche Geschwindigkeit hin zu verzögern und die Hochwasserwelle abzufedern. Die notwendige Rückführung der Flächenversiegelung werde ohne eine Änderung der Gewerbesteuererhebung und eine Renaissance der Regionalplanung als übergemeindlichem verbindlichem Planungsinstrument nicht funktionieren.

“Die Flutkatastrophe an der Elbe hat uns doch gezeigt, dass Umwelt- und Naturschutz kein gesellschaftlicher Luxus, sondern bittere Existenzfrage für wirtschaftliches Handeln ist. Den Flüssen und ihren Auen muss wieder mehr Raum gegeben werden. Zukunftsfähige Konzepte, wie unser NABU-Konzept ‚Lebendige Flüsse‘ es ausweist, müssen den Flüssen durch Deichrückverlegungen und durch Schaffung von Überflutungspoldern wieder natürliche Retentionsräume zur Verfügung stellen, um die Wassermassen aufnehmen zu können”, so Tschimpke weiter. Die Hochwasserkatastrophe beweise doch auf erschreckende Weise, dass wir mehr und nicht weniger Natur- und Artenschutz brauchen, betonte Tschimpke abschließend.
Das NABU-Leitbild `Lebendige Flüsse´ ist zu finden unter
www.nabu.de/naturschutz/lebendigefluesse.de .

 

27. August 2002
(herausgegeben vom NABU Bundespressedienst)
NABU fordert von Bundesregierung Verzicht auf Elbe-Ausbau
Flasbarth: "Naturnahe Flüsse bieten wirksamen Schutz vor Hochwasser"

(Dömitz, Bonn) - Anlässlich eines Besuches von Bundesumweltminister Jürgen Trittin im NABU-Besucherzentrum Elbtalaue/Dömitz hat der Naturschutzbund NABU die Bundesregierung aufgefordert, den geplanten Ausbau der Elbe zu stoppen. "Wer angesichts der Flutkatastrophe eine weitere Kanalisierung von Wasserstraßen betreibt, hat erschreckend wenig begriffen", sagte der Präsident des NABU Deutschland, Jochen Flasbarth. Es sei zu begrüßen, dass Bundeskanzler Schröder selbst den Elbeausbau zuletzt deutlich in Frage gestellt habe. Nun sei es an Bundesverkehrsminister Bodewig, den unmissverständlichen Verzicht auf die unökologischen und unökonomischen Ausbaupläne zu erklären. "Alle Fakten liegen seit Jahren auf dem Tisch und sind Dutzend Mal geprüft worden. Weitere Prüfungen dienen nur der Verschleppung einer längst fälligen politischen Konsequenz", so Flasbarth. Nach Auffassung des NABU müssten weitreichende umweltpolitische Konsequenzen aus der Flutkatastrophe gezogen werden. "Die Ergebnisse einer verfehlten Hochwasserpolitik sind derzeit an der Elbe zu besichtigen", so Flasbarth. Zerstörte Auen, abgeschnittene Überflutungsräume, eine ständig wachsende Fließgeschwindigkeit sowie eine fortschreitende Versiegelung des Bodens seien nur einige der lange bekannten Probleme, die jetzt die Existenz vieler Menschen an der Elbe vernichtet hätten.

Mit dem heute vorgestellten NABU-Leitbild "Lebendige Flüsse" werde die enorme Bedeutung naturnaher Flusssysteme sowohl für einen wirksamen Hochwasserschutz als auch für eine überdurchschnittliche Artenvielfalt hervorgehoben. "Eine naturnahe, dynamische Flusslandschaft mit intakten Auen kann Wasser speichern und das Risiko von Flutkatastrophen deutlich vermindern", betonte der NABU-Präsident. Flasbarth forderte Bundesverkehrsminister Bodewig auf, den NABU an der geplanten nationalen Flusskonferenz zu beteiligen: "Wenn Strategien für einen nachhaltigen Hochwasserschutz erarbeitet werden sollen, darf auf den Sachverstand der Umwelt- und Naturschutzverbände nicht verzichtet werden."

Für Rückfragen:
Dr. Andreas Lindemann, Elbereferent NABU Niedersachsen, Tel. 038758-26378; 0511-9110526. NABU-Bundespressestelle, Tel. 0228-4036-140. Dort kann auch das NABU-Leitbild `Lebendige Flüsse´ angefordert werden oder unter:
www.nabu.de/naturschutz/lebendigefluesse.de . Im Internet zu finden unter http://www.NABU.de .

 

26. August 2002
Falschmeldung der BZ über angebliche Aufhebung des Fütterungsverbotes in Riddagshausen
Füttern der Wasservögel weiterhin Ordnungswidrigkeit

(Braunschweig) - In der BZ vom 23. August wurde unter der Überschrift „Leckerbissen für Schwan und Ente – Füttern der Wasservögel in Riddagshausen gestattet“ den Bürgern mitgeteilt, dass im Europareservat an Kreuzteich und Neuer Bleeksteich ab sofort das Füttern erlaubt sei, ebenso das Schlittschuhlaufen im Winter auf dem Kreuzteich. Der NABU macht nach Rücksprache mit der Bezirksregierung Braunschweig ausdrücklich darauf aufmerksam, dass es sich hierbei um eine Falschmeldung handelt. Die Verordnung über das NSG Riddagshausen ist aktuell von der Bezirksregierung überarbeitet worden und liegt bisher lediglich als Entwurf vor. Dieser kann z. Zt. bei der Stadt eingesehen werden. Als nächstes wird die Bezirksregierung nun die Stellungnahmen der anerkannten Naturschutzverbände zu diesem Entwurf prüfen müssen und anerkannte Einwände als Änderungen in die Vorlage einfließen lassen. Von einer rechtsgültigen Änderung der bestehenden NSG-Verordnung ist Braunschweig also noch einige Monate entfernt.

Zum unendlichen Thema „Fütterungsverbot“ möchte der NABU aus naturschutzfachlicher Sicht auf die altbekannten Tatsachen hinweisen, dass Füttern zum Einen zur Domestikation immer weiterer, wildlebender Wasservögel beiträgt, da diese sich dem Verhalten der einheimischen Entenvögel anpassen und so ihre sie in freier Wildbahn schützende Scheu verlieren. Zum Anderen tragen ins Wasser geworfene Brotreste bekanntermaßen zur Eutrophierung unserer Gewässer bei. Die Erhöhung des Nährstoffgehaltes fördert das Algenwachstum, entzieht dem Wasser Sauerstoff und bewirkt eine negative Veränderung des gesamten Stoffhaushaltes und dadurch auch der Nahrungskette.

Auch aus pädagogischer Sicht stellt sich die Frage, wie Kinder lernen sollen, dass Füttern schädlich für die Natur ist, wenn ihnen immer wieder uneinsichtige Erwachsene ein schlechtes Vorbild sind. Kinder kann man sehr wohl auch ohne Brotabfälle an die Natur heranführen. Eltern die mit ihren Kindern gern sinnvoll Tiere füttern gehen wollen, empfiehlt der NABU den Besuch des Stöckheimer oder des Essehofer Zoos. Diese wirklich guten Einrichtungen kann man durch Futtergaben sogar hilfreich unterstützen.

Außerdem kann die regelmäßige Missachtung des Fütterungsverbotes wohl kaum ein stichhaltiges Argument dafür sein, das naturschädliche Füttern in Zukunft zu erlauben. Wenn man anfangen würde, nach diesem Grundsatz zu verfahren, müsste das wilde Parken auf Fußwegen, das Missachten von „roten Ampeln“ und das Rechts-Überholen demnächst ebenfalls erlaubt werden. Statt dessen hat jedoch die Stadt Braunschweig jüngst gezeigt, dass man der Missachtung von Verboten durchaus auch verstärkt entgegenwirken kann, und beispielsweise das allgemein übliche Ausspucken von Kaugummis oder das Wegwerfen von Zigarettenkippen zur Ordnungswidrigkeit gemacht. Das naturschädliche Füttern statt dessen jetzt zu erlauben, wäre nicht nur ein Anachronismus, sondern würde auch einmal mehr zeigen, welchen Stellenwert dem Schutz unserer Natur von behördlicher Seite eingeräumt wird. Ein solch falsches Signal an die Bürger zu geben, denen durch die hausgemachten Hochwasserkatastrophen doch gerade erst im Großen vor Augen geführt wurde, dass der rücksichtslose Umgang mit der Natur nicht ohne Folgen bleibt, könnte nach den aktuellen Ereignissen wohl nur aufgrund mangelnder geistiger Beweglichkeit Aufrecht erhalten werden. Der NABU geht deshalb davon aus, dass das Füttern im Europareservat auch in Zukunft verboten bleibt und statt dessen von der Stadt das Wegwerfen der Lebensmittelreste als Ordnungswidrigkeit verstärkt geahndet wird.

 

22. August 2002
(herausgegeben vom NABU Pressedienst Niedersachsen)
NABU fordert Beteiligung an Flußkonferenz
Elbeausbau stoppen. Tschimpke: "Mehr Raum für Flüsse und Auen"

(Hannover) - Die Bundesregierung will eine nationale Flusskonferenz einberufen. Dort sollen Strategien für den Hochwasserschutz von der Quelle bis zur Mündung festgelegt werden. Olaf Tschimpke, NABU Landesvorsitzender, erklärte dazu: “Wir fordern Bundesregierung und Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig auf, dass der Naturschutzbund NABU zur Flusskonferenz eingeladen und beteiligt wird. Der Aue, besonders im Elbetal, muss als Natur- und Retentionsraum für Hochwasser wieder der ihr zustehende Platz eingeräumt werden. Die nächsten Hochwasser kommen bestimmt, deshalb ist gerade jetzt mehr Raum für Flüsse und Auen notwendig. In der Elbeerklärung von 1996 hatten wir mit dem Verkehrsministerium ökologische Verbesserungen vereinbart, Bodewig will, wie gestern nochmals von seinem Sprecher bestätigt wurde, die Elbe mit der Reststrecke bei Dömitz ausbauen und allein unter technischen Gesichtspunkten der Binnenschifffahrt anpassen. Diese einseitige Ausbaupolitik ist unsinnig, denn mit dem Elbe-Seiten-Kanal steht bereits eine Schifffahrtsstrasse zur Verfügung. Der geplante Elbeausbau muss gestoppt werden, denn wer jetzt daran festhält hat die Zeichen der Zeit für Lebendige Flüsse nicht verstanden. Für die Elbe wollen wir natürliche Retentionsräume für Hochwasser durch Deichrückverlegungen und Polder. Im Vordeichland soll als natürliche Vegetation Auwald entstehen können, Grünlandum­bruch muss untersagt werden. So könnte Wasser auf natürliche Art und Weise gespeichert werden, und die Elbe in einem natürlichen Flussbett mit Mäandern zur Wasserrückhaltung fließen.”

Rückfragen: Dr. Andreas Lindemann, NABU Elbereferent, Telefon: 0511 / 9 11 05 26.
NABU-Diskussionspapier `Leitbild Lebendige Flüsse´ unter:
www.nabu.de/naturschutz/lebendigefluesse.pdf

 

16. August 2002
(herausgegeben vom NABU Pressedienst Niedersachsen)
NABU fordert die Elbeausbau-100 Millionen Euro für Hochwassergeschädigte
Tschimpke: "Elbausbau stoppen"

(Boizenburg, Hannover) - Die Ministerpräsidenten von Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen, Dr. Harald Ringstoff und Sigmar Gabriel sowie die Innen- und Umweltminister beider Länder treffen sich heute an der Elbe. Sie wollen sich über die geplanten Hochwasserschutzmaßnahmen an der Elbe informieren.
Olaf Tschimpke, NABU Landesvorsitzender, erklärte dazu: “Der geplante Elbeausbau muss gestoppt werden. Die 100 Millionen Euro Elbeausbau Mittel, die noch im Bundeshaushalt vorgesehen sind, sind den Hochwassergeschädigten zur Verfügung zu stellen. Die Landesregierungen von Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen fordern wir auf, die Ausbaupläne beim Bund zu stoppen, um die Gelder für die Hochwasseropfer bereitzustellen. Führende Politiker aus Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern reden heute über Hochwasserschutzmaßnahmen an der Elbe, gleichzeitig forciert Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig mit Ideen der Vergangenheit den Flussausbau stromaufwärts. In der Elbeerklärung von 1996 hatten wir mit dem Verkehrsministerium ökologische Verbesserungen vereinbart, Bodewig will die Elbe aber nur der Binnenschifffahrt anpassen. Diese einseitige Ausbaupolitik ist unsinnig, denn mit dem Elbe-Seiten-Kanal steht bereits eine Schifffahrtsstrasse zur Verfügung. Wir wollen, dass für die Elbe Retentionsräume für Hochwässer durch Deichrückverlegungen geschaffen, Rückhaltebecken geplant werden sowie der Grünlandumbruch im Vordeichland untersagt wird, damit Wasser auf natürliche Art und Weise gespeichert werden kann, und die Elbe in einem natürlichen Flussbett mit Mäandern zur Wasserrückhaltung fließen zu lassen.”

 

16. August 2002
Fledermausfest im Bürgerpark findet trotz Hochwassers statt
Nur Fledermaus-Floß-Shuttle-Service muss ausfallen

(Braunschweig) - Eine gute und eine schlechte Nachricht hat der NABU für die Fledermausfreunde in der Region: Die Aktionen zur Europäischen Fledermausnacht heute im Bürgerpark sind durch das Hochwasser an der Oker nicht gefährdet. Mit einer Ausnahme: Der Floß-Shuttle-Service, angeboten von der "Floßstation an der Oker" an der Kurt-Schumacher-Str., kann nicht verkehren. "Durch den hohen Wasserstand und die starke Strömung nach dem Ablassen der Oker-Talsperre im Harz ist an ein Befahren der Oker heute (am Samstag) leider nicht mehr zu denken", so Eva-Annett Langhans, Leiterin der AG Fledermausschutz. Das mussten sie und Sven-Karsten Schwarz, Inhaber der Floßstation, seit leider seit Freitag auch den zahlreichen Anrufern mitteilen, die sich bei ihnen gemeldet haben.

"Umso mehr hoffen wir natürlich auf gutes Wetter für die anderen Aktionen, denn in diesem Jahr bieten wir allen Naturinteressierten ein echtes Highlight. Die geplante Übertragung des heimlichen Treibens der Fledermäuse auf Großbildleinwand ist bereits in einigen anderen Städten mit großem Erfolg und mehreren hundert Zuschauern durchgeführt worden. Doch in dieser Form, umsonst und draußen, ist es sowohl für uns als auch für die Firma Chirotec aus Gießen, die die technische Durchführung übernommen hat, ein absolutes Novum.", so Frau Langhans.

Also, der Weg zum Portikus im Bürgerpark lohnt sich in jedem Fall, auch für diejenigen, die diesen Weg eigentlich über die Oker hatten nehmen wollen.

 

14. August 2002
Die Nacht gehört den Fledermäusen -- Großer Fledermaus-Event zur European BatNight

(Braunschweig) - In ganz Europa feiern die Fledermausschützer am 17. August bereits im sechsten Jahr die Europäische Fledermausnacht. In zahlreichen Städten finden zu diesem Anlass Aktionen im Zeichen dieser bedrohten Tiergruppe statt, so auch in Braunschweig. Die AG Fledermausschutz des NABU veranstaltet am Samstag den 17. August im Bürgerpark am Portikus ab 20.15 Uhr einen Fledermaus-Event rund um die heimlichen Kobolde der Nacht mit Aktionen für die ganze Familie. Zur Einstimmung findet ab 20.15 Uhr eine Lesung von Fledermausgeschichten und -gedichten für Kids statt sowie die Prämierung des Fledermauswettbewerbs. Ab 21.15 Uhr kann dann das sonst so (un-)heimliche Treiben der nächtlichen Insektenjäger durch Übertragung von Infrarotkameras auf Großleinwand beobachtet werden. Unerschrockene Nachtschwärmer können dann ab 22.00 Uhr den Abend bei einer Nachtlesung von Fledermausgeschichten ausklingen lassen.

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit Fledermäuse mit dem Bat-Detektor aufzuspüren und bei ihrer Jagd auf Insekten zu beobachten, oder sich an einem Infostand näher über Fledermäuse und die Arbeit des Naturschutzbundes zu informieren. Zusätzlich gibt es an jeder Station Fragen über Fledermäuse zu beantworten und Kinder können so im Laufe des Abends das Zertifikat zum „Fledermausdetektiv“ erwerben (Fledermäuse).

In Zusammenarbeit mit der „Floßstation an der Oker“ wird außerem eine besonders stimmungsvolle und bequeme Möglichkeit geboten, den Veranstaltungsort am Portikus im Bürgerpark zu erreichen: Ab 19.30 Uhr verkehrt ein „Fledermaus-Floß-Shuttleservice“ zwischen der Floßstation in der Kurt-Schumacher-Str. und dem Bürgerpark zum Preis von 3 Euro für Erwachsene und 1,50 Euro für Kinder. Da die Plätze für diese Fahrten begrenzt sind, ist eine Voranmeldung unbedingt erforderlich (nur direkt bei der Floßstation unter Tel. 0700-100 200 40 oder Fax 0700-100 200 50 möglich !).
AKTUELL (15.08.)
: Die parallel zur BatNiht geplanten Floßfahrten müssen aufgrund der bis Sonntag andauernden Öffnung der Schleusen der Okertalsperre und des damit einhergehenden hohen Wasserstandes der Oker bzw. insbesondere wegen der dadurch hervorgerufenen starken Strömung leider ausfallen !)

 

12. August 2002
Umschalten: Sprit sparen und Klima schützen -- NABU und VW veranstalten Spritspar-Event

(Wolfenbüttel) - Der Verkehrsbereich gehört seit jeher zu den Sorgenkindern, wenn es um die Umsetzung der nationalen Klimaschutzziele geht. Während der Kohlendioxid-Ausstoß im vergangenen Jahrzehnt um insgesamt 15 Prozent zurück ging, stieg der des Verkehrs um mehr als 11 Prozent an. Forscher gehen davon aus, dass dieser Trend noch einige Jahre anhalten wird. Steigende Spritpreise führten in den vergangenen zwei Jahren dazu, dass erstmals der Kraftstoffverbrauch zurückgegangen ist - doch das reicht noch lange nicht aus.

Der NABU hat daher im Oktober 2001 das von Umweltbundesamt und Bundesumweltministerium geförderte Projekt "Umschalten - ganz einfach Sprit sparen" gestartet. Das Projekt leistet einen praktischen Beitrag zur Kohlendioxidminderung und somit zum Klimaschutz. In Zusammenarbeit mit VW sowie mit den regionalen NABU-Gruppen werden in insgesamt zwölf Städten Spritspar-Aktionstage inklusive Testtrainings veranstaltet.

Am Samstag den 17. August findet von 10.00 bis 16.00 Uhr auf dem Schützenplatz in Wolfenbüttel ein solches Spritspar-Aktionstag mit kostenlosen Spritspar-Fahrtrainings statt, bei denen die von VW bereitgestellten Fahrzeuge Durchschnittsverbrauch und -geschwindigkeit messen. Unterstützt durch das Profiteam der Volkswagen AG können alle BesucherInnen, die einen Führerschein haben, in bereitgestellte Fahrzeuge einsteigen und kostenlos testen, wie sie ihren Spritverbrauch um bis zu 30 Prozent senken können - und damit ihren Geldbeutel wie auch das Klima schonen. Neben praktischen Tipps zum Spritsparen und der Besichtigungsmöglichkeit von sparsamen Automodellen von VW kann man sich auch in der Ausstellung "Klima & Verkehr" über den Treibhauseffekt, neue Antriebssysteme und sparsame Fahrweise informieren. Die 10 wichtigsten Spritspar-Tipps finden Sie zudem im Internet unter : www.NABU-Braunschweig.de/Stadtökologie.

Oder Sie bestellen beim NABU für nur 1,53 Euro in Briefmarken die handliche Broschüre "Umschalten - ganz einfach Sprit sparen" mit vielen Spritspar-Tipps, einer Parkscheibe mit Verbrauchsrechner sowie zwei pfiffigen Aufklebern. Die Bestell-Adresse für das NABU-Info-Set lautet: NABU-Infoservice, Infoset "Umschalten", 53223 Bonn.

Die NABU Spritspar-Trainings sind kostenlos und ohne Anmeldepflicht. Einfach vorbei kommen und einsteigen!

 

06. August 2002
Nacktschneckenplage nicht mit Gift bekämpfen -- NABU rät zu Kalk, Schneckenzäunen und Absammeln

(Braunschweig) - Dass in diesem feuchten Sommer massenhafte Auftreten von Nacktschnecken bringt viele Gartenbesitzer schier zur Verzweiflung. In der Bezirksgeschäftsstelle des NABU in Braunschweig laufen in diesem Sommer „die Telefone heiss“ von Anrufern, die nach wirksamen Mitteln gegen die Nacktschneckenplage nachfragen und in ihrem Garten nicht zur chemischen Keule greifen wollen.

Die Liste der Rezepte gegen Schnecken ist groß, doch nur die Kombination mehrerer Methoden verspricht Chancen auf Abhilfe. Das massenhafte Auftreten gerade von Nacktschnecken zeigt, dass das natürliche Gleichgewicht gestört ist. Der NABU empfiehlt deshalb vor allem, die natürlichen Feinde der Nacktschnecken zu fördern. Ein naturnaher Garten, der Nützlingen Unterschlupf bietet, ist von vornherein besser gegen Schnecken gewappnet. Massenvermehrungen von Nacktschnecken kommen hier nur selten vor. Zu den Vertilgern von erwachsenen Nacktschnecken gehören Igel und Spitzmäuse, Vogelarten wie Amseln, Stare und Elstern, außerdem Kröten und Blindschleichen. Beachten sollten Gartenbesitzer auch, dass längst nicht alle Schneckenarten Schäden anrichten. Gehäuseschnecken wie zum Beispiel die Schnirkelschnecken leben überwiegend von totem Pflanzenmaterial und helfen so bei der Humusbildung mit. Die große Weinbergschnecke – sie steht übrigens unter Naturschutz – hilft dem Gärtner sogar, denn sie frisst auch die Eigelege der Nacktschnecken auf.

Um gefährdete Pflanzen herum sollte man den Boden möglichst offen halten und nicht oder nur sehr dünn mulchen, damit der Boden abtrocknen kann. Schnecken brauchen viel Feuchtigkeit - Trockenheit ist deshalb ihr größter Feind. Probate Mittel sind auch die im Fachhandel erhältlichen aber teuren „Schneckenzäune“, welche von den Tieren nicht überklettert werden können oder das Streuen von Kalkstreifen, dass nach Regenfällen jedoch oft wiederholt werden muß. Bei starkem Befall ist ein regelmäßiges Absammeln der Tiere sinnvoll. Hohl liegende Bretter mit pflanzlichen Abfällen als Köder oder große Blätter (zum Beispiel Rhabarber) dienen als Verstecke für Nacktschnecken, unter denen man sie dann täglich absammeln kann. So kann man auch der eingeschleppten Spanischen Wegschnecke Herr werden, die wegen ihrer starken Schleimabsonderung selbst von Igeln oder Kröten meist verschmäht und ist auch gegen Trockenheit vergleichsweise wenig empfindlich. Die als Klassiker der Schneckenbekämpfung geltenden Bierfallen sind aber mit Vorsicht zu genießen. Die Anlockwirkung des Bieres kann leicht zum Bumerang werden und auch Schnecken aus dem Nachbargarten oder von außerhalb anlocken und nur ein geringer Teil der angelockten Tiere fällt dann letztendlich auch in die Bierbecher hinein. Damit keine anderen Gartenbewohner in den Becherfallen ertrinken, dürften diese auch nicht ebenerdig eingegraben werden. Ausführlichere Informationen sowie viele Buchtipps und Links zum Thema findet man im Internet unter www.NABU-Braunschweig.de/Stadtökologie.

 

01. Juli 2002
Werbekampagne "Förderer werden für den Naturschutz"

(Braunschweig) - Im Rahmen einer behördlich angemeldeten Werbeaktion sind im Zeitraum vom 01. Juli bis 12. August Mitarbeiter des Naturschutzbundes (NABU) im Stadtgebiet unterwegs, um Förderer für den Naturschutz zu werben. Die enorme Vielzahl von Aufgaben, die im Einsatz zum Schutz der Natur wahrgenommen werden, bringen natürlich auch Kosten mit sich. In Zeiten drastischer kommunaler Sparmaßnahmen stehen die Durchführung einer Reihe von Naturschutzmaßnahmen jedoch in Frage. Ziel der Werbekampagne ist es, durch die Gewinnung weiterer Förderer den Schutz der Natur auch weiterhin finanzieren zu können. Durchgeführt wird die Werbung interessanterweise ausschließlich von deutschen und österreichischen Studenten, die sich während ihrer Semesterferien für den Schutz unserer Natur einsetzen wollen.

Um eventuellen betrügerischen Trittbrettfahrern entgegenzuwirken, macht der NABU besonders darauf aufmerksam, dass grundsätzlich kein Bargeld erfragt oder entgegen genommen wird. Die NABU-Mitarbeiter treten prinzipiell auch nur einzeln auf , tragen ihren NABU-Ausweis sichtbar an ihrer Kleidung und weisen sich auf Wunsch zusätzlich auch gern mit ihrem Personalausweis aus. Foto "Förderer werden für den Naturschutz"

 

26. Juni 2002
Fiepende Jungeulen
sucht und zählt der NABU zur Kontrolle der Bestände und Bruterfolge unserer heimischen Eulenarten.

(Braunschweig) - Unüberhörbar ist das ab Einbruch der Dämmerung sich monoton wiederholende, pfeifende und mit der Zeit immer lauter werdende Bettelfiepen der Waldohreulen- oder Waldkauzjungen. Interessant ist, dass Waldohreulenbruten häufig auch im Siedlungsbereich vorkommen, da diese Art in alten Krähen- oder Elsternestern brütet. Die Bettelrufe der auf den Ästen sitzenden Jungvögel sind ca. 6-8 Wochen lang zu hören, in der Regel nur bis spätestens Ende Juli, bei sehr spätem Brutbeginn bzw. spätem Nachgelege auch bis Ende August.

Der NABU bittet auch in diesem Jahr wieder darum, die nächtlich fiependen Jungeulen an den Leiter der Arbeitsgruppe Greifvögel und Eulen, Carlo Fuchs, Tel. 0531 - 33 43 15 zu melden.

Seit 1991 beteiligt sich eine Arbeitsgruppe des NABU an dem europaweiten Monitoring-Programm "Greifvögel und Eulen" der Martin-Luther-Universität Halle. An diesem Langzeitprogramm arbeiten ehrenamtlich hunderte von Zählern in z. Zt. 12 europäischen Ländern mit, um gesicherte Daten für Umweltplanung, Umweltschutz und wissenschaftliche Forschung zu ermitteln. Genauere Informationen unter
Greifvögel und Eulen.

 

22. Juni 2002
NABU lobt Fledermaus-Preisausschreiben aus

(Braunschweig) - Wenn die Dämmerung über die Stadt hereinbricht, erobert eine geheimnisvolle und sagenumwobene Tiergruppe die Nacht: die Fledermäuse. Lassen auch Sie Ihre Fantasie beflügeln von den heimlichen Kobolden der Nacht und schreiben Sie ein kleines Gedicht oder eine kurze Geschichte.

Machen Sie mit beim Fledermaus-Preisausschreiben, in Vorbereitung auf die Europäische Fledermausnacht 2002, die wir gerne gemeinsam mit Ihnen feiern würden! Es gibt interessante und wertvolle Preise zu gewinnen. Und so machen Sie mit:
Sie schreiben ein kleines Gedicht (von mindestens 8, höch­stens 32 Zeilen) oder eine Kurzgeschichte (bitte nicht mehr als 3 DinA4 Seiten, also ungefähr 200 Zeilen). Das Thema muss mit Fledermäusen zu tun haben und ist ansonsten Ihrer Fantasie überlassen. Als Betreuer/in von Kindern, Schülern oder anderen Gruppenteilnehmern können Sie sich ja auch gemeinsam auf ein Thema einigen oder gemeinsam einen Text verfassen. Wir freuen uns schon jetzt auf Ihre Ideen!
Die Gewinner werden aus verschiedenen Altersstufen sowie in den Kategorien Gedicht und Geschichte ermittelt und im Rahmen der Europäischen Fledermausnacht am Samstag dem 17. August 2002 prämiert. Die interessantesten und schönsten Einsendungen werden in einer Nachtlesung vorgetragen.

Und das sind die Gewinne:
Der erste Preis ist eine Fledermausexkursion nur für Sie! Zu dieser Exkursion können Sie Ihre Bekannten, Freunde, Arbeitskollegen, Schulkameraden... einladen, bis zu 25 Personen! Darüber hinaus gibt es interessante Fledermausbücher und Plüschfledermäuse zu gewinnen! Mitmachen lohnt sich also!
Notieren Sie auf Ihrer lesbar geschriebenen Einsendung unbedingt auch Namen, Alter sowie Adresse und Telefonnummer, damit wir Sie als Gewinner benachrichtigen können. Geben Sie bitte Ihren Beitrag bis zum 8. August 2002 (Einsendeschluß) in der NABU -Geschäftstelle oder bei einer unserer Exkursionen ab, oder senden Sie ihn an folgende Adresse:
NABU Braunschweig, Stichwort „Fledermaus“, Hochstraße 18, 38102 Braunschweig oder per eMail an NABU.Braunschweig@t-online.de

Natürlich gilt auch bei unserem Preisausschreiben, dass die Mitglieder der AG Fledermausschutz und Ihre Angehörigen leider nicht teilnehmen können.
Die Preisverleihung findet am Samstag den 17.08.2002 statt. Nicht adressierbare Gewinne verfallen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

 

15. Juni 2002
Falkenmonitoring -- NABU bittet um Meldungen

(Braunschweig) - Im Rahmen der seit 1997 in der Region Braunschweig durchgeführten Bestandserfassung der Falken - in der Regel handelt es sich um Turmfalken - bittet der NABU um Meldungen aus der Bevölkerung. Neben den Gebäudebruten in jeglicher Art von Nischen und Höhlen sind es nämlich besonders auch die häufig vorkommenden Baumbruten in Elster- oder Krähennestern, die schwer zu finden sind. Turmfalken selbst können kein Nest bauen. Außerem befinden sich viele dieser Brutplätze mitten zwischen den Wohnflächen oder auf Privatgrundstücken und werden daher von den Anwohnern am ehesten festgestellt.

Auffälligste Merkmale der nur etwa taubengroßen Vögel mit dem langen Stoß (Schwanz) sind neben dem oberseits rostbraunen Gefieder und dem sogenannten
"rütteln", dem "Stehen in der Luft" mit schnellem Flügelschlag, vor allem die im Brutplatzbereich unüberhörbar lauten "kik-kik-kik-kik-kik...."-Rufe, durch welche die Vögel in der Regel die umliegenden Anwohner auf sich aufmersam machen.

Der NABU bittet deshalb darum, jeden Verdacht auf eine Brut möglichst umgehend an den Leiter der Arbeitsgruppe Greifvögel und Eulen, Carlo Fuchs, Tel. 0531 - 33 43 15 zu melden.

Die Vergleichszahlen dieser als Langzeitkontrolle ausgelegten Studie geben sowohl Aufschluß über die derzeitige Situation wie auch über die Populationsentwicklung dieser kleinen Greifvögel. Neben der Feststellung der Brutpaarzahl wird gleichzeitig auch der Bruterfolg der einzelnen Paare sowie die Brutplatzsituation genau registriert und ausgewertet. Negativen Einflüssen oder Entwicklungen kann so frühzeitig entgegengewirkt werden.
Genauere Informationen unter
Greifvögel und Eulen.

 

04. Mai 2002
BfN und NABU lehnen lasche Grenzwerte der EU-Kommission zur Saatgut-Verunreinigung ab

(Bonn/Braunschweig) - Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) lehnt den Vorschlag der EU-Kommission für eine Richtlinie ab, die die unbeabsichtigte Kontamination von konventionell erzeugtem Saatgut mit gentechnisch verändertem Saatgut regeln soll. Nach Ansicht des BfN dürfte aus naturschutzfachlicher Vorsorgepflicht keine Saatgutverunreinigung toleriert werden, um die Verbreitung von Fremdgenen in der Natur zu verhindern. Der Grenzwert von Verunreinigungen sollte sich an der bisher bewährten Marke von 0,1% (Nachweisgrenze) orientieren. Hiermit wird zumindest ein minimaler Schutz für die Gentechnikfreiheit von sowohl biologisch als auch konventionell erzeugtem Saatgut gewährleistet. „Das Risikenpotenzial transgener Pflanzen auf das Gesamtökosystem ist noch nicht ausreichendabschätzbar“, sagte BfN-Präsident Dr. Hartmut Vogtmann anlässlich der heutigen Anhörung der EU-Kommission. „Es ist bekannt, dass bei derÜbertragung von Fremdgenen in das Erbgut von Kulturpflanzen keinesfalls nur der erwünschte Effekt, zum Beispiel die Resistenz gegenüber Totalherbiziden, erzeugt wird. Darüber hinaus sind auch unvorhersehbare Nebenwirkungen zu beobachten,“ so Vogtmann.
Nach Ansicht des BfN ist immer noch völlig unklar, wie sich die eingebauten artfremden Transgene und die gleichfalls übertragenen Promotoren und vorwiegend viralen Vektoren in Boden, Pflanze und Tier langfristig verhalten. Die genetischen Regulationsmechanismen sind bisher nur unzureichend erforscht. Dies erschwert die Vorhersagbarkeit des Verhaltenstransgener Organismen. Deshalb ist die Anwendung des Vorsorgeprinzips beidieser Technik unverzichtbar. Dies muss auch für die Regelungen im Bereich der Saatgutkontamination gelten. Das Bundesamt für Naturschutz hält die von der Kommission vorgeschlagenen Grenzwerte daher nicht für ausreichend. Eine Saatgutverunreinigung von 0,5% bedeutet immerhin 50 m2 transgene Pflanzen pro Hektar! Gentechnikfreiheit ist damit nicht mehr zu erreichen. Stattdessen steht zu befürchten, dass eine solche Regelung die Bemühungen konventionell und biologisch wirtschaftender Landwirtschaftsbetriebe um Gentechnikfreiheit aushebelt, dem Verbraucher keinerlei Wahlfreiheit mehr erlaubt und der Verbreitung der Transgene mit allen damit verbundenen Risken für die Natur und die biologische Vielfalt Vorschub leistet.
Die EU-Kommission schlägt dagegen für die einzelnen Kulturarten unterschiedliche Grenzwerte vor: 0,3% für Raps und Baumwolle, 0,5% für Tomaten, Zuckerrüben, Mais, Kartoffel und Chicoree und 0,7% für Soja. Diese Werte wurden auf Vorschlag des wissenschaftlichen Ausschusses mit dem Ziel festgelegt, einen Grenzwert von 1% im jeweiligen Endprodukt (z.B. Futter oder Lebensmittel) einhalten zu können. Bei Überschreiten dieser Grenzwerte soll lediglich eine unspezifische Kennzeichnung erfolgen. Eine entsprechende Verunreinigung von Saatgut ist sowohl durch Auskreuzung aus benachbarten Anbauparzellen möglich, als auch im Verarbeitungsprozess des Saatguts durch Verschleppung zu erwarten.

Auch der NABU weist ausdrücklich darauf hin, dass das Risikenpotenzial transgener Organismen auf die Ökosysteme nach bisherigem Stand der Forschung noch überhaupt nicht abschätzbar ist. Dem Vorsorgeprinzip für Mensch und Natur muß gerade bei der Schlüsselfrage "Saatgut" allerhöchst Priorität eingeräumt werden. Die bisher von der EU Kommission ins Auge gefaßte Regelung würde dies jedoch außer Acht lassen und die Bestrebungen aller um Gentechnikfreiheit bemühten ökologisch wie auch konventionell wirtschaftender Landwirte aushebeln. Eine zulässige Saatgutverunreinigung von bis zu 0,7% würde dem Verbraucher jede Möglichkeit nehmen, über seine gesundheitliche Risikobereitschaft selbst zu entscheiden, also letztlich darüber, ob gentechnisch veränderte Lebensmittel auf den Tisch und in den Magen kommen oder nicht.
Carlo Fuchs
NABU Pressereferent

 

02. Mai 2002
Auftakt in die Fledermaussaison

(Braunschweig) - Pünktlich zum Beginn der warmen Jahreszeit erwartet die Braunschweiger ein Vergnügen der besonderen Art: Auch in diesem Jahr bietet der NABU wieder die beliebten Fledermausexkursionen für Groß und Klein an. Wer sich unter fachkundiger Anleitung auf die Suche nach den heimlichen Jägern begeben möchte, hat dazu ab sofort wieder die Gelegenheit. Da diese Veranstaltungen in den letzten Jahren enormen Zuspruch erfahren haben - wie die nachfolgend aufgeführten Zahlen eindrucksvoll belegen - bietet der NABU auch in diesem Jahr wieder fast wöchentlich Exkursionen in Riddagshausen, im Bürgerpark und auf der Oker an (Veranstaltungskalender).
An insgesamt zehn Terminen können in Riddagshausen oder im Bürgerpark Fledermäuse mit Hilfe von Bat-Detektoren und Rotlichtscheinwerfern beobachtet werden. Darüber hinaus gibt es auf den Führungen viele weitere spannende Infos über die bedrohte Tiergruppe. Die Dauer der Führungen beträgt ca. 2 Stunden. Vorherige Anmeldungen sind nicht erforderlich. Bei starkem Regen finden die Exkursionen nicht statt! Für Schulklassen und andere Gruppen besteht darüber hinaus die Möglichkeit zur individuellen Terminvereinbarung (Tel. NABU Geschäftsstelle 0531-79 86 49).
Auch die Veranstaltungsreihe "Fledermausnächte auf der Oker" wird nach dem großen Erfolg im letzten Jahr fortgesetzt. "Unsere Fledermausveranstaltungen sind erfreulicherweise in den letzten Jahren zu einer festen Einrichtung im Sommer in Braunschweig geworden. Im Jahr 2001 konnten wir über 1000 Teilnehmer auf den Exkursionen und Bootsfahrten und begrüßen, darunter auch mehr als 400 Kinder. Auch für dieses Jahr liegen schon zahlreiche Anmeldungen vor" freut sich Eva-Annett Langhans, Leiterin der AG Fledermausschutz und 2. Vorsitzende des NABU. Wer also im letzten Jahr keinen Platz mehr auf einem der Spreekähne ergattern konnte, kann sich ab sofort wieder bei der Bootstation Braunschweig anmelden. Es werden 9 Termine für die nächtlichen Bootsfahrten angeboten. Die erste Fahrt findet am Freitag, den 10. Mai um 20.30 Uhr statt. Die Anmeldung für die Fledermausbootsfahrten erfolgt direkt über die Bootstation (siehe Veranstaltungskalender).

 

16. März 2002
NABU veranstaltet niedersächsisches Steinkauz-Symposium

(Verden/Braunschweig) - Auf Einladung des NABU tagte am Samstag den 16. März in Verden/Aller eine Expertenrunde von Steinkauzspezialisten. 45 Teilnehmer aus ganz Niedersachsen und dem nördlichen Nordrhein-Westfalen waren zusammengekommen, um über den Rückgang dieser kleinsten niedersächsischen Eulenart sowie die Vorraussetzungen und Möglichkeiten für vielfältige und effektive Schutzmaßnahmen zu beraten. Dieses Themenspektrum bestimmte auch die Tagungsbeiträge der Referenten. Der Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Eulen des NABU, Dr. Ortwin Schwerdtfeger, wies im Hinblick auf die anstehenden Aufgaben in seinem Grußwort auf das große Engagement der viele ehrenamtlichen Helfer hin. In Anbetracht der prekären Situation des Steinkauzes, sei es sinnvoll und erforderlich, die vielgestaltigen Schutzbemühungen gut koordiniert im Rahmen einer kompetenten Naturschutzorganisation durchzuführen, wie sie der NABU – in diesem Fall mit seiner Bundesarbeitsgemeinschaft Eulen – darstellt.

Biotoppflege entscheidend
Dipl.-Biologe Christian Stange aus Freiburg/ Breisgau, Koordinator des Steinkauzschutzes in Deutschland, betonte, dass - wie bei den meisten Arten – auch beim Steinkauz der Schutz und Erhalt der Lebensräume, hier besonders des extensiven Grünlandes, der Kopfbäume und der Obstbaumwiesen, von zentraler Bedeutung ist. Nur so könne die Art in Niedersachsen vor dem Aussterben bewahrt und gefördert werden. Dorothee Schneider-Höke, Naturschutzbeauftragte des Landkreises Verden, bezeichnete den Steinkauz als "Leitart" für die Erhaltung des Wesertals mit seinen Grünland- und Heckenstrukturen. Für den Erfolg des Steinkauzschutzes und für den Erhalt der Steinkauzpaare in an ihren Brutplätzen in der Verdener Weserniederung ist die Sicherung des dorfnahen beweideten Grünlandes und der alten Obstbaumwiesen von ganz entscheidender Bedeutung.

Nahrungsflächen müssen vorhanden sein
„Diese für den Steinkauz enorm wichtigen Nahrungsflächen sind heute nur noch in grenzwertiger Ausdehnung und Ausprägung vorhanden und müssen unbedingt geschützt werden“, meinten übereinstimmend Antje Mahnke-Rithoff von der Unteren Naturschutzbehörde Verden und Carlo Fuchs, Eulenspezialist aus Braunschweig und neben dem ausrichtenden NABU Verden Co-Organisator der Tagung. Gespräche mit den Gemeinden, besonders in Bezug auf die Bauleitplanung und die Berücksichtigung des Steinkauzschutzes bei der Fortschreibung von Landschaftsrahmenplänen seien von ganz besonderer Notwendigkeit, falls uns die Vogelart auch in den nächsten Jahrzehnten noch erfreuen soll. "Wir haben in Niedersachsen derzeit eine ganz besondere Verantwortung für den Steinkauz. Nach aktuellem Kenntnisstand haben wir wahrscheinlich nur noch maximal 200 Brutpaare."

Beutefang im Laufen
Zuvor wies Dr. Klaus-Michael Exo vom Institut für Vogelforschung in Wilhelmshaven (Vogelwarte Helgoland) auf die besondere Lebensweise des ursprünglich vor allem in Steppen beheimateten Vogels hin, der mit seinen ungewöhnlich langen Beinen meist seiner Beute auf dem Boden nachläuft. Diese besteht vor allem aus Insekten aller Art, aber auch Mäusen, kleinen Vögeln und vor allem Regenwürmern, die 60 Prozent der Futtermenge für die Jungenaufzucht ausmachen. Dies ist jedoch nur auf einer kurzgehaltenen Vegetationsdecke möglich. Als Brutplatz dienen hierzulande Höhlen in Kopfbäumen und Gebäuden, wobei Steinkäuze in ihrem Revier mehrere Unterschlupfmöglichkeiten benötigen, berichtete der Wissenschaftler aus seiner Forschung. Die größte Gefahr für Steinkäuze sieht Exo im Grünlandumbruch und der Rodung von Obstwiesen und Kopfbäumen durch die Landwirtschaft oder die Verbauung der Flächen. Auch das Abdichten von als Winterunterstand genutzten Scheunen sowie offene Viehtränken, in denen oft junge Steinkäuze ertrinken, tun ihr übriges.

Förderprogramm für Steinkäuze in den Landkreisen
Notwendig sind Bestandsaufnahmen von Steinkäuzen, Kopfbäume, Obstwiesen und Grünland, wobei insbesondere letzteres oft nicht mehr in ausreichender Menge vorhanden ist, so die einhellige Meinung auf dem Fachtreffen. Positiv ist auf jeden Fall die zunehmende Zahl von Landkreisen zu vermerken, die ihre Verantwortung für die Pflege von Kopfbäumen und Obstbaumwiesen sowie für Neuanpflanzung von Hochstämmen erkannt haben. Einigkeit herrschte bei den Tagungsteilnehmern darüber, dass großflächige Förderprogramme von Nöten sind, wie dies beispielsweise der Landkreis Verden vorbildlich praktiziere. "Das notwendige Landschaftspotenzial für den Steinkauz ist durchaus da", so Dr. Exo von der Vogelwarte.

Obstbaumwiesen als Lebensraum für Steinkäuze
Sabine Fortak von der Arbeitsgemeinschaft Streuobst aus Königslutter und Norbert Haiduk vom Landschaftspflegeverband des Landkreises Wolfenbüttel zeigten die wichtigsten Aspekte zum Thema Obstbaumwiesen auf. So sind in Südostniedersachsen die Steinkäuze aufgrund des intensiven Ackerbaus bereits verschwunden. Nur auf den Obstbaumwiesen könnten sie noch einen Lebensraum finden. So wird im Raum Wolfenbüttel / Braunschweig ein Pflege- und Vermarktungskonzept auf regionaler Ebene praktiziert, bei dem durch die Vermarktung reinen Streuobstwiesen-Apfelsaftes der Erhalt, die Pflege und Neuanlagen von Streuobstwiesen finanziert wird. Entscheidend hierbei ist, dass der in Sonderpressungen gewonnene hochwertige Apfelsaft auch einen ausreichenden Bekanntheitsgrad erreicht und so genügend Abnehmer findet. Angeboten zum Selbstkostenpreis und erhältlich bei den Naturschutzverbänden oder in vielen Naturkostläden, „hat allein der unvergleichliche Geschmack bisher noch jeden überzeugt“ weiß Norbert Haiduk. Zur Vermittlung oft fehlender Kenntnisse bei der Pflege von Hochstammbäumen werden von den Naturschutzverbänden zudem regelmäßig Baumschnitt-Kurse angeboten, die in der regionalen Umweltzeitung des Umweltzentrums Braunschweig veröffentlicht werden.

 

20. Februar 2002
Betreuung der Amphibienwechsel in Braunschweig - Information und Einweisung von freiwilligen Helfern

(Braunschweig) - Informationsveranstaltung des NABU und der Abteilung Umweltschutz der Stadt Braunschweig.
Beginn 19.00 Uhr im Freizeit- und Bildungszentrum (FBZ), Nîmesstraße 2, 1.Stock, Atelier.

Interessierte Amphibienschützer, die an einer Teilnahme an der Informationsveranstaltung verhindert waren, können sich auch nachträglich in der NABU Geschäftsstelle melden, Tel.: 0531 - 79 86 49.

 

20. November 2001
Feldschlößchen-Naturschutzpreis für den NABU Braunschweig
"50 Jahre Artenschutz für Vögel auf den Braunschweiger Rieselfeldern" mit Hauptpreis gewürdigt

(Braunschweig) - Am 19.11.01 wurde die NABU-Bezirksgruppe Braunschweig für "50 Jahre Artenschutz für Vögel auf den Braunschweiger Rieselfeldern" mit dem Hauptpreis des Feldschlößchen-Naturschutzpreises 2001 ausgezeichnet. Wir nehmen diese Preisverleihung zum Anlass, hier kurz über die avifaunistischen Aktivitäten unserer Bezirksgruppe auf den Braunschweiger Rieselfeldern zu berichten:

Die heutige Bezirksgruppe Braunschweig im Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) entstand bereits 1908 als Ortsgruppe des damaligen Bundes für Vogelschutz und wurde nach Kriegsunterbrechung 1952 als Gruppe im Deutschen Bund für Vogelschutz (DBV) wieder gegründet. Sie ist mit ihren jetzt über 1300 Mitgliedern seit rund 50 Jahren auf praktisch allen Gebieten des regionalen Naturschutzes und insbesondere des Vogelschutzes tätig.

Einer der Schwerpunkte unserer vielfältigen Arbeiten ist der Artenschutz für die Vogelwelt auf den Braunschweiger Rieselfeldern. Seit über 50 Jahren werden die dort vorkommenden Vogelbestände von zahlreichen ehrenamtlichen Mitarbeitern erfasst und dokumentiert. Hierdurch konnte die Bedeutung der Rieselfelder als eines der wertvollsten Brut-, Rast- und Überwinterungsgebiete in unserer Region besonders für Wat- und Wasservögel nachgewiesen und durch öffentliche Führungen und viele Veröffentlichungen auch in das Bewusstsein der Bevölkerung und Behörden gerückt werden.

Diese Grundlagenarbeit hat wesentlich dazu beigetragen, dass bei dem Bau eines Klärwerks und verschiedenen anderen wasserrechtlich notwendigen Maßnahmen die Belange der Vogelwelt mit berücksichtigt wurden und die Braunschweiger Rieselfelder für sie erhalten blieben. Für die gute Zusammenarbeit ist hier auch den Mitarbeitern des Klärwerks und der Stadt Braunschweig zu danken.

Auf Grund der durch unsere Daten nachgewiesenen auch international großen Bedeutung wurde im Jahre 2000 von der Niedersächsischen Ornithologischen Vereinigung (NOV) und dem NABU die Ausweisung der Braunschweiger Rieselfelder als EU-Vogelschutzgebiet beantragt. Damit wurde ein weiterer wichtiger Teilabschnitt unserer langfristigen Bemühungen zur Erhaltung und Fortentwicklung eines bedeutsamen Brut- und Rastgebiets für bedrohte Vogelarten abgeschlossen.

Detaillierte Erläuterungen zu "50 Jahre Artenschutz für Vögel auf den Braunschweiger Rieselfeldern" erhalten Sie in dem Aufsatz von F. Melchert, B. Hermenau und W. Oldekop im letzten MILVUS - Braunschweiger Beiträge zu Faunistik und Naturschutz, 20. Jahrgang 2001, Seite 1-6.

 

09.November 2001
Gemeinsame Pressemitteilung von NABU und GEWO

(Braunschweig) - Der NABU (vertreten durch den 3. Vorsitzenden C. Fuchs) und die GEWO Baubetreuung Immobilien GmbH (vertreten durch den Geschäftsführer H.-A. Gehricke) geben folgende gemeinsame Presseerklärung ab:

"GEWO und NABU haben sich bezüglich des sogenannte Hamsterschutzstreifens am Baugebiet Timmerlah/Hopfengarten in den letzten 2 Wochen in mehreren Gesprächsrunden auf eine für alle Seiten befriedigende Lösung geeinigt. Der von der GEWO gekaufte 10m breite Streifen am östlichen Rand des Baugebietes soll in der nächsten Woche notariell als Hamsterschutzstreifen festgeschrieben werden, und dies auch verbindlich und unwiderruflich für eventuelle Rechtsnachfolger. Das durchzuführende Pflegekonzept sowie dessen Finanzierung sollen in dem Notarvertrag ebenfalls geregelt und im Grundbuch eingetragen werden."

Der NABU ergänzt dies noch durch folgende Mitteilung:
Der Kaufvertrag zwischen der GEWO und dem Landwirt über den am östlichen Rand des Baugebietes liegenden 10m breiten Streifen enthält lediglich einen rechtlich nicht verbindlichen Passus, dass die „Zweckbestimmung“ des Streifens ein „Lebensraum für Hamster“ sei. Dies kann rechtlich jedoch auch lediglich als Absichtserklärung definiert werden und ist weder einforderbar noch ist dadurch eine dauerhafte Sicherstellung gegeben. So hätten z. B. im Falle einer Schenkung diese Streifens durch die GEWO an die Stadt Braunschweig dort statt dessen auch jederzeit Parkplätze entstehen können. Durch die jetzt vereinbarte und in Vorbereitung befindliche notarielle Absicherung wird zukünftig eine andere Nutzung des Streifen als für den Hamsterschutz unwiderruflich ausgeschlossen sein.

Darüber hinaus stellt der NABU noch folgende Sachverhalte richtig:

Die zur Presseerklärung des NABU vom 25.10.01 von dem BZ-Redakteur Herrn Dr. Jonscher durch eine Falschmeldung in der Titelzeile „Naturschutzbund will klagen“ ..... aufgemachte Berichterstattung hat inzwischen sowohl dem NABU ideellen und finanziellen Schaden zugefügt wie nach Mitteilung von Herrn Gehricke von der GEWO auch einzelnen Bauherren des Neubaugebietes.

Richtig ist, dass der NABU in seiner Presseerklärung vom 25.10. lediglich mitgeteilt hat, dass „die Bezirksregierung um Überprüfung der Rechtslage gebeten“ wurde und dass erst auf die Nachfrage von Herrn Jonscher selbst „Da müssen Sie aber klagen !?“ folgendermaßen von C. Fuchs wörtlich geantwortet wurde: „Erst einmal werden wir die Stellungnahme der Bezirksregierung abwarten und dann sehen wir weiter. Die Option zu klagen, werden wir uns aber selbstverständlich offen halten.“ .....

Darüber hinaus war in der Presseerklärung vom 25.10. im übrigen auch gar kein Baustopp für das ganze Baugebiet gefordert worden, wie von der BZ insbesondere in dem Nachfolgeartikel vom 31.10. mit der Aufmachung "Hamster stoppen Baugebiet nicht" vermittelt, sondern lediglich für die verbliebenen Randstreifen zu deren Sicherstellung.

In Bezug auf das vom NABU angeprangerte Fehlen von zusätzlichen Ersatzmaßnahmen für den Feldhamster wegen des Verlustes des Feldhamsterlebensraumes (sowie der Vermutung, das deshalb eventuell auch der geschlossene Vertrag nicht rechtskräftig sei) hat desweiteren insbesondere die in dem Nachfolgeartikel vom 31.10. abgedruckte Behauptung ..... „ Diese Darstellung entpuppte sich inzwischen als haltlos.“ dem NABU erheblichen Schaden im Ansehen zugefügt.

Richtig ist hier jedoch, dass in dem Bebauungsplan selbst ausdrücklich angeführt wird, dass die 2 Kompensationsflächen am Fuhsekanal (weit ab vom Baugebiet, und allein schon aufgrund dessen als ortsnahe Ersatzmaßnahme ausgeschlossen) lediglich der normalen Eingriffs- und Ausgleichsbilanzierung Rechnung tragen, also für das Versiegelung und den Funktionsverlust der Fläche. Eine ortsnahe zusätzliche Erhöhung der Ausgleichsfläche wegen ehemaliger oder potentieller Hamstervorkommen wird jedoch ausdrücklich nicht vorgenommen, sondern die Stadt soll hier für den Fall, dass doch noch Hamster vor Baubeginn dort festgestellt werden sollten, lediglich den besagten 10m breiten Streifen vorhalten !! Bedeutet: keine Hamsterfeststellungen noch vor Baubeginn hat keine ortsnahe Ersatzfläche für Feldhamster zu Folge! .....

Der NABU hat mit diesen Forderungen nach Richtigstellung im übrigen nur deswegen so lange gewartet und innerhalb der letzten Woche widerspruchslos "die Prügel der Leserbriefe" eingesteckt, weil der NABU aufgrund der aktuellen Berichterstattung prioritär eine weitere Gefährdung finanzieller Existenzen von Familien durch den drohenden Verlust von Baufinanzierungen aufgrund möglicherweise weiterer unrichtiger Berichterstattung verhindern wollte. Nach der heutigen gemeinsamen Presseerklärung von NABU und GEWO ist dies nun aber nicht mehr zu befürchten, weshalb nun endlich auch die überfällige Pressemitteilung vorgenommen werden konnte.

Carlo Fuchs
(3. Vorsitzender und Pressereferent)

 

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